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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Date
1901-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 326 Dr. Vloch's Wochenschrifl. Nr. 19 Herrn Bergmann aus Prag hier an und logirte sich im ersten Hotel der Stadt „Hotel Waldefein. Ihre Absicht, im Saäle dieses Gasthofes ein Concert zu arrangiren, brachten sie am 29. April zur Ausführung. Obwohl nun die künstlerischen Leistungen dieses exquisiten Ensembles in Musik und Gesang recht schöne waren und die Darbietungen der Künstler den besten Erwartungen entsprachen, war der materielle Erfolg dennoch ein sehr geringer, so daß die Einnahmen lange nicht die Auslagen der Gesellschaft decken konnten. Die gegenwärtige Jahreszeit ist für derartige Unternehmungen eben keine günstige; bas Publicum rüstet sich zur Abreise nach irgend einem Curorte oder einer Sommerfrische, worauf alles Sinnen und Trachten gerichtet ist. Man denkt nach über Ort, Zeit und Dauer des neuen Aufenthaltes und füllt die Mußezeit mit derartigen Gedanken und Gesprächen aus. Da nun das gesammte Künstler-Ensemble mit solchen Verhältnissen und Umständen zu rechnen vergessen hatte, mußte dasselbe trotz seiner anerkannten Darbietungen mit dem unzulänglichen Resultate einer sehr schwachen Einnahme sich zufrieden geben. Es blieb nichts anderes übrig, als zahlen und Weiterreisen. Die Besitzerin des Hotels, eine Dame von humaner, edler G - si.lnung, nahm Antheil an dem Mißgeschick dieser Leute, und als dieselben ihre Hotelrechnung bezahlen wollten, wurde ihnen mitgetheilt, daß sie für den Saal und mehrtägiges Logis im Hotel nichts zu zahlen haben. Die Kellnerrechnung für Speisen und Getränke wurde auf die Hälfte reducirt. Die Kunstgenossen wußten vor Rührung nicht, wie sie dieser edelherzigen Wohlthäterin danken sollten. Bemerkt sei noch, daß die Concertisten — Juden sind, während die großmüthige Besitzerin des „Hotel Waldek* eine gut katholische Christin ist. Ph. Lederer. Olmiitz. Ende vorigen Monats wurde der hiesige neue Communal-Friedhof seiner Bestimmung übergeben. Ein großer allgemeiner Eingang führt zu den drei Pforten. In der Mitte ist der Eingang zum katholischen, rechts zum evangelischen und links zum israelitischen Friedhof. Die Feier begann um 11 Uhr Bormittags. Der Bürgermeister der Stadt Olmütz mit den Stadtverordneten, Herr Statthaltereirath Baron v. Gastheimb u. s. w. erwarteten die Proceffion mit der katholischen Geistlichkeit an der Pforte. Herr Bürgermeister hielt eine Ansprache, worauf die Weihe vor sich ging. Sodann begaben sich der Herr Bürgermeister und Baron Gastheimb mit den Herren zu dem evangelischen Friedhof, wo das Presbyterium sie erwartete; in seiner Ansprache versicherte der Bürgermeister, daß die Einigkeit aller Confesiionen gewiß immer in unserer Stadt fortbesteten werde. Dann hielt Herr Pfarrer Milfort eine Predigt. Zum Schluffe kamen die Herren zur israelitischen Abtheilung, wo in der Leichenhalle der Cultusvorstand, mit dem Präsidenten Dr. Eben an der Spitze, die Gäste erwartete. Herr Bürgermeister hielt auch da eine gehaltvolle Ansprache, die in gleicher Weise von dem Herrn Präsidenten erwidert wurde. Sodann bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim die Kanzel und hielt eine kurze markige, Allen zu Herzen gehende Predigt. Herr Bürgermeister und Herr Baron Gastheimb dankten dem Redner und der Herr Baron sagte: Ihre kurze, einfache Feier war würdig und herzerhebend. Sie haben den richtigen Gedanken erfaßt, ich bin tief gerührt, haben sie Dank. In demselben Sinne äußerten sich Alle, die der Feier anwohnten. An demselben Tage wurde noch die letzte Leiche auf dem alten Friedhofe bestattet. Die alte Mutter des Hof- und Grrichtsadvocaten Herrn Dr. Hermann Broß wurde zu Grabe geleitet, sie fand noch einen Platz an der Seite ihres verstorbenen Gatten. Der Bahre folgten der Sohn mit den Leidtragenden, der israelitische Vorstand mit dem Herrn Präsidenten Dr. Eben, der Vorstand der neugegründeten Chewra-Kadischa und eine unabsehbare Menschenmenge aller Conseffionen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. B. Oppenheim hielt der Verstorbenen einen Nachruf und knüpfte auch daran den Abschied von der Friedensstätte, die so viel der Schätze in sich schließt. Kein Auge blieb thränenleer und Alle gingen, begeistert und getröstet von den Worten des beliebten Redners, von der heiligen Stätte. Luhatschowitz. Das gefertigte Agitations-Comite, gebildet aus der Mike der Curgäste im Bade Luhatschowitz, hat beschlossen, zur Erinnerung an das siebzigste Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers einen Verein zu gründen mit dem Zwecke, im Curorte Luhatschowitz ein Bethaus zu errichten, wie auch die jüdischen armen Curgäste während ihres Aufenthalts in diesem Curorte zu unterstützen. Durch die Verwirklichung dieser