Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 19 (10.5.1901)
- Date
- 1901-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Bloch’s Jahrgang XVIII. Centrslorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. — -- Wien, 10 Mai 1901. Erscheint jeden Freitag. ->» •0--4«—- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 3S. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Sr;ug»prLi» für SeNerretch:! Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare SV Heller. W* Ausland: j Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Ä- =% D. k. postsparr.rsscn-Aml Clearing - Verkehr Nr. 810.976. LeLartion und Administration: Vien IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Inhalt. Leitartikel: Geza Onody — der Held von Tiszar-Eszlar. — Die Lösung der Wiener Krankenhausfrage. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Geist der Gerechtigkeit. Germanische Ehrenmänner im österreichischen Parlament. Noch ein germanischer Ehrenmann. Die Defraudation in der antisemitischen Tischlergenossenschaft. Im Zeitalter des Blutaberglaubcns. Kinderraub. — Erinnerungsblättchen an Leopold Zunz. Das rabbinische Judenthum und die Briefe des Apostel Paulus. — Correspondenzen: Wien, Stanislau, Pilsen, Olmütz, Luhatschowitz, Frankfurt a. M, Rom, London, Petersburg, Das Haz Sinai-Hospital in New- Jork. — Vermischtes: Wien, Koste!, Budapest, London, Constantinopel, New-Dork, Albany. — Feuilleton: Jsmael. — Brieflasten. — Notiz. — Inserate. Gtza Onody — der Held von Tis;a-Es;lar. Geständniß einer Berurtheilten. Budapest, 4. Mai. Achtzehn Jahre sind vergangen, seit sich vor dem Gerichtshöfe in Nyiregyhaza in mehrtägiger Verhandlung der Sensationsproceß von Tisza-Eszlar abspielte. Einer der Hauptacteure in dem großen Drama war der damals im Zenith seines zweifelhaften Ruhmes stehende Reichstagsabgeordnete Geza Onody. Wie ein längst verklungenes furchtbares Märchen wird nun die Erinnerung an den Proeeß wach, dessen einzelne Phasen die ganze gebildete Welt in Spannung erhielten. Der Name jenes Geza Onody, jenes antisemitischen Apostels, der in den Tagen von Tisza-Eszlar die Flammen des Aufruhrs entzündet hatte, klingt wieder an das Ohr. Anfangs April hat sich vor dem Budapester Strafgericht eine Tragikomödie abgespielt, welche in den Annalen der Gerichtssaal-Berichterstattung eine oft vorkommende Rubrik bildet; der Umstand aber, daß neben der Angeklagten auch Herrn Onody eine traurige Rolle zugedacht war, ließ diesem Strafprocesse ein besonderes Interesse abgewinnen. Ein spekulatives Mädchen hat einen Geliebten, der, selbst ein armer Teufel, dem Weibe, das sich ihm an den Hals geworfen, nur Eines zu bieten vermag — wenn er will: die Heirat. Der Geliebte ist aber verheiratet, er müßte sich vorerst von seiner Gattin scheiden lassen, sohin ein großes Opfer bringen. Dieses Opfer soll nach der Darstellung der Angeklagten bezahlt werden und die Bezahlung soll die Geliebte herbeischaffen. Diese hat nämlich noch einen anderen Liebhaber, von dem sich auf geschickte Weise Geld verschaffen ließe. Ein unterschobenes Kind soll das Medium sein und wie die Angeklagte behauptet, sollten baare 15.000 fl. solchartig erworbenen Geldes den Preis bilden, um welchen Herr v. Onody, die Erpresserin zu ehelichen sich verpflichtet habe. Wie die Angeklagte weiters behauptet, sei Onody Mitwisser dieser Erpressungen gewesen. Als die Affaire kritisch zu werden begann und Onody Ursache haben mochte, sich seiner Geliebten zu entledigen — da überlieferte er sie herzlos dem Strafgerichte! Die Berrathene schreit Verwünschungen in die Welt hinaus, und zugleich mit den Verwünschungen erhebt sie eine furchtbare Anklage gegen Onody. Er, Onody, habe nichts Geringeres gethan, als daß er jene E st her Solymossy im Jahre 1883 habe verschwinden lassen, um dann für das Verschwinden des Mädchens die von ihm so gehaßten Juden verantwortlich zu machen. Die ungarischen Behörden werden nunmehr Gelegenheit - haben, sich noch einmal mit der erschütternden Tragödie zu beschäftigen. Budapester Blätter melden hierüber: Wie seinerzeit bereits erwähnt worden, wurde am 4. April d. I. die Näherin Katharina D ü r i s ch, welche mit Onody längere Zeit in gemeinschaftlichem Haushalte gelebt hatte, wegen Kindesunterschiebung vom Budapester Gerichtshöfe zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die D ü r i s ch war die Geliebte des Regimentsarztes Dr. Böla M e l c z e r und lebte in gemeinsamem Haushalt mit Onody. Dieser sollte sie heiraten, falls er Geld genug erhielte, seine legitime Gattin los zu werden. Um Geld von dem Regimentsarzt Melczer zu erpressen, hat sie ein fremdes Kind sich angeeignet und für ihr eigenes ausgegeben. Der ehemalige antisemitische Reichstagsabgeordnete Geza Onody hat laut Zeugenaussagen von diesem Gelde jedenfalls seinen Theil erhalten. Die Eltern des angenommenen Kindes erfuhren davon, agnoscirten es als das ihre und die D ü r i s ch wurde wegen Verbrechens gegen den Familienstand vor Gericht gestellt und am 4. April d. I. zu 2l/2 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Zugleich wurde im Urtheil ausgesprochen, daß das Kind nicht der Dürisch gehöre, sondern der natürlichen Mutter, einer Frau Golanich, zurückzugeben sei. „P. Hirl/ veröffentlicht nun einen Brief, den die Dürisch aus dem Gefängnisse an ihren Bertheidiger Karl E ö t v ö s richtete. Das Schreiben lautet: „Sehr geehrter Herr Bertheidiger! Ich bin wie eine Wahnsinnige. Weder bei Tag, noch bei Nacht habe ich Ruh'. Seitdem man mir mein Kind für immer genommen, fühle ich, welch schwere Strafe der Kerker ist. O, wäre ich nicht gefangen, ich würde mein theures, einziges Kind mit Gewalt zurücknehmen, denn es gehört keiner Anderen als mir und hundertmal mir! Ich bitte Sie, Herr Bertheidiger, recht sehr, mir einen Rath zu geben, was ich thun soll. Ich möchte ein neues Geständniß ablegen, in welchem ich gestehen würde, daß ich das andere Kind, welches man mir übergeben, erwürgt habe. Lieber soll man mich wegen Kindestödtung verurtheilen, doch soll man mir, wenn ich frei werde, mein Kind zurückgeben. Ich habe auch noch ein anderes Geheimniß, Derselbe GezaOnody, dem ich meinUnglück