Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aKz~-aaaaica««tter üj»-.E» Nr. 20 Br» Blockes WochenjÄrrM Sette 335 in der That geeignet sind, tu der Bevölkerung eine Stimmung zu erzeugen, welche eine unheilvolle Entwicklung der Dinge befürchten läßt. Aber diese richtige Schlußfolgerung aus richtigen Prämissen bedroht nicht allein die clericale Partei Sind die Prämissen und der Schluß richtig, so sind die aus ihnen resultirenden Gefahren überall und für Jeden die gleichen, und wer die Gefahren nicht will eintreten lassen, der darf die Prämissen nicht dulden oder gar selbst veranlassen. Heute sind es die Clericalen, die für sich die unheilvollere Zeit als eine Folge aus den obgenannten Thatsachen Heranbrechen sehen — bisher waren es aber nur die armen Juden, welche aus den ganz gleichen Thatsachen das Unheil über sich ergehen lassen mußten. Gegen wen richtete sich bisher die Aufhetzung der Menge? Gegen die Juden. Gegen wen wurde tumultuöses Geschrei erhoben? Gegen die Juden. Gegen wen wurden öffentliche Drohungen ausgestoßen? Gegen die Juden. Gegen wen wurden die Volksleidenschaften aufreizende Schriften veröffentlicht? Gegen die Juden. Gegen wessen verehrungswürdige Gegenstände und Personen wurden öffentlich Unbilden begangen? Gegen jüdische. All das Unheil, das aus solchen Prämissen hervorgehen kann, ist in der That eingetroffen, und derjenige ist im Recht, der da urtheilt, daß die böse That fortzeugend Böses muß gebären. Allein, wenn dem so ist, und wenn man am eigenen Leibe nicht verspüren will, was so furchtbar wehe thut und was so unheilvolle Wirkungen hervorbringt, weshalb wendet man sich nicht gegen die Ursache im Allgemeinen, weshalb nur gegen die Ursache im Speciellen — wo es sich blos um eine Partei, nicht um die Menschheit, nicht um die Menschlichkeit handelt? Von wem sind aber all die Thatsachen bisher ausgegangen, deren Folgen nun als nnheilschwangere bezeichnet werden? Waren es nicht die Christlich-Socialen, die die Aufhetzung der Menge systematisch betrieben haben? Waren es nicht die Christlich-Socialen, deren tumultuöses Geschrei die öffentlichen Hallen, die Säle der Verwaltungskörper und der gesetzgebenden Gewalten erfüllte? Waren es nicht die berüchtigtesten Kampfhähne der christlichsocialen Partei, welche öffentliche Drohungen ausstießen? Von wem sind denn die wüthendsten, verlogensten, die Volksleidenschaften am meisten aufreizenden Schriften ausgegangen — wenn nicht von der christlichsocialeu Partei? Und hat nicht auch diese Partei mit den uuflüthigsten Unbilden verehrungswürdige Gegenstände und Personen Andersgläubiger öffentlich verunglimpft? So richtet sich denn der von der allermaßgebendsten Persönlichkeit ausgesprochene Tadel über die Thatsachen, die eine unheilvolle Zukunft verkünden, gegen jene Partei, welche sich in der anmaßungsvollsten Weise als die herrschende für Gegenwart und Zukunft bezeichnet, und wir haben diesem Tadel nichts hinzuzufügen, nichts von ihm wegzunehnun, denn er ist gerecht. Ist er gerecht, wenn er sich gegen eine den Clericalen feindliche Partei richtet, dann ist er auch gerecht, wenn dieselben Thaten von der christlichsocialen Partei begangen werden, und müssen die Thatsachen bei anderen bekämpft werden, so müssen sie auch in der christlichsocialen Partei ausgerottet werden. Was du nicht willst, daß dir geschehe, das thue du auch Anderen nicht. A. Wiener. Der Schwanengesang der jüdischen Hausirer. Wien, im Mai 1901. Das österreichische Parlament, das durch eine unausrottbar und unsanirbar scheinende Obstruction länger als drei Jahre zur Unthätigkeit verbannt war, ist wie mit kinem Schlage arbeitsfähig geworden und legt einen Eifer an den Tag, der zur Bewunderung herausfordert. Die lange untyätig gewesene Gesetzgebungsmaschine bat auf wirthschaftlichem Gebiete tiefe Spuren hinterlassende Schäden im Gefolge gehabt und die Reichsboten wurden gemahnt, daß es höchste Zeit sei, auf ihre Wähler bedacht zu sein. Nun wetteiferte man darin, den heimischen Wahlkreisen soviel als möglich Vortheile auf national-ökonomischem Gebiete zu sichern. Die Regierung hat vorläufig nur eine Milliarde für verschiedene Z'vecke ausgeworfen und das Parlament wird mit leichtem Herzen daran gehen, Milliardenschulden zu votiren. Wenn