Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 16 (19.4.1901)
- Date
- 1901-04-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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TTJ~>«^ ^-1—c.gMp.yv r-^yy1paB»»S ffT*ü|»-r»ttfll ■ yy^;“f ' Basars- ^LMlW»DL«ML Nr. 16 Dr. Vloch's WochrnsthrM Sette 377 wir herzlichst begrüßen und hoffen und wünschen, daß sie Förderer unseres Vereines werden. Im Jahre 1900 bildeten den Ausschuß die Herren: Ignaz Zolles, Präses; Julius Brecher und Sigmund Kauders, Präses-Stellvertreter; Bernd. Brauner, kassier; P.Halpern, Controlor; I. Reitzes, Schriftführer; Louis Flamm, Hermann Flieg, Os. Juer, Jacob Obst und Josef Silbermark, Krankenväter; Emil Feigenbaum, S. Geiduschek, Alex. Landau. Wien. Am 14. d. M. fand im „Restaurant Wiener" eine Versammlung statt, um über die Gründung des seit zwei Jahren projeetirten „Vereins zur Wahrung der Jntereffen des orthodoxen Judenthums in Wien und Niederösterreich" zu beschließen. Der Einberufer, Herr Bernhard H o f b a u e r, begrüßte namens der Proponenten die Anwesenden, ungefähr 120 Personen, und dankte Allen für ihr zahlreiches Erscheinen. Herr Hofbauer, zum Vorsitzenden mit Acclamation gewählt, designirte, mit Zustimmung der Versammlung, Herrn S. Fischer zum Protokollführer. Zur Tagesordnung theilt Herr H o f bau er mit, daß seit zwei Jahren mit dem Cultusvorstande wegen einzelner Bestimmungen des Statutes verhandelt wird,da der Cultusvorstand selbes nur genehmigen wollte, wenn zu den wichtigsten Agenden die vorgängige Zustimmungder Cultusgemeinde eingeholt werden muß. Das Comits hat nach langem Sträuben diesem Verlangen nachgeben zu sollen geglaubt, um die Constituirung des Vereines nicht zwecklos zu verschleppen, und wurde diese Versammlung einberufen, um deren Ansicht zu hören. Herr-Hofbauer ertheilt dem Referenten des Subcomitäs Herrn Pappenheim das Wort. Selber führt aus: Die Wiener Orthodoxie steht nach wie vor auf dem Standpunkte, daß sie auf Grund des Gesetzes für ihre Anhänger und für ihr Geld alle Institutionen schaffen kann, die die Cultusgemeinde für alle Wiener Juden schaffen muß, soferne die Gemeinde-Institutionen den religiösen Ansprüchen der Orthodoxie nicht entsprechen. Hiezu ist die Zustimmung der Cultusgemeinde nicht erforderlich, da derselben nur ein Aufsichtsrecht zusteht. Der Cultusvorstand vertritt den Standpunkt, daß zu allen rituellen Einrichtungen seine Zustimmung erforderlich sei. Zwischen diesen diametral entgegengesetzten Anschauungen könnte nur eine authentische Auslegung des Gesetzes entscheiden. Eine solche zu erlangen, würden Jahre vergehen und wir wollten endlich einmal die Orthodoxie constituirt sehen und haben dem sehr hemmenden § 3 zugestimmt, ohne jedoch unseren vorstehend präcisirten Recht sstandpunkt aufzugeben. Herr Klein bemängelt das Statut. Herr Fis ch e r bedauert, daß die Proponenten nicht direct zur Statthalterei gingen, dort hätte der Cultusvorstand nachgegeben, besonders wenn man anstatt des unbeliebten Ausdruckes „orthodox" eine verblümte Bezeichnung gewählt hätte. Herr Fischer proponirt als Titel „Verein zur Hebung der Religiosität", um mehr Leute heranzuziehen und auch Nichtfromme zu bekehren. Referent ersucht den Redner, vorerst über den § 3 zu sprechen, über den man vor Allem die Ansicht der Versammlung hören müsse; Discuffivnen über das Meritum des ganzen Statutes, das schon von einer vorhergehenden Versammlung berathen wurde, könnten erst nach Erledigung dieses wichtigsten Paragraphen stattfinden. Herr Fischer sagt, nachdem ihm das Wort entzogen wurde, wolle er nur für Annahme des § 3 plaidiren, da er vor dem Cultusvorstande keine Furcht habe, derselbe sei sehr conciliant. Professor Sabrmann verwahrt sich dagegen, daß Herrn Fischer das Wort abgeschnitten wurde, dessen Ansichten er sich anschließt. Herr I. Frommer bemängelt sehr scharf, daß das Ergebniß der großen Arbeit des Comites nur war, sich mit Haut und Haaren dem Cultusvorstande zu verschreiben. Herr Klein sagt, wenn das Statut ganz allgemein gehalten wäre, ohne die Agenden des Vereines aufzuzählen, hätte der Cultusvorstand keine so maßlosen Forderungen gestellt. Herr .F. Hofbauer bemängelt das ganze Statut und hebt mehrere ihm unrichtig scheinende Bestimmungen hervor. Herr A. Bondi erklärt, er sei als Comitemitglied entschieden gegen die Zugeständnisse an die Cultusgemeinde gewesen; nach reiflicher Erwägung sei er zu dem Schluffe gekommen, die Gründung auch auf dieser veränderten Grundlage vvrzunehmen; der Verein wird ein Krystallisationspuukt