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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 810 Vr» BloEs Wochrnl^gM Nr. 18 Allem iw Tone der Wiener und auswärtigen antisemitischen Hetzpresse von dem »Polnaer Ritualmordproceß" gesprochen, der für de« Correspondenten feststeht, trotz der Begründung des Obersten Gerichtshofes und ganz entgegen den Intentionen der »Kölnischen Zeitung", die sich schon des Oefteren in objectivster und unparteiischer Weife gegen das Bestehen eines Ritualmordes ausgesprochen hat. Um so verwunderlicher, daß die Redaction dieses so vornehm geführten Blattes derartige antisemitische und gehässige Entgttisungen ihres Wiener Vertreters passiren läßt. WeiterS spricht Dr. Johannes Meißner von dem »jüdischen Strolch HilSuer". Was find dem Corresponventen der »Kölnischen Zeitung" dir zahlreichen arischen Strolche, die jahraus, jahrein Verbrechen. Vergewaltigungen,. Unzucht, Schändung u. s. w. treiben? Hekuba! Luft! Nichts anderes. Wir gehören zu den eifrigen Lesern dieses Blattes, speciell jener Nachrichten, die mit den bekannten Schlangenlinie« chistrirt sind, allein wir erinnern uns nicht, jemals über einen uud sei es auch nur den kleinsten »christlichen" Strolch gelesen zu haben, will sagen, daß Herr Dr. Meißner diese Confesfions-llgehörigkeit hervorgehoben hätte. Mein die Unthaten des »jüdischen Strolches" kann er nicht rasch genug den Lesern seines Blattes drahten. Wien, 26. April. (Nochmals der antisemitische Beschützer der Religion.) Wollte er sich vielleicht einen Ablatz der Sünden verschaffen, der 22jährige Eduard V u k o v i c Edler v. Beregeczey, als er kürzlich in der Servitenkirche einen jungen Mediciuer des unanständigen Benehmens beschuldigte, ihn ohrfeigte und ihm ein« Beruktheiluug zu einer Woche Arrests zuzog? Er war so zartfühlend und fromm in der Kirche und rächte seine beleidigte religiöse Empfindung nicht nur mit fe ner Hand, sonder» nahm auch den Arm des Gerichtes in Anspruch. Außerhalb der Kirche war er indeffen ein Anderer. Zur Zeit des erwähnten Vorfalles war er schon wegen zweier Betrügereien za zeh» Tagen Arrests verurtheilt worden, und nun hatte er sich bei» Bezirksgerichte Leopoldstadt abermals wegen Betruges, sowie wetze« Wachebeleidigung zu verantworten. Vukovic, der sich als antisemitischen Journalisten bezeichnet, wohnte vor einiger Zeit beim Bezirksgerichte Leopoldstadt einer Verhandlung bei,. in welcher ein FabrikaNtenssobn wegen Wachebeleidigung verurtheilt worden war. Wenige Stunden nach der Verhandlung erschien Vukovic beim Verurteilten »nd erklärte sich bereit, gegen ein entsprechendes Honorar — er umrNte 30 K — de» Fall in der Wiener Presse zu verschweigen; er nannte sich bei dieser Gelegenheit Earl Joseph Haas und gab sich für einen Mitarbeiter der Eorrespondenz „Gerichtshalle" aus, welche filr fämmtliche Wiener Blätter berichte. Vuwvic verpflichtete sich schriftlich, baß in keinem Blatte etwas von dem Falle erscheinen werde, und erhielt von dem Verurteilten — es war dies der Fabrikantenssohn Gustav Hirschfeld — den Betrag von zehn Kronen. Da jedoch der FM, von der „Gerichtssaal-Correspondenz" ausgeschickt, in emigen BlÄtern erschienen war, erstattete Hirschfeld gegen Vukovic die Anzeige. DaS Landesgericht leitete vorerst aus diesem Anlasse gegen Vuwvic Vorerhebungen