Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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iir-vr.- rWiMlnfit gr**r thi -*■~’Ti Nr. 16 Vr. Bloch's Wochenfüictft. «ette 27» 11.—12. Uhr. 5. Geschichte der Juden, 2 Stunden, Dienstag und Freitag 10—11 Uhr. Die Eröffnung des Sommer-Semesters findet am 16. April um 11 Uhr Vormittags statt. Ponitz. Wohl keine liberale Zeitung in der ganzen Welt hat einen so schweren Stand, wie die seit dem 1. Jänner in Könitz erscheinende „Ostdeutsche Tageszeitung/ Die Aufgabe, die sich die „Ostdeutsche Tageszeitung" in erster Linie gestellt hat, ist die Bekämpfung der Lügen des Antisemitismus und die Aufklärung des von der „Staatsbürgerzeitung" und dem antisemitischen „Konitzer Tagblatt" verhetzten Volkes. — Der Kampf ist schwer und darum müßte es Pflicht eines jeden liberalen Mannes sein, die „Ostdeutsche Tageszeitung" dadurch zu unterstützen, daß er selbst Abonnent wird und in seinem Bekanntenkreise für Verbrertung sorgt. Jede Postanstalt nimmt Bestellungen entgegen. Hamburg, 3. April. In der letzten Sitzung des Magistrats¬ und Stadtverordnetencollegiums von Altona theilte Oberbürgermeister Dr. Giese mit, daß der verstorbene ehemalige Präses der Jsraelitengemeinde, Pius Marburg, außer vielen Wohlthätigkeitslegaten seine reiche Gemäldesammlung der Stadt Altona für eine Bildergalerie testirt habe. Oberbürgermeister Dr. Giese bemerkte dann weiter, daß das Stadlverordnetencollegium unzweifelhaft mit dem Magistrat übereinstimme, dieses hochherzige, großartige Bermächtniß anzunehmen. Der Verstorbene habe mit demselben seine Anhänglichkeit mr die Gemeinde bewiesen, der er seit seiner Geburt angehört. Die . Stadt Altona habe dem Heimgegangenen viel zu verdanken; in aufopfernder Weife habe er sein reiches Wissen und Können, seine ganze Kraft in der uneigennützigsten Weise in den Dienst der Stadt gestellt, viele werthvolle Dienste habe er ihr geleistet. Der Name Pius Marburg sei mit einer der wichtigsten Epochen unserer Vaterstadt eng verknüpft, denn gerade zu der Zeit, als unser engeres Vaterland von der dänischen Fremdherrschaft befreit wurde, hat Pius Marburg das Ehrenamt des Bürgerworthalters bekleidet, und in dieser Eigenschaft das Interesse der Stadtgemeinde nach jeder Richtung hin energisch und in vortrefflicher Weise zu wahren gewußt. Die Stadt werde dem Verstorbenen stets ein treues Gedenken bewahren. — Der hiesige angesehene Arzt Dr. Alfred S a e n g e r, Sohn des verewigten früheren Predigers an der hiesigen Tempelgemeinde, ist vom Sultan durch Verleihung des Medjidjeordens ausgezeichnet worden, der ihm du.rch Vermittlung des deutschen Botschafters Freiherrn v. Marschall zuging. Dr. Saenger war zu Ende des vorigen Jahres nach Constantinopel berufen worden, um den bekanntlich schwer verunglückten Director der Militär-Medicinschule Professor Rieder zu untersuchen. Das Befinden des Professors Rieder hat sich jetzt so weit gebessert, daß er die Leitung der Militär-Medicinschule schon wieder übernommen hat. Mailand, 11. März. Unter außerordentlich lebhafter Theilnahme weitester Kreise unserer rein industriellen Bevölkerung wurde am 10. März das Jubiläum eines der bedeutendsten Gelehrten unseres Landes gefeiert. Die hiesige Akademie beging festlich den siebzigsten Geburtstag und das vierzigjährige Docentenjubiläum ihres berühmteren Mitgliedes, des großen Sprachforschers Graziadiv Ascvli. Vertreter sämmtlicher gelehrten Anstalten, Vertreter der Stadt, Abgesandte der hervorragendsten italienischen Akademien, sowie zahlreiche Schüler aus dem Jn- und Auslande überbrachten dem Jubilar mit dem Ausdrucke ihrer außerordentlichen Verehrung die herzlichsten Wünsche für das Greisenalter. Der Unterrichtsminister Nasi sandte ein langes Glückwunschtelegramm, indem er sich „den der Wiffenschaft und der Charakterfestigkeit in ihren genial st en Betätigungen" erwiesenen Ehrungen gern anschließt und die außerordentlichen Verdienste des Gefeierten um das Vaterland anerkennt. Der Jude Ascvli ist der Vater der modernen linguistischen Studien in Italien..Neben Franz Bopp einer der hauptsächlichsten Forscher auf dem Gebiete der vergleichenden Sprachwissenschaften, hat der Gelehrte das ganz besondere Verdienst, die Vergleichung der italienischen Dialecte wiffenschaftlich angebahnt zu haben; seit 25 Jahren ist er Herausgeber des Italienischen Archivs für Glottologie. Seine Schüler überreichten ihm eine Jubelschrift, an der vondeutschen Mitarbeitern Professor Meyer Lübke und Ulrich zu nennen sind. Auch um die jüdische Wiffenschaft hat Ascvli sich verdient gemacht durch seme Abhandlung „Ueber hebräische Inschriften ln Süditalien" (1880), die grundlegend wurde