Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021403--10803-3035304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 888 Kr» Vlortz Wochrnfttzri-t» srr. 17 dies, in dem Augenblick, wo ich aus dem Amte schied, zum Angriff ausholte, ins Antlitz leuchten will. Ich habe, selbst solange ich noch im Amte war, wo doch immerhin eine gewisse, wenn auch nur scheinbare Abhängigkeit Zurückhaltung zu bieten schien, mir niemals und von Niemand e m die freie Meinungsäußerung verkümmernlaffen, habe vielmehr zu jeder Zeit meine Ueberzeugung, vielfach selbst zu meinem eigenen Schaden, vielfach wo es mir gewichtige Gegnerschaft eintrug, offen zum Ausdruck gebracht — das werden mir alle Jene, und. unter diesen auch meine Gegner, bezeugen, die mich an der Arbeit gesehen. Und heute, wo nach meinem Ausscheiden aus der Bacon Hirsch-Stiftung, auch der letzte Schein eines Abhänaiakeitsverhältnisses geschwunden, sollte ich mich scheuen, meine Meinung offen auszusprechen! Ich habe während meiner langen, mit vielen und harten Kämpfen verbundenen Amtsthätigkeit ganz andern Persönlichkeiten gegenüber — sobald ich die gute Sache gefährdet sah — freimüthig meine Meinung geäußert! Ich habe, was ich mit noch manch anderem, jeden Augenblick aus vielen Briefen des Baron und der Baronin Hirsch beweisen kann, auch dem Baron Hirsch gegenüber von Anbeginn — und an seiner Gunst war mir viel gelegen, da ich ihn ja für die Creirung der galizischen Stiftung gewinnen wollte und ihn auch gewann, worüber noch einmal ausführlicher gesprochen werden wird — bis zum letzten Augenblick seines Lebens meine vollste Selbstständigkeit, Meinungsfreiheit und Offenheit gewahrt, habe ihm sehr oft unangenehme Wahrheiten sagen müssen, die er, zu seinem Lobe sei es gesagt, wenn sie ihn auch momentan verstimmten und oft in Zorn brachten, schließlich doch zu würdigen wußte, in seiner hohen Intelligenz bestrebt, den gegebenen, mit scharfem Blick als fruchtbar erkannten Anregungen zu folgen. Ich habe lange noch bevor sich der modernste Zionismus in Wien regte, mit Freimuth — der mir allerdings keine Freunde erwarb — die Schäden in der Führung der Gemeinde bloßgelegt, die »Führer" derselben in einem vor Jahren in diesem Blatte erschienenen, »unsere Großen" betitelten Artikel charakterisirt, welcher weithin einen lebensfrischen Wiederhall erweckte-und ich sollte mich heute scheuen, meine Meinung offen zum Ausdruck zu bringen; mich scheuen — um Nichts — um Hekuba!! . . Aber — so dürfte ein scharfsinniger Herr bemerken — eine Fußnote in einem jener Artikel des Herrn Dr. M. Hofmann, wo von einem »bekannten Wiener Schriftsteller", der als Mitarbeiter für ein zionistisches Blatt gewonnen werden sollte, gesprochen wird, verräth doch wohl die Provenienz dieser Information. Darauf antworte ich frei mid offen: ich stehe nicht im Mindesten an. zu erklären, daß unter diesem »bekannten Schriftsteller", wenn ich auch die mir mit dieser Bezeichnung erwiesene Ehre entschiedenst ablehne, meine Wenigkeit gemeint ist. Es ist vollständig wahr, daß ich hierüber Aehnliches, wie in der beregten Fußnote enthalten war, verschiedenen Personen, und zwar zumeist Herren von der Wiener Allianz, gegenüber geäußert habe. Dieses geschah jedoch schon vor vielen Monaten, und zwar in der Zeit (etwa November v. I.), wo jene vehementen Angriffe gegen die Allianz und gegen Vorstandsmitglieder derselben seitens des zionistischen Blattes erfolgten, und wo einige Herren der »Allianz" erregt mit mir darüber sprachen. Damals erzählle ich thatsächlich, daß ich einige Monate vorher ersucht wurde, Mitarbeiter der »Welt" zu werden, daß ich diese Einladung aber entschieden ablehnte, schon darum, weil ich »einen andern Geist" habe. Das (und der sonstige nur obenhin angedeutete Inhalt des betreffenden Gespräches) ist einmal Thatsache, an deren Richtigkeit nicht zu mäkeln und nicht zu feilschen ist: denn meiner Augen und Ohren bin ich noch immer sicher. — Diese Aeußerung steht jedoch nicht im E rtferntesten im Zusammenhänge mit den viel späteren Vorgängen in der Baron Hirsch-Stiftung und ist nicht erst gethan worden, als Herr Dr. Hofmann seine Artikel veröffentlichte. Noch mehr: ich selbst war, als ich diese Aeußerung in der »Wochenschrift" las, über die Veröffentlichung erstaunt, weil ich der Ansicht bin, daß derlei, durch momentane Erregung provocirte Mittheilungen von Privatgesprächen, nicht in die Oeffentlichkeit gehören, zumal sie der Sache, die sie fördern wollen, nur schaden. So sieht es mit der mir gütigst und freundschaftlichst auf den Rücken gedichteten und geschriebenen Rolle aus, die ich im Kampfe wegen der »Stiftung" gespielt haben soll! Da darf ich doch