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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Str. 18 Dr. Blach's WockrenschrM» Sette 311 7) Josef Hofmann, Bürgerschullehrer, Leiter der gewerblichen Fortbildungsschule^ 8) Hermann Jakob, Buchhändler und Hausbesitzer, 9) Franz Küffl-Zahles, Restaurateur und Hausbesitzer, 10) Karl Schmidt, Baumeister und Hausbesitzer. Wenn wir diese Liste durchsehen und ernstlich oarüber Nachdenken, wie wohl der größere Theil dieser Herren zu einem Mandate für das Collegium kam, beziehungsweise welche Verdienste sie sich um die S tad t ge m e i n d e oder sonst im öffentlichen Leben erworben haben, so ist die Ausbeute äußerst gering. Der größere Theil hat seinen Collegiumssitz einzig und allein seiner ausgesprochenen antisemitischen Gesinnung zu danken und darauf dürfen die Herren sich gewiß nichts eiubilden, ini Gegentheil, wir finden das Thun und Treiben von Leuten dieser Art verwerflich, die Interessen unserer Curstadt schädigend und von diesem Gesichtspunkte aus werden wir stets, wo immer wir uns mit ihnen in ihrem öffentlichen Wirken zu beschäftigen haben werden, auf die Schädlichkeit derselben für unseren Curort niit kräftigen Worten Hinweisen. Mattau, 29. April 1901. Heute fanden zwei constituirende Versammlungen statt. Der Cultusvorstand besteht aus drei Vertretungskörpern: a) aus dem eigentlichen oder engeren Vorstand, b) aus dem erweiterten und c) aus der sogenannten Umlagecommission. In den engeren Ausschuß wurden gewählt die-Herren: Josef Treichlinger, Cultusvorsteher; JUDr. Isidor Fleischer, Obmann-Stellvertreter; Lazar Pollak, Tempelvorsteher; Josef Feigl, Cassier und ll. Obmann-Stellvertreter; Daniel Brummel, Rechnungsführer; Adolf Drucker, ll. Tempelvorsteher; MDr. Reiser, Adolf Löwy, Moriz Brumme! und Heinrich Singer, Ausschüsse; Albert Schütz, Leopold Schleißner und Karl Wiener, Ersatzmänner. In den erweiterten oder verstärkten Ausschuß wurden berufen die Herren: Adolf Drucker, S. I. Krauskopf, Adolf Wiener, Friedrich Laschansky, Ignaz Lederer, Franz Löwy. In die Umlagecommiffion kamen die Herren: Rudolf Fleischer. Simon Hohn, JUDr. Joachim Steiner, Leo Ehrlich. In Anbetracht des ziemlich hohen laufenden Budgets wird es wohl viel Klugheit und eines hohen Opfermuthes bedürfen, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Bei der Constituirung des Präsidiums des Franz Josef I. Jubiläums-Frauen-Bereines wurden gewählt die Frauen: Julie Singer, Präsidentin; Mathilde Feigl, Stellvertreterin; Antonie Treichlinger, Caffierin; Rosa Fleischer, Anna Süßland, Jenny Brumme! und Bertha Steiner, Ehrendamen. Dieser Wohlthätigkeitsverein besitzt ein Baarvermögeu von L 54-57 91. Aus dem Cassaberichte konnte man entnehmen, daß sich dieser Verein seiner humanen Aufgabe wohl bewußt ist und daß er für seine nothleidenden Mitglieder Nennenswerthes geleistet. Bielitz. (Vortrag der Frau Dr. S. A. W e i ß über V i c t o r i a - S ch w e st e r n.) Ein den großen Kaiferhofsaal füllendes, ausgezeichnetes und vorwiegend aus Damen bestehendes Publicum hatte sich dieser Tage Nachmittags zu dem angesagten Vortrage eingefunden. Herr Bürgermeister Steffan begrüßte die Erschienenen und hob hervor, daß Frau Weiß denselben humanitären Zielen huldige, welche vom Rothen Kreuze erstrebt werden, und lud dann Frau Weiß ein, ihren Bortrag zu beginne», nachdem er vorher ihrem selbstlosen und opferwilligen Streben Anerkennung und Dank gezollt hatte. Frau Dr. S. A. Weiß führte nach der historischen Einleitung zum Gegenstände ihres Vortrages aus, daß sie zwar das selbstverleugnungsvolle und opferwillige Wirken der kirchlichen mit der Krankenpflege beschäftigten Frauenorden hochschätze und anerkenne; daß aber anderseits die Anzahl dieser Pflegerinnen viel zu gering ist und. die meisten bei ihrer sonstigen Kasteiung viel zu früh für ihren schönen Beruf erliegen. Was das moderne Krankenhaus braucht und was ihm in Deutschland, speciell Preußen, bereits geboten wird, ist die intelligente, für ihren Beruf praktisch und theoretisch geschulte, mit ihrem Lebenslose zufriedene Krankenpflegerin, die, ohne für geringen Lohn ausgenützt zu werden, in den Krankenpflege einen materiell lohnenden, auch Herz und Gemüth anregenden Beruf findet. Eine Jdealtype des Krankenpflegerberufes ist die Bictoriaschwester, welche im Berliner Victoriaheim nach allen oben angegebenen Richtungen ausgebildet wird. Es widmen sich dem Krankenpflegerdienste in dieser vervollkommneten Art Krankendienst Damen der besten Gesellschaftsklassen, aus den Kreisen der Officiere, hohen Beamten, Gutsbesitzer, Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und ähnliche, wofür ihnen ein auskömmliches Dasein ohne Neberanstrengung und mit Ausschluß aller sogenannten groben, nicht