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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. , 8 Ar. Bloch's Wochrnfchrifk. Wette N5 eine solche in einer benachbarten Hafenstadt bei einem der ersten Finanziers. Diese verhältnißmäßig sehr gute Stellung verdankte ich hauptsächlich meiner Kenntniß der englischen Sprache, da letztere dort sehr gesucht war. Ich war froh, mein bisheriges Arbeitsfeld verlassen zu können. Meine Empfindlichkeit hatte sich derart gesteigert, daß ich bei dem geringsten Anlaß bereit war, das Schwert zu ziehen. So viel Besinnung jedoch war mir noch geblieben, daß ich die drohende Gefahr einer physischen Krankheit einsah und ihr durch eine Aenderung meiner Lebensweise zu entrinnen suchte. Bierundzwanzig in einer liebevollen Atmosphäre zugebrachte Jahre, in denen ich in der Gesellschaft ein überall gern gesehener Gast war und bei niederer Gestellten nur auf Ächtung und Demuth stieß, hatten mich zu meinem jetzigen Leben nicht vorbereiten können, und ward es mir schwerer, dasselbe zu ertragen, als meinen civilisirten und nichtcivilisirten Brüdern. Eine ewige Empörung gährte in mir, ich litt und ward moralisch und schließlich auch Physisch krank. Ich dachte nach einiger Zeit meine Stellung zu verlassen und für das ersparte Geld ins Ausland zu reisen. In den stillen Mauern einer Universität hoffte ich Ruhe und Heilung zu finden. War es Selbsttäuschung? Ich weiß es nicht, aber der Gedanke, vermittelst ruhiger, stiller Thätigkeit Anerkennung und Einfluß zu gewinnen, ^schien mir äußerst verlockend . . . und vielleicht, vielleicht wird mit dem Laufe der Zeit meine Arbeit und meine Stimme auch auf diesem Felde, das mir am meisten ans Herz gewachsen war, Bedeutung gewinnen. Mehrere Monate schon hatte ich im Hause des griechischen Millionärs zugebracht, als meine Willensstärke und die Widerstandsfähigkeit meiner Nerven abermals einer Probe unterlagen und dieselbe abermals . . . nicht bestanden. Während einer Familienfestlichkeit begab sich die zahlreich versammelte Gesellschaft in den terrassenartig über dem Meeresufer sich erhebenden Park, um daselbst das Schauspiel zu bewundern, das der eben beginnende Sturm zu gewähren versprach. Ich hatte mich schon früher dort eingesunden und zugleich mit mir mehrere junge Männer, die mich gern aufsuchten, da ich in einem Sport, dessen große Liebhaber sie waren, ziemlich bedeutende Uebung besaß. Das Meer wurde vom mächtigen Pfluge des Nordwindes durchfurcht. Am Himmel ballten sich schwarze Wolken, in deren dunkelblauen Rändern Stahlfunken aufzublitzen schienen. Die hochaufgethürmten dunklen Wellen, deren Gipfel weißer Gischt bedeckte, schlugen mit lautem Getöse an das steile, felsige Ufer. Aus der Ferne schien es, als ob eine ganze Schaar Leviathans untereinander kämpfte, ihre glänzenden, halb brachen-, halb fischförmigen Rücken stießen aneinander, ihre weißen, fletschenden Zähne blitzten in der Luft . . . Zu unseren Füßen ächzte und schaukelte fich an einer Kette ein hübsches Segelboot, das wir häufig zu unseren Wafferfahrten zu benützen pflegten. Eigenthümlich zart sah auf diesem Hintergründe die Schaar fröhlicher, hell gekleideter Frauen aus; aus den Spitzenhüllen, die ihnen Schutz vor dem Winde gewähren sollten, hervorschauend, machten ihre Hälse und Gesichter den Eindruck filigranartiger, alten Bildern entstiegener Gestalten. Angesichts der donnerartigen Töne der Natur klangen die menschlichen Stimmen wie das Pipsen von Zwergen neben den mächtigen Rufen von Titanen. (Fortsetzung folgt.) - Literatur- Zur Steuer der Wahrheit. Von dem hochseligen Gelehrten,. Rabbiner Josef W e i s s e nahestehender Seite wird uns berichtigend mitgetheilt, daß die in letzter Nummer unseres Blattes vom 26. April d. I. enthaltene Besprechung des Werkes „Die Tragödie der Seele" von Dr. M. Klein, Rabbiner in Groß-Becskerek (besprochen von Herrn Dr. Samuel Krauß in Budapest), einen Error enthält, deffen Richtigstellung dem gelehrten Kritiker sicherlich nur erwünscht sein wird. Herr Dr. Klein hat in seiner „Tragödie der Seele" das berühmte Werk „Bechinath Olam“ von Jedaja Bedraschi bearbeitet resp. ins Ungarische übertragen Er berief sich dabei auf die vor einem halben Jahrhundert in Wien erschienene deutsche Uebersetzung. Dazu meint nun Herr Dr. Krauß: „Mit der deutschen Uebersetzung, meint der Verfasser wohl die von W e i ß, erschienen in Wien 1852". Ferner bemerkt Dr. Krauß: „Jedaja's Werk, das nach Weiß (Klein nennt ihn unrichtig W e i s s e) um 1298 verfaßt sein soll u. s. w." „Pardon! aber Klein nennt ihn nicht „unrichtig Weisse", sondern der Verfasser der seitdem hochberühmt gewordenen classischen hebräischen Vorrede zu den von M. E. Stern in metrisch gebundener Rede deutsch übersetzten Beedluatd Olam" (Wien 185::), ist der verstorbene langjährige Rabbiner Josef Weisse (nicht Weiß) von W a ag- Neustadt! (Ungarn!), damals 1852 Rabbiner iu Gaya (Währen). In der genannten Vorrede hat Rabbiner Weisse mit großem Austoand von Gelehrsamkeit und Scharfsinn bewiesen, daß das Erscheinen des „Bechmath Olam“ zweifellos 1298 (5058 jüdischer Zeitrechnung) sei und die Annahmen anderer Zahlen glänzend und unbestreitbar widerlegt. Wir empfehlen Herrn Dr. Krauß die genannte Wiener Ausgabe des Werkes auf das Angelegentlichste. Er wird darin finden, daß M. E. Stern der deutsche Uebersetzer, Rabbiner Josef Weisse der Verfasser der grandiosen hebräischen Vorrede ist. Budapest, 30. April 1901. Löbl. Redaction! Durch Groß „Gallia Judaica", ein Werk, das allgemein für verläßlich gilt, habe ich mich in meiner Anzeige des Klein'schen Werkes („Oest. Wochenschr." Nr. 17) verführen lassen, den Uebersetzer des nBsobiuatid Olam“ Weiß zu nennen; richtig ist das bei Dr. Klein befindliche W e i ß e; gemeint ist Josef Weisse, damals. 1852, Rab» biner in Gaya. dann in Waag-Neustadrl, nunmehr verstorben; Weiß» hat nur eine Einleitung zu „Bechinath Olam“ geschrieben, die Uebersetzung ist von M. E. Stern, was also bei Groß berichtigt werden muß. Dr. Samuel Krauß. Auch Herr Rabbiner Stark in Prag-Weinberge macht in einer Zuschrift auf dieselben Thatsachen aufmerksam; ebenso der Verfaffer Herr Rabbiner Dr. Klein in Groß- Becskerek, der noch hinzusügt: Die zu Capitel XXXVU (S. 93) gegebene Fußnote bezieht sich auf lalnauä Sueea 21b. Vrtrstrallen. M. W. Der Umstand, daß die deutsche Kaiserin für den Bau einer jüdischen Altersversyrgungsanstalt 2000 Mk. spendete, hat die Antisemiten sehr verschnupft. R. B—g. Es ist fast, als ob Grillparzer an die gegenwärtigen antisemitischen Schreier im Parlament gedacht hatte, als er das Epigramm schrieb: „Die spanische Inquisition Taugt nicht in unseren Tagen. Ihr müßt Euch begnügen schon Die Andersgläubigen sonst zu plagen," Von der historischen Entdeckung desMechanikers Schneider, wonach die Juden die Inquisition ins Leben riefen, hatte der Dichter offenbar keine Ahnung. Isidor W. (II. Bez.) Ihre Bemerkung, daß nach den Ergebnissen der Verhandlung eigentlich Herr Greg orig es ist, der von dem Director G u g 1 e r beleidigt wurde, ist eine ganz richttge. Robert E. Die „Arbeiter-Zeitung" berichtete, daß der Gemeinderath Schwer, welcher bekanntlich in der Polnaer Affaire eine so bedeutende Rolle spielte, in einer anttfemitischen Frauenversammlung als der „Bluthund" gefeiert wurde, der auf die Spur des Mörders führte. Wenn die Mittheilung eine richtige ist. so darf man der antisemitischen Rednerin ein Kompliment nicht verweigern. A. R. I. Wie uns mitgetheilt wird, ist Profeffor Pikier kein Jude. II. Das „Vaterland" war das Blatt, welches mit Bedauern constatirte, daß das Vorgehen des Pester Studenten, der feinen Professor öffentlich zur Rechenschaft zog. „eine That war. die leider anderwärts noch nicht gewagt wurde." ,,Justus". Es unterliegt keinem Zweifel, daß di« antisemitische Hetze an der Budapester Universität von — Wien aus angefacht wird. M. W. Der Bischof von Kaschau, Sigmund v. Bubi cs, scheint eine wesentlich andere Auffassung von der christlichen Religion zu haben, als die Christlich-Socialen. Sonst hätte er wohl nicht emer Deputation der jüdischen Gemeinde u. A. gesagt: „Die Heiligen des Alten Testamentes sind ja auch die nnserigen und die Propheten des Alten Testamentes sind auch unsere Propheten. Wenn auch mit dem Abschluffe des alten Bundes unsere Wege auseinandergehen, so wird uns das nicht daran hindern, daß die brüderlich« Liebe, die Liebe der Kruder Gottes uns gegenseitig beseelt." Go Idstein. Wenden Sie sich an die „Jüdische Vottsbank" Herrn Dr. Richard Rqppaport, Wien, I., Opernring 10. Anzeige. Herr Rabbi Alexander tewisohn aus Jerusalem wird Samstag den 4. Mai d. J. von 4—6 Uhr Nachmittags im Bethausvereih „Levias - Chen“, II., Ober© Donaustrasse 85, und Sonntag den 5. Mai d. U. von 6—8 Uhr Abends im Bethausverein „Mikdasch-Meat;‘, II., Kleine Schiffgasse 8, Vorträge halten.

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