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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 296 Nr. 17 Dr. Bloches Wochenschrift gezeigt, der seinerseits dem Vorstand der jüdischen Gemeinde davon Kenntniß gab. In dem Schreiben des Grafen Mirbach wird mitgetheilt, daß die Zuwendung aus den der Kaiserin zur Verfügung stehenden Fonds für humanitäre Zwecke erfolgt. Die Spende ist bereits die dritte, welche seitender Kaiserin an die Wohlthätigkeitseinrichtungen der jüdischen Genieinde gemacht wird, da die Kaiserin schon früher das Erziehungshaus in Pankow und das Hospital der Gemeinde mit Geldzuwendungen bedachte. Breslau. (Hundertjährige Jubelfeier.) Die Industrieschule für israelitische Mädchen in Breslau beging am 28. März 1901 die Feier ihres hundertjährigen Bestehens, aus welchem Anlaß Frau Dr. Anna Honigmann, eine langjährige Vorsteherin der Schule, eine Ausstellung der im Lause des Jahrhunderts, von Schülerinnen der Anstalt gefertigten Handarbeiten, veranstaltete. Die Ausstellung bot ein interessantes, culturelles Bild von dem Frauenfleiß; vor tOO Jahren und seiner Entwicklung bis zur Gegenwart. Es waren Zeichen-, Stopf-, Muster- und Sticktücher aus allen Jahrgängen zusammengebracht, doch auch sehr kunstvolle Durchbrucharbeiten, Gold- und Silberstickereien, sowie Häckelarbeiten, welche beredtes Zeugniß ablegten von der trefflichen Leitung, unter welcher sich die Schule stets befunden haben mußte. Augenfällig tritt dabei hervor, wieviel größerer Werth um die Mitte der Fünfziger-Jahre auf Stricken und Stopfen gelegt wurde. Es befand sich unter Anderem ein Stopftuch mit 36 verschiedenen, kunstvoll gearbeiteten Stopfen, das von einem Mädchen im Atter zwischen 13 und 14 Jahren im Jahre 1833 gearbeitet war. Während früher die unsäglich mühsamen Arbeiten, welche namentlich die Augen sehr anstrengten, gefertigt wurden, tritt heute ein vereinfachtes Verfahren zu Tage, was bei der Kürzung der Handarbeitsstunden der Hygiene mehr entspricht. Die jetzige Lehrerin Fräulein Amalie Peiser, eine frühere Schülerin der Anstalt, zeigte in ihrer Ausstellung von 1901, welche sich den vergangenen Jahren anschloß, die mit größter Sauberkeit und Accurateffe gearbeiteten Gegen- Mude, vom einfachen Strickfleck an bis zum kunstvollen Monogramm und Nadelmalerei auf Decken rc. Unter den alten Arbeiten befand sich auch ein Ruhekiffen von 1827, auf welchem ein reizendes Mfienkränzchen, das noch in frischen Farben glänzte, in petit poiut gestickt war. Außerdem eine große Tischdecke auf weißem Tuch, auf welchem sich eine Guirlande aus erhabenen Bdlmen befand, die mit solcher Naturwahrheit gestickt war. daß man meinte, dieselben abpflücken zu können! Auch sehr fein gearbeitete echte Battist-Taschentücher mit Kanten von Spitzen - stich rc. rc. Die Gruppicung war mustergiltig. Merktafeln gaben au, in welchem Jahre die Arbeiten gefertigt waren und entsprachen^ diese aus früherer Zeit, sowohl wie die aus den letzten Jahren, ebenso die in jüngster Zeit gefertigten Zeichnungen, den hoben Anforderungen, welche man jetzt an die Schüler stellt. Sehr schade, daß die Ausstellung nur so kurze Zeit währte. Sie war von großem, culturhistorischem Interesse! Am Donnerstag, Nachmittags 4 Uhr, fand die Festfeier statt. Sie wurde mit der Jubel-Motette von Lewandowsky eingeleitet. Nachdem von einer Schülerin ein von einer Lehrerin der Anstalt verfaßter Prolog gesprochen ward, hielt Herr Rabbiner Dr. Guttmann eine geistvolle Rede über die Erziehung. Im Namen des Magistrates und der Stadt überbrachte Herr Stadtschulinspector Dr. Haudlos Gruß und Segenswünsche dem Jubelkinde und gedachte in warmen Worten des von wahrem Idealismus beseelten Tobias Hiller. des Begründers der Anstalt. Seine zu Herzen gehende Rede klang in die Mahnung aus: »Wer seinen Nächsten verachtet, sündigt; wer sich aber des Armen annimmt, wird selig! Darauf richtete ein Vorstandsmitglied, Herr Laqueur Worte des Dankes an die Lehrer. Clavier- und Gesangsvorträge leiteten zu einem von einer früheren Vorsteherin verfaßten sehr hübschen Festspiel über. Mehrere sehr nette Reigen, darunter ein sehr ergötzlicher, von „Schul-Utensilien" und ein lebendes