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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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T-aMMlB3»!»g HSMCaagl S«te 848 Vro BloEs Wvchrnf^aM> Rr. 20 tionsgesuche. Schon die Quantitäten sind nicht mehr zu bewältigen. ES werden Vereine ad hoc gegründet, lediglich zu dem Zwecke, um eine Subvention vom Vorstände zu erhalten. Würde aber der Antrag der V. Sektion überwiesen, so wäre er begraben oder ad graecas calendas vertagt. Referent erklärt aber, dem Anträge des Herrn Direktor T a u s s i g sich nicht zu widersetzen, wenn der verehrte Herr Präsident die Güte hätte, dafür zu sorgen, daß die Beschlußfassung und Erledigung noch vor Beginn der Sommerferien erfolge. Bei der Abstimmung wird der Antrag Taussig einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Zur Berathung gelangt sodann der Dringlichkeitsantrag. Antrag von Dr. Alfred Stern und Genossen: Am 2. Nissan d. I., das ist am 22. März, sind es 75 Jahre, seitdem der Stadttempel eröffnet wurde. In einer abschüffigen Seitengaffe des abseits liegenden Kienmarktes wurde das jüdische Gotteshaus gebaut, welches sich aus Rücksichten auf die Staatsreligion bescheiden hinter den nüchternen Mauern eines Zinshauses verbergen mußte. Aus der damals in Wien befindlichen »Judenschaft" in einer Anzahl von kaum 2000 Tolerirten und Schutzjuden hat sich im Laufe dieser 75 Jahre eine Cultusgemeinde von 150 000 Juden entwickelt. Dem Opfersinn ihrer Mitglieder danken wir, daß allenthalben auf dem Gebiete dieser Gemeinde Wohlthätigkeits- und gemeinnützige Institutionen errichtet wurden; leider ist aber gerade hinsichtlich jener Institution, welche die wesentlichste Aufgabe der Cultusgemeinde bildet, nämlich der Einrichtung des Gottesdienstes, der Errichtung von Stätten, die der Gottesverehrung gewidmet sind, die Gemeinde sehr rückständig geblieben, indem während dieser 75 Jahre von ihr nur ein Bethaus, der Tempel im II. Bezirke gebaut und selbst dieser bezüglich seiner inneren Gestaltung erst in den letzten Jahren vollendet wu^de. Durch die Opferwilligkeit einzelner Gemeindegenossen gebildete Privatvereine konnten den sich fühlbar machenden Bedürfnissen nur nothdürftig abhelfen. Es mangelt in unserer Stadt in dem von Zehntausendeu Juden bewohnten ersten Bezirke an einem Gotteshause, welches durch seine Größe, durch Ausführung und Lage erkennen ließe, daß es das Gotteshaus der G'sammtgemeinde vorstellt. Wollen Sie, geehrte Herren, sich vor Augen halten, daß wir eine „Eultrrs"-Gemeinde zu leiten, daß der Cultus, der Gottesdienst unsere erste, und wenn die Mittel zu weiteren Zwecken nicht ausreichen, unsere einzige Aufgabe ist, für die wir zu sorgen haben; übersehen wir nicht, daß es ein Unrecht ist, wenn dem überwiegenden Theile der zahlreichen, nicht blos für den Gemeindehaushalt wichtigen Judenschaft der inneren Stadt geradezu die Möglichkeit fehlt, an den hohen Feiertagen dem Gottesdienste beizuwohnen, und daß wir, der Vorstand der Cultusgemeinde, indem wir über diese Thatsache gleichmüthig hinweggehen, dem religiösen Jndifferentismus in die Hände arbeiten und unsere Pflicht verletzen. Es wird demnach beantragt: 1. Es sei die Errichtung eines monumentalen Tempels in der inneren Stadt als nächste und dringendste Unternehmung der Cultusgemeinde zu beschließen. 2. Für diesen Tempel ist der Faffungsraum des Leopoldstädter Tempels in Aussicht zu nehmen. 3. Es ist ins Auge zu fassen, daß. wenn thunlich, in Verbindung mit diesem Tempel ein der Cultusgemeinde würdiges, die uothwendigen Berathungs- und Kanzleiräume enthaltendes Administrationsgebäude errichtet werde. 4. Das Baucomits wird beauftragt, binnen 4 Wochen zu berichten, welche Bauplätze in der inneren Stadt für obige Zwecke zur Verfügung stehen und welche Summe die Anschaffung derselben beanspruchen würde. Antragsteller Vicepräsident Dr. Alfred Stern begründet den Antrag: Wir kommen soeben von der Confirmationsfeier; der Tempel war in allen Räumen überfüllt. Jeder sah, daß er den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. An Feiertagen ist ein lebensgefährliches Gedränge, namentlich beim Maskir- Gottesdienst, trotzdem er zweimal abgehalten wird. In allen Bezirken entstehen Vereine, welche entsprechende Gotteshäuser aufführen, nur für den L Bezirk, dem Wohnsitze jener jüdischen Familien, auf deren Zugehörigkeit zum Judenthum wir das größte Gewicht legen sollen, ist seit 75 Jahren nichts geschehen. Die Frage wurde mehrfach angeregt, hat wiederholt maßgebende Kreise beschäftigt, ohne daß man einen Schritt weiter gekommen wäre. Bald verlangte man eift die Sicherung eines geeigneten Bauplatzes, bald wünschte man vor Allem die Sicherung der finanziellen Mittel. Allein wir können uns