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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sche «82 ^to Bloch's WvchrnssMK Nr. I« des Vereines sind, versehen. Wir schließen unseren kurzen Bericht mit Wunsche, daß Israels Jugend sich stets für Israels Lehren begeistern möge, und sich stets Männer, gleich dem jetzigen Vorstände, finden, die die Ueberlieserungen unserer Väter hochzuhalten und zu ehren wifien. L. St. George« bei Preßburg. Am 2. April d. I. fand hier unter allgemeiner Theilnahme die Beerdigung der im 87. Lebensjahre verschiedenen Frau Katharina Schulz statt. Genoß die Verblichene schon ihres edlen, streng religiösen Lebenswandels wegen die allgemeine Werthschätzung, so wurde sie ob ihrer gottergebenen Resignation allgemein bewundert. Nachdem die Vielgeprüfte ihren Gatten verlor, entriß ihr der unerbittliche Tod in einem Jahre zwei im besten Mannesalter stehende hoffnungsvolle Söhne. An der Bahre hielt Herr Oberrabbiner Rosenbaum der Hingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die unerschütterliche Gottergebenheit, den edlen Sinn, die stille Resignatton der Vielgeprüften in warmen, rührenden Worten pries. Möge der edlen Dulderin die Erde leicht sein 1 Friede ihrer Asche! Leb. Dukovar. (T o d e s f a l l.) Donnerstag den 11. d. M.. Nachmittags 3 Uhr, wurde hier der Holzhändler Jakob Braun, der ein Alter von 62 Jahren erreicht hatte, unter Betheiligung der ganzen israelittschen Gemeinde, sowie zahlreicher angesehener Bürger unserer Stadt zu Grabe getragen. Die Repräsentanz der Cultusgemeinde, deren Vorsteher der Dahingeschiedene in früheren Jahren war, erschien unter Führung des jetzigen Vorstehers Herrn Victor Baum corporattv. Herr Oberrabbiner Dr. Julius Diamant widmete dem Dahingeschiedenen einen tief ergreifenden Nachruf, in welchem er dessen großer Verdienste um die Gemeinde, sowie der ganz besonderen allgemein bekannten Wohllhätigkeit in wirkungsvollen Worten gedachte. Der Sarg wurde hierauf von den Mitgliedern der Repräsentanz auf den Leichenwagen gehoben, und in langen, unabsehbaren Reihen bewegte sich der imposante Trauerzug, worunter sich auch eine Abtheilung der hiesigen fteiwilligen Feuerwehr befand, nach dem israelitischen Friedhofe, wo die sterblichen Ueberreste dieses verdienstvollen Mannes, der nicht nur von seinen Angehörigen, sondern von der ganzen Gemeinde tief betrauert wird, in der Familiengruft beigesetzt wurden. Feuilleton. Ismael. Psychologische Skizze von Janina Beaudouin de Courtenay. Autorisirte Uebersetzung aus dem Polnischen von Malwina Blumberg. . IV. .Indessen trat, nach einem der qui pro quos, die ich oben erwähnte, eine Wendung zum Befferen in meinen die Juden betreffenden Gefühlen ein. Ich war füntzehn Jahre alt, als ich eines Tages, um einen Dollegen zu besuchen, in Begleitung unseres Bedienten den ärmeren, meistens von Juden bewohnten Stadttheil durchschritt. Eben bogen wir um eine Straßenecke, als ich einige betrunkene Arbeiter erblickte, die einen kleinen jüdischen Jungen mit widerlichen Schimpfworten und Späßen überschütteten. Als das erschrockene Kind, in der Absicht, seinen Peinigern zu entkommen, sich ängstlich an die Mauer drückte, ergriff einer der Trunkenbolde es am Arm und versetzte ihm einen solchen Stoß, daß der Kleine laut auffchrie. Böller Empörung stürzte ich auf den Mann zu und rief: .Wie wagst Du es, Du abscheulicher Kerl, das Kind so zu mißhandeln?" Mt einem frechen, herausfordernden Blick sah der Betrunkene mich an. .Und was geht denn das Dich an. Du jüdische Fratze? Geh' mir aus dem Wege, sonst kriegst Du auch was ab!" Mir war bei diesen Worten, als falle ein Stein auf meinen Kopf ««der. Noch nie hatte ich solchen Schimpf kennen gelernt und gleich WolfSzähnen bohrten sich die Worte in mein Inneres. Auch war ich zu jung und unerfahren, um gegenüber den Schmähungen eines Trunkenboldes meinen Gleichmuth bewahren zu können. Ich faßte ihn am Arme und rief bebend vor Zorn: .Du weißt nicht, was Du redest, Du nichtswürdiger Kerl." Ich bin kein Jude, sondern ein viel befferer Christ als Du!" .Der junge Herr reden wirklich ganz wie unser Einer", entgegnete er mit erstaunter und ganz veränderter Stimme. .Nun, -an.