Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Date
- 1901-04-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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»HTTT »Hl Sette 290 Vr<> BlvEs WvchrMgMc - sich am 23. Juli 1879 mit einem Programme ein, in welchem es seine Capitulation vollzog, indem es sich zur neuen Lehre von der individuellen Naturalisation bekannte, welche die Naturalisation von Rechtswegen ausschließt. Nach Außen hin beauftragte es die diplomatischen Agenten durch ein Circulartelegramm vom gleichen Datum, den auswärtigen Cabineten auseinanderzusetzen, daß die Regierung zum Zwecke der Beruhigung der erregten Gemüther sich gezwungen gesehen habe, dem Grundsätze der individuellen Naturalisation beizustimmen, dessen Wirkung von dem Entwürfe der ..Kategorien" eigentlich nicht verschieden sei. Die Regierung wolle auch gleichzeitig mit der Abänderung des Artikels 7 die Emancipation derjenigen Juden von der Kammer beschließen lassen, deren Namen auf die Liste derjenigen gesetzt werden sollten, die in die Kategorien aufzunehmen gewesen wären. Boerescu konnte den Mißerfolg, den die zu einer diplomatischen Tournee entsendeten S t u r d z a und R o s e t t i, welche den auswärtigen Regierungen Aufklärungen über die Haltung der rumänischen Regierung geben sollten, erlitten hatten, nicht in Abrede stellen und verhehlte sich die Schwierigkeiten nicht, denen eine neue Lösung im Auslande begegnen würde, er hielt sich aber für schlauer und fähiger als seine Vorgänger und rechnete auch auf seine jüdischen Freunde, die ihm seine Aufgabe erleichtern sollten; er entschloß sich daher, selbst eine diplomatische Reise ins Ausland zu unternehmen. Da er wußte, daß ich im jüdischen Comite mit der Aufgabe betraut war, die Correspondenz mit dessen Delegirten in Paris und Berlin zu führen, sandle er sofort nach Antritt seines Amtes seinen Secretär Herrn V ... zu mir, um zu verlangen, daß ich unseren Delegirten seinen Eintritt in das Cabinet Bratianu telegraphisch anzeige und ihnen seinen festen Entschluß, der Judenfrage eine günstige Lösung zu geben, mittheile. Da ich aber zufällig eben von Bickarest abwesend war, nahm es sich Herr V..., der die Adresse unseres Berliner Correspondenten kannte, heraus, an ihn in dem obbezeichneten Sinne selbst ein. Telegramm zu senden und dies mit meinem Namen zu unterzeichnen. Ich war nach meiner Rückkehr über diesen incorrecten Vorgang sehr erzürnt und zögerte keinen Augenblick, nach Berlin klipp und klar die Sache zu telegraphiren und unserem Correspondeuten anzuzeigen, daß das vorherige Telegramm apokryph war und daß vor Eintreffen meines Berichtes kein Schritt zu unternehmen sei. Zugleich ließ ich Herrn Boörescu durch einen gemeinsamen Freund benachrichtigen, daß er im Hinblick auf das Programm des Fusionsministeriums, welches sich zu der unsinnigen Lehre bekehrt hatte, die von Herrn Boerescu selbst, bevor^er ins Amt getreten, bekämpft worden war, nicht mehr auf unsere Mitwirkung zählen dürfe, ja daß wir vielmehr alle Bemühungen aufwenden werden, um seiner Reist denselben Mißerfolg zu bereiten, den seine Vorgänger erfahren hatten. Nachdem Herr Boerescu am 2. August den Auftrag zu seiner Sendung erhalten hatte, ließ er mich dringend zu einer Zusammenkunft in seine Privatwohnung ' bitten, um mir seine Absichten auseinanderzusetzen. Ich begab mich sofort zu ihm und nach meinen Aufzeichnungen und Berichten vom selben Tage nahm unsere Unterredung folgenden Verlauf: Vor Allem gab ich der schmerzlichen Enttäuschung darüber Ausdruck, daß er die Sache des Fortschritts und Rechtes, deren Vertheidiger er bisher war, verlassen hatte. Boerescu antwortete: „Ich begreife Ihr Erstaunen, allein ich bestehe darauf, daß Sie Ihre Freunde benachrichtigen, mir auch ferner für meine Sendung nach Europa ihre Unterstützung zu leihen. Sie wissen, daß ich allein hierzulande aufrichtig liberal