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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Seite 839 ..iw-id > - »••äjmwavai aimrwnmnatKnrmmm ,n.«. ansaw,*; Dr. BLvch's Wochenfchrist. Es ist das Verdienst unseres Vorstandsmitgliedes Herrn Dr. Marcell H o f f m a n n (lautes Bravo), dieser verhängnißvollen Theorie publicistisch entgegentreten zu sein; unter Einsetzung seiner Persönlichkeit, mit ebensoviel Mannesmuth als Ueberzeugung und Begeisterung ist er für die Ehre unseres Stammes, für historische Wahrheit, wie für unsere Rechte eingetreten und hat sich ein Anrecht auf unseren Dank erworben, den ich ihm hiemit namens des Politischen BolksvereineS ausspreche. (Lebhafte Beifallskundgebung.) In diesem Sinne, falsche Doctrinen abwehrend und nach Möglichkeit für Verständigung und Einheitlichkeit in dem nationalen Leben unseres Stammes wirkend, wollen wir auch fernerhin unsere Thätigkeit entfalten, eingedenk des von unseren Propheten verkündeten Wortes, daß es Gottes Wille sei, „daß das Recht Hervorbreche wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Fluß". (Langanhaltender, sich erneuernder Beifall.) Der Vorsitzende eröffnet nunmehr über den von ihm in freier Rede erstatteten Bericht die Discussion, in welcher als erster Redner Bezirksrath W a l d st e i n das Wort ergreift. Redner anerkennt dankbar die Thätigkeit des Vereines, welcher, seinerzeit als „Israelitischer Wählerverein" unter seiner Mitwirkung gegründet, der älteste confessionelle politische Verein Wiens sei und unter dem jetzigen, seit 1895 bestehenden Präsidium einen so bedeutenden Aufschwung genommen habe; die von dem Präsidenten erstattete gehaltvolle Revue biete eine glänzende Orientirung und er empfehle, auch acute Themata, so z. B. d'e dermalen häufig stattfindendeu verhetzenden Kanzelreden, in Behandlung zu ziehen; Redner schließt mit dem beifälligst angenommenen Anträge, dem Präsidium den Dank und dem Gefammtvorstande die vollste Anerkennung auszusprechen. Der nächste Redner, Herr Dr. Julius Werner, als Gast, erklärt sich als Z i o n i st und nimmt Stellung gegen die von dem Präsidenten gegen Max Vorbau gerichteten Bemerkungen, der Aehnliches niemals gesagt habe und nur mit Absicht mißverstanden werde. Redner erklärt zur Vermeidung von Verwechslungen, daß er nicht der ehemalige Redacteur der „Welt" gleichen FamilieMiamens sei und auch nur für seine Person gesprochen habe. Religionslehrer Dr. B u x b a u m verweist auf den Unterschied zwischen den blos die volle Wahrheit reproducirenden und eben darum ein gefürchtetes Kampfesmittel bildenden Enthüllungen aus den Jesuitenschriften und zwischen den mißbrauchten Citaten aus dem Talmud, welche meist nur mit Fälschungen sich beschäftigen und darum verwerflich seien; für wahrhafte Enthüllungen aus unseren Schrrftthümern könnten wir nur dankbar sein. Zur Erwiderung an Herrn Dr. Werner nimmt das Wort Herr Dr. Marcell Hoffmann beiläufig in folgender Weise: „Es ist immer ein Zeichen innerer Unwahrheit einer Theorie und das sicherste Merkmal ihrer Haltlosigkeit, wenn ein Gedanke, der in die Massen hinausgeschleudert, aber zurückgewiesen wird, von seinem Schöpfer und dessen Nachbetern nicht anders vertreten werden kann, als dadurch, daß der große Geist nicht verstanden werde. Ich aber sehe in dieser Ghetto-Theorie vom Geiste nicht die Spur — denn Alles ist Dressur! Diese Dressur will Dr. N o r d a u in Verbindung mit seinem „ihm in gesinnungsgenösslscher Treue und Dankbarkeit ergebenen" Freunde Dr. Herzl aus unser Volk dahin anwenden, das dasselve blind und urtheilslos dem Terrorismus dieser Führer sich beuge und, hypnotisirt von dem „unverstandenen Geiste" seiner Führer, ihnen folge. Wohin? In das Freiland des Atheismus und der E n t j u d u n g! Zur Begründung dieses von mir bereits in einer Serie von Artikeln erhobenen schweren, aber nicht widerlegten Borwurfes führe ich heute ein ganz neues Argum-nt ins Feld. Dr. Nordau und Dr. Herzl sind die beiden großen Politiker des Zionismus, und da mit der Politik allein das Judenthum als Confession doch nicht weggeschafft werden kann, so daben die beiden Herren sich auch einen geistlichen Beralher in der Person des Rabbiners Dr. I. Rülf in Bonn beigesellt,. der aus dem Rüstzeuge des jüdischen Schristthums ihnen helfen solle, die Waffen zur Entjuoung des Judenthums und zur Aufrichtung eines rein nationalen und c o n f e s s ionslosen Judenthums, das ist des p