Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Date
- 1901-04-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Skr. 17 Ar. Bloch's Wochenschrift Seite »95 Wirksamkeit aufs flache Land ausdehnt, verschwindend gering sind. Für die Waisenpflege wurden 22.935 K 60 h verausgabt und standen im letzten Halbjahre in der Vereinspflege 149 Kinder, und zwar 30 in Brünn und 119 auf dem Lande, die in der Regel einen Erziehungsbeitrag von 80 X (bei zwei oder mehreren Geschwistern 60 X) halbjährlich beziehen.- Die Aufsicht über Pflege und Erziehung der Waisen, die, soweit thunlich, bei ihren Müttern, beziehungsweise nächsten Angehörigen untergebracht sind, führt in Brünn neben den Pflegepersonen der Vorstand, in auswärtigen Gemeinden werden hiezu Waisenväter durch die Cultusvorstände designirt. Ohne Schulfrequenz-Bestätigung wird kein Erziehungsbeitrag ausbezahlt, und besuchen sämmtliche Waisen die Volks-, Bürger-, Mittel- oder Fachschulen, einige sind als Lehrlinge bei Handwerkern untergebracht. Die über den Bericht eröffnete Debatte, an der sich die Herren I. Jellinek, Emil Sorer, S. Königsgarten, Perlhefter und L. Löw Beer betheiligen, beschäftigt sich mit den Mitteln zur Heranziehung neuer Mitglieder, wofür insbesondere eine größere Publicität der Kundgebungen des Vereines, die Errichtung eines Waisenhauses u. A. angeführt wird. Der Thätigkeitsbericht, sowie der vom Cassier Herrn L. Löw Beer vorgetragene Rechnungsabschluß werden sodann genehmigt, die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Jul. Ritter v. Gomperz und Alois Witrofsky in beu Borstand für drei Jahre wiedergewählt, ebenso die Revisoren Herren Gustav Tandler und Ignatz Schulz. Hierauf wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Prag. (Generalversammlung der Volksvorschußcassa in Prag.) In der ersten Generalversammlung vom 26. März erstattete der Geschäftsführer Herr Joseph Stein den Geschäftsbericht, aus dem zu ersehen ist, wie rührig der Ausschuß dieses jungen Unternehmens, das sich als wichtigstes Ziel die wirthschaftliche Stärkung des jüdischen Mittelstandes gesetzt hat, seines Amtes waltet. In dem ersten Halbjahr des Bestandes des Vereines wurden bereits Credite im Betrage von X 174.922 an 279 Theilnehmer bewilligt. Außer einer 4VrPercentigen Verzinsung der Antheile des Unternehmens erzielte dieses noch einen Reingewinn von X 1160. von dem X 1000 dem Reservefond zugewiesen, und 160 X auf neue Rechnung vorgetragen wurden. Die Volksvorichußcassa zählt 418 Mitglieder mit 1788 Antheilen ä X 20. In den Ausschuß wurden die ausgelosten Mitglieder Herren: Apotheker Max Fanta, I. M. Redisch und Joseph Stein wieder-, Herr Jonas Frank neugewählt. Als Ersatzmänner wurden die Herren Sigmund Hahn, Jos. St. Oesterreicher und Leop. Zucker, als Revisoren die Herren: Arnold Pollak, Ignaz Porges und Hugo Schleim gewählt. Dukla. Mehr und mehr entwickelt sich unsere Stadt — zu einem antisemitischen Neste ersten Ranges. Gesellschaftlicher und wirthschaftlicher Boycott, Untergrabung, womöglich Vernichtung jüdischer Existenzen, das ist die Parole der hiesigen Machthaber. Ein kleines Beispiel dieser gehäsiigen Strömung, unter der wir hier zu leiden haben, möge hier Raum finden. — In einem nächst Dukla gelegenen Dorfe lebt schlecht und recht eine jüdische Familie seit mehr als 30 Jahren. Eines Tages wird deren Besitz ein Raub der Flammen, die Bauern benützen die Gelegenheit, um mit brutaler Gewalt den Juden zu hindern, sein Heim wieder aufzubauen. Der Jude, auf sein gutes Recht pochend, läßt sich nicht stören. Es kommt zu Streitigkeiten, es fallen mitunter scharfe Worte. Der Gemeindeälteste klagt wegen Ehrenbeleidigung. Das hiesige Gericht verurtheilt die Jüdin — eine schwächliche Frau von 70 Jahren — zu 5monatlichen, deren Schwiegersohn zu Monatlichen Arrest. Im Appellationswege reducirt das Jasloer Gericht die Strafen beider Verurtheilten auf 4, sage vier Tage. — Ein Commentar ist überflüssig. Olrnütz. Bekanntlich hatten die auf dem Jahrmärkte zu Dub am 19. März von einigen czechischen Kaufleuten bedrohten und beschimpften Proßnitzer deutschen und jüdischen Kaufleute an die hiesige Staatsanwaltschaft die Anzeige von diesen Vorgängen erstattet. Eine Reihe von Personen, theils Angeklagte, theils Zeugen, wurden vom Untersuchungsrichter bereits verhört. Die Staatsanwaltschaft wird gegen einige czechische Marktfieranten die Anklage wegen Vergehens nach § 87 (Gefährliche Drohung) und nach § 302 (Aufreizung gegen andere Nationalitäten) erheben. Hauptbeschuldigter ist