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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr 17 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seue 399 Ich war stumm, als stünde ich an einem geschlossenen Sarge, den weder Worte, noch Klagen zu öffnen im Stande sind. . . „Lebe wohl!" sagte ich, und brach in so lautes, so lange anhaltendes Lachen aus, daß man mich von der Straße zu einem Arzte sühren mußte. . . Aber lange Jahre noch hallte die bittende, gebrochene Stimme, die ich an der Schwelle vernommen, in meiner Seele wieder. „O, kehre zurück zu mir, kehre zurück! Um Gottes Willen, kehre zurück! Alles soll so sein, wie Du es wünschen wirst!* Ich kehrte nicht zurück, ich wußte, daß sie zu sehr leiden würde. . . So bin ich denn ganz allein! VI. Ich schwebe im Raume zwischen zwei Welten. Die Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend, mein Herz und meine Begriffe gehören der einen; zu der zweiten, fi.isteren, unbekannten, die meiner hellen Vergangenheit so feindlich gegenüberstand, trieb mich ein Pflichtgefühl und die immer deutlicher auftretende Ehrfurcht vor der Abstammung. Als Jude wurde ich Fanatiker der Ehre und der Selbstverleugnung. Es wäre wohl weder ein Beispiel, noch ein Verdienst, wenn ich von einem mitleidigen Christen mit genügenden Milteln versehen und durch dieses Mitleid bestochen, den leichten Kamps aufnehmen würde. Die reichen Juden — deren Zahl verhältnißmäßig eine sehr geringe — sehen von ihrem hohen, goldenen Thurme gleichgiltig aus die Wirren in den Niederungen hinab. Der Antisemitismus, an dessen Folgen die armen Juden so schwer zu tragen haben, ist für die Reichen das lästige Summen einer Mücke. Wenn ich das ganze Elend meines Volkes kennen lernen will, muß ich ein armer, um's tägliche Brot arbeitender Jude werden. Zwar hatte ich meine Bildung christlicher Gnade zu danken und auch etwas Geld für dre erste Zeit hatte ich von meiner Mutter annehmen müssen — sonst aber wollce ich vollkommen selbstständig sein. Anstatt also ins Ausland zu reisen, schlug ich meinen Aufenthalt in einer der Städte auf, wo meine Slammesgenoffen zu Tausenden sich der Ausnahmsgesttze erfreuten, die ihnen einerseits der Staat, anderseits ihre eigene Ueberlieferung auferlegten. Ich beschloß, diese traurigen Helden des Augenblicks, sowie die Sphäre, zu der ich eigentlich gehörte, des Genaueren kennen zu lernen und wenn möglich . . . eine neue, frisches Leben weckende Saat in ihrer Mitte auszustreuen. Entschlossen und doch im Unklaren mit mir selber, stand ich zu Begum meines neuen Lebens vor einer Frage, die, obgleich sie anfänglich mir eine formale und oberflächliche schien, mit solch' unerwarteter Raschheit wuchs und immer größer wurde, daß fie mir zuletzt jeden näheren und weiteren Ausblick verhüllte. Sollte ich auch fernerhin Christ bleiben, oder ein Bekenner der altehrwürdigen Bücher Jehova's, ein Verehrer des strengen, nur Israel liebenden Vaters werden? Sollte ich auch darin eins werden mit meinem Volke? Mich einimpfen in seinen Organismus? . . . Aber ich war mir deutlich bewußt, wie still und wahr ich denjenigen liebte, der uns neue Wahrheiten verkündet hatte; ich fühlte, daß ich selbst scheinbar nicht im Stande sein würde, ihm zu entsagen, und wäre es auch der höchsten Ideen und Ziele halber. Während meiner Universitätsjahce war mein kindlicher Glaube, indem er stufenweise das Gewand der äußeren Ceremonien abstreifte, gedämpft worden und scheinbar geschwunden. Unberührt jedoch war die wunderbar ideelle Gestalt geblieben, der ich ihrer ethischen Schönheit halber wie einem griechischen Marmorbild huldigte. Und nun begann diese Gestalt durch scheinbar geringfügige Ursachen immer lebendiger zu werden. Bald war es ein Maler, der durch eine eigenartige und erhabene Darstellung des göttlichen Meisters, bald ein Dichter, der durch seine hinreißenden Strophen meine Liebe zum Heiland entflammte, bald war es eine sternenhelle Nacht, die mich zu ihm geleitete. Während dieses Kampfes entdeckte ich, daß die zwischen mir und meinen Universitätscollegen existirende geistige Kluft viel größer war, als ich es anfänglich für möglich gehalten hätte. Ihr dreistes Negiren war nicht im Stande gewesen, meinen Glauben zu entwurzeln; derselbe hatte sich nur in das innerste Heiligthum meiner Seele