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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Blocht Wv^wnschrM» Seite 337 Nachwuchs zur sorgen und nach dieser Richtung mit größtem Erfolge thätig ist. Während die diesbezüglichen Bestrebungen in Rom und Livorno vollständig fehlschlugen, entwickelt sich das Seminar in Florenz in erfreulicher Weise, ergänzte den Personalstand des Lehrercollegiums durch tüchtige Gelehrte, so daß das spaniolische Judenthum mit Befriedigung auf dieses Institut blicken darf. Auch die ungünstige finanzielle Lage des Institutes dürfte sich im Laufe der Zeit durch die Munificenz von Gemeinden und Privaten erheblich bessern. Auch die türkisch-israelitische Cultusgemeinde in Wien hat dem Seminar eine Jahressubvention zugesagt und erwirbt sich damit das Verdienst, an der Hebung des religiösen Lebens in den ältesten Sephardischen Gemeinden Europas und an der Förderung der jüdischen Wissenschaft in einem alten Culturcentrum mitzuwirken. Vie Generalversammlung des Politischen Volksvereines.*) welche, am 23. April d. I. in Khuner's Localitäten unter dem Vorsitze des Vereinspräsidenten Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Herrmann F i a l l a stattgefunden hat, überschritt weitaus den üblichen Rahmen formaler Berichterstattung und statutengemäßer Geschäftsbehandlung — sie führte vielmehr, anknüpfend an eine Stelle des vom Vorsitzenden erstatteten Rechenschaftsberichtes, zu einer lebhaften und interessanten Erörterung der Frage des politischen Z i o n i s m u s, der man bisher — mit Unrecht — in den Versammlungen unserer Vereine geflissentlich auszuweichen schien. Wir sagen: mit Unrecht, — denn weder ist diese Frage so bedeutungslos, um ignorirt werden zu können, noch ist sie einwandfrei genug, um nicht einer Klärung, und dafern schon von gegnerischen Parteien gesprochen werden soll, nicht einer Verständigung der letzteren zu bedürfen. Und da erachten wir allerdings die Versammlungen der jüdischen Vereine für den geeigneten Boden, auf welchem der Meinungsaustausch und, wenn nöthig, der geistige Kampf der berufenen Männer und Wortführer stattzufinden hätte, um nach Ausscheidung alles dessen, was als fehlerhaft, ungesund, als Verirrung erkannt wird, zu einer e i nheitlichen Sammlung aller Kräfte zu gelangen, gewidmet dem Allen gemeinsamen Ziele: der Aufrichtung und Verherrlichung, der Wiedererstarkung und Anerkennung, der Wohlfahrt und dem Fortschritte des gesammten Judenthums. Die Generalversammlung selbst nahm einen bewegten Verlauf. Unter den Anwesenden bemerkten wir zahlreiche Mitglieder des Wiener Cultusvorstandes, wie die Herren Bicepräsident Dr. Gustav K o h n, Architekt Max Fleischer, Oberfinanzrath Rappaport, Ingenieur Edler v. Mises, Director Simon, Dr. Marcus Spitzer, ferner die Herren kaiserl. Rath Dr. Lieben, Ortsschulrath S. Heit, Bezirksrath W a l d st e i n, Blindeninstituts-Director Heller, Schriftsteller Dr. Bloch, Rabbiner Dr. G e l b h a u S und den gesammten BereinSvorstand nebst dessen Beiräthen. Der Vorsitzende, Herr Dr. F i a l l a, eröffnet die Versammlung mit einer herzlichen Begrüßung und Constatirung ihrer ordnungsmäßigen Einberufung, sowie ihrer Beschlußfähigkeit und übergeht dann zur Erstattung desVorstandsberichtes, welcher sich auf die Bereinsjahre 1899 und 1900 bezieht. MM Einen diese Epoche umfaffenden Rückblick werfend auf die geschichtlichen Begebenheiten einer- und auf die innerpolitische, vaterländische Entwicklung andererseits, betrachtet Redner insbesondere jene zwei großen welthistorischen Ereignisse kriegerischer Natur, welche, in ihrem Verlaufe noch lange nicht abgeschloffen, auch noch kein Endurtheil über ihre Tragweite und ihre Wirkungen gestatten. „Vermöge unserer traditionellen freiheitlichen Gesinnung und unserer eigenen ruhmvollen Heldengeschichte begleiten wir mit theilnahmsvollem Interesse das blutige Ringen eines todesmuthigen Freiheits- und Heldenvolkes gegen beutegierig« Vergewaltigung, welches sich großartig und erhebend im Süden des dunklen Welttheiles vollzieht. Unaufhaltsam allerdings erscheint das Berhängniß, und einen wahrlich nicht neidenswerthen Triumph wird der starke, in seinen Machtmitteln unerschöpfliche Brite davontragen über das in seinem zähen Heldenmuthe an *) Wegen Raummangels in unserer letzten Nummer erfolgt der Bericht verspätet. Anm. d. Red. antike