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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-26 · 17 (26.4.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
17 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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srr. 17 Dr. Bloch's Wochenschrift, Sette 28 7 Haftbefehl gegen einen antisemitischen Agitator. Der antisemitische Agitator Graf Pückler sollte sich am Montag in Dresden unter der Anklage der Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten verantworten. Da er nicht zum Termin erschienen war, beschloß das Gericht, einen Haftbefehl gegen ihn zu erlassen. Die Juden als Revolutionäre. Die „Kreuzzeitung" (13. 4.) schreibt: „Ganz besonders treten die revolutionären Neigungen der Juden dort hervor, wo mit ihrer Bethätigung keine Gefahr verbunden ist. Diese Erfahrung wiederholt sich neuerdings in Amerika, wo die zahlreichen russischen Juden in einer Weise auftreten, daß das russische Reich, wenn es durch Geschrei erschüttert werden könnte, bald am Ende seiner Existenz stände/ Zum Beweise hierfür beruft sich das conservative Blatt auf einen Bericht der „New-Iorker Staatszeitung" vom 28. März über eine dortige Versammlung russischer Juden, in welcher bluttriefende Reden gehalten, aber zum Geldsammeln nicht der geringste Versuch gemacht wurde. Und die „Kreuzzeitung" bemerkt dazu: „Eine nennenswerthe Unterstützung werden die russischen Revolutionäre von diesem Sympathremeeting nun doch wohl nicht haben; denn mit ihrem „Mammon" sind die Veranstalter nicht herausgerückt, und „-bluttriefende", in New-Aork gehaltene Reden schaden dem russischen Reiche wohl kaum. Bezeichnend ist übrigens, daß im Gegensatz zu den russisch-jüdischen Gesellschaften in Amerika die Juden in Rußland sich sehr servil und devot zeigen. Dort ist es allerdings gefährlich, revolutionär aufzutreien." . Im „Bayer. Vaterland" und anderen antisemitischen Blättern lesen wir aber zu gleicher Zeit, daß die Juden in der gegenwärtigen revolutionären Bewegung in Rußland eine große Rolle spielen, indem sie theils dieselbe durch Geld unterstützen, theils in den Reihen der Revolutionäre, speciell der Studenten, kämpfen. Wer hat nun Recht?! Der Verein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande. Wien, im April 1901. Der Mordus Vinäobonensis", wie der terminus tech* nicus für die Tuberculose lautet, erliegen alljährlich Hunderte und Aberhunderte Glaubensgenossen, namentlich diejenigen aus den unbemittelten Bevölkerungsclassen, die nicht die Mittel besitzen, eine systematische Cur zu gebrauchen und eine rationelle Pflege in guter Landluft entbehren müssen. Dieser verheerenden Krankheit Einhalt zu thun und ganze Generationen von einem sich fortpflanzenden Erbübel zu befreien, hat sich der Verein „zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande" zur Aufgabe gemacht. Er befolgt den edelsten Altruismus und hat sich ein schönes Ziel gesteckt, der Edelsten und Besten würdig. Eine geräuschlose Thätrgkeit ist es, in der sich der Verein gefällt, die schönsten und glänzendsten Erfolge aber sind es, die ihm zur Seite stehen, auf die Alle, die mit Rath und That mitgewirkt, mit inniger Genugthuung und hoher Befriedigung zurückzublicken vermögen; kommt doch die wahrste Menschenliebe darin zum Ausdrucke, wenn wir unseren leidenden Mitmenschen hilfreich beistehen und ihnen die Möglichkeit bieten, sich in absehbarer Zeit wieder der Gesundheit erfreuen zu können. Tausendfacher Dank Allen, die hiebei in irgend einer Weise ihre Mitwirkung leihen, den Bereinsmitgliedern als auch den Gönnern und Förderern des Vereines, insbesonders aber den Vereinsfunctionären mit dem Vereinsvorstande Herrn Med.-Dr. Adolf H o f f m a n n an der Spitze, für deren aufopfernde und hingebende Thätigkeit im Interesse des Vereines und dessen Humanitären Tendenzen. Dem Protokolle der am 23. März d. I. abgehaltenen Generalversammlung, die aus Rücksichten der Opportunität und Utilität nur lustrumweise stattfindet, ist die erfreuliche Thatsache zu entnehmen, daß der Verein sich stetig entwickelt und sowohl intensiv als auch extensiv eine überaus gesegnete und gedeihliche Thätigkeit entfaltet. Der Berein besitzt ein Vermögen von circa 160.000 Kronen, von welchen ungefähr 100.000 Kronen als Fond zur Erbauung eines Bereinskrankenheimes in RoLnau dienen. Aus hygienischen und sanitären Rücksichten