Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Date
- 1901-05-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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n<g»wMiwirw» ".wM«CTna gasraRiga Oette sS4 DV. Vlvttr^ Schneider, die derzeitige antisemitische Talmudautorität; von chm allein muß der Prinz Liechtenstein diese große Talmudlüge sich geborgt haben. Es wäre lächerlich, den Talmud gegen derlei unsinnige und leichtfertige Anschuldigungen, die völlig aus der Luft gegriffen sind, vertheidigen zu wollen. Seit je war die Stellung des Weibes und der Frau innerhalb der jüdischen Familie eine viel geachtetere als bei den arischen Völkern ohne Unterschied der Nationalität. Bibel und Talmud wetteifern zum Preise der Frau, und das jüdische Volk zählt in seiner Mitte nicht blos Heldinnen und Dichterinnen, sondern auch Prophetinnen und Richterinnen, welche an der Spitze des Staates seine Geschicke lenken. Nicht im Talmud, sondern beim heiligen Tertullian findet sich nachstehender Satz: „Weib, Du solltest stets in Trauer und Lumpen gehen, dem Blick Deine Augen voll Thronen der Reue darbietend, um vergessen zu machen, daß Du das Menschengeschlecht zu Grunde gerichtet hast." „Weib! Du bist die Pforte zur Hölle!" Es war keine Rabbinerversammlung sondern eine alte Kircheusynode, welche die Frage discutirte, ob das Weib denn auch als Mensch angesehen werden darf. Nein die Kloster-Affairen hängen offenbar nicht zusammen mit der Talmud-Moral, sondern eher mit der berühmten Liguori-Moral. Wir erinnern an das Treiben des P. Eberhard in Krakau mit der Rachel Stieglitz, die von dem genannten Geistlichen eine Zeitlang in einem Privathause uutergebracht war. Auch von ihr hieß es, sie habe sich aus Liebe zur katholischen Kirche geflüchtet. Nun hat das junge Mädchen durch Bestechung eines der Wächter ihren Ellern eine schriftliche Mittheilung in Mischen Schriftzeichen zukommen lassen, worin sie flehentlich bat, man möchte Alles an wenden, um sie aus der peinlichen Situation zu befreien. Selbstverständlich wurde sie von P. Eberhard sofort weggeschickt und anderweitig uutergebracht. Polizei und Gericht versagten den bekümmerten Eltern jeglichen Beistand, und die Mutter in ihrer Noth wandte sich an den, in dessen Gewalt sich ihr Kind befand, an den genannten P. Eberhard. Mit thranenfeuchten Augen bat sie ihn, chr zu sagen, was aus ihrer Tochter geworden sei und wohin man sie gebracht habe. „Sie sollen es wissen", gab er ihr zur Antwort, „wenn Sie sich vorerst taufen!" Ueber diese ttaurige Art, für die Ausbreitung der Religion zu wirken, will ich mich nicht äußern. Ich weiß nicht, ob es gerade ein Gewinn für die Kirche gewesen wäre, wenn die unglückliche Mutter dem Rathe des geistlichen Herrn ein williges Ohr gegeben hätte, ob sie in Erinnerung der Vorgänge und all des Elends, des schmerzlichsten, welches einer Mutter zugefügt werden kann — ein liebevolles Herz und eiueu empfänglichen gläubigen Sinn dem neuen Bekenntniß und seinen Organen entgegenbringen könnte. Allein nicht jeder Charakter ist so beanlagt, seine religiöse Ueberzeugung wie ein Trödler das alte Möbel zu wechseln, gegen neue, mehr moderne und prattischere einzutauschen. Die unglückliche Mutter vermochte nicht, selbst um den Preis der Wiedererlangung ihres heißersehnten Kindes, zu einem Treubruch sich zu verstehen. Zur Strafe ward ihr das Kind vorenthalten. Allein nicht blos jüdische, sondern auch protestantische Mädchen aus gut arischemHause werden in die Klöster gebracht. Von einem protestanttschen Bürger der Stadt Krakau erhielt der ehemalige Abgeordnete Dr. Bloch einen Brief, in welchem es hieß: „Ich bin in der Vaterstadt Luther's, in der Provinz Sachsen, geboren, evangelischer Confessio«, verheiratet, seit 1861 hier in Krakau naturalifirt, habe einen Sohn, welcher jetzt als Studiosus der evangelischen Theologie an der Wiener Universität weilt und eine Tochter Emma, geboren im Jahre 1865. Selbe ließ ich sorgfaltigst in einer Bildungsanstalt erziehen; das Unglück wollte aber, daß ich sie, damit sie in der französischen Sprache größere Fertigkeit erlange, im Jahre 1880 in ein hiesiges katholisches Kloster der Barmherzigen Schwestern gab, wo sie die Bekanntschast des Pater Eberhard und des Jesuitenoorstehers WocherMrM» Ar. 20 Langer gemacht hat. Man überredete das Kind, Katholikin zu werden und die Folge davon war, daß sie eines Tages, es war am 8. November 1682, plötzlich und spurlos verschwunden war. Meine Frau begab sich in größter Verzweiflung zu P. Eberhard, um ihn über den Aufenthalt meiner Tochter zu befragen. Er behauptete, davon nichts zu wissen, fügte jedoch hinzu, daß selbst wenn er es wüßte, er hierüber keinerlei Mittheilung machen würde; Wir sind wiederholt bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft und bei dem Bezirksgericht eingeschritten, allein ohne Erfolg. Es sind nunmehr über zwei Jahre und fünf Monate, seitdem wir unser Kind vergeblich suchen, ja sogar hier, beim Bezirksgericht, wurde uns bei Gelegenheit eines abweislichen Bescheides gesagt: ...„«In ein solches Bieuennest sei nicht gut zu stechen. . „Die Gesundheit meiner armen Frau wurde durch den erschreckenden Fall derart erschüttert, daß die Aerzte ernstliche Besorgnisse für ihren Geisteszustand hegten, und sie fiel für längere Zeit aufs Krankenlager. „Erbarmen sich Euer Wohlgeboren einer unglücklichen Familie, wenden Sie alles Mögliche an, um unser uns gewaltsam entrissenes Kind in unseren Familienkreis zurückzubringen. Hochachtungsvoll H. Morgenstern, Handels- und Kunstgärtner in Krakau" DieLeute haben das Kind seitdem nicht z u r ü ck e r h a l t e n, die Mutter wanderte ins Irrenhaus und den Vater hat vor Gram um sein Familienunglück ein noch traurigeres Geschick ereilt. Wir fragen den Prinzen Liechtenstein, ob an dem Unglück und dem Untergang dieser Familie die „dogmatischen Grundsätze des Talmuds" Schuld tragen? Da entrüsten sich die katholischen Abgeordneten über Jnterpellationeu, welche gegen die Lehrsätze der Jesuiten und gegen den Lebenswandel der Geistlichen gerichtet sind. Alles in der Geschichte hat seine eiserne Consequenz. Wenn clericale Abgeordnete im Parlament und in den Volksversammlungen gegen den Talmud und angebliche dogmatische Grundsätze des Judenthums schimpfen und verleumderische Anschuldigungen ausstreuen, dann wird aller Druck, den man auf den Präsidenten des Abgeordnetenhauses ausübt, nicht im Stande sein, ihn zur Unterdrückung der gegen den Clericalismus gerichteten Interpellationen zu — berechtigen. Vor dem Kreisgericht zu Leoben spielt sich gerade eine B e i ch t a f f a i r e ab, auf welche wir die Aufmerksamkeit des Prinzen Liechtenstein lenken. Seine besondere Schätzung junger Mädchenseelen nird P. Josef Kopf mit 6 Monaten schweren Kerkers büßen. Nein, die „dogmatischen Lehren" der Juden sind an den „Klosteraffairen" ganz unschuldig. Vom Jahrmarkt öp» Levens. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat erst jüngst bei einer feierlichen Gelegenheit seine Befürchtungen über die den Clericalen drohenden Gefahren kundgegeben und als Belege für die Berechtigung der Besorgnisse Thatsachen angeführt. Als diese Thatsachen wurden genannt: Aufhetzung der Menge, tumultuöses Geschrei, öffentliche Drohungen, die Volksleidenschaften aufreizende Schriften, gegen verehrungswürdige Gegenstände und Personen öffentlich begangene Unbilden. Wenn nun eine so competente Persönlichkeit in diesen Thatsachen die „häßlichen Anzeichen" erkennt, aus denen geschlossen werden müsse, daß „der unheilvollen Zeit eine noch unheilvollere folgen werde", so wird gewiß Niemand einen Widerspruch wagen und wir am allerwenigsten. Wir stimmen vielmehr vollkommen bei, daß die Aufhetzung der Menge, tumultuöses Geschrei, öffentliche Drohungen, die Volksleidenschaften aufreizende Schriften, gegen verehrungswürdige Gegenstände und Personen öffentlich begangene Unbilden