in den Umfang der eigentlichen Krankenpflege fallenden Arbeiten, feine, tactvolle Behandlung, auf die Damen Anspruch erheben können, und schließlich auch Altersversorgung geboten werden.. Die Vortragende hat während eines sechswöchentlichen Aufenthaltes im Berliner Friedrichheim die Organisation der Bictoriaschwestern aus dem Grunde kennen gelernt und schildert die Heranbildung, Verwendung, Leistung und Führung der Institution als die eines Ideals der Krankenpflege und des Berufes der Frauenthätigkeit. Die Durchführung hat nach Allem zur Voraussetzung das Vorhandensein reicher Geldmittel, und Biktoriaschwestern nach Berliner Art werden wahrscheinlich für nicht reich dotirte Krankenanstalten und ärmere Bevölkerungskreise noch sehr lange eben ein Ideal bleiben; für die besitzenden Privaten und wohldotirte Krankenanstalten müffen sie ein nicht genug anzuerkennender Segen sein. Frau Dr. Weiß, welche die Versammelten durch schmeichelhafte Anerkennung auszeichneten, hat den unbestrittenen Anspruch, die Verdienstlichkeit des Krankenpflegerberufes auch den Kreisen der guten Gesellschaft begreiflich gemacht und nahegelegt zu haben, und man darf mit ihr einstimmen in den Wunsch, daß auch die österreichischen Frauen Berständniß für die Ideale finden, welchen die Berliner Biktoriaschwester als Berufs-Krankenpflegerin zustrebt. Budapest. Der Bischof von Kaschau, Sigmund v. BnbieS. fierte vor Kurzem seinen 80. Geburtstag. Unter den zahlreichen Glückwünschen, welche dem greisen Kirchenfürsten aus diesem Anlässe zukamen, befand sich auch ein Gratulationsschreibe» der Kaschauer Judengemeinde. Der Bischof beantwortete dasselbe mit folgenden bemerkenswerthen Ausführungen: „Ich that nichts Anderes, als daß ich, so weit es in meiner Macht lag, mich treulich bestrebt habe, meine Miffion zu erfüllen. Zu derselben gehört auch die Pflege der Liebe und Toleranz auch denjenigen gegenüber, die Gott, unseren gemeinsamen Vater und Beschützer, in anderer Weise verehren als wir. Ich achte daher auch Ihre religiöse Ueberzeugung. denn es ist nicht nothwendig, erst zu betonen, daß der mosaische Glaube, der sich durch ferne Reinheit vor allen Religionen des Alterthums auszeichnet, als der von Gott und seinen Propheten verkündete Glaube das Vorbild und der Vorgänger unseres Glaubens war, den Gott durch seinen heiligen Sohn gelehrt und verkündet hat. Die Heiligen des Alten Testamentes sind ja auch die unserigen, und die Propheten des Alten Testamentes find auch unsere Propheten. Wen« auch mit dem Abschluffe des alten Bundes unsere Wege auseinandergehen, so wird uns das nicht daran hindern, daß die brüderliche Liebe, die Liebe der Kinder Gottes, uns gegenseitig befreit** Könitz. Der im October v. I. vom Schwurgericht hier wegen wissentlichen Meineids zu einem Jahre Zuchthause verurtheilte Kaufmann Jakob I a c o b y aus Tuche! ist vom Kaiser zu sechs Monaten Gefängniß begnadigt worden. Auch find ihm die aberkannt gewesenen bürgerlichen Ehrenrechte wieder zuerkamck worden. Kaufmann Jacoby war von halbwüchsigen Bursche« durch „Hepp-Hepp"-Rufe belästigt worden und soll dabei seine« Unwillen durch Worte wie „Lorbaß" u. s. w. Ausdruck verliehe« haben. In einem Strafverfahren gegen die jugendlichen »Hepp» Hkpp-Rufer" hat Jacoby als Zeuge diese seine Aeußeruugea eidlich in Abrede gestellt. Dies hatte dann die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Jacoby wegen Meineids zur Folge» das mit seiner Berurtheilung zu einem Jahre Zuchthaus endete. Berlin, 18. April. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 16. d. Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann aus Wien den letzten der öffentlichen Borträge dieser Saison über Bileam. In der geistreichen Weise, die Alle längst schätze» gelernt haben, die die Eigenart dieses Gelehrten kennen, wußte der Redner die ganze Geschichte von Bileam als ein feines Satyrspiel zu charakterisiren. Die Durchführung Vieser A>ee war geradezu frappirend. Und nicht weniger geistreich war die Parallele mit der griechischen Sage von dem blinde» Setzer Teiresias und vom König Oedipus. Ja, bis auf die Ballade vo» Bürger „Der Kaiser und der Abt'' hinab verfolgte der Vortragende die vergleichenden Momente der Sage. Ei» außerordentlich zahlreiches und distinguirtes Publicum folg'e de» interessanten und fesselnden Ausführungen des gefeierten Redners bis zum Schluffe mit gespannter Aufmerksamkeit und gab» seinen Dank durch wiederholten lebhaften Beifall freudigen Ausdruck. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur konnte feinem Arbeitsjahr keinen würdigeren Abschluß geben als durch diese» geistvollen Bortrag des ausgezeichneten Mannes, der ofö Redner wie als Gelehrter immer zu fesseln weiß.

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