erfolgt die Unterbringung der Kranken nicht mehr in Kierling bei Wien, allwo die Patienten auch von der antisemitischen Bevölkerung behelligt worden sind, sondern in RoLnau und Bistritz-Hostein in Mähren. In Ro-nau selbst ist die Errichtung des Bereinskrankenhauses, das den Namen „Wölflerheim" zu Ehren und zum Andenken an den Gründer, Stifter und Wohlthäter des Vereines führen wird, in Aussicht genommen. Den geänderten allgemeinen Verhältnissen entsprechend, wurde eine Statutenänderung vorgenommen. Insbesondere verdient die Creirung eines Damencomitös hervorgehoben zu werden, an dessen Spitze die in weitesten Kreisen durch ihr humanitäres Wirken bekannte Frau Regierungsräthin Dr. Gintel-Fröhlich steht. Diesem Counts wird es obliegen, der Krankenpflege die ganze Aufmerksamkeit zu schenken und hiebei werkthätige Hilfe zu leisten. Eine tabellarische Zusammenstellung der Leistungen des Vereines in den Jahren 1895—1900 ergibt nachstehende interessante Daten: Die Jahresbeiträge haben sich von 2300 Kronen im Jahre 1895 aus 4300 Kronen, die Spenden von 900 Kronen auf 1000 Kronen, die Fondszinsen von 1700 Kronen auf 1800 Kronen und die Gesammteinnahmen von 5000 Kronen auf 11.000 Kronen gehoben. Die Ausgaben erreichten 1895 4600 Kronen, stiegen aber 1900 schon auf 11.600 Kronen und betrugen insgesammt in den letzten 5 Jahren 45.000 Kronen. Die Zahl der verpflegten Personen stieg von 56 im Jahre 1895 auf 86 im Jahre 1900. Die Verpflegstage stiegen von 2000 auf 3700. während die Berpflegskosten pro Tag und Kopf von 2 Kronen auf 310 Kronen sich erhöhten, was wohl als uutrüglicher Beweis gilt, daß der Krankenpflege die erforderliche Sorgfalt nach jeder Richtung hin gewidmet wurde. Die dem Vereine während seiner Wirksamkeit zugefloffenen Spenden behufs Erbauung eines Bereinskrankenhauses erreichten Ende 1900 95.000 Kronen. Die Herren Barone Albert und Nathaniel Rothschild spendeten in bekannter mumficenter Weise dem Vereine der» namhaften Betrag von 32.000 Kronen behufs Errichtung von 8 Bettstiftungen. Durch diesen Act der Großherzigkeit wird es dem Vereine möglich sein, seine Thätigkeit extensiv erheblich zu erweitern, und sei hiefür den edlen Spendern gebührender Dank ausgesprochen. Die vorgenommene Wahl in die Vereinsverwaltung ergab nachstehendes Resultat: Dr. Adolf H o f f m a n n, Med.-Doctor Marcus K o r ü n y i, I. Dr. Max Ornstsin, Sigmund Wölfl er und der Virilist Julius Gott lieb. Gleichzeitig wurden im Sinne der neuen Statuten in den Vorstand entsendet: Director Eduard Glaser, Med.-Dc. Edmund K o h n, Jur.- Dr. Albert Kuh, Director Wilhm Kux, Docent Dr. Eduard S P i e g l e r, Procurist Leopold Sachs, Baurath Wilhelm Stiaßny. Zn Revisoren die Herren: Gottlieb Lederer, Emanuel K a u m a n n, Procurist Leopold Bauer. An die Glaubensgenossen ergeht der warme Appell, den „Berein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande" nach jeder Rlchtung hin morallsche und physische Förderung angedeihen zu lassen, und darf wohl der Erwartung Raum gegeben werden, daß dieser Appell nicht erfolglos verhallen, sondern fruchtbaren Boden finden wird. Eduard Beer. In Sachen der Baron Hirsch-Stiftung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, den 19. April 1901. Herr Redacteurl Nach mehrwöchentlicher Abwesenheit zurückgekehrt, entnehme ich einer bei einer zufälligen Begegnung gefallenen Andeutung, daß ich von einer Seite, der es gerade paffen mag, mit jenen Artikeln in Verbindung gebracht werde, welche vor einiger Zeit Herr Dr. Marcell Hosmaun in Ihrem Blatte gegen die „Führer des modernen Zionismus" erscheinen ließ, insbesondere mit jenem Theile derselben, welcher sich mit den letzten Vorgängen im Schoße der Baron Hirsch-Stiftung beschäftigte, die ich, da ich damals gerade in Galizien weilte, zum großen Theile erst aus der „Wochenschrift" erfuhr. Ich fordere Sie nun auf, da Sie und der Verfasser jener Artikel ja genau wissen werden, aus welcher Quelle Sie ihre Informationen geschöpft, offen und ehrenwörtlich zu erklären, ob die mir gewordene Andeutung irgendwie den Thatsachen entspricht. Ich fordere Sie zur Abgabe dieser Erklärung nicht etwa deshalb auf, weil ich jene Artikel mißbilligend bekritteln möchte, sondern einzig und allein darum, weil ich dem von der Animosität hinterrücks erhobenen Vorwurf, daß ich aus verschanztem Versteck, und

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