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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Date
1901-05-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Serie 824 Vro Bloch/s WochrnPk<ML° Nr. 19 — von allen Bedingungen de? Annahme durch Gott auszuschließen. J) Jedem, der (wie ich selbst) nur eine flüchtige und nicht auf gelehrten Studien beruhende Kenntniß der rabbinischen Religion hat, erscheint diese Stelle fast komisch. Wie, der rabbinische Jude wäre von Gott unabhängig! Noch mehr, das rabbinische Ideal wäre — Unabhängigkeit von Gott! Der Jude sein eigener Herr, dessen Stolz es war, daß jede Handlung seines Lebens wie in Gegenwart Gottes vollbracht wurde! Auf keine andere Weise könnte in der That deutlicher und bündiger die rabbinische Denkungsart und religiöse Stellung wiedergegeben werden, als wenn man sagt, daß „der Mensch absolut und in jeder Lage von Gott abhängt" und daß er „beständig empfängt, glaubt, entspricht oder gehorcht." Wohlgemerkt zeigt die rabbinische Literatur von dieser angeblichen Unabhängigkeit keine Spur. Und ignorirt das rabbinische Judenthum die Sünde? Wie steht es mit der Lehre vom ^etrer Ha-Ra? Wie mit der besonderen Betonung der Reue? Weiß das rabbinische Judenthum nichts von der Lehre, daß der Mensch, welcher von der Vergebung Gottes abhängig ist, „sich selbst als Sünder erkennen muß"? Lassen Sie Canonicus Gore am nächsten Versöhnungstage in eine kleine Synagoge in Rußland gehen, deren Andächtige im Schatten des Gesetzes aufgewachsen sind, und lassen Sie ihn dort die Antwort hören und finden. Was ist es nun aber mit dem letzten, kurzen Paragraphen über die begründete Anklage? War das rabbinische Judenthum „ganz zufrieden, das ganze Menschengeschlecht — mit Ausnahme einer kleinen, erwählten Schaar — von allen Bedingungen der Annahme durch Gort auszuschließen"? In dieser Anschuldigung liegt Wahrheit; aber ehe ich näher darauf eingehe, eine einzige Bemerkung. Canonicus Gore leitet diese Anschuldigung vom Gesetze ab. Es war die unmittelbare Folge davon, daß Rechtfertigung durch legale Werke gesucht wurde. Aber es ist nicht etwas Ungewöhnliches, daß jener Theil der Christenheit, welcher sehr zufrieden war, „das ganze Menschengeschlecht — mit Ausnahme einer kleinen, erwählten Schaar — von allen Bedingungen der Annahme durch Gott ausgeschlossen zu sehen", gerade aus solchen bestand, welche die Werke verwerfen, die tiefste Empfindung „des unauslöschlichen Makels der Sünde am Menschen" hatten, und absolut die Möglichkeit einer menschlichen Initiative leugneten? So sehr müssen wir in Religionssachen davor hüten, Eins vom Anderen ubzuleiten, oder den Glauben eines Anderen in Bausch und Bogen zu verurtheilen! Die menschlichen Religionen sind ebenso verwickelt, wie die menschlichen Charaktere. Weil ein Mensch dieses glaubt, scheint es Euch selbstverständlich, daß er auch jenes glaube oder sei; oder weil er dieses meint, soll es deshalb unmöglich sein, daß er jenes annehme. Aber der menschliche Geist kann Wunderbares leisten in Bezug auf Gegensätze und Widersprüche, und die rabbinische Denkungsart war in dieser Hinsicht eine der wunderbarsten. Canonicus Gore bemerkt z. B., „es scheine wahrscheinlich zu sein, daß ein wirklich christlicher Gottesglaube und eine wirklich christliche Lehre von der menschlichen Freiheit untrennbar von dem Glauben sind, daß die Möglichkeit absichtlicher Sünde zu schließlicher Vernichtung führt."') Run scheint mir ein solcher Glaube mit einem Glauben an die Liebe Gottes und an seine Güte ganz unvereinbar und doch bin ich ebenso davon überzeugt, daß Canonicus Gore an die Liebe und Güte Gottes glaubt, wie davon, daß ich diesen Vortrag mit Feder und Tinte geschrieben habe. Der große Fehler der rabbinischen Religion, vom ethischen Standpunkte betrachtet, war ihr Particularismus. Obgleich es nicht ganz wahr ist, wenn man sagt, daß sie „zufrieden war, das ganze Menschengeschlecht außer den Juden von den Bedingungen der Annahme durch Gott auszuschließen", ist es doch so ziemlich wahr. Die Heiden waren die Feinde Israels und Gottes, und obwohl viele Lehrer in Israel ihre Bekehrung wünschte» und meinten, daß viele von ihnen schließlich zum wahren Glauben bekehrt werden würden, war die Mehrzahl der rabbinischen Juden zweifellos überzeugt, daß die Auferstehung schließlich auf sie selbst beschränkt bleiben würde. Durch welche Nothbehelfe, Kunstgriffe, falsche Schlüsse, unnatürliche Beschränkungen und Selbsttäuschungen sie zu diesem schrecklichen Schluffe gelangten, machen jene Uebersetzungen klar, auf welche ich mich bereits bezogen habe. Denn der Midrasch zeigt das ') C. Gore St. Paul’s Epistles to the Romans vol. I p. p. 96—8, 164—7. 