o l i t i s ch e n Zionismus Nordau-Herzl'scher Couleur zu schmieden! Da hat nun dieser geistliche Inspirator, als ich während der letzten Monate den schweren Kampf gegen Dr. Max Nordau und gegen Dr. Theodor Herzl und gegen deren wahnsinnige, auf die politische Entrechtung der Juden und auf die Entconfessionalisirung derselben abzielende Theorien geführt hatte, in seinem in der „Welt" vom 8. Februar l901 erschienenen Aufsatze: „Sind wir noch Juden?" die ganz ungeheuerliche und von einem Rabbiner geradezu unglaubliche These aufgestellt: „Die Gesetzlichkeit ist gar nicht das Fundament des Judenthums, sondern Ne Nationalität, und es kann sehr wohl ein Judenthum als reine Nationalität ganz ohne Gesetzlichkeit gedacht werden." Da wären wir also beim atheistischen oder auch beim konfessionslosen Judenthum, — oder auch beim christlichen Volke jüdischer Nation! (Bewegung.) Diese Heilslehre des Zionismus, die von einem zionistischen Rabbiner als dem Dritten im Bunde mit Nordau und Herzl gepredigt wird, ist doch wahrhaftig die mit erschreckendster Deutlichkeit ausgesprochene Entjudung des Judenthums! — Sie ist die Lehre, die nach den schriftstellerischen Enunciationen Dr. Nordau's, in denen er das Dasein Gottes leugnet und jede Religion und jede religiöse Handlung als „Narrenpoffen" verspottet, — unbedingt zur Lehre Sabbatai Zewi's und Jakob Frank's und mit logisch zwingender Folgerichtigkeit zum atheistischen, oder zum confeffionslosen oder zum christlichen Zionismus führen muß, — sie ist dieLehre vom christlichen Volke jüdischer Nation! Wenn auch Herr Dr. Herzl fich um die Verbreitung der Kenntniß der hebräischen Sprache bemüht, so beweist das gar nichts, weil auch jeder christliche Gymnasiast in Deutschland die hebräische Fibel genau so studirt. wie Dr. Herzl selbst jetzt mit heißem Bemühen im Lesen der Quadratschrist seine müde Seele quält — und weil auch Jakob Frank, nachdem er Christ geworden, die Heilighaltung der Bibe». und des S o h a r predigte.- (Lauter Beifall.) Welche widerliche und empörende Consequenzen aber die Lehren dieser dreifachen Einfältigkeit Dr. Nordau, Dr. Herzl, Dr. Rülf in ihrem Gefolge haben, das zeigen die in Dr. Herl's „Welt" erschienenen Ruhmredigkeiten von den zionistischen Studenten in Berlin, die jetzt dort „gern gesehene Gäste in Pastorenhäusern Stöcker'scher Richtung seien." (Unwille.) — Das ist der craffe Widerspruch zwischen L'hre und That: Diese großen Herren wollen die Assimilation bekämpfen, und nun führen sie diese selbst herbei! — Das find die Früchte dieses Zionismus und des groß-n, unverstandenen Geistes seiner Lehrer, vor denen ich immer wieder gewarnt haben will. Ich werde in meinem Kampfe gegen diese Verwüster de- Weingartens des Herrn nicht ermüden. Mögen Dr. Herzl und Dr. Nordau beim nächsten Congrrsse fich auch deffen rühmen, welche Einbrüche ihnen in die jüdischen Gemeindestuben und deren verschiedentliche Institutionen durch allmälige Jnfiltrirung derselben durch ihre Jünger und Anhänger im letzten Jahre gelungen seien, — wir müffen auf der Warte bleiben, wir dürfen die Waffen nicht niederlegen, bis es uns gelungen ist. die Bethörten und Jrregeiührten wieder zurückzubringen und auf den rechten Weg zu weisen, auf welchem dre Reinheit des Zionsgedankens von falschen Propheten nicht getrübt werden kann. (Allseitiger stürmischer Beifall.) Nachdem noch zwischen den einzelnen Sprechern Reden und Gegenreden gewechselt und von dem Vorsitzenden Herrn Doctor Fialla Richtigstellungen vorgenommen wurden, stellt Herr Redacteur Dr. Bloch den Antrag, den vortr-fflichen Bericht des Präsidenten dank nd zur Kenntmß zu nehmen und diesem sowie dem Vorstande für die zweijährige Berichtsperiode — 1899 und 1900 — das Absolutorium zu ertherlen. Dieser Antrag wird un er lauten Beifallsbezeugungen e i n st i m m i g angenommen und sohin auch der von dem Caffarevisor H-rrn Moritz Baum verlesene Caffabericht ohne Debatte einstimmig genehmigt. Bei den nun folgenden Wahlen in den Vorstand wird Herr Dr. Fialla abermals per ueelLMLtioQelli zum Bereinspläsidenten gewählt, der unter einigen Dankesworten für diesen neuerlichen Vertrauensbeweis das siebente Jahr dieser seiner Amtsführung antritt. Zu den Vorstandswahlen gibt der Borsitz-nde die Anregung, die Wahl diesmal auf fünf Mitglieder zu beschränken und vier Mandate späteren Combinatione r vorzubehalten. Die hierauf

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