für paläographische Arbeiten. — Möge dem gefeierten Gelehrten ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein. Paris. (Rabbiner und Präsident.) Der am 8. d. in Nizza eingetroffene Präsident Frankreichs, Loubet, empfing daselbst mehrere Deputationen. Der. Rabbiner von Nizza stellte das „Israelitische Confistorium" vor und betonte in seiner Ansprache den heißen Patrotismus der Israeliten. Präsident Loubet erwiderte, die Demokratie kenne zwischen guten Franzosen, welcher Religion fie immer angehören mögen, keinen Unterschied. Björnson bei Dretzfns. Der Dichter Bj örnfan erzählt über seinen Besuch bei Capitän D r e y f u s, daß dieser tief bewegt gewesen sei. Björnson schildert Dreyfus alseinen ruhigen, heiteren Mann. Dreyfus sagte, er sei stets Optimist gewesen. Er habe gewußt, daß der Charakter einzelner Kameraden im Generalstab schlecht sei, doch habe er me eine solche Schlechtigkeit geahnt. Eine Wunderustr ans der Pariser Wettanssteüung. Ganz oben in der Marine-Ausstellung, in rmem so gjat verborgenen Winkel, daß es nur von wenigen Besucher» gefunden wurde, stand auf einem Tische ein aus Kupfer und Bronce hergestelltes Häuschen, das erst bei näherer Betrachtung als eine Uhr sich herausstellte. Es ist der sogenannte „russische Bahnhof", ein wahres Meisterwerk der lldrmacherkunst, von I. M. Goldfadeff anaefertigt. Die etwa 15 Meter breite und ri Meter hohe Vorderseite stellt einen russischen Bahnhof dar mit Allem, was dazu gehört: dem Telegraphen, Schalter, Bahnhofsvorsteher, Bahnwärter, der Caff", sogar einem Buffet u. s. w. Um den vor dem Bahnhof angelegten kleinen Garten mit Springbrunnen, Bäumen und Blumen läuft eine Eisenbahn, die gleichfalls mit allem Zugehörigen ausgestattet ist, mit Barrieren, Waff-rthurm, Wärterhäuschen, Signalscheiben u. s. w. In der Kuppel des Bahnhofgebäudes befindet fich das Uhrwerk, das zunächst die Zeigerwerke mehrerer Zifferblätter treibt, welche die Zeit an verschiedenen Orten der Erde anzeigen,. und eine andere Uhr, von welcher die Jahreszeit, der Monat und Tag, sowie die Mondphase abzulesen find. Aber sobald die Uhr die Mittagsstunde schlägt, beginnt fich Alles zu beleben: man fieht die kleine Telegraphistin in ihr Bureau eilen, wo sie die Nachricht von der Ankunft des Zuges erhalten; ein Wärter läutet die Bahnsteigglocke, ein Pfiff ertönt und der Zug. der unter dem Bahnhofsgebäude hervorkommt, fährt ein. Die Locomotive hält beim Wafferkrahn, um Wasser zu nehmen, und die anfänglich rothen Signalscheiben werben grün, um den Zug zu decken. Der Bahnhofsvorsteher ist aus seinem Geschäftszimmer auf den Bahnsteig getreten und der Wagenmeister waltet seines Amtes; die Reisenden kommen aus den Wartesälen, gehen zum Fahrkartenschalter und schreiten weiter. Der Bahnsteigwärter läutet dreimal, der Zug wird vom Telegraphenbeamten der nächsten Station angemeldet, der Zugführer pfeift, die Maschine antwortet und der Zug fährt ab; die Reisenden in den Wagen winken noch einmal zum Abschiedsgruß. Während der Bahnwärter in sein Häuschen zurückkehrt, schließen fich die Bahnhofsschranken; ein Gendarm tritt auf, der das in diesem Augenblick erscheinende Bild des Czaren militärisch grüßt, und ein unfichv» bares Orchester beginnt die russische Nationalhymne zu spiele». Nachdem sie geendet, kehrt der Bahnhofsvorsteher in sein Geschäftszimmer zurück und die Ruhe ist wiederhergestellt. Da der Erfinder den überaus verwickelten Mechanismus selbst angefertigt hat, so besitzt er neben seiner großen Erfindungsgabe jedenfalls eine nicht minder bewundernswerthe Ausdauer und Geduld, denn wenn wir die Jahreszahlen unter der Hauptuhr richtig deuten, hat er s e ch s I a h r e an seinem Werk gearbeitet, das bei seiner Reise durch Rußland berechtigte Bewunderung gefunden hat. Kiew. Seit einer Reihe von Jahren beschäftigt die Wohnrechtsfrage der jüdischen Schauspieler die Oeffentlichkeit, ohne eine definitive Lösung gefunden zu haben. Es wird überall anerkannt, daß die jüdischen Schauspieler zu den besten Kräften der russischen Bühne gehören, es gibt kein größeres Theater, wo nicht wenigstens y3 jüdischer Schauspieler in den Hauptrollen Mitwirken. Selbst die antisemitische Presse fieht fich in den Theaterkritiken gezwungen, da fie mit dem Geschmacke der Leser rechnen muß, den jüdischen Acteuren Lob und Anerkennung zu zollen. Nichtsdestoweniger fand fich noch immer die Behörde nicht veranlaßt, die Hindernisse, auf welche die jüdischen Bühnenkünstler beim Erscheinen in einer außerhalb des Wohnstriches gelegenen Stadt stoßen, durch Aufhebung des Aufenthaltsverbotes zu beseitigen, und begnügt fich mit Ertheilung des zeitweiligen Wohnrechtes von Fall zu Fall. So hat vor Kürzem