man Vieles bringt, entfällt auf Jeden etwas. Jede der vielen Parteien im Abgeordnetenhause hat sich für die betreffenden Wähler einen Vortheil ausbedungen. Die Czechen erhalten ihre Flußregulirung, die Deutschen die Canäle und die Tauernbahn, die Katholische Volkspartei das Margaringesetz. Damit auch die Antisemiten nicht leer ausgehen, soll wieder eine Novelle zum Gewerbegesetze geschaffen werden, die sich direct gegen die jüdischen Hausirer richtet, denen es weiter unmöglich gemacht werden soll, das Hausirgewerbe, das sie so kümmerlich ernährt, auszuüben. Wohl haben sich die jüdischen Hausirer tapfer gewehrt, allein ohne auch nur den geringsten Erfolg zu erzielen. Es scheint bei allen Parteien ein stillschweigendes Uebereinkommen getroffen worden zu sein, die jüdischen Hausirer zu opfern und damit den Antisemiten den Preis für die Cooperation auf parlamentarischem Gebiete zu bezahlen. Von keiner Seite ist ihnen eiye Hilfe erstanden. Die deutschsortschrittliche Partei läßt die Hinschlachtung tausender Existenzen ruhig gewähren, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Wohl haben wir jüdische Abgeordnete genug im Parlamente und auch solche Abgeordnete, die ihre Mandate jüdischen Wählern zu verdanken haben. Aber auch diese zeigen sich ohnmächtig, entweder deshalb, weil sie der Ansicht sind, daß ihr Widerstand fruchtlos bleiben müßte, oder weil sie sie den Mannesmuth und das Rückgrat nicht besitzen, ihren Glaubensgenossen in schwerer Zeit der Noth beizustehen. Und die jüdischen Hausirer! Diese haben es wohl bisher an Bitten und Flehen, an Jammern und Klagen nicht fehlen laffen, sie haben sich wohl organisirt und einen Verein zur Wahrung ihrer Jntereffen gebildet, es half aber Alles nichts, denn ihr Untergang war gewissermaßen besiegelt. All dies hat sie aber nicht muthlos gemacht, sie haben einen letzten Schritt gethan. sich vom Hungertode zu retten. In einer vorige Woche stattgefunoenen Versammlung faßten sie den Beschluß, eine Genossenschaft zur Wahrung ihrer Jntereffen und ihres von allen Seiten bedrohten und angefeindeten Standes zu errichten. Der Verein der Hausirer war bisher nur eine juristische Person, die Genossenschaft der Hausirer dagegen wird eine von dem Gesetze anerkannte Corporation bilden, die mit Machtmitteln ausgestattet ist und der die Verwaltungsbehörden nolens volens eine gesetzlich auferlegte Unterstützung angedeihen laffen müffen. Die jüdischen Hausirer haben allem Anscheine nach den richtigen Weg betreten, wo sie ihre Jammer- und Klagerufe ertönen laffen können, vor denen man kompetenten Orts die Ohren nicht wird verschließen dürfen, denen man freilich nur dann wird Gehör schenken, wenn sie richtigen Orts die erforderliche Unterstützung finden werden. Diese Unterstützung zu suchen und zu sichern, muß jetzt die Aufgabe der jüdischen Hausirer sein, die betreffende Adresse ist ihnen ja bekannt. Wir wollen diese Adreffe aus guten Gründen auzugeben unterlassen. Vorläufig dürften die jüdischen Hausirer eine kräftige Unterstützung an ihren arischen College» finden, denen es auch um Hals und Kragen geht, die ein Opferlamm bilden sollen, damit die Hinschlachtung ihrer jüdischen Leidensgenoffen plausibel gemacht uno motivirt werden kann. Gleichfalls vorige Woche hat eme Versammlung von Wiener, ausschließlich arischen Gebäcksträgern stattgefunden, die mit aller Entschiedenheit die Mahnrufe erhoben haben, daß, wenn die Regierung der Novelle des Gewerbegesetzes ihre Zustimmung gibt, sie außer Stande wären, ihre Familien und Angehörigen zu ernähren und daß sie dies dann dem Staate überlaffen müffen. Allerdings darf man sich der Illusion nicht hingeben, daß die arische Bundesgenoffenschaft geeignet sein könnte, die jüdischen Hausirer von dem ihnen zugedachten Schicksale zu retten, es ist vielmehr anzunehmen, daß man für die Arier eine Ausnahme machen dürste. Denn es ist im Rathe der antisemitischen Götter beschlossen, gegen die jüdischen Hausirer den Vernichlungskampf schonungslos usque ad finem durchzuführen, ohne Rücksicht darauf, daß mar. die ärmsten Existenzen trifft und sie erbarmungslos der Noth und dem Elende prelsglbt. Die jüdischen Hausirer dürfen aber in ihrer Abwehr nicht verzagen und erlahmen, sie müffen den Muth gewinnen, an