wegen Verbrechens der Erpressung ein, stellte diese jedoch ein und trat den Act dem Bezirksgerichte Leopoldstadt ab zur Amtshandlung gegen Vukovic wegen Betruges. Die Kebertretung der Wachebeleidigung hatte Vukovic dadurch begangen, daß er, vom Wachmanne Jordan wegen nächtlicher Ruhestörung abgemahnt, demselben zarief: „Sie verstehen Ihren Dienst nicht, wenn Sie mich nicht arretiren!" Bei der heutigen Verhandlung gab der Angeklagte zu, von Hirschfcld ein Schweiggeld verlangt und erhalten zu haben; er bestritt jedoch, sich als Mitarbeiter der erwähnten „ Gekichtssaal-Correspondenz" ausgegeben zu haben, und meinte, daß das Ganze nur als civilrechtliches Verhältnitz zwischen ihm und Hirschfeld aufzufaffen sei. Von der Schamlosigkeit eines solchen Begehrens überhaupt schien er keine Ahnung zu haben. Nach Einvernahme eines Mitarbeiters der „Gerichtshalle" und des Zeugen Gustav Hirschfeld, welcher die Anklage vollinhaltlich bestätigte, beantragte der staatsanwaltschastliche Funktionär Dr. Beckmann die strenge Bestrafung des Angeklagten, mit Rücksicht auf dessen Vorstrafe und dessen an Erpressung grenzendes Vorgehen. Der Richter, Gerichtssecretär Doctor Heberdey, verurtheilte den Angeklagten wegen Betruges und Wachebeleidigung zu vierzehn Tagen strengen Arrests, verschärft mit zwei Fasttagen, wobei er als erschwerend den Bruch des Vertrauens annahm, welches Vukovic gleich den übrigen Journalisten bei Gericht genoß. Der Verurtheilte hielt sich öle Bedenkzeit offen. Wie». (Humanitärer Verein „Tomech E wjaunim*‘,) Unter den viele« Wohlthätigkeitsvereinen, die ihr EnHehett tfnfc Gedeihe» einzig und allem der Opferwilligkeit «d MmMcenz der hiesige« Judenschast verdanken, verdient »»hl der Verein „loweesi Lrvjaunirrl" zur UnterMtzung armer jüdischer Zngrreister^ L, Herminengaffe 6, mit Füg und Recht beleuchtet zu werden. Als ob sie die Devise des Vereines, die da lautet: „Lol dichfin jesse wejechaul“, »Wer da.Roth und Hunger hat, der komme, esse und labe sich", zu hohen Ehren und zur vollen Geltung bringen wollten, schaaren sich allsabbathlich nach dem Gottesdienste in den Synagogen zahlreiche zugereiste Fremde um die daselbst anwesenden Vorstandsmitglieder, um von ihnen die üblichen Speisemarken ausgefolgt zu erhalten, jenes Freibillet, das ihnen auf ihrer fortwährenden, beschwerdevollen Nomadenwanderung wieder einmal einen ordentlichen Bisien, ein menschenwürdiges Mahl, eine erquickende und stärkende Labung an gastlicher Stätte im Restaurant Kalman B i b r i n g II., Große Schiffsgaffe, sichert. So war es auch am verflossenen Pessachfeste, an welchem 492 Personen verköstigt wurden. Besonders an den beiden Seberabenden war es herzergreifend und erbauend anzusehen, wie die Freitisch-Bedachten, unter denen sich diesmal eine stattliche Zahl Auswandererfamilien aus Rumänien befanden, ernst und andächtig an der eigens für sie im Restaurationslocale improvisirten Sederceremonie theilnahmen, wie wohlthuend und erhebend dieser Act der Gastfreundschaft auf ihr schwer bedrücktes Gemüth einwirkte und wie dankerfüllten Herzens sie das ihnen von mitfühlenden und mitleidigen Stammesgenoffen in so humaner Weise Dargebotene entgegennahmen. Da der Verein, wie eingangs erwähnt, auch der heimischen Armuth und Dürftigkeit sein Augenmerk zuwendet und derselben