der Aufgabe nicht entjchlageu, weil wir in erster Linie eine Cultus gemeinde bilden. Redner beantragt deswegen mit den weiteren Maßnahmen zur Durchführung des Antrages ein Bau- und Finanzcomite zu betrauen. Cultusvorsteher Herr Theodor Ritter v. Taussig will gerne anerkennen, daß der Bau eines neuen Tempels für den I. Bezirk wünschenswerth sei. Ebenso wünschenswerth und vielleicht noch dringender wäre der Bau eines neuen Administrationsgebäudes. Die heutigen Gemeindelocale entsprechen nicht der Stellung und Aufgabe der Wiener Gemeinde, bieten sogar physische Hindernisse für das Wirken im Dienste der Allgemeinheit. Redner stellt den Antrag, daß ein Comite eingesetzt werde, welches die Frage zu studieren und Bericht zu erstatten habe. Dem Wortlaute des Antrages indeß zuzustimmen, ist er nicht in der Lage. Er vermag nicht den Tempelbau als »nächste und dringendste" Aufgabe anzuerkennen und er halte es auch nicht für an der Zeit, schon über den Fassungsraum des eventuellen Tempels einen Präjudicirlichen Beschluß zu fassen und für die Auswahl des Bauplatzes eine vierwöchentliche Frist zu stellen. Herr Cultusvorsteher Wilhelm K u f f n e r unterstützt den Antrag des Herrn Theodor Ritter v. Taussig. Wir können ein Comite einsetzen, um die Frage zu Prüfen, nicht aber den Beschluß zu fassen, den Tempelbau zu unternehmen, ohne daß wir noch wissen, ob wir die Möglichkeit haben werden, den Beschluß auszuführen. Cultusvorsteher Eltbogen leugnet nicht die Nothwendigkeit eines neuen Tempels für den I. Bezirk, allein in den äußeren Bezirken ist die Nothwendigkeit größer. Der Tempel in der Seitenstettengasse ist beim Sabbath-Gvttesdienst regelmäßig leer, dagegen sind die Gotteshäuser in den äußeren Bezirken stark frequentirt. Sache der einzusetzenden Comitßs wird es sein, die Frage zu erwägen, ob und wo der Bau eines neuen Tempels dringlicher sei. Präsident kaiserl. Rath K l i n g e r bemerkt gegenüber dem unmittelbaren Vorredner, daß der Wunsch, in der Inneren Stadt einen neuen monumentalen Tempel zu besitzen, für den Vorstand kein Novum sei, sondern seit vielen Jahren immer vom Neuen auftauche. Man habe sich jedoch gesagt, daß es nothwendig sei, die Realisirung dieses Wunsches zunächst zurückzustellen und vorerst jene Bezirke zu bedenken, in denen eine größere Anzahl unserer minderbemittelten Glaubensgenossen, wie beispielsweise in der Brigittenau, wohne. Thatsächlich haben wir namhafte Beiträge geleistet für die Tempelbauten in der Brigittenau, Favoriten und Simmering. Nun werde es allerdings an der Zeit sein, dem Gedanken eines neuen Tempelbaues in der Centrale, der Inneren Stadt, näherzutreten. Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer hält den Bau eines Tempels im I. Bezirk für die würdige Repräsentation der Gemeinde wohl für wünschenswerth, ein wirkliches Bedürfniß nach einem neuen Tempel ist nicht vorhanden. Sorgen wir dafür, daß man nicht gezwungen ist, an den hohen Feiertagen in Localen zu beten, die das ganze Jahr zu Tingel-Tangel dienen. Cultusvorsteher Abgeordneter Au spitz: Wenn man nicht weiß, was man will, setzt man ein Comite ein. An der Möglichkeit, einen geeigneten Bauplatz zu erwerben und die Konen mittels eines Anlehens aufzubringen, ist nicht zu zweifeln. Wichtiger ist, die Frage der Nothwendigkeit zu prüfen und darüber schlüssig zu werden. Wir haben bereits in unserer Mitte diese Frage verneinen gehört. Unser jetziger Tempel in der Seitenstettengasse ist ein eigenartiger Bau, von dem man nicht sagen darf, daß er der Würde der Gemeinde nicht entspreche. Noch in hundert Jahren wird er als Bijoux aus der Empirezeit sehenswürdig sein. Für Kanzleizwecke ließe sich ein Haus erwerben mit geringeren Mitteln. Nur wenn es die Aufgabe des Comitös sein soll, auch die Frage der Nothwendigkeit zu prüfen, würde sich Redner mit der Bestellung eines solchen einverstanden erklären. Cultusvertreter Dr. Maximilian Steiner schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Cultusvorsteher Wilhelm K u f f n e r : Aufgabe des Comites wird es allerdings sein, die Opportunität und die Dringlichkeit des projectirten Tempelbaues zu prüfen und in den Kreis seiner Erwägungen zu ziehen, nicht allein ob wir ein Anlehen erhalten, sondern ob wir auch in der Lage sind, das Anlehen zu verzinsen und zu amortisiren. Mit dieser Aufgabe möchte ein Comits ad hoc betraut werden. Cultusvorsteher Herr Theodor Ritter v. T a u s s i g erinnert daran, daß er gegen die Nothwendigkeit und Dringlichkeit des projectirten Tempelbaues sich ausgesprochen hat. Der Plan schien ihm wünschenswerth lediglich vom Standpunkte einer würdigen Repräsentation, aber nicht auf Kosten der Gemeinde aus dem Säckel der Steuerträger. Der

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