Bild, beschlossen den Festact. Zum Schluffe wurden die jetzigen 150 Schulkinder an langen Tafeln mtt Chocolade und Kuchen bewirthet und vergnügten sich noch lange bei Tanz und Spiel unter Leitung des Lehrercollegiums. Petersburg. In T a s ch k e n d in Russtsch-Centralasien wurde am Vorabende der griechischen Osterfeiertage das Gerücht verbreitet, eine Jüdin hätte ein Christenkind zu religiösen Zwecken getödtet. Das Gerücht hätte für die Juden in Taschkend schlimnie Folgen haben können, allein der Polizeimeister von Taschkend, Oberst Stretschenewnij, übernahm die Führung der Untersuchung und erließ noch am selben Tage folgende Kundmachung: „In der Stadt ist das unsinnige Gerücht von der Ermordung eines Kindes durch eine Jüdin verbreitet worden. Die von mir selbst geführte Untersuchung hat ergeben, daß dieses Gerücht jeder Grundlage entbehrt und nur eine nichtswürdige Verleumdung ist, von leichtfertigen Personen erdichtet. Um die Lügenhaftigkeit dieses Gerüchtes zu beweisen, erlasse ich diese Kundmachung. Der Polizeimeister der Stadt Taschkend Stretschenewnij/ Odessa. Seit einiger Zeit wenden die hiesigen untergeordneten Polizeiorgane einen neuen Tric an. um die Juden gründlich zu chikaniren. Juden, welche in Petersburg, .Kiew, Moskau und sonstigen Plätzen des weiten Czarenreiches, wo dem gewöhnlichen Juden der Eintritt verboten ist, sich kurze Zeit aufgehalten haben, werden seit einigen Monaten nach ihrer Rückkehr in Odessa deswegen vor Gericht gestellt. Nun existirt aber im russischen Gesetze nirgends die Bestimmung, welche den Aufenthalt von Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons unter Strafe stellt. Es ist eben Sache der Polizei, solche Juden, welche sich an einem ihnen verbotenen Platze aufhalten wollen, auszuweisen, der Versuch selbst ist aber nicht strafbar. Nichtsdestoweniger läßt die Odessaer Polizei solche Juden unter Anklage stellen, und der gefällige Odessaer Friedensrichter, vor dem die in Rußland hochmögende Polizei die jüdischen Uebelthäter stellt, ist stets so freundlich, die Angeklagten zu kleinen Geldstrafen von 1—10 Rubel zu verurtheilen. Es wäre hohe Zeit, daß die Berurtheilten an den Senat appelliren, damit dieser höchste russische Gerichtshof der Odessaer Polizei endlich das Handwerk legt. ' Mohilew. (Die Thorarolle des Regiments.) Die jüdischen Soldaten des in Rvgatschew, Gouvernement Mohilew, garuisonirenden 159. Gurew'schen Infanterieregiments haben zur Feier der Wiedergenesung des Czaren Nikolaus, welcher bekanntlich vor einigen Monaten in Livadia schwer an Typhus darniederlag, eine Thorarolle geschrieben, welche sie dem Regiment zu schenken beschlossen haben. Am 25. März war die Thorarolle fertig, worauf sie unter Klängen der Regimentsmusik von den einander ablösenden jüdischen Soldaten unter einem Baldachin nach der großen Synagoge von Rotgatschew getragen wurde, wo sie zur Verfügung der jüdischen Soldaten des Gurew'schen Infanterieregiments verbleiben soll. In einer Ansprache gab der Oberst des Regiments die feierliche Zusage, daß die Thorarolle von dem Regiment hochgehalten und genau wie die Regimentsfahne von ihm geschützt und vertheidigt werden soll. Wien. Die Gene r al v e r s a m m l u n gdes „V e r e i n e s zur Hebung der Gewerbe" findet am S a m st a g, den 27. April a. c., Abends halb 8 Uhr, in Khuner's Saallocalitäten, I., Adlergasse 6, mit folgender Tages- Ordnung statt: 1. Jahresbericht des Präsidenten. 2. Cassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Wahl des Präsidenten. 5. Wahl der zwölf Vor st eher. 6. Wahl des Schiedsgerichtes. 7. Wahl der Revisoren. 8. Aenderung der S t a t u t e n. 9. Stellungnahme des Vereines zur Errichtung einer Staatsgewerbeschule im zweiten Bezirke. 10. Anträge, welche laut ß 16 der Statuten 8 Tage vorher schriftlich - der Vereinsleitung bekanntgegeben werden müssen. — Dackien und Gäste willkommen! — P. S. Nach Schluß der Generalversammlung findet aus Anlaß des 10jährigen Bereinsbestandes ein gemüthlicher Abend mit Borträgen statt, zu welchem unsere P. T. Mitglieder und deren Damen höflichst eingeladen sind. (Kein Regiebeitrag.)

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