2) Canon. Gore op. eit., vol. II., p. 214. rabbinische Judenthum l in Hauskleidung: sein ' Bestes ohne Ziererei, sein Aergstes ohne Entschuldigung. Ohne den Glanz und die Hoheit seines Universalismus zu verkleinern, können wir doch in dem Apostel Paulus eine gewisse Beschränktheit bemerken. Der Gedanke, daß menschliche Seelen der „Vernichtung geweiht" sind, erfüllt ihn nicht mit Entsetzen. Ist es ausgemacht, daß er glaubte, seine Feinde, die jüdisch, christlichen Agitatoren, alle Jene, welche Christus oder das Evangelium verwerfen, würden gewiß der künftigen Auferstehung theilhaftig werden? Es ist zweifelhaft, ob er meinte, daß es für die Menge der Heiden und Juden, welche starben, ehe Jesus geboren wurde, irgend eine Rettung oder ein künftiges Leben gebe. Er bereitete den Weg für jenen christlichen Particularismus des Glaubens vor, welcher so bald als Rivale und Mitbewerber des jüdischen Particularismus der Race erstehen sollte. Aber glauben Sie nicht, daß ich nicht auch mein Körnchen der Bewunderung und Dankbarkeit für ihn hinzufügen möchte, der da schrieb: „Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen." „Es gibt kein Ansehen vor Gott." „Und die größte von ihnen ist die Liebe." Erst nachdem Paulus geschrieben, erreichte der prophetische Universalismus sein Ziel, Jude sowohl als Christ können ihn sich zu eigen machen, und ich freue mich, denken zu dürfen, daß es geschehen ist, aber auch die Tugenden der Duldsamkeit und gegenseitigen Achtung können hinzugefügt werden. Ich hoffe, daß in meinen Aeußerungen oder Andeutungen über jene großen,, wenngleich menschlichen Documente, die zu studiren Sie sich verbunden haben, nichts enthalten war, weder dem Buchstaben, noch dem Geiste nach, was jene Tugenden verletzt hat. ' Correspondenzen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Dieser aus seiner regen wirthschaftlichen Thätigkeit gut gekannte Verein hielt am Samstag den 27. April in Khuner's Saallocalitäten seine XL ordentliche Generalversammlung ab. Trotz der hohen Temperatur, die Versammlungen gewiß nicht günstig ist, war kein Plätzchen leer und die Anwesenden brachten ein warmes Interesse dem ausführlichen Jahresberichte des Präsidenten entgegen, das wiederholt durch allgemeinen Beifall zum Ausdruck gelangte. Er erwähnte die Stellungnahme des Vereines in allen vorgekommenen wirthschaftlichen Fragen, die unsere Stadt im verflossenen Jahre tangirten, die Expertise des Vereines anläßlich der Stagnation im Baugewerbe, das empfehlende Berzeichniß an 3000 Arbeitgeber; ferner, daß im verflossenen Jahre an 20.000 Kronen unverzinsliche Darlehen von dem Verein vermittelt wurden, die an israelitische Handwerker nach erfolgter gründlicher Recherchirung zu 600—800 Kronen verabfolgt wurden, um die Existenz derselben zu sichern. Sehr beifällig wurde entgegengenommen, daß nun auch in Prag und anderen Städten nach dem Muster unseres Vereine» ähnliche Vereine geschaffen wurden tc. In Abwesenheit des Cassiers Herrn Steiner verlas der Schriftführer Herr Alf. Kisch den Cassabericht, den Herr Vvglhut als Revisor der Genehmigung empfahl. Die Herren Leopold Guttmann, Siegfried Beer und Adolf Beck hoben unter allgemeinem Beifall die außerordentlich rege Thätigkeit des bisherigen Präsidenten Herrn S. Brod hervor und empfahlen die Wiederwahl desselben per Aeclamation. Herr Brod dankte für die ihn auszeichnenden Worte, nahm die Wiederwahl auf 2 Jahre jedoch nur mit der Bedingung an, daß ihm gestattet werden müsse, auch andere Stände, insbesondere den Kaufmannsstand dem Verein beizuziehen, um aus diesem erweiterten Kreise den künftigen Führer des Vereines zu finden, denn auf länger als 10—12 Jahre könne er dieses schwierige, zeitraubende Amt, so ehrend es auch sei, nicht übernehmen, da ein täglicher Parteienverkehr von 2 und mehr Stunden mit demselben verbunden ist. Fast einstimmig, jedoch mit Stimmzettel, wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Hermann Beck, Leopold Guttmann, Alfred Kisch,. S. Steiner, S. Friedmann, Ignatz Kantor, Max Makler, Architekt Schön, Ferdinand P i ck, Josef R o s e n t h a l, Sigmund Mayer und S. Blankenberg. An der Debatte betheiligten sich die Herren: Architekt Schön, Ingenieur Löwenbein, Baumeister Schwadron rc. Unter den anwesenden Gästen bemerkte man: In Vertretung des Cultusvorstandes Bicepräsidenten und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Baurath

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