« bitte ich höflichst um Entschuldigung. Was konnte denn das aber den jungen Herrn kümmern, daß wir Scherz mit diese« Jndenbengel trieben?" Böller Verachtung und innerlich bebend wandte^cPÄnch weg und entfernte mich. Der persönliche Schimpf hatte mich derart getroffen, daß ich es mit keinem Worte Mehr versuchte, die Leute über ihre nichtswürdige Behandlung eines unschuldigen Kindes auszuklären. Die Erinnerung an diesen Auftritt wollte lange nicht aus meirnm Gedächtnisse weichen. Anfänglich war es nur der Schmerz eines verwöhnten, herrschaftlichen Kindes, das zum ersten Male mit dem Straßenschmutz in Berührung gekommen war. .Und dann . . . Gerade der Menschengruppe, gegen die ich einen unüberwindlichen Widerwillen empfand, hatte man mich beigezahlt! Welch' herbes Spiel des Schicksals! Dann jedoch beschäftigte sich mein Gedanke mit dem bleichen, erschrockenen Kinde und der Rolle, die es in diesem Auftritte spielte. Dank sei es meiner Adoptivmutter, war ich ein ungewöhnlich glücklicher Knabe, außerdem jedoch war ich. sehr empfindsam. Dies verdankte ich Wohl nicht nur ihr, sondern meiner zweiten Mutter, der qualvollen Vergangenheit meines Stammes. Der Anblick eines Unrechts brachte mein Blut stets in Wallung. Als ich die weitgeöffneten Augen des armen Judenkindes sah, enthüllte sich mir der Schleier einer schrecklichen Welt, die von jenem Augenblicke an, unter verschiedenen Gestalten und Formen sich zeigend, mich abwechselnd abstieß und anlockte. Auch im Verkehr mit meinen jüdischen Collegen, die in kleinerem und größerem Maße unbewußt die traditionellen Jnstincte bewahrten, bemerkte ich diese mir fremden Horizonte. In der Gesellschaft, in der Literatur, überall tauchten sie auf, weckten eigenartige Klänge in meiner Seele und überflutheten sie mit einem geahnten, gleichsam bekannten und doch, unbekannten Lichte. Im Ganzen genommen, waren dies jedoch nur unbedeutende Zwischenfälle in meinem Dasein. Ich führte die Lebensweise eines .edlen Aristokraten", der alle seine enterbten Nächsten reich und glücklich hätte sehen mögen, Die. ersten Jahre meiner Universitätsstudien boten mir so viel neue Eindrücke, eröffneten mir einen Ausblick auf so weite Horizonte, daß alle meine bisherigen Begriffe einer Wandlung zu unterliegen begannen. Der Tag, der einen Wendepunkt in meinem Dasein herbeiführen sollte, fand mich unvorbereitet. Ich stand da, wie geblendet von der Gluth eines lodernden Feuers, kraftlos und betäubt. Endlich raffte ich mich auf zum muthigen Kampfe .... Es galt, mich selber vor mir selber zu retten! Auf der Schwelle meines jüdischen Lebens mußte ich vor Allem auf zwei Verhältnisie Rücksicht nehmen, die mir damals beide gleich wichtig und gleich heilig schienen. Das Verhältniß zu meiner Mutter, das sich — da sie mir das Theue'rste auf Erden — innerlich immer gleich bleiben wird, mußte jedoch, auf meinen ausdrücklichen Wunsch, scheinbar eine Aenderung erfahren. Meine zweite Liebe — oder vielmehr mein Roman — fand einen charakteristlschen und doch so natürlichen Abschluß, daß ich-denselben nicht unerwähnt lassen kann. Uebrigens werde ich mich so kurz als möglich fassen. Ich glaubte zu lieben und geliebt zu werden. Unser Verhältniß besaß die Frische und den Liebreiz von Schneeglöckchen, die Anmuth jener Blumen, die für jedes Geschlecht einmal blühen und nach einer Lebensdauer, die so kurz wie die von Flieder und Schneeglöckchen, rasch dahin welken, um in künftigen Fruhlingen für andere Erdenkinder wieder aufzuerstehen. Meine Blumen sollten — leider! — anders welken als die von Millionen . In einigen Tagen sollte ich eine Reise nach Deutschland antreten, uin auf einer der dortigen berühmten Universitäten meine Studien zu vervollständigen. Ich war noch nie von meiner Mutter getrennt gewesen, und als wir darüber sprachen, bemächtigte sich unser eine tiefe Melancholie, die ich jedoch mit aller Macht zu überwinden mich bemühte. Wie lebhaft steht dieser Augenblick vor meinem geistigen Auge! Ich ergriff die Hand meiner Mutter, führte sie : an meine Lippen und sagte lächelnd: .Ich fürchte, Mütterchen, wenn Du mich morgen zum Dampfschiff begleitest, wirst Du auf mich blicken, wie die Mutter von Moses, als sie ihr Neugeborenes den Fluthen des Nils anvertraute .... Nun, ich hoffe, daß durch Gottes Fügung auch Dein Kindchen aus .den stürmischen Wellen der Welt" glücklich an die Oberfläche schwimmen wird ..." In den Augen meiner Mutter blitzte etwas auf, das einer ängstlichen, erstaunten Frage glich. Doch währte dies nur die Dauer eines Augenblickes.

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