Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Date
- 1901-05-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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E«tle St4 DL« Mortes WochenfttzrM, Nr. 18 Baronin Popper-Pvdraghi geb. v. Hahn, hat in neuerlicher Betätigung ihrer warmen Sympathien dem obgenannten Vereine behufs Erbauung eines Krankenhauses sechs Joch Waldgrund nebst -em erforderlichen Bauholze gespendet. Der Waldgrund ist in schönster Lage Roznaus sttuirt und besitzt vollständig die Eignung M ein Asyl Brustleidender. Dank der Munificenz der hochherzigen Spenderin wird es dem Verein nun möglich sein, seine Humanitären Ziele und Zwecke mit Erfolg in den Dienst der Leidende» Glaubensgenossen zu stellen. Walkersdors am Kamp. Herr Religionslehrer Moriz Schwarz feierte sein 25jähriges Amtsjubiläum. Die Gemeindemitglieder mit ihren Damen erschienen beim Jubilar zur Beglückwünschung, ebenso Herr Cantor und Religionslehrer Salzer aus Kirchberg am Wagram, welcher einen Mischeberach recitirte. Herr Josef Schafranek in Jägerndors übersandte dem greisen Religionslehrer ein schönes Glückwunschschreiben und eine hochherzige Spende. Glückwünsche sind ferner eingetroffen vom Cultusvorstande und Rabbinat in Krems. Der Jubilar dankte gerührt für die Theiluahme und die wohlwollende Gesinnung im Laufe einer vieljährigen Amtswirksamkeit. Priinn. Der hier auch in weiteren Kreisen bekannte Religionslehrer Sigmund Rössel beging am 1. Mai sein 4ÖMriqes Dienstjubiläum. Der Jubilar ist der einzige Ueberlebende der vier an der hiesigen vom Landes-Rabbiner Dr. B. Placzek seinerzeit creirten und am 1. Mai 1860 eröffnten Reljgionsschule, ersternannten Religionslehrer. Seine drei verstorbenen, hier im besten Andenken stehenden Collegen waren: Hermann Eisler, Leopold Deutsch und Adolph Eisler. Nachstehend die Lehranstalten, an denen er bisher gewirkt und checkrveise noch weiter wirkt: Die israelitische Religionsschule, die k. k. deutsche Lehrerinuenbildungs-Anstalt (seit ihrem Bestände), die Höhere Töchterschule (25 Jahre), die Uebungsschule der k. k. deutschen Lehrerbildungs-Anstalt, die Volksschulen St. Jacob und Salzamtsgasse, die Bürgerschulen Kronprinz Rudolph und Kronprinzessin Stephanie. Feuilleton. Ismaei. Psychologische Skizze von Janina Beaudouin de Courtenay. Autorisirte Uebersetzung aus dem Polnischen von Malwina Blumberg. Vll. Ein afrikanischer Missionär wird, — glaube ich — von den Buschmännern und Singhalesen, die seine „Heerde" bilden, freundlicher ausgenommen, als ich von meinen Stammesgenoffen im östlichen Europa, und sicherlich schenkt man ihm williger Gehör, als mir in der Stadt geschenkt wurde, in deren Hafen es von Schiffen aller Völker wimmelte. Einen großen Tbeil der Schuld muß ich jedoch in diesem Falle mir selbst beimessen . . . Ich wollte mich ihnen nähern, ihr Vertrauen gewinnen. Ich wollte die guten Seiten ihres Wesens kennen, die schlechten verstehen und verzechen lernen. Sobald sie mich jedoch auszuforschen begannen, erklärte ich ihnen unumwunden meinen Glauben und meine Ueberzeugung. Die Folge davon war, daß die Meisten mich als einen Wahnsinnigen und Heuchler behandelten, indeß die Anderen, nach afrikanischer Sitte, mich moralisch an den Pranger stellten und Augen und Ohren schloffen, um nur nichts von «einen Neuerungsversuchen zu sehen und zu hören. Die größten Fanatiker zogen sich mitsammt ihren geistigen Schätzen hinter die hohen Mauern Jericho's zurück und zeigten nur ihr widerliches Aeußere, das mir leider! — nur zu gut bekannt war. Indessen war mein Widerwille längst gewichen. Ich, — ein Sohn dies« unglücklichen Menge, darf sie auf diesen Blättern nicht mcklagen, — wie dies so häufig der Brauch ist, — und ich wage a»ch nicht, es zu thun. Ich verstehe jetzt ihr Mißtrauen, ebenso wie ihre Verblendung und Ungerechtigkeit. Heute weiß ich auch, dH ich, ein Aristokrat, Schwärmer und Idealist, — der Rolle des Reformators weniger entsprach, als mancher Andere. Lange Zett hindurch belagerte ich diese Festung, aber mein Ruse« erschütterte nicht ihre Mauern; ich versuchte es, als Anwalt aller europäischen Ideale in ihr Inneres zu dringen, aber man schloß die LHore vor mir und ich wurde mtt