billig ersuchen, daß man mich, zum Mindesten jetzt, wo ich aus der Baron Hirsch-Stiftung vollständig ausgeschieden bin, und diesem Schmerzenskinde, das nach unsägliche« Kämpfen und Anstrengungen auf feste Füße gestellt scheint und nur der schonendsten Ruhe zu seiner weiteren Entfaltung bedarf, — — gänzlich ferne, allerdings in liebender Erinnerung, gegenüberstehe, in dem um den Besitz dieser Stiftung neuerdings entbrannten Streite der Journale unbehelligt lasse. Und nun, geehrter Herr Redacteur, fordere ich Sie noch einmal auf, offen zu erklären, wie es mit meiner Theilnahme an jenen Artikeln bestellt ist. Mit Hochachtung M. Friedländer. * * Nachschrift der Redaction: Dem Wunsche des geehrten Herrn Einsenders entsprechend, stehen wir nicht an, wahrheitsgemäß zu bestätigen, daß derselbe sämmtlichen in der vorstehenden Zuschrift berührten Publicationen vollständig ferne stand! Andererseits constatiren wir mit Befriedigung, daß Herr Doctor Friedländer den Inhalt der in der „Oesterreichischen Wochenschrift" publicirten Mittheilungen, deren Veröffentlichung er weder verursacht noch verschuldet hat, ausdrücklich als wahrheitsgemäß anerkennt. Mit der Veröffentlichung war aber nicht beabsichtigt, irgend eine Sache zu „fördern" oder zu schädigen, sondern die weiteste Oeffentlichkeit über die wahren und wirklichen Vorgänge aufzuklären. Wie sich gewisse Machtfactoren dann zu den publicirten Thatsachrn stellen, das zu fragen ist nicht unsere Sache. Wir erleben indeß die traurige Genugthllung, daß der Austritt eines Mannes von dem unbeugsamen Rechtlichkeilsgefühl und dem seltenen, gvldreinen Charakter des Herrn Sectionschefs Ritter von Gniewosz aus dem Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung, unserer Haltung die denkbar glänzendste Rechtfertigung bietet. Herr Sectiouschef Ritter von Gniewosz hat während zweier Menschenalter durch sein öffentliches selbstloses und opferreiches Wirken die Bewunderung und die Dankbarkeit des österreichischen Gesammtjudenthums sich erworben und nun erklärt dieser Mann, der seit je einer der wärmsten Vertheidiger unserer Glaubensgenossen war, daß sein Gesundheitszustand ihm nicht mehr gestattet, den neuen Cours in der Verwaltung der Baron Hirsch- Stiftungmitzumachen. Zur Methodik des hebräischen Unterrichtes. Die Entgegnung des Herrn Dr. Daniel Fink auf meine in Nr. 13 dieser „Wochenschrift" gebrachten Bedenken bezüglich dessen Unterrichtsmethode des Hebräischen macht eine kleine Replik erforderlich. Zunächst sei bemerkt, daß es sich in der Versammlung der Religionslehrer um den Religionsunterricht überhaupt gehandelt hat, wobei nun Herr Dr. Fink, wie aus seinem Vortrag eisichtlich, die Anschauung vertreten hat, daß das Hebräischenicht blos einen integrirenden Bestandtheil, sondern den Hauptfactor des Religionsuuterrichtes bilden soll. Um daher diesen Gedanken der Versammlung nahe zu legen, brachte derselbe in seinem Vortrage ein methodisches Verfahren zur Geltung, durch welches der Unterricht im Hebräischen auf einfachere, leichtere, naturgemäße Weise ertheilt und ein günstigerer Erfolg damit erzielt werden soll. Wie aus dem Inhalte des Vortrages weiter hervorgeht, handelt es sich dabei um den Anfang dieses Unterrichtszweiges, welcher demnach offenbar in die Volksschule hineinreicht, wo die Jugend für die Mittelschule vorbereitet werden soll. Es hätte somit Herr Dr. Fink eigentlich für die Volksschullehrer zu den Lehrern der Mittelschule gesprochen. Das tangirt die Sache nur insofern, als man es hier mit ganz anderen Factorcn zu thun hat. Ich will mit meinen Ausführungen durchaus Niemandem uahctreten, aber trotz der vorgebrachten Objectionen in Nr. 15 der „Wochenschrift" erlaube ich mir denn doch zu erwid rn, daß, so weit mir die Verhältnisse in Oesterreich und Deutschland bekannt sind, es daselbst eine ganz niinimale Anzahl von Lehrkräften geben wird, welche das nöthige Wissen besitzen, um die Jugend nach dieser Methode im Hebräischen zu unterrichten und für die Mittelschule zu präpariren. Herr Doctor Fink ist Optimist und wird mir sicherlich nicht beipflichteu, wenn ich bemerke, daß selbst viele Rabbiner — darunter verstehe ich beileibe nicht Dispensrabbiner — ihn nicht verstehen und begreifen und mit seiner Methode nichts anzufangen wissen werden. Ferner sind, sowohl in Deutschland wie in Oesterreich an allen öffentlichen Schulen für den Unterricht in der Religio» zwei Stunden pro Woche festgesetzt und dieses Zeitausmaß darf nicht überschritten werden. Wie ich daher in meinem ersten Artikel in Nr. 13 dieser »Wochenschrift" ausgesührt habe, wäre für ein derartiges metho-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.