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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dr. Blvch's Wochenschrift Nr. 1« «eve 880 der Generäl-Gouverneur von Kiew Dragomirow 30 jüdischen« Schauspielern das Aufeathaltsrccht für kurze Zeit gewährt, die» mit colvssalem Erfolge im dortigen Theater wirkten. Bor einigen» Monaten wandten sich einzelne Gruppen jüdischer Bühnenkünstlers an die berühmte und in Regierungskreisen einflußreiche Schau-« spielerin Komifsarewskaja mit der Bitte, für sie einzutreten undI die Schmach der Verfolgung seitens der Polizei von ihnen zuA nehmen. Die edle Frau sammelte unter den Größen der russischen^ Bühne Unterschriften zu Gunsten der jüdischen Schauspieler. Die Folge davon war, daß man sich in maßgebenden Gesellschaftskreisen mit dieser Frage zu beschäftigen begann, bis endlich vor Kurzem eine in Moskau tagende Versammlung unter Mitwirkung der höheren Behörde den Entschluß faßte, in Petersburg die nöthigen Schritte einzuleiten, um den jüdischen Schauspielern die Rechte von Absolventen höherer Lehranstalten zu gewähren. Man hofft nunmehr bestimmt cmf baldige Lösung dieser Frage im günstigen Sinne. — In Rowno, Wolhynien, zeichnete sich unlängst ein.jüdischer Arzt. Namens Lew Schapira, durch tüchtige Fachkenntniß aus, welche die Bewunderung der betheiligten Militär- und Privatärzte hervorrief. Dr. Lew Schapira absolvirte seine Studien an der Kiewer Universität, brachte einige Monate in Wien zu, wo er chirurgische und gynäkologische Vorträge hörte und sich in diesen Zweigen vervollkommnet. Er prakttcirte dann in verschiedenen Städten Rußlands mit großem Erfolg, bis er endlich nach Rowno übersiedelte, wo der Posten eines Militärarztes vacant war. Rowno ist ein wichtiger Militärpunkt und das Amt eines Militärarztes ist einem Juden fast unzugänglich. Dr. Schapira bekleidete demzufolge diesen Posten nur provisorisch. Er gewann bald die Gewogenheit und Anerkennung der hohen Militärfunctionäre durch seine äußerst gewissenhafte Behandlung der Kranken und seine tiefe Fachtnntniß. Vor Kurzem sollte ein seit Monaten fast hoffnungslos darniederliegender Soldat operirt werden. Die Aerzte wagten es nicht, die gefährliche Operation vorzunehmen und verschoben immer dieselbe. Dr. Schapira erklärte sich bereit, die Operation vorzunehmen und dieselbe gelang chm außerordentlich gut. In Militärwie in Privatkreisen wird dieser Fall vielfach besprochen. Die Militärfunctionäre, die die jüdischen Aerzte nur aus der Lectüre der „Nowoje Wremja" kennen, haben nunmehr die große Entdeckung gemacht, daß die jüdischen Aerzte nicht durchwegs aus Ausbeutern. Strebern und Ignoranten bestehen. — Dr. Schapira, der colofsal in Anspruch genommen ist, versagt keinem Armen unentgeltliche Hilfe Und ist Überdies ein guter Jude. — n y — London. (Die Fremden von E a st - L o n d o n.) Anläßlich der am 31. März in ganz England stattgehabten Volkszählung bat Sir Waller Besä nt unter dem Titel „East-London" ein aus einer Reihe von Skizzen bestehendes Buch veröffentlicht, in dem auch den eingew änderten Juden ein Capitel gewidmet ist. Das hochherzige England hat schon, oster seine gastlichen Thore den verfolgten Fremden geöfstiet. So den Hugenotten, den vertriebenen Protestanten aus der Pfalz im Jahre 1709, den französischen Emigranteil während der großen Revolution, den fliehenden Polen nach der Niederwerfung des Aufstandes im Jabre 1831 und endlich auch den