geflüchtet. Dort lebte er und nahm immer neue, immer kräftigere Formen an. Auch ich kannte übrigens die Qual des Zweifels, die Krallen der Kritik und der Vernunft. Mit ohnmächtiger Verzweiflung stand ich angesichts des Räthsels des göttlichen Allerbarmens und des menschlichen Allmartyriums aber aus allen diesen Dornen schoß immer siegreich die flammende Blume der Liebe in die Höhe. Ich blieb Christ. Da mir das Gesetz keine amtliche Namensänderung gestattete, nahm ich einen Beinamen an. Als Jsmael betrat ich den Boden der uferlosen Wüste meines neuen Lebens. (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Sepher ha-Jesodoth“ (Das Buch über die Elemente) von Isaak ben Suleiman (Salomon) Israeli. Aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt von Abraham Jbn Chasdai. Zum ersten Male herausgegeben und mit Anmerkungen und einer biographischen Einleitung versehen von Dr. Salomon Fried ^Berl. I. Kaufmann, Frankfurt a. M. I960). Das alte Nilland Egypten hatte auch im Mittelalter unserer Geschichte mcht aufgehört, wichtigen Einfluß auf unseren Stamm zu üben und wenn auch nicht mehr in unserer politischen, so doch in unserer Literaturgeschichte ein bedeutsames Blatt einzunehmen. Die zwei geistigen Pionniere der wiedererwachenden jüdischen Wissenschaft im IX. Jahrhunderte unserer. Zeitrechnung, sie gingen Beide von Egypten aus, wo ihre Wiege stand und von wo aus sich ihr wissenschaftlicher Ruhm durch die Welt verbreitete. Wie durch den in Egypten eingewanderten Moses Maimonides die Wiffenschaft des Judenthums zu ihrer glanzvollen Sonnenhöhe gelangte, so hatte schon fast drei Jahrhunderte vorher diese große jüdische Wiffenschaft ihren leuchtenden Sonnenaufgang zwei großen Männern, Beide in Egypten geboren, zu danken: Isaak Israeli und S a a d i a Alsajümi. Die religiöse Scheu, welche die gelehrten Männer unseres Mittelalters davon abyielt, das Thorastudium zu ihrem Broterwerb herabzuwürdigen, trug dazu bei, den Strom ihrer Wiffenschaft in ein ganz neues Bett zu lenken. Sie warfen fich mit vollem Eifer aus das große Studium der M e d i c i n, um tüchtige, praktische Aerzte zu werden und dadurch ihre Lebensexistenz zu sichern. Dies erklärt die merkwürdige Erscheinung unserer Literaturgeschichte, daß alle Gelehrten unseres Mittelalters zugleich Aerzte waren. Sowie Maimonides seinem großen medicinischen Rufe seine Beförderung zum Leibarzte des berühmten Veziers A l f a d h e l verdankte, ebenso hatte der uns hier beschäftigende Isaak Israeli, welcher neun medicinische Werke verfaßte, dadurch unter seinen arabischen Z itgenoffen eine solche Berühmtheit erlangt, daß er zum Leibarzte von zwei telattutiidjert Königen berufen wurde. Durch das von uns hier angezeigte Werk „Ueber die Elemente" hatte sich Israeli auch unter den philosophischen Forschern des Mittelalters einen ehrenvollen Platz errungen. An dieses Hauptwerk schließt fich noch eine Reihe anderer philosophischer Schriften, welcher der gelehrte Herausgeber Herr Dr. Fried (S. 26) namentlich ansührt. Allein der Wahrheit die Ehre gebend, müffen wir bekennen, daß Isaak Israeli als philosophischer Forscher und Schriftsteller nicht jene Höhe erreicht hat, auf der sein jüngerer Zeitgenoffe, der hochbedeutsame Saadia Atfajümi steht. Die strittige Frage, ob die Autorschaft des Commentars zu Sepher Jezira dem Isaak Israeli zuzueignen sei, hat der gelehrte Herausgeber in seiner Einleitung (S. 30 ff.) durch kritisch sehr annehmbare Argumente gelöst und bejahend beantwortet. Rabbiner Dr. Adolf Schmied!. A lelek tragedlAla (Die Tragödie der Seele) auf Grund des Lehrgedichtes „Bechinath Olam“ von Jedaja ha-Penini Bedarefi, verfaßt von Dr. M. Klein, Rabbiner in Groß-Becskerek (1901, VIII u. 97 S>). Herr Rabbiner Dr. Klein, einer der besten Kanzelredner der Gegenwart, befaßt sich mit Vorliebe mit dem großen jüdischen Philosophen der spanisch-arabischen Periode, deren Meisterwerk, der „Führer" des Maimonides, von ihm schon früher ins Ungarische übersetzt wurde, wodurch der jungen ungarischen Literatur ein Werk zugeführt wurde, das in der Landessprache zu besitzen sonst nur den größeren Culturvölkern gegönnt ist. Auch die Uebersetzung des „Bechinath Olam“ ge- .chah im Interesse der Bereicherung der heimischen Literatur; „wenn

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