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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Date
1901-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gg» r- »Tnir.■"■-!«. *vamra»gi Seite 318 DQ VlE« Wochrnfttzrm, Nr. 19 meinen Ruin zu verdanken habe, wird noch der Held eines sensationellen Strafprocesses sein. Ich werde es beweisen, daß GezaOnody im Jahre 1883 die Esther Solymossy ausTrsza-Eszlar verschwinden ließ. Ich bitte Sie wiederholt um Rath. Ihre Dienerin Katharine D ü r i s ch." Wir bemerken, daß seinerzeit, als der Proceß wegen der verlorenen Esther gesührl worden ist, in der Wiener „Extrapost" gegen Geza Onody ähnliche Anklagen öffentlich erhoben worden sind. Wenigstens sei ihm wohlbekannt, was mit dem Verschwinden des Mädchens es für eine Bkwandtniß hat. Deswegen ist man allgemein gespannt auf die von der ehemaligen Geliebten des Herrn v. Onody in Aussicht gestellten weiteren Enthüllungen. Diese werden sich vermuthlich darauf beschränken, der unwrffendenWelt zu sagen, w ieein „Ritualmord" hergestellt wird. Und diese Enthüllungen dürften wohl auch hinter die Coulissen der s p ä t e r n Rilualmordkomödien blicken laffen. Bis auf wenige Nuancen sind sie, die Acteure und die Komödien, ja Alle gleich: In puneto Moral von der Natur stiefmütterlich bedachte Individuen und avsgestattet mit einem nur geringen Maße von intellectuellen Fähigkeiten; dennoch aber die Sucht nach Stellung und leicht erreichbarer Wohlhabenheit. So sind die Acteure. Der Schauplatz der Komödie ist jene schiefe Ebene, von welcher man sagen kann: sie ist für antisemitische Sübjecte das, was für anarchistische Verbrecher die Schweiz ist — eine von den öffentlichen Gewalten lolerirte Zufluchtsstätte, an deren Grenzen die Göttin der Gerechtigkl it sich der Augenbinde entledigt. Solche interessante Situationen, wenn sie eintreten als göttliches Strafgericht, gewähren einen Einblick in das unmoralische und gesetzwidrige Treiben der antisemitischen Führer und Helden. Auch Herr von Onody arbeitete, nach den Regeln der antisemitischen Moral — hoffentlich wird der Schleier gelüftet, einen Einblick gewährend in die Werkstätte der Demagogen. Derselbe Vorgang wird sich nach und nach auch anderwärts vollziehen. Vte Lösung der Wiener Lrankenhausfrage. Die Wiener Zeitungen brachten in den letzten Tageit die Nachricht, daß die „Wiener Krankenhausfrage" ihre „Lösung" gefunden habe, es fei beschlossen worden, die Lehranstalten des Krankenhauses von den Heilanstalten Kat’exochen zu trennen, letztere nach Ottakring auf den Abhang des Galitziuberges zu verlegen, erstere auf der Area der Irrenanstalt neu zu erbauen und die Grundstücke des alten Spitales zu parcellireu. Für uns hat diese Lösung der Wiener Krankenhausfrage ein doppeltes Interesse, und zwar eines vom localen und eines von unserem besonderen Standpunkte. Sprechen wir zuerst von letzterem. Wir hätten gar keinen Grund gehabt, überhaupt einen besonderen Standpunkt einzunehmen. Man hat ihn uns aufgedrängt. Als die Klagen über die grmilichen Zustände der ersten Wiener Krankenanstalt, der Kliniken der ersten österreichischen Universität im ganzen Reiche Widerhall fanden, erfrechten sich unsere Gegner, den Zufluß von jüdischen Kranken in das Krankenhaus, die Zunahme von jüdischen Studenten an der Wiener Universität als Ursachen zu bezeichnen — weshalb der Raum zu eng war! Sie glaubten die Thatsache verheimlichen oder bemänteln zu können, daß das Gebäude an und für sich den allermiudcsten hygienischen Forderungen nicht entspricht, daß es nicht einmal verbessert werden könnte, und daß selbst, wenn nicht ein jüdischer Kranker, nicht ein jüdischer Student daselbst Aufnahme gefunden hätte, das Allgemeine Krankenhaus und die Kliniken nicht in ihrem jetzigen Zustande belassen werden durften. Sie sind nicht blos sanitätswidrig, sondern feuergefährlich und nach jeder Richtung hin sicherheitsgefährlich. Nicht um der jüdischen Kranken und Studenten willen, wie das