der Proßnitzer czechische Modewaarenhändler Valentin R o z k o s ch, welcher Placate aufreizenden Inhaltes, mit seinem Namen unterfertigt, an einigen Markthütten angeschlagen und sich bei . den Bedrohungen der Juden besonders hervorgethan hatte. Stanislau. (Das Blutm ärch en.) Am30. März l.I. Abends zeigte ein Maschinist der Eisenbahn der Polizei an, daß seine 12jährige Tochter seit Früh abgängig fei und er nicht wisse, wo sie sich jetzt befinde. Da aber unter dem Volke in der Vorstadt (Görka), wo dieser Maschinist wohnt, einige stramme Arier das Verschwinden des Mädchens mit den bevorstehenden jüdischen Ostern in Zusammenhang bringen wollten, übergab unser wackerer Herr Bürgermeister Dr. N i m h i n diese Angelegenheit zwei tüchtigen Polizeiwachtmeistern, und diesen gelang es, Folgendes zu eruiren: Das Mädchen ging Früh mit einer Freundin fort, blieb zu Mittag bei der Freundin, übernachtete auch dort, ohne die Eltern wissen zu lassen, wo es sich befindet. Nachdem das Kind den Eltern übergeben wurde, beruhigten sich die Gemüther, und den Hetzern blieb nichts anderes übrig, als zu schweigen. Mißhandlung eines Schulknaben. Aus Krakau wird telegraphirt: Gemeinderath Hermann Seinfeld interpellirt' den Stadtpräsidenten Doctor Friedlein, welcher zugleich Präsident des Bezirksschulrathes ist, ob er davon Kenntniß habe, daß der P. Dembowski den Schallnahen Taborowski mißhandelt habe. Dem Interpellanten zufolge stellte der erwähnte Katechet den Knaben Taborowski während des Religionsunterrichtes darüber zur Rede, daß er mit einem jüdischen Mitschüler verkehre. Der Katechet habe hiebei die Juden auf das Gröblichste beschimpft, sich sodann zu Taborowstt gewendet und den kränklichen Knaben mit Stock und Faust mißhandelt, so daß dieser an den Folgen der Mißhandlung noch laborirt. Dieser Vorfall habe, führt die Interpellation weiters aus, bei allen rechtlich Gesinnten in der Stadt ohne Unterschied der Confefiion größte Entrüstung hervorgerufen. Der Interpellant fordert schließlich den Präsidenten Friedlein auf, den Thatbestand festzustellen und, wenn sich der von der Presse geschilderte Vorgang als richtig erweisen sollte, den Katecheten seines Lehramtes zu entheben. Dr. Friedlein erwiderte, er habe bereits in dieser Angelegenheit eine sehr energische und strenge Untersuchung eingeleitet und werde in der nächst stattfindenden Sitzung in der Lage sein, eine authentische Darstellung des Vorfalles zu geben. In der folgenden Gemeinderathssitzung beantwortete Bürgermeister Friedlein die vom Gemeinderathe Seinfeld ein gebrachte Interpellation. Der Bürgermeister theilte das Resultat der vom Schulinspector Kawecki durchgeführten Untersuchung mit, welche die vollständige Richtigkeit der in der Presse enthaltenen Beschuldigungen ergab. Der Katechet Dembowski hat, wie durch die Untersuchung festgestellt wurde, thatsächlich die Schulkinder aufgefordert, mit ihren jüdischen Mitschülern nicht zu verkehren, und den Schüler Taborowski, welcher dieser Aufforderung nicht nachkam, arg mißhandelt. Auf Grund der Ergebnisse dieser Untersuchung wurde nun vom Schulrathe die Disciplinar - Untersuchung gegen P. Dembowski eingeleitet. Lemberg, 18. April. Am 28. Mai l. I. schreitet der hiesige Cultusvorstand zur Wahl der bereits am 16. d. M. ausgelosten folgenden 10 Cultusräthe und zu 5 Ersatzwahlen. Die ausgelosten 10 Cultusräthe Dr. Emil Byk Samuel Edler von Horowitz. Jacob Dische, D. Maschler, Rath. Mayer, Director Lazarus, Dr. Czescher, Emil v. Mises, Nalhansohn kommen zur Wiederwahl, da bereits ein Wahlcomite unter Vorsitz von Samuel von Horowitz als erster und Emil v. Mises als zweiter Vorsitzender sich constituirte und bereits eine Wahlagitation unter der Aegide der hiesigen Bnai Brith eingeleitet hat. Wie verlautet soll der Herr Director Lazarus — trotzdem er allgemeiner Sympathie unter dem Lemberger conservativen und fortschrittlichen Juden wie kein Anderer sich erfreut — keine Wahl annehmen. Der bereits ins Leben zurückgerufene Verein Lebovaer Israel hat für kommende Woche eine Wählerversammlung, behufs Constituirung eines Wahlcomites, aller Schattirungen einberusen. Berlin. Die Kaiserin hat der Alters versorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde eine Zuwendung von 2000 Mark gemacht, die zu Gunsten der neuen Anstalt in der ^ercierstraße verwendet werden sollen. Die Spende der Kaiserin wurde durch ein Schreiben ihres Obersthofmeisters, des Grafen Mirbach, dem Vorsitzenden des Curatoriums der genannten Anstalt, Herrn Moritz Manheimer, an-