nichtssagenden Ausflüchten abgefertigt. Endlich, uachdem ich mit tiefem Schmerze die Nutzlosigkeit aller Versuche eingesehen. — unterließ ich dieselben voller Erbitterung und — ich will es nicht verbergen — gesteigerten Widerwillens. Doch wollte ich mich von meinen Brüdern nicht ganz wegwenden. Mit ihnen konnte ich nicht arbeiten — so wollte ich es für sie thun. Mochten sie immerhin ungerecht sein gegen mich, meine Aufgabe sollte es werden, ihnen ihr Recht zu erkämpfen. Da ich mehrere Sprachen gut kannte, erhielt ich als Uebersetzer Arbeit in der Redaction eines Blattes, das sich der jüdischen Frage gegenüber ziemlich gleichgiltig verhielt. Ich hoffte, mit der Zeit thätiges Mitglied der Redaction zu werden und als solches meinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß das Blatt von einem passiven ein gerechtes werde. Indessen begann der etwas geringschätzende Ton meiner Collegen, die nur mein Pseudonym kannten, mich immer mehr aufzuregen, und ich fürchtete, daß meine ohnedies erschütterten Nerven dem nicht lange Stand halten dürften. Ich fühlte, daß die Kühle, mit der ich die Würde meiner Person und meines Stammes aufrecht zu halten suchte, immer mehr an Natürlichkeit einbüße, ich fühlte das Herannahen des Augenblicks, da ich losbrechen und das Gebäude meiner mühseligen Arbeit einstürzen würde. Verhältnißmäßig längere Zeit jedoch hatte ich keine unmittelbare Ursache dazu; es schien sogar — nach mehreren selbstständigen Artikeln — als ob ich mich einer größeren Anerkennung erfreue. Indessen sollte ich mich bald überzeugen, wie wenig widerstandsfähig ich war und daß ich nur auf die erste beste Gelegenheit wartete, um den Feinden den Handschuh hinzuwerfen. Eines Tages, als ich über meiner Arbeit saß, fuhr es mir wie ein elektrischer Funke durch die Glieder. „Das ist doch aber echt jüdisch!" Diese vom Redacteur mit halblauter Stimme gesprochenen Worte drangen an mein Ohr. Ich sprang vom Sessel empor, und fast ohne zu wissen, was ich thue, stand ich im nächsten Augenblick vor meinem Vorgesetzten. „Ich bitte, mein Herr, was ist jüdisch? Was verstehen Sie unter dieser Bezeichnung?" „Weder Ihre Frage, noch der Ton, in dem Sie dieselbe zu stellen belieben, verpflichten mich zu einer Antwort!" Diese mit großer Ruhe gesprochenen Worte wurden von einem verächtlichen Achselzucken begleitet. „Entschuldigen Sie, mein Herr, ich bin Jude, und es steht mir daher das Recht zu, eine Antwort zu verlangen. Uebrigens thue ich es in höflicher Form, — ich bitte darum!" „Welch eine typische Arroganz liegt in dieser Zudringlichkeit! Ich gebe keine Antwort und — fertig ist's." „Ich verstehe, was unter „typischer Arroganz" gemeint ist, und sehe mich um so mehr veranlaßt, Sie um eine Antwort zu ersuchen. Uebrigens werde ich eine solche zu erzwingen verstehen." „Nun, sehr schön, Sie zwingen mich dazu. So sollen Sie es denn hören: jüdisch — das heißt: gemein, nichtswürdig, feige!" Bei diesen Worten wandte er mir den Rücken, um in sein Cabinet zu gehen. Rasend vor Zorn, — wie ein verwundetes Thier, — stürzte ich ihm nach und versetzte ihm einen Schlag in's Gesicht. Mit welchem Ekel hatte ich ehemals über diese brutale Art, sich Genugtuung zu verschaffen, geurtheilt! DerSecretär stürzte auf mich zu; mit riesengroßer Kraft befreite ich mich aus seinen Armen und auf der Schwelle stehend, warf ich nur das eine Wort hin: , „Ein Duell!" „Ein Duell! Mit Dir, schmutziger Jude? Ha, ha!" Mein Gegner lachte und fluchte gleichzeitig. Noch im Vorzimmer hörte ich das verächtliche, gellende Lachen. Indessen war die Beleidigung doch eine zu starke gewesen. Das Duell fand statt, obgleich ich der Versuchung, meinen wahren Namen zu nennen, siegreich widerstanden hatte. Ich verwundete meinen Gegner und wurde zu mehreren Monaten Festungshaft verurtheilt. Doch war die Wunde nicht tödtlich. Bor meiner Mutter, die damals im südlichen Frankreich weilte, verheimlichte ich selbstverständlich diese Episode, wie alles Bittere, was mir mein neues Leben in Hülle und Fülle brachte. VIII. Bei Wiedererlangung der Freiheit fand ich alle Zeitungsredactionen vor mir geschlossen. Da ich ganz mittellos war, inserirte ich, daß ich eine Stelle als Erzieher suche und erhielt