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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Date
1901-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. 20 Dr. Bloch’s Jahrgang XVllL Centrslorgsn für die gesammten Interessen des Indenthnms. -- - —^—----- , 17. Mai 1901. /eint jeden Freitag. -■> -<■ - ««fr- :: Wien, IX/1, Berg gaffe 39« ffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. R. kr. Pvstkparcassen-Nrnt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wir» IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien Ersct Brief-Adrefs, Telegramm-Adre U --! Sczugspreis für Oesterreich:! valdjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * - — =.— =* Inhalt. Leitartikel: Se. Hochwohlgeboren Herrn Dr. Carl Lueger, Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien! — Prin Liechtenstein über die „Klosteraffairen" und „Talmud Moral". — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der Schwanengesang der jüdischen Hausirer. Der Wiener Wahlschwindel entlarvt! Antisemitische Blutlügen. Mysteriöse Blutabzapfungen. Rabbiner-Seminar in Florenz — Die Generalversammlung des Politischen Volksvereines. — Correspondenzen: Sitzuug der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Wien, Brünn, Prag, Schwerin, Paderborn, Coburg, Breslau. — Vermischtes: Wien, Jüdisches Ueberbrettl. Retz, Krems a. d. Donau, Olmütz, Melnik, Schwedt, Berlin, Dessau, Marburg, Köln, London, Albany. — Feuilleton: Jsmael. — Briefkasten. — Inserate. tze. Hochwohlgeboren Herrn -Dr. Carl Lueger, Bürgermeister der Leichshauptu Residenzstadt Wien l Hochgeehrter Herr Bürgermeister! In der großen Versammlung des Josefstädter Wählervereines vom 13. Mai haben Sie, Herr Bürgermeister, erklärt: Sie achten streng darauf, daß die Lehrer den bei Uebernahme ihres Amtes geleisteten Eid auch halten. Und Sie fügten diesen Worten hinzu: „Derjenige, der feinen Schwur nicht hält, ist ein Schuft." Die Versammlung Ihrer Parteifreunde hat diesen Ihren Ausspruch mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Mir ist aber erinnerlich, daß auch Sie, hochgeehrter Herr Bürgermeister, bei Antritt Ihres illustren Amtes einen Eid feierlich geleistet haben, einen Eid auf genaue Einhaltung der Staatsgrundgesetze bei Ausübung Ihrer Pflichten, einen Eid, der Sie verbindlich macht, gleiches Recht zu üben gegen alle Bürger dieser Stadt ohne Unterschied der Partei und der Confession! Ist es aber nicht eine eclatante Eidesverletzung, wenn Sie jüdische Lehrer oder jüdische Magistratsbeamte grundsätzlich von jeder Beförderung, jüdische Handwerker und Gewerbetreibende grundsätzlich von jeder Betheiligung an städtischen Lieferungen ausschließen? Die exceptionelle Heiligkeit des Eides gestattet Ihnen nicht, in diesem Falle sich hinter die Verantwortlichkeit des Stadtrathes oder des Magistrates zurückzuziehen. Sie sind der oberste verantwortliche Chef und überdies in der Lage, auch den Mitgliedern des Stadtrathes und Magistrates den geleisteten Eid eindringlich in Erinnerung zu rufen: „Derjenige, der den Schwur nicht hält, ist ein Schuft." Es will mir nicht einleuchten, daß die Eidestreue nur für die kleinen Leute heilig sei, daß aber für die großen Herren die Grundsätze der Moral und des Sittengebotes ihre Verbindlichkeit eingebüßt hätten. Wie halten Sie es also, Herr Bürgermeister, mit Ihrem Schwur, den Sie bei Uebernahme Ihres Amtes feierlich geleistet haben. Aus Ihrer persönlichen Erfahrung in der Vergangenheit wissen Sie genau, daß die unglücklichen jüdischen Lehrer und Beamte weder „Republikaner" noch „deutschnational", sondern von gut österreichischer Gesinnung beseelt sind. Diese haben ihren Eid nie verletzt. Wie können Sie deren fortgesetzte Präterirung mit Ihrem Amtseide vereinbaren? Wie wollten und könnten Sie solchen Eidbruch rechtfertigen? Sie sagten in der Volksversammlung: „Jeder, der seinen Schwur nicht hält, ist ein Schuft." Gewiß, Niemand wird dem widersprechen. Nur in aller geziemenden Bescheidenheit an Ihren eigenen Amtseid ergebenst zu erinnern, gestattet sich hiermit Ihr ganz gehorsamer Dr. Ios. S. Bloch. Wien, 14. Mai 1901. Prinz Liechtenstein über die „Rlosteraffairen" und „Talmud-Moral". Prinz Alois Liechtenstein hat in einer Versammlung des „christlichen Frauenbundes" vor ungefähr 2000 Frauen eine merkwürdige Enthüllung zum Besten gegeben. Die „Klosteraffairen", welche in der letzten Zeit so oft die Oeffentlichkeit beunruhigten, wären „nichts als Schwindel" gewesen; die jüdischen Mädchen werden nicht geraubt, sondern flüchten sich einfach vor einem „dogmatischen Grundsatz" des Talmuds in den Schutz der Kirche. ..Nach dem Talmud und nach der religiösen Ueberzeugung der Juden haben nämlich die Judenmädchen keine S e el e, sondern es haben sie nur die Judenbuben. Deswegen kommt es auch vor, daß Judenmädchen gegen den Willen ihrer Angehörigen zur katholischen Religion übertreten". Wo der wahrheitsbeflissene Prinz Alois Liechtenstein diese seine Gelehrsamkeit über den Talmud her hat, kann nach der Natur der Dinge kaum zweifelhaft sein; es ist einzig sein edler Freund Meister Stampiglius, Herr Mechaniker Ernst

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