überall, wo sich die Nothwendigkeit und Würdigkeit herausstellt, unter die Arme greift, und da die Leitung des Vereines, an deren Spitze Obercantor Schorr steht, nach wie vor selbstlose Männer zu seinen Mitgliedern zählt, so kann wohl angenommen werden, daß hochherzige Wohlthäter ünd Menschenfreunde sich finden werden, die dieses hilfreiche, segenbringend« Institut der Nächstenliebe durch regen Beitritt und Speiidenzüschuß fördern, unterstützen ünd zur gedeihlichen Weiterentwicklung verhelfen werden. Am ersten Sederabend hielt auch Herr Obercaütor Schorr an die anwesenden Gäste eine sehr warme Begrüßungsansprache. sprach- oder Religionslehrer? (E i n g e s e n.d e t.) Bei Beginn eines jeden Schuljahres bringt der Direktor oder Schulleiter in der Conferenz sämmtlichen Lehrern den Erlatz des Landesschulrathes in Erinnerung, laut welchem den israelitischen schulbesuchenden Kindern an den israelitischen Feiertagen das Schreiben zu erlassen ist. Nun würde man meinen, daß unsere Herren Volksschullehrer, die zumeist auch Religionslehrer sind, diesen wesentlichen Bestandtheil der ReligiöNsgesetze auch stricte durchzuführen bestrebt sind. Nichts weniger als das. Nicht nur, daß sie den Schülern den Begriff eines vom Staate gewährleisteten freiheitlichen Rechtes vorenthalten, haben sie nicht die geringste religiöse Mahnung für die aus Gleichgiltigkeit am Samstag schreibenden Schiller. Ja, es ist erwiesen, daß einige der Herren Lehrer selbst ihre eigenen Kinder am Samstag schreiben lassen. Kommt aber einmal die Irreligiosität unserer Jugend zur Sprache, so heißt es in Lehrerkreisen gewöhnlich, die häusliche Erziehung sei daran schuld. Meines Erachtens sollten die Herren Religionslehrer die irreligiösen Eindrücke, die das Kind im Elternhause empfängt, eher abzuschwächen suchen, als sie durch Jgnoriren religiöser Satzungen in der Schule, noch zu verstärken, was auch bei richtiger Auffassung and Verständniß ihres Berufes .leicht auszuführen wäre. Denn sie sind nicht nur Lehrer für das hebräische Lesen, sie sind eigentlich Lehrer für den israelitischen Religionsunterricht. Wien, 29. April l901. David Schwarz III., Radetzkystraße Nr. 10. Karlsbad. Das »Karlsbader Tagblatt" vom 26. April Unsere Antisemiten. Wir haben bis vor Kurzem noch rücksichtsvoller Weise die neugewählten 10 Herren Stadtverordneten im dritten Wahlkörper, so wie sie es gewiß gern sahen, »Deutschnationale" oder „Deutschradicale" genannt, deren Vorgehen am letzten Samstag im Neubade nöthigt uns jedoch, diese bisher geübte Rücksicht ein für allemal fallen zu lassen und sie mit jener Eigenschaft, die ihnen gebührt, zu bezeichnen, nämlich der der Judenhasser, beziehungsweise der Antisemiten, und damit Niemand im Jrrthum ist, wen wir damit meinen, so setzen wir die Namen derselben, nach dem Alphabete angeordnet, hierher. Es sind dies also die Herren: 1) Heinrich Eduard Anger, Besitzer des Etabkiffements „Sanssouci", Obmann des »Wandererclub", 2) Hugo Anger, Bäckermeister, Commandant des k. k. priv. Schützencorps. 3) Adolf Bernharth, Med.-U.-Dr., Badearzt, 4) Josef Dörfler, Kaufmann und Hausbesitzer, Obmann des »Karlsbader Sängerbund", 5) Josef Drumm, Zinngießer und Hausbesitzer, 6) Alfred Doroschkin, Redactenr des »Karlsbader Badeblatt",

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