Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 18 (3.5.1901)
- Date
- 1901-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 806 Nr. 18 Vr. Vlock's Wochenschrift. uau als übertrieben waren. Die Regierung gab die Zahl der Juden mit 600.000 an, während die von Cogalniceanu im Jahre 1869 vorgenommene Zählung ihre Zahl mit 318.300 festgestellt hatte. -Die große Zahl der Juden und ihre stetige Einwanderung nach Rumänien sind der stereotype Vorwand, auf den sich alle rumänischen Politiker berufen. Da sie wissen, daß mangels einer Statistik die Ziffern nicht controlirt werden können, haben selbst ernste Staatsmänner, wie Costaphoru, die Zahl der Juden auf 600.000 zu schätzen sich herausgenommen. Der Minister Cogalniceanu, der die Wahrheit erforschen wollte, ließ im Jahre 1869 eine Zählung der christlichen und der jüdischen Bevölkerung vornehmen, und um zu einer richtigen Ziffer der letzteren zu gelangen, beauftragte er zwei französische Juden, die sich damals in Rumänien befanden, den philorumänischen Journalisten Armand Lsvy und den Profeffor an der Schule St. Barbara, Anton Lövy, den Präfecten zu unterstützen und bei chren Glaubensgenoffen dahin zu wirken, daß sie den Beamten richtige Daten mittheilen. Nach dieser von Boörescu in seiner Denkschrift über die rumänische Gesammtbevölkeruug erwähnten Volkszählung hatte Rumänien damals 4,582.600 Einwohner und darunter 218.300 Juden, das ist etwa 5 Percent, ein Verhältniß, das in einem Lande, welches uur 35 Einwohner per Quadratkilometer besitzt, durchaus nicht übermäßig genannt werden kann. 11m seinen Vorschlag zu vertheidigen, hat Herr Boörescu für die rumänischen Juden ein biologisches Ausnahmsgesetz erfunden, indem er ihren Zuwachs mit 6000 jährlich angibt, was 2-75 Percent entspricht und einen riesigen Unsinn enthält, der jedes Beweises spottet. Auf Grund einer solchen Wachsthumsziffer müßte sich die jüdische Bevölkerung in 25 Jahren verdoppeln. Die angesehensten Fachmänner, wie Toussaint Loma, stellen aber fest, daß zur Verdoppelung der Gesammtbevölkerung Rumäniens — der christlichen und der jüdischen — 288 Jahre erforderlich wären. Ueberdies wird durch das statistische Material des Professors Felix, des Leiters des rumänischen Sanitätswesens, festgestellt, daß die jüdische Bevölkerung einen jährlichen Ueberschuß von 2350 Geburten über die Todesfälle aufweist. Darnach würde die Zahl der Juden seit 1869 bis zur Gegenwart auf 300.000 gestiegen sein — während sie in Wirklichkeit höchstens 200.000 beträgt. Die Juden wandern nämlich nicht, wie die rumänischen Politiker vorgeben, ein, sondern sie verlassen dies Land der Unduldsamkeit und Verfolgung, wie dies ja auch aus der Zahl der rumänisch-jüdischen Colouieu zu erkennen ist, die sich seit 1869 in allen Welttheilen gebildet haben. Die rumänisch-jüdische Colonie in New-Iork zählt allem 22.000 Personen und besitzt eine eigene Synagoge, mehrere Clubs und sogar eine eigene Zeitung „Ourierre ruinano-anierican“. Die Zahl der in Europa, Asien, Aftika und Australien eingewanderten rumänischen Juden kann mit 70—80.000 angenommen werden. Die von Professor Doctor Felix in der rumänische» Akademie der Wissenschaften bei seiner Aufnahme vorgelegten Tabellen über die Bewegung der christlichen und der jüdischen Bevölkerung in Rumänien liefern den augenscheinlichsten Beweis für das geistige und moralische Uebergewicht der Juden. Die anerkanntesten Biologen habeir festgestellt, daß^die Mortalität einer Bevölkerung mit chrem geistigen und sittlichen Stande in Beziehung steht mrd daß sie dem Grade der Civilisation entspricht. Es geht nun aus den oberwähnten vergleichenden Tabellen hervor, daß trotz der Gleichheit der Geburtsziffern die Sterblichkeit der Juden selbst auf dem Lande viel kleiner ist, als die der christlichen Bevölkerung, indem sie nur 56'12 Perceut der Geburten beträgt gegenüber von 83-30 Perceut der Letzteren. In den Städten, namentlich in den beiden Hauptstädten Bukarest