Größe und Vaterlandsvertheidigung gemahnende Bauernvolk der Buren. Und selbst die Erkenntniß vermag unsere Bewunderung nicht zu schmälern, daß dieses Volk sich eigensinnig und engherzig gegen jedes andere confessionelle und politische Element abschloß, — es hat vielmehr für uns seinen besonderen Reiz, daß der greise bigotte Präsident dieses Freistaates den Trost, das Vertrauen und die Erhebung für sich und sein Volk gerade aus den unversiegbaren Quellen jenes Schriftthums schöpft, welches wir als unsere Lehre, als unsere Religion bekennen. (Lebhafter Beifall.) Mit ganz anderen Gefühlen, mit einer gewiffen schmerzlichen Verwunderung sahen wir jenes zweite welthistorische Ereigniß sich entwickeln, welches, veranlaßt durch ein schweres Verbrechen des chinesischen Reiches gegen das Völkerrecht, in jener merkwürdigen international - europäischen Expedition nach dem fernen Oftasien besteht, welche in diese weiten, uns schier unbekannten Welten Toleranz und Civilisation tragen zn wollen vorgibt, — Tugenden, an denen es daheim bei uns vielleicht nicht viel weniger mangelt, als dort in Peking und am Tientsin! (Zurufe: „Sehr richtig, allgemeiner Beifall.) Und während sie rüsteten zu dem großen Rachezuge, bei dem kein Pardon gegeben wird, um die chinesischen „Boxer" zu bestrafen, welche Fremde verfolgten und vertrieben, vergaßen sie gänzlich an die vielfachen heimischen „Boxer", welche gleichberechtigte Mitbürger bedrängen und entrechten, und denen seltsamer Weise immer „Pardon" gegeben wird. (Bewegung, stürmische Zustimmung.) Doch siehe, bevor sie noch heimkehren siegbeladen diese überchinefisch-assimilirten Culturträger europäischer Provenienz, hat sich hier, in Deutschland wie in Oesterreich, eine bemerkenswerthe Frontveränderung vollzogen: Als ob es sich um racenwidrige Juden handeln würde, erhebt sich gegen den übermächtigen katholischen Clericalismus und die mit ihm verbündeten „Christlich-Socialen" aus der christlichen Mitte eine heftige Bewegung, gegen deren „Abwehr" und Bekämpfung wir diese Träger der Reaction genau so in Erbitterung und Kampfesstellung finden, wie wenn wir Juden unsere ehrenwerthen Antisemiten „abzuwehren" bemüffigt sind, — allerdings nicht gerechnet die natürliche Macht und den mächtigen Schutz, deren sich diese armen Bedrängten zu erfreuen haben. Und doch, wenn wir sehen, wie gegen diesen reactionären Clericalismus mit Interpellationen losgegangen wird, ist es wie ein Abklatsch der Methode, die Schneider und Consorten gegen das Judenthum geschaffen, — allerdings nicht gerechnet den Unterschied zwischen historischer Wahrheit, die dort, und bewußter Fälschung, die hier zur Anwendung gelangt (allseitiger Beifall); und wenn wir lesen, wie dieser Clericalismus sich aufbäumt gegen die wider ihn geführten Attaquen, so hört es sich wie Kampfesruf und Anklage jüdischer Entrüstung, die sich gegen christliche Bedränger erhebt. Gestatten Sie mir — fährt Dr. F i a l l a fort — Ihnen eine kleine Probe aus den allerletzten Tagen vorzuführen, die ich deutschen Originalquellen entnehme. Da hat neulich in Köln eine gewaltige Protest-Katholikenversammlung stattgefunden, in welcher sich unter Anderen ein würdiger Dompropst vernehmen läßt, wie folgt: „Wir sind Katholiken. Als solche greift man uns an und sagt von uns, wir seien nicht wahre Staatsbürger des Landes, zu dem wir gehören. Ich für meine Person bekenne es offen, daß ich mit Herz und Seele meinem katholischen Glauben angehöre, aber ich weise jeden als niederträchtigen Verleumder zurück, der mich umdessentwillenundeutsch nennen will." Klingt das nicht wie die gegen uns angewandte Theorie vom Wirths- und Gastvolk, wie die uns Juden gegenüber versuchte Ableugnung unseres Patriotismus? (Sehr richtig!) Und weiter spricht der Dompropst: „Das feste und mannhafte Auftreten für seinen Glauben erfordert ein ernstes und entschiedenes Zurückweisen jeder Verkleinerung, jeder Verunglimpfung, jeder Verleumdung, jeder Verlästerung desselben. Ob diese geschieht durch Personen, durch die Presse, durch Bücher und Schriften, das muß uns gleich sein, hier gilt es nicht, liebäugeln, hier gilt es, für seinen Glauben eintreten. Daß man es wagt, in offener und versteckter Weise uns anzugreifen, das liegt vielfach daran, daß diejenigen, die sich Katholiken nennen,

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