patriotischen, religiösen und humanen Idee soll einem längst allgemein gefühlten Bedürfnisse entsprochen werden. Das gemiethete Local, in dem bisher gebetet wurde, entspricht wegen der Enge seines Raumes und der darin herrschenden schwülen Atmosphäre keineswegs seiner heiligen Bestimmung, weshalb auch viele Curgäste, die gerne in gemeinsamer Andacht aus den Heilsquellen der Religion Hoffnung auf Heilung ihres Leiden schöpfen möchten, an dem öffentlichen Gottesdienst nicht theilnehmen können. Noch mangelhafter als das Betlocal ist die Unterstützung der armen Curgäste; die zu diesem Zwecke allwöchentlich veranstalteten Sammlungen ergaben zumeist, da der Curort fast ausschließlich vom Mittelstände besucht wird, ein solch dürftiges Resultat, daß die Armen selbst mit dem Allernöthigsten nicht unterstützt werden können. Die Bedauernswerthen sind deswegen gar oft genöthigt, ihre Curzeit abzukürzen und den Curort zu verlassen, ohne ihre Gesundheit wieder erlangt zu haben, die ihr ganzes Vermögen und einziges Mittel zur Erhaltung ihrer Familie ist. Aus all dem ist die Nothwendigkeit unseres Vereines zur Genüge zu erkennen. Wir gestatten uns daher höflichst zu bitten, uns durch Beitritt zu unserem Verein in unserem Bestreben unterstützen zu wollen. Es wird damit eine patriotische, religiöse und humane That ausgeübt und durch eine Gabe ein dreifach edler Zweck gefördert. Das provisorische Comite: M. R. Salzmann, Professor, Wien; Dr. Hoff, Rabbiner, Bisenz; Dr. B. Löwy, Med.-Doctor, Wien; Jos. Spitzer, Mähr.-Ostrau; Eduard Schlenger, Preßburg; Julius Eisinger, Floridsdorf; Max Jellinek, Luhatschowitz; Dr. M. Jung, Rabbiner. Ung.-Brod;. Dr. Goldschmied, Rabbiner, Proßnitz; Heinrich Weinreb, Budapest; Moritz Deutsch, Brünn; Samuel Reißner, Bösing; Jak. Weißmann, Ung.-Hradisch; Jakob Schön, Ung.-Hradisch; M. H. Brammer, Cultusvorsteher, Ung.-Brod. Mieter. Am 28. April ist hier, am Sitze der Bezirksbauptmannschaft, im Hause des Manusac^uristen Hirsch Schönfeld ein Schadenfeuer ausgebrochen, welchem im weiteren Verlaufe an 350 Wohnhäuser sammt Nebengebäuden zum Opfer gefallen sind. Die Brandursache ist bis nun nicht festgestellt worden, doch vermuthet die Behörde Brandlegung und hat den Hauseigenthümer Hirsch Schönfeld in Jaroslau verhaften lassen. Bor wenigen Monaten, am 6. September 1900, ist bei einem Brande in Mielec nahezu der vierte Theil der Stadt eingeäschert worden und nun brannte vorige Woche beinahe die halbe Stadt nieder. Mehr als 2000 Personen sind brot- und arbeitslos und caMpiren im Freien. Das Post- und Telegraphenamtsgebäude ist vollständig eingeäscheit worden und es wurden nur wenige Acten in Sicherheit gebracht. Es ist unbegreiflich, daß derartige Aemter in schindelgedeckten ebenerdigen Häusern in ziemlich weiter Entfernung vom Centrum der Stadt untergebracht werden, denn auch im Vorjahre ist das Gerichtsgebäude mit fast sämmtlichen Gerichtsacten verbrannt. Aber nicht nur in Mielec, sondern in den meisten kleinen galizischen Städtchen sind die Amtslocalitäten in ebenerdigen, mit Schindeln gedeckten Gebäuden untergebracht, und es wäre hoch an der Zeit, im Interesse von Handel und Verkehr in dieser Richtung Abhilfe zu schaffen. Der Werth der durch den letzten Brand in Mielec vernichteten unversicherten Objecte und der beweglichen Habe beträgt l'/2 Millionen Kronen. Budapest. (Israelitisches Gymnasium in L.-S z e n t-M iklos.) In Lipto-Szent-Miklüs starb vor drei Jahren ein Mann Namens Herz, der allgemein für einen Bettler galt und von dem die israelitische Gemeinde in Liptü- Szent-Miklüs zu allgemeiner Ueberraschung 500.000 Kronen erbte. An diese Erbschaft war die Bedingung geknüpft, daß das Geld zu culturellen oder wohlthätigen Zwecken verwendet werden solle. In der Folge wurde beschlossen, aus diesem Fonds eine Mittelschule zu errichten, und Unterrichtsminister Dr. Julius W l a s s i c s gab hiezu seine Zustimmung. Dieser Tage erschien eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde von Lipto- Szent-Miklüs beim Unterrichtsminister in Audienz und bat um eine Subvention zur Errichtung eines Gymnasiums. Hier erhielt die Deputation die Zusage, daß der Staat eine Subvention von 60.000 Kronen zum Bau des Gymnasiums ertheile, doch solle vorerst nur ein aus vier Classen bestehendes Untergymnasium errichtet werden. Sollte sich dieses bewähren und in der Bürgerschule die Schülerzahl abnehmen, so werde der Staat eine Subvention zur Errichtung des Obergymnasiums bewilligen. Die Antwort des Ministers rief im Liptüer Comitate allgemeine Befriedigung hervor, weil auf dem ganzen Gebiete dieses Cvmitats noch keine Mittelschule existirt. Eine jüdische Ackerbau-Colonie in Deutschland. Die erste jüdische Ackerbau-Colonie in Deutschland soll noch im Laufe dieses Sommers vom „Verein zur Förderung der Bodenkultur

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