und Jassy, ist die Verschiedenheit zu Gunsten der Juden noch weitaus größer. Während bei den Christen die Zahl der Todesfälle in einem Jahre in Bukarest die der Geburten um 1292, das ist 27 27 Percent übersteigt, in Jassy um 37-30 Percent größer ist (1231 Todesfälle, 1117 Geburten), zeigt sich bei den Juden ein Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle, und zwar in Bukarest von 173 32 03 Percent von 547 in Jassy 31-08 Percent. Während der 25jährigen Periode von 1870—1894 war die Sterbeziffer der orthodoxen städtischen Bevölkerung um 12 711 größer, als die der Geburten (566 936 Todesfälle, 554.225 Geburten), während in denselben Städten die Juden einen Ueberschuß von 51.716 der Geburten über die Todesfälle aufweisen (166.752 Geburten, 108.036 Todesfälle). Auf Grund dieser Wahrnehmungen muß man constatiren, daß der Jahreszuwachs der christlichen Bevölkerung um das Dreifache kleiner ist, als der der jüdischen, er beträgt 3 37 Percent bei den Christen, 10 18 Percent bei den Juden. Die in dem oben mitgetheilten Gespräch (2. August 1879) zwischen mir und Boörescu angeführten Antworten des Ministers auf meine Fragen enthalten ein von Boörescu vorher selbst gegebenes formelles Dementi derjenigen Angaben, die er später gemacht hat, und ich hatte seine damaligen Antworten sofort unserem Correspondenten zugesendet, damit er sie jenen Persönlichkeiten bekannt gebe, zu welchen Boörescu berufen werden sollte. Mitte September 1879 kehrte Boörescu von seiner Mission mit einem vollen Mißerfolge zurück. Keine der Mächte wollte sein Project genehmigen, allein er schmeichelte sich dennoch mit der Hoffnung, daß er sie demselben dank der Unterstützung Deutschlands geneigt machen werde, mit welchem die rumänische Regierung geheime Verhandlungen angeknüpft hatte, indem sie ein Arrangement der Stroußberg'schen Differenzen gegen die guten Dienste in der Judenfrage anbot. Vas rabbinilche Iudenlhum und die Briefe des ApaÜel Paulus. Rede vor der 8t.?2ll1'8 ASSOßiation am 31. November 1900, gehalten von C. G. M o n t e f i o r e. (Aus „The Jewish Quarterly Review“, Jänner b 01.) Aus dem Englischen übersetzt von Frau Dr. Rosa Wagner. (Fortsetzung.) Der Talmud bemerkt: Die Rabbinen haben gelehrt, daß ein Mensch sich immer als halbschuldig betrachten soll.'' Der Schluß, den Sie ziehen sollen, ist, daß, während es nie zu spät ist, sich zu bessern, es auch nie zu spät ist, zu sündigen. Die rechte Gesinnung ist daher zwischen sorglosem Vertrauen und verzweifelnder Furcht. Aber der hauptsächlichste Nachdruck wird zweifellos auf die Thorheit, die zweite Möglichkeit gelegt. Wer liest, was die Rabbinen über die Reue zu sagen haben, kann nie glauben, daß ihre Religion eine der Furcht war, noch ihr Gott ein Wesen, von vem man glaubte, daß es in furchtbarer Strenge die unwiderruflichen Urtheilssprüche das Maß für Maß fülle. Gerechter Weise können wir nur sagen, daß die Fehler einer ans dem Gesetz beruhenden Religion sich gelegentlich fühlbar machten. Der Mensch wurde manchmal zu sehr als ein Bündel Thaten und Absichten betrachtet. Von manchen Lehrern wurde er vielleicht zu wenig als Ganzes angesehen, welches nach einiger Zeit von einer gewissen unveränderlichen Charakterstarrheit erfüllt war. Das ,Jch* neigte dazu, sich in den äußerlichen Handlungen zu verlieren, oder damit verwechselt zu werden. Vielleicht ist dieser Fehler bemerkenswerther auf der Seite der Gerechten, als auf derjenigen der Gottlosen. Den Rabbinen war die zunehmende Macht der Sünde wohlbekannt, ebenso daß jedes Eingehen auf die Versuchung den Widerstand schwieriger macht. „Das^etrerHa-Ua ist zunächst schwach wie eine Frau, aber zuletzt stark wie ein Mann. Zuerst ist er schwach wie ein Spinngewebe, zuletzt ist er stark wie ein Schiffstau. Zuerst ist er nur ein wandernder Gast, zuletzt ist er der Herr des Hauses.") Die psychologischen Räthsel Plötzlicher Bekehrung vom Bösen zum Guten sind ihnen wohl bekannt und sie ') Weber pag. 233.