und fest entschlossen bin, der Judenfrage eine Lösung zu geben, die mit dem von Europa verkündeten Grundsatz des gleichen Rechtes in Einklang stehen soll." Meine Antwort lautete: »Bevor ich Ihnen erwidern kann, ob ich Ihr Verlangen erfülle, bitte ich mir eine bestimmte Antwort auf folgende drei, von der Presse leidenschaftlich erörterte Fragen aus. Ich will aber nicht die Meinung meines Freundes Boerescu, sondern die des Ministers wissen, und Ihre Antwort werde ich vor Ihnen redigiren und als „I n t e r v i e w d e s M i n i st e r s des Aeußern mit einem Mitglieds des israelitischen Somit 4", meinem Briefe anschließen." VII. Drei Fragen an den Minister Boerescu- Ich erbat mir von Boerescu Antwort auf folgende Fragen: Er sie Frage: Besteht in Rumänien eine autochthone jüdische Bevölkerung? Boerescu: Allerdings, sowohl unsere Geschichte, als unsere Gesetzgebung bestätigen die Jahrhunderte alte Anwesenheit der eingeborenen Juden, die nicht Landesangehörige eines anderen Landes als Rumäniens sind. Zweite Frage: Was ist die Ursache der Feindseligkeiten gegen die Juden? Boerescu: Keine andere als die Religionsverschiedenheit hat den politischen Haß heraufbeschworen, der von Fanatismus und Vorurtheilen durchtränkt ist. DritteFrage: Birgt die Emancipation der Juden irgend eine Gefahr für das Land in sich? Boerescu: Nein! Gewiß nicht! Ich bin überzeugt, daß ihre Emancipation keinen Nachtheil, keine Gefahr für das rumänische Volk bringen kann. Nun, wenn dem so ist, gab ich zur Antwort, wie können Sie diese Ansicht, die ja von derjenigen einiger ihrer Collegen nicht verschieden ist, mit dem Programm in Einklang bringen, das Sie der Revisionskammer vorgelegt haben? Darauf entgegnete Bo 8 rescu : Sie dürfen mich nicht nach dem Scheine beurtheilen und Sie müssen auch der ernsten und gefahrdrohenden Lage Rechnung tragen, welche uns dieser unverständige Bratianu durch die Verzögerung meines Eintrittes in die Regierung bereitet hat. Hätte er mich vor den Wahlen in die Regierung eintreten lassen, so hätte ich mit Unterstützung meiner Freunde Alles aufgeboten, um ein wahrhaft liberales und patriotisches Parlament zustande zu bringen, das der großen, von Europa verlangten Reform keine Schwierigkeiten bereitet haben würde, während ich jetzt, an Händen und Füßen gebunden, einer Horde von Narren gegenüberstehe, die Bratianu auf dem Hügel der Metropolie (wo sich das Abgeordnetenhaus befindet) zusammengeschaart hat. Sie müssen übrigens auch bedenken, daß das der Kammer vorgelegte Programm noch nicht vollständig ist. Sie begreifen, daß ein richtiger General seinen strategischen Plan nicht vor der Schlacht preisgibt. Ich muß vorsichtig zu Werke gehen, um unsere Gegner und insbesondere V e r u e s c o, zu verhindern, die chauvinistische Dummheit der Abgeordneten gegen uns auszubeuten. Ich will Ihnen auch das Circular zur Kenntniß bringen, das ich am 22. Juli an unsere Agenten im Auslande gerichtet habe, woraus Sie entnehmen werden, daß wir unter dem Scheine, als ob wir uns die absurde Theorie der „Fremd- Einheimischen" aneignen würden, von den Kammern zugleich mit der Revision des Art. 7 die cumulative Emancipation einer großen Zahl derjenigen Juden annehmen lassen wollen, welche meine Vorgänger in die „Kategorien" eingereiht haben. Ich darf hinzufügen, daß ich in dieser. Beziehung entschlossen bin, viel freigebiger und liberalerzu sein als sie, denn ich will in die Liste auch solche verdienstvolle Juden aufnehmen, die nicht rumänische Unterthanen sind." Hierauf gab ich folgende Antwort: Für uns hat die Zahl der Juden, die Sie auf Ihre Liste setzen wollen, um ihnen die bürgerlichen und politischen Rechte zu verleihen, nicht die Bedeutung, die Sie vermeinen, uns beschäftigt vor Allem die traurige Lage jener Masse von eingeborenen Juden, die Sie als Nichtemancipirte fortbestehen lassen. Wir werden nicht aufhören, für dieselben,