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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Seite 3i3 Vr. Bloch's WortzrnjÄMl. London. (Reiche Spenden.) Am 24. April wurde zu Gunsten der jüdischen F r e i s ch u l e im Restaurant des Trocadero unter Vorsitz des Lord.Rothschild ein Festessen gegeben, an dem die vornehmsten Juden Londons theilgenommen haben. Anwesend waren u. A. Lord Reay, Sir George Faudel Phillips, Sir Edward Saffoon u. A. m. Das Ergebniß der auf dem Diner erfolgten Sammlung war so überaus reichlich, daß nicht nur die verlangten 11.000 Pfd. St. voll eingegangen sind, sondern sich noch darüber hinaus ein Ueberschuß von 2000 Pfd. St. ergab. Das eine Festessen hat der jüdischen Freischule 13.000 Pfd. St. -- 260.000 Mk. eingebracht. Leeds. (Die internationale jüdische Schneiderinnen-Union), welche seit 1896 in Leeds besteht, ist die einzige Verbindung jüdischer Arbeiterinnen in der ganzen Welt. Selbst solche jüdische Centren wie London und New-Aork, wo die armen jüdischen Sklavinnen der Nadel zu vielen Tausenden leben, können eine Organisation jüdischer Arbeiterinnen bis jetzt nicht aufweisen. Die Union besitzt eine Krankencassa, welche den Mitgliedern im Nothsalle 24 Wochen lang Unterstützung zahlt und für Arzt und Apotheke aufkommt. Ferner besitzt die Organisation einen Strikefond, aus dem im Falle eines Strikes den strikenden Arbeiterinnen 9 sh die Woche ausgezahlt werden. Durch die Existenz dieses Strikefonds ist es in 5 Jahren gelungen, bei manchem Artikel den Stücklohn um volle 3 sh zu erhöhen, wodurch der Wochenverdienst der jüdischen Arbeiterinnen jetzt 8—20 sh erreicht hat. In diesem Jahre wurden sämmtliche Differenzen mit den Arbeitgebern auf dem Wege des Schiedsgerichtes zu Gunsten der Arbeiterinnen entschieden, so daß keine Strikegelder zu zahlen waren. Die Einnahmen der Union betrugen in diesem Jahre 36, die Ausgaben der Krankencassa 32 Pfd. Sterling. Der eiserne Fond beläuft sich jetzt auf 32 Pfd. Sterling. Vermischtes. Wien. (Jüdisches Museum.) Kommenden Samstag gelangen unter Anderem zur Ausstellung: Porträt des Landesschulrathes Dr. Gustav Kohn, vom Maler D. Kohn; Porträt des kais. Rathes Dr. Lieben, Oelgemälde von Krestin; Bronce- Plaquette zur Erinnerung an den vierhundertjährigen Bestand der niederösterreichischen Statlhalterei. Geschenk des Statthalters an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Bibel, Geschenk der Königin Elisabeth von Preußen an das Ehepaar Huldschiner in Gleiwitz, zu deren goldenen Hochzeit. Wiener Hagadah aus dem Jahre 1823. Beide werthvolle Bücher Geschenke von Herrn und Frau Adolf Fleischer an das jüdische Museum. Wien. Am Sonntag den 12. Mai l. I., um 4 Uhr Nachmittags, findet im Synagogen-Berein „Beth-Jsrael" im Sitzungssaale des Vereines ll., Leopoldsgaffe 29, eine außerordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: I. Bericht des Obmannes; ll. Wahl eines Obmannes mit dreijähriger Functionsdauer; HL Wahl von 14 Vorstandsmitgliedern, und zwar 8 Vorsteher und 6 als Bethausvorsteher, ebenfalls auf drei Jahre, ferner 3 Revisoren und 3 Schiedsrichter mit einjähriger Functionsdauer; IV. Eventualien. Wien. (Verlobung). Herr Bernhard B a r b e r, Mitchef der Firma Brüder Barber in Wien, der älteste Sohu unserer Mitarbeiterin Frau Jda Barber und des Herrn Max Barber, hat sich mit Frl. Olga Prager verlobt. Wien. (Spende.) Für die Dienstmannswitwe mit den 7 Kindern sind uns unter Chiffre ,J. W. 20" X 10'— zugekommen. Wien. Eines der hervorragendsten Mitglieder der türkischisraelitischen Gemeinde in Wien ist Dienstag, den 16. v. M., nach längerer Krankheit im 60. Lebensjahre verschieden. Herr Heinrich M. Elias, Mitchef des in weitesten Kreisen bekannten Großhandlungshauses A. H. Elias, Verwaltungsrath mehrerer Institute, war durch sein liebenswürdiges Wesen, durch seinen seltenen Charakter und seinen vielbethätigten Wohlthätigkeitssinn eine allgemein geachtete und verehrte Persönlichkeit. Die türkisch-israelitische Gemeinde verliert an dem Dahingeschiedenen einen warmen Förderer. Die Familie A H. Elias hält noch strenge an den alten Sitten und Gebräuchen der jüdischen Religion. Der frühere Senior des Hauses, Herr Menachem H. Elias s. A.. welcher vor circa zehn Jahren im hohen Alter gestorben ist, machte viele namhafte großherzige Stiftungen und widmete ein Haus, in welchem die Beamten der Gemeinde unentgeltliche Wohnungen haben. Ferner gründete er ein Beth-Hamidrasch und ließ Wohnungen einrichten für fremde, zugereiste, orientalische Israeliten. Das Leichenbegängniß des Herrn Heinrich Elias gestaltete fich zu einer allgemeinen Trauerkundgebung Md erschienen im Trauerhause der Präsident der