Juden, welche vor der unmenschlichen Verfolgung einer bornirten und despotischen Regierung geflohen sind. Während jedoch alle anderen Einwanderer in dem neuen Vaterland die Traditionen ihrer früheren Heimat für Generationen hindurch aufrecht zu erhalten gesucht haben, während die französische Fronde in London gegen Frankreich conspirirt und England in internationale Verwicklungen gestürzt hat, während endlich die polnischen Schlachzizen in England als Schnorrer gelebt und auf die Mildthätigkeit der Engländer angewiesen waren, sucht der ^stlde mit dem Moment, in dem er den Boden East-Londons zum ersten Male betritt, einen ordentlichen fleißigen und loyalen Bürger seines neuen Heimatlandes abzugeben, der stets bereit ist, nach bestem Können sich den socialen Verhältnissen, Sitten und Gewohnheiten der englischen dlation anzupassen. Schon die Kinder, Knaben wie Mädchen, sind schon so durch und durch Engländer, daß nur noch ihre Familiennamen ihre nichtenglische Abstammung verrathen. Bereits die zweite Generation hat unsere Gewohnheiten und Manieren angenommen. Sie freuen sich über unsere Erfolge und sind über unsere Mißerfolge ehrlich betrübt. Ich glaube, daß Englands Fähigkeiten, fremde Elemente zu absorbiren, noch. größer ist, als die der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Nur in einem Puntte sind die russischen Juden treulos; während der englische Arbeiter in East-London lebt und stirbt und niemals den Wunsch hat, die Straße, in der er geboren und erzogen wurde, austugeben, ist der russische Jude bemüht, bei der ersten sich darbietenden Gelegenhc t Whitechapel treulos den Rücken zu kehlen. Er läßt sich zuerst in East-London nieder, weil hier gerade die Landungsplätze für die Auswandererschiffe sich befinden. Kaum jedoch ist er in East-London warm geworden, als er auch schon danach trachtet, seine Koffer zu packen und in einem anderen Viertel Londons sein Zell austuschlagen. Er bat durch eiserne Geduld und unermüdlichen Fleiß sich zu einer höheren Lebenshaltung cmporg'eschwungeu, und nun will er auch eine andere bessere Umgebung »haben. „Würde morgen durch ein Gesetz die Fremdeneinwanderung ^verboten und der frische Zuzug nach East-London inhibirt werden, ich rglaube, Whitechapel würde in einer einzigen Generation seinen gegenswärtigen Charakter als das große Londoner Ghetto völlig verlieren." tVon seinen unablässigen Bemühungen, vorwärts zu kommen, rühren * alle die kleinen Differenzen, die er mit seiner christlichen Umgebung hat, her. Er bummelt nicht müssig durch die Straßen, weil er seine Zeit braucht, um Geld zu verdienen, er trinkt auch nicht, weil er fürchtet, der Schnaps werde für alle Zeiten seine Energie einschläfern. Die Stärke des russischen Juden, die ihn befähigt, schon in der zweiten Generation den Staub East-Londons von den Füßen zu schütt.eln, beruht auf seiner durchdasStudiumdesTalmuds „trainirten" Intelligenz. Arm und elend, wie er da vor Ihnen steht, zerlumpt, halb verhungert, kriechend und ohne Penny in der Tasche, ist doch dieser Mensch in der ältesten Literatur der Welt bewandert; dieses gewährt ihm bei jeder Art von Wettbewerb im Voraus einen kaum geahnten Vorzug. Zu seinem durch bas Studium wohl trainirten Gehirn tritt noch ein schnelles Erfassen einer jeden sich darbietenden Chance und ein rasches Sichanpassen an neu entstehende Verhältnisse, wie sie nur durch jahrhundertlang währende Noth anerzogen und von Generation auf