antisemitische Gesindel lügnerischer Weise behauptet hatte, sondern um der grenzenlosen Nachlässigkeit willen, mit der man Jahrzehnte hindurch nur mit kleinen Ausbesserungen sich behalf, statt eine gründliche Cur vorzunehmen, mußte endlich eine „Lösung" gesucht werden. Brauchten wir für unsere Behauptung noch eines Beweises, er wäre jetzt doppelt geboten. In der ganzen „neuesten Phase" der Verlegung des Krankenhauses nach Ottakring und der Kliniken auf die Jrreuhausrealität ist von den jüdischen Kranken und Studenten keine Rede mehr. Man schweigt nicht nur, weil man die Lüge nicht aufrecht halten kann, sondern offenbar auch aus anderen Gründen. Es kommt wahrscheinlich vielen Leuten sehr gelegen, daß die Gründe in Ottakring nun doch zu Werth und Ansehen gelangen und sicherlich ist es Manchem auch erwünscht, daß irgendwo ein neues Irrenhaus gebaut wird; Andere werden es für vortheilhaft finden, daß eine neue „Bauära" eingeleitet wird, und da diese Bauära mit einer Geldbewegung verbunden ist — so wird es ja auch au solchen nicht fehlen, die voni Geldregen auch ein Tröpfchen zu erlangen hoffen. Das sind viel wichtigere und reellere Gründe, der „Lösung" zuzustimmen, als der Hinweis auf jüdische Studenten und Patienten. Und gleichzeitig mit dieser „Lösung" der Spitalsfrage wird das Jahrbuch der Wiener Krankenanstalten für 1898 veröffentlicht, in welchem die statistischen unwiderleglichen Beweise der lügnerischen Behauptungen der Antisemiten über die Ueberfluthung der Krankenanstalten mit Juden, mit fremden Juden, enthalten sind. Wir werden alle Daten dieses Jahrbuches hier anführen, denn sie sprechen so sehr zu unseren Gunsten, daß sie für alle Zeit ein Zeugniß ablegen, mit welch' erlogenen Gründen die Antisemiten sogar den Umbau der Kliniken zu Hintertreiben versucht hatten. Fassen wir zuerst die Benützung der Spitäler bezirksweise ins Auge. Man bezeichnet immer den zweiten Bezirk als „Judenbezirk". Wenn nun die Juden ein gar so großes Contingent stellen würden, müßte dieser Bezirk in erster Reihe stehen — er steht aber im Jahre 1897 an neunter Stelle. Das größte Contingent stellt der X. Bezirk bei; dann folgt der XIV., der III., der XIII., der XVI., der V., der XII. und der XVII. Im Jahre 1898 ist der II. Bezirk an achter Stelle. Diese Ziffern beweisen also klar, daß man von . dem Wohnsitz auf die größere Frequenz seitens der Juden nicht schließen kann. Aber auch aus der Heimatsberechtigung nicht. Woher sollten die Juden gekommen sein? Wir erinnern uns gar wohl der erlogenen Angriffe, in denen es hieß: aus Ungarn, Galizien, Rußland, Rumänien! Nun sehen wir im Nachweis (pag. 153), daß aus Ungarn insgesammt — Christen und Nichrchristen — nur 9 7 Percent, aus Galizien nur 3 9 Percent, aus Rußland und Rumänien zusammen nur 0*8 Percent im Spitale Aufnahme gefunden haben. Wo ist also die jüdische Ueberzahl? Das Jahrbuch geht aber auf die Frage der Confession direct ein und mir folgen seinen Angaben. Es weist nach, daß von 100 Abgegangeuen im Jahre 1898 die Zahl der Katholiken 90 66 Percent, die der Evangelischen 2'35 Percent, die der Israeliten 651 Percent betrug. Die Zahl der Juden in Wien wird bekanntlich mit 10 Percent der Bevölkerung angeuommei'. Das Verhältuiß der jüdischen Kranken, die im Spitale Aufnahme gefunden haben, bleibt also mit fast 4 Percent hinter dem Bevölkerungsverhältuiffe zurück. Die Wiener und die angeblichen „fremden" Juden zusammen haben sonach nicht einmal die regelmäßige Ziffer beigestellt! Interessant ist auch die Beobachtung des Verhältnisses zwischen Beruf und Confession. Von den im Spital behandelten Juden gehörten 3'2 Percent der Landwirthschaft an, 2'I Percent waren Arbeiter, 4-2 Percent waren Gewerbetreibende, 21-1 Percent waren im Handel und Transport beschäftigt, 33 1 Percent im Handel allein; 2'6 Percent waren Dienstboten; 9 8 Percent in liberalen Berufen thätig, 11-1 Percent waren Private, 5*1 Percent Protistuirte.

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