Cultusgemeinde, kaiserl. Rath Heinrich Klinger, Baurath Wilhelm Stiaßny, Dr. Alfred Berger, kaiserl. Rath Vogel, kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, Ortsschulrath S. Heit, die Präsidenten der türkisch-israelitischen Gemeinde Marcus M. Russo und Licco Adutt, der Vorsteher der türkischen Chewra-Kadischa. Licco Ruffo, die Obmänner der einzelnen Humanitären Vereine, fast sämmtliche Mitglieder der türkisch-israelitischen Gemeinde und viele Trauergäste aus allen Kreisen der Wiener Gesellschaft. Obercantor Bauer trug unter Assistenz des gesammte Chores die üblichen Pfalmengebete tiefergreifend vor, während Rabbi Papo alle Tugenden des Verblichenen in der Trauerrede schilderte. Wien. Herr Fabriksbesitzer S. Steiner hat einen schwereu Verlust erlitten durch den Heimgang seiner hochbetagten, 97 Jahre alt gewordenen Mutter, Frau Ludmilla Steiner. Die Heimgegangene war eine fromme und tapfere Frau, welche vor 55 Jahren Witwe geworden, vermögenslos mit sieben Kindern, deren ältestes erst 11 Jahre zählte, zurückblieb. Sie nahm den Korb auf den Rücken und ging hausiren, um Nahrung für ihre hungernden Kinder zu schaffen. Durch ihre Redlichkeit und ihren frommen Sinn hat sie sich allgemeines Vertrauen erworben, und es ist ihr gelungen, ihre Kinder gut zu erziehen, welche jetzt geachtete Stellungen einnehmen. Ihr Ansehen stieg und sie wurde nicht blos von einer zahlreichen Schaar der Enkel und Urenkel, sondern auch in der ganzen Gegend von Klattau (Böhmen) und Umgebung als Patriarchin verehrt. Dies zeigte sich insbesonders bei ihrem Leichenbegängniffe. Juden und Christen wetteiferten, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr. Wolf widmete ihr im Trauerhause einen würdigen^ Nachruf. Ihrem Wunsche entsprechend wurde sie nach Janowitz a. d. Angel überführt, um an der Seite ihres Gatten gebettet zu werden. Wien. (Nachruf). Am 27. April verschied nach einer dreiwöchentlichen tückischen Krankheit der einzige Sohn des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Salo Rappaport, der 15jährige Gymnafialschüler Bruno Rappaport. Ein erschütterndes Drama hat hier wieder seinen traurigen Abschluß gefunden. Ein reich begabtes Talent, ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigendes junges Leben — ausgestattet mit den seltensten Gaben des Herzens und Geistes — wurde zu Grabe getragen und mit ihm die stolzen Hoffnungen, die Lebensfreude der noch vor Kurzen so glücklichen, nun aber von grenzenlosem Jammer gebeugten Eltern. Schmerzerfüllt umstanden die ärztlichen Freunde und Berather des Hauses, welche das fliehende Leben nicht aufzuhalten vermochten, das Krankenlager. Wer in der schweren Zeit der erforderlichen aufopferungsvollsten Pflege Gelegenheit hatte, die schmerzensreiche Mutter des Verstorbenen zu beobachten, dem mußte das hohe Lied von den erhabenen Mutterpflichten und der Allmacht der Mutterliebe in der leuchtendsten Gestalt vorschweben. Diese Mutter, die Führerin, Freundin, Lehrerin des in Jugendfülle blühenden Sohnes war, die mit allen Fasern ihres reichen Mutierherzens an dem Verstorbenen hing, mit mütterlichem Stolze dem Gedanken an deffen vielverheißender Zukunft nachhing, auch nach dem Tode überließ sie nicht ein Körnchen ihrer Pflichten andern Händen; der Thränenquell versagte bereits dem Borne des wehevollen Mutterherzens, aber mit festen Händen nähte sie das Todtenhemd für ihr heißgeliebtes entschlummertes Kind. Zahlreiche Kundgebungen des tiefsten Mitgefühles über diesen harten Schicksalsschlag kommen den gramgebeugten Eltern aus allen Gesellschaftskreisen zu. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Todtenfeier. Zahlreiche Leidtragende, unter Anderen sämmttiche Mitschüler des Verstorbenen in Begleitung mehrerer Profefforen, gaben dem zu früh Verblichenen das letzte Geleite. — Nach der meisterhaften Abfingung der Trauergesänge durch Obercantor G ut t m a n n hielt Se. Ehrwürden Dr. Schmidt einen wahrhaft erschütternden Nachruf; kein Auge blieb thränenleer bei den aus schmerzerfüllter Seele kommenden Worten des greisen Redners. Hierauf nahm Profeffor Smolle im Namen der Profefforen und der Kameraden des ausgezeichneten Schülers, bei denen er sich der aufrichtigsten Liebe und der größten Werthschätzung erfreute, in tiefbewegten Worten Abschied von dem theuren Todten und das Grab schloß fich über ein junges hoffnungsreiches Leben. Möge Gott die gramgebeugten Eltern und Angehörigen trösten und dem Dahingeschiedenen die Erde leicht werden laffen! Charlotte Frischauer. E. B. Wien. (Verein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande". Die durch ihre Wohlthätigkeit bekannte Frau

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