Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021403--10804-3035305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 17 dr° Bloch's Wochenschrift» Sette 28S disches Verfahren zweierlei vonnöthen: 1. Confessionell-jüdische Schulen und 2. gute hebräisch unterrichtete Lehrkräfte. Unter diesen beiden Voraussetzungen könnte das Verfahren des Herrn Dr. Fink beim Unterrichte im Hebräischen von guten Erfolgen begleitet sein. Wie schlimm es übrigens mit dem israelitischen Religionsunterrichte auch in Deutschland bestellt ist, mag hier ein Beispiel für Viele angebracht sein. In der notorisch großen, alten Gemeinde Königsberg (Preußen) wurde vor Kurzem über die dortige Religionsschule der Jahresbericht ausgegeben. In einem Vorworte dieses Berichtes bekämpft der Dirigent der Schule, Herr Rabbiner Dr. V o g e l st e i n, die allerorts bekannte Unsitte, daß die Kinder erst in einem schon vorgerückten Lebensalter zur Religionsschule geschickt werden, bis dahin aber am christlichen Religionsunterrichte theilnehmen. Weiter heißt es daselbst wörtlich: „Innerhalb des Judenthums empfinden wir tagtäglich schwer und schmerzlich den Mangel einer religiösen Durchbildung der gegenwärtigen Generation. Die Zeiten sind wieder siehr trübe geworden. Die Angriffe gegen uns mehren sich, ununnige aus mittelalterlichem Haß geborene Anklagen werden gegen dns geschleudert. Und viele unserer Glaubensgenossen wissen auf diese Anklagen nichts zu erwidern. Wir leiden für unsere Religion, gie viele unter uns kaum kennen. Das eben ist es, was die segenwärtige Krise zu einer so überaus schweren macht, daß in unserer eigenen Mitte die Lehre des Judenthums vielfach fast unbekannt geworden ist, daß manche mit einer Art gesuchter Unparteilichkeit im höchsten Grade parteiisch sind gegen die eigene Religion, daß ihnen Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen als Jude fehlt. Wie können wir in dem uns aufgezwungenen Kampfe feststehen ohne das Vertrauen zu uns selbst, ohne die feste Zuversicht auf den endlichen Sieg unserer Sache. Was der 'gegenwärtigen Generation fehlt, soll und muß dem kommenden Geschlecht gegeben werden. Unsere Kinder sollen in dem Glauben an Gott einen festen Halt finden in allen Fährlichkeilen des Lebens. Sie sollen Juden sein nicht nur den Namen nach, sondern aus vollster innerster Ueberzeugung. Und darum sollen sie die Lehre des Judenthums kennen. Der Gottesbegriff und die Ethik des Judenthums hat den Vergleich mit irgend einer anderen Religion wahrlich nicht zu scheuen. Man sollte meinen, daß diese Sätze allgemein anerkannt und beachtet werden müßten. Umso schmerzlicher berührt die Erfahrung, daß es noch immer Eltern in unserer Gemeinde gibt, die unter den verschiedensten Borwänden ihre Kinder von jedem Religionsunterrichte ferichalten oder dem christlichen Religionsunterrichte zuführen. Mehrfach habe ich es erfahren müssen, daß auch persönliche Intervention vergeblich war und meine Bittgänge zu einzelnen Familien fruchtlos blieben. Da wird angeführt, daß in dieser Zeit, in der ohnebin eine so scharfe Trennung nach dem Glaubensbekenntniß stattfindet, der Zwiespalt wenigstens von den Kindern ferngehalten werden solle. Als ob man den Zwiespalt nicht erst gerade auf diese Weise in die Kinderseele senkte! Als ob es besser wäre, wenn die Kinder von Fremden in gehässiger Weise erfahren, daß sie Juden sind, als wenn sie es von Eltern und Lehrern hören! Als ob die Trennung im Leben nach dem Glaubensbekenntniß etwas Berechtigtes und nicht vielmehr die Frucht eines Vorurtheils wäre und man Vorurtheile dadurch bekämpfen oder beseitigen könnte, daß man ihnen nachgibt, und nicht vielmehr dadurch, daß man ihnen offen entgegentritt! Dort wiederum wird gesagt, daß man die Kinder ja „n u r das Alte T e st a m e n t" im christlichen Religionsunterricht lernen laffe. Aber gerade im Religionsunterricht kommt es ebenso sehr, ja noch mehr als auf das Was auf das Wie an. Denn der Religionsunterricht soll nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern Gemüth und Charakter bilden. Und können die Kinder nicht ebenso gut und weit besser, weil kein Zwiespalt in ihnen geweckt wird, das „Alte Testament" im jüdischen Religionsunterricht kennen lernen, der doch lediglich eben auf diesem „Alten Testament" basirt? Von Anderen wird schließlich angeführt, daß eine gewisse Kenntniß des Christenthums und seiner Lehre ein Erforderniß der allgemeinen Bildung sei. Daß durch die Theilnahme am christlichen Religionsunterricht diese allgemeine Bildung auf Kosten auch nur der elementarsten Kenntnisse der eigenen Religion erworben wird, weiß man nicht oder will man nicht wissen. Wenn man in der Gegenwart den Unterricht in der Geographie mit der Heimatskunde, den Unterricht in der Geschichte mit der vaterländischen Geschichte beginnen läßt, so will man damit wahrlich nicht die übrigen Kenntnisse ausschließen, aber man geht von der Ansicht aus, daß die Kenntniß des Nächstliegenden, die Kenntniß der Geschichte des eigenen Volkes erst vorhanden sein muß, ehe man die Kinder an das Ferne und Fremde führt. Was für jeden anderen Unterricht gilt, das wird bei dem jüdischen Religionsunterricht geflissentlich außer Acht gelassen. In der That, die Begründungen und Entschuldigungen jener Eltern sind in sich selbst zu widerspruchsvoll, als daß sie den Anspruch erheben könnten, ernsthaft widerlegt zu werden". Ich möchte zu meinen obigen Ausführungen noch die Bemerkung hinzufügen, daß die Lectüre der Bibel nach dem Originaltexte, theils in hebräischer, theils in deutscher Sprache, einen wichtigen Bestandtheil des Religionsunterrichtes bilden muß, dessen Nothwenvigkeit ich in einem eigenen Artikel zur Behandlung zu bringen gedenke. Pilsen. PH. Lederer. Bulgarien, Du hast es besser. Die „Bulgarische Handels-Zeitung" meldet: Weit draußen im Jutsch-Bunar hat ein alter Spaniole Namens Uziel mit seiner zahlreichen Familie eine kleine, ärmliche Wohnung inne. In einem kleinen Häuschen gegenüber wohnt der Gemeindeschreiber Christo Michailow, ein junger, lediger Mensch. Der alte Uziel, der gegenwärrig im Spital liegt, hat eine 16jährige Tochter, Namens Linda, ein hübsches, stark entwickeltes Mädchen. Michailow kam öfters als Gast in das Haus des alten Spaniolen, wo er bald an dem Mädchen Gefallen fand. Linda erwiderte die Sympathien Michailow's und es entspann sich zwischen den Beiden ein Liebesverhältniß, das soweit gediehen war, daß die Liebenden eines schönen Tages beschlossen, Mann und Frau zu werden. In einem solchen Falle müßte Linda aber zum orthodoxen Glauben übertreten, was natürlich der alte, religiöse Vater nicht zugeben konnte. Wochenlang flehte Linda ihre Angehörigen an, in eine Heirat mit Michailow, ohne den — wie dies ja bei Verliebten immer der Fall ist — sie nicht leben könne, einzuwilligen, doch vergebens. Da beschloß die über die Ohren verliebte Linda, einen anderen, nicht mehr ungewöhnlichen Weg einzuschlagen. Sie verließ eines schönen Tages — es war dies am dritten Osterfeiertage — ihr Elternhaus, und zog in die Nachbarschaft, d. i. zu ihrem Christo. Ihr Bruder, der bei der Tramway bedienstet ist, suchte seine Schwester in der Wohnung ihres Geliebten auf und bat sie kniefällig, in das Elternhaus zurückzukehren, doch das verliebte Mädchen wollte davoll nichts wissen, vielmehr unternahm es Schritte für den Uebertritt zum orthodoxen Glauben. In ihrer Verzweiflung erbaten die Angehörigen Lindas die Intervention der Polizei. Linda erklärte jedoch in einer an die Polizei gerichteten Eingabe, daß sie freiwillig zu ihrem Geliebten, der sie heiraten werde, gezogen sei und denselben nicht verlassen werde, es wäre denn mit Anwendung von Gewalt, in welchem Falle sie sich jedoch das Leben nehmen würde. Lindas Vater wandte sich nun an den Oberrabbiner, auf dessen Ersuchen der Justizminister der Polizei den Auftrag ertheilte, das Mädchen von ihrem Geliebten abzuholen und es dem Oberrabbiner zu übergeben. Gestern wurde nun Linda von der Polizei übernommen, und nachdem sie im II. Polizeicommiffariate übernachtet, heute Früh dem Oberrabbiner und von diesem ihren Angehörigen übergeben. Sie Juden in Rumänien. Von Saniel Marcus. (Fortsetzung aus Nr. 14.) Wir lassen hiermit die Fortsetzung der von Saniel Marcus im „Siöcle" veröffentlichten Darlegung folgen: VI. Das Fusionsmini st erium. Das Ministerium Bratianu sah sich genöl higt, zu demissioniren, um einige Tage später als „Fusionscabinet" wiederaufzutauchen; es hatte Demeter Sturdza als Finanzministerund Boörescuals Minister des Auswärtigen ausgenommen. Der Letztere war Führer der neuen Partei des Centrums und besaß große Fähigkeit, aber er war unverläßlich. Zwei Jahre lang hatte er das jüdische Actionscomitö unterstützt und hatte Bratianu seine Mitwirkung zugesagt, die er für eine wirksame und die Regierung erhaltende ansah. Kaum war jedoch die Regierung im Amt, begann wieder das alte sündige Doppelspiel. Bor der Kammer führte es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.