Generation vererbt werden kann. Mit solchen Begabungen ausgerüstet, tritt er den Wettbewerb an, kämpft er gegen den dummen, untrainirten und simplen englischen Kraftmenschen. Was Wunder, wenn er im Concurrenzkampf schließlich Sieger bleibt? Nichts als die brutale Gewalt könnte ihn Niederhalten. Mr. Besant ist der Ansicht, daß diese brutale Gewalt einst zur Anwendung gelangen wird. „So lange wir Engländer unsere höhere sociale und ökonomische Stellung gegenüber diesen Uebermenschen aufrecht erhalten können, wird es in England keine „Judenhetze" geben. Dann aber . . . ." Dieses „dann aber" ist ein böses Horoskop, das Mr. Besant den Juden Englands stellt. Nur die Mittelmäßigkeit kann, nach seiner Ansicht, die Juden vor Verfolgung schützen. Wir wollen hoffen, daß Mr. Besant sich in dieser Hinsicht als falscher Prophet erweisen werde. Vermischtes. Wien. (Verlobung.) Fräulein Jenny Steiner. Tochter des Herrn Josef Steiner, Beamter der israel. Cultnsaemeinde, hat sich mit dem Beamten des Armenamtes der israel. Cultusgemeinde Herrn. Rudolf Kraus, verlobt. E. B. Wien. (Tr auun g.) Sonntag den 14.d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes, die Trauung des Herrn Dr. Sigmund Jacob Krauß mit Frl. Elsa Don reich statt. Die Braut ist die Tochter des Herrn Moritz Donreich,der ein Neffe des berühmten Talmudgelehrten Rabbi Kopel Charif ist und die Enkelin eines der Gründer des Tempels im IX. Bezirk, Herrn Leopold Bruckner. Den Trauungsact vollzog Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus, der an das Brautpaar eine Ansprache hielt, die auf alle Anwesenden eine nachhaltige Wirkung übte. Den choralen Theil der Function besorgte Herr Obercantor K l ä ger mit dem vorzüglich geschulten Chor unter Leitung des bewährten Cantors Herrn Pekarnik in gewohnter meisterhafter Weise. Wien. (Trauung.) Sonntag den 14. April d. I. um 12'U Uhr Mittags fand im Tempel, I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Fräulein Lorle Holzer, Tochter des Herrn Max Holzer, mit Herrn Josef Braun statt. Wien. Herrn Dr. Heinrich Schreiber, Procurist de* Internationalen Elektricitäts-Gesellschaft, wurde vom Sultan das Officierskreuz des Medjidje-Ordens verliehene - Wien. Sonntag den 24. März fand im Tempel der türkischen Gemeinde die Trauung des Fräulein Riva Ä d u t t, Tochter des allgemein beliebten und hochverdienten Vorstehers der türkischen Gemeinde, Herrn Licco L. Adutt, mit Herrn Jul. Fränkl statt. Der Trauung wohnte ein zahlreiches drstinguirtes Publicum bei. Man bemerkte eine Vertretung der türkischen Botschaft, Polizei-Bezirksleiter Kende, die Cultusvorsteher Dr. Berger und Ritter v. Tausfig, Bethausvorsteher Waflervogel, Frau Baronin Königswarter. den Gesammtvorstand der * Gemeinde unter Führung des Präsidenten Marcus M. Russo u. v. A. Die Trauungsrede hielt Rabbiner Papo. Der Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit bot bei Mitwirkung von Orgel und Harfe eine treffliche Leistung. ' Wien. Das von der Gattin des Bethausvörstehers Julius Wolf, Frau Sidonie Wolf, zum Andenken an ihren seligen Vater- Herrn Hermann Braun, der Wiener israelitischen Cultusgemeinde gespendete Sefer-Thora wurde im Tempel in der Seitenstettengaffe am letzten Pefsachtage als Maftir-Sefer, wofür es bestimmt ist, zum ersten Male in Gebrauch genommen.! Durch Schönheit der Schrift und reiche Ausstattung repräsentirt sich dieses Sefer

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