der Orthodoxie sein und sich trotz der ihm angelegten Fesseln entfalten. Herr Felsenburg ist gleichfalls für Annahme des § 3. Bei der Abstimmung wird der § 3 einstimmig angenommen. Ebenso der Schlußpaffus des § 3. Herr Dr. Bloch erklärt, obwohl er die Wichtigkeit der Orthodoxie für den Bestand des Judenthums anerkenne, wolle er sich an der meritorischen Debatte nicht betheiligen, mache jedoch darauf aufmerksam, daß stylistische Feilungen an dem Statut, das durch zahllose Streichungen und Umarbeitungen formlos geworden, nöthig seien. Herr Fleischmann stimmt zu und schlägt vor, das Comitö hiemit zu beauftragen. Herr Fischer schlägt vor: Stellenvermittlung für Solche, die den Sabbath nicht beobachten, um sie zu guten Juden zu machen. Herr Braun stimmt zu. Vorsitzender erwidert: Ein orthodoxer Verein muß vorerst jene mit Samstag freien Stellen versorgen, die hiefür ihre Carriöre riskiren. Referent ersucht die Anwesenden, etwaige Bemerkungen zu den Statuten schriftlich an Herrn Hofbauer gelangen zu lassen. — Zur Statuten-Revifion werden dem Comitö Herr W. Fleischmann und Professor: Sabrmann beigegeben und Herr Chefredakteur Dr. Bloch ersucht, dem Comite sein reiches Wissen und seine große Erfahrung zur Verfügung zu stellen, was derselbe freundlichst zusagte. Der größte Theil der Anwesenden tritt sofort dem zu gründenden Verein bei, womit die Versammlung geschloffen wird. Wie». (E i n g e s.e n d e t.) Wir werden um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums." Geehrter Herr Redacteur! Das Sprichwort: „Große Ereignisse werfen ihre Schatten im Vorhinein", sollte hier richtig heißen: „Große Ereigniffe werfen ihre Schattenseiten im Vorhinein". Bei der vor 2 Jahren von mir angeregten Gründung der „Freien Bereinigung zur Wahrung der Jntereffen des orthodoxen Judenthums" wurde ein Statut ausgearbeitet, dessen Inhalt die vollste Gewähr für die gedeihliche 'Entwicklung des gesetzestreuen Judenthums in Wien und ganz Oesterreich geboten haben würde. Ganz anders gestaltet sich der mir vorliegende, von Seite der Cultusgemeinde vollkommen umgeänderte Wortlaut der Statuten dieses angeblich zur Wahrung der Interessen der orthodoxen Juden zu bildenden Vereines. Und dennoch gibt es solche Leute, die naiv genug sind, zu glauben, mit diesem Zwitterding ihr Auslangen finden zu können, und sich noch obendrein einbilden, der „Orthodoxie" einen wer weiß welch' unschätzbaren Dienst zu leisten. Jeder ehrlich überzeugte, gesetzestreue Jude wird beim Durchleseu dieser Statuten sich sofort darüber klar sein müssen, daß mit diesem Danaer Geschenk der „Orthodoxie" nicht nur nicht geholfen werden kann, daß geradezu im Gegentheil dieser auf Grundlage solcher Statuten zu bildende Verein ein Krebsschaden für die ohnedies so verfolgte „Orthodoxie" wäre. Einigkeit thut auch hier Noth. Mit vereinten Kräften können und müssen unsere gesetzestreuen Juden zu ihrem Rechte gelangen. Wilhelm Morgenstern. Wien. (Aufruf.) Am 8. Mai d.-J. findet unwiderruflich die Ziehung der uns vom hohen k. k. Finanzministerium bewilligten Lotterie statt. Von dem Ergebnisse dieser Lotterie wird es abhängen, ob wir schon im Herbst d. I. in der Lage sein werden, unser Heim in Laa den unglücklichen Kindern zu eröffnen. An alle unsere Mitbürger jüdischen Glaubens richten wir im Namen der Unglücklichen die innige Bitte, uns durch Ankauf der Lose zu unterstützen und die von uns zugesandten Lose annehmen und honoriren zu wollen. Wir heben es wiederholt hervor, daß wir. bei nur einiger Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen, in kürzester Frist in die angenehme Lage versetzt sein werden, unser schönes Heim dem schönen Zwecke zuzuführen. Der Vorstand dcs Vereines „Kinderheim" zur Gründung von Heimstätten für verkrüppelte Kinder jüdischer Confesfion. Sämmttiche Zuschriften sind zu richten an: Derei« „Kinderheim" für verkrüppelte Kinder Wischer Confeffion, Wien, 1., Köllnerhofgasse 6. Budapest. (Eine jüdische Dame beim Papste.) Das Oberhaupt der katholischen Welt, Papst Leo XlD., hat dieser Tage — wie mau einem hiesigen Blatte berichtet — die Gattin des ungarischen Abgeordneten Hofrath Dr. Armin Neumann in Privat-Audienz empfangen. Die hochgebildete Dame ist über Empfehlung des päpstlichen Leibarztes Dr. Lapponi zum Papste gelangt. Diese Audienz ist für Frau Dr. Neumann eine besondere Auszeichnung, umsomehr, als zu gleicher Zeit sich Herzoge, Herzoginnen. Grafen und Gräfinnen um eine Audienz bewarben, die aber alle abschlägig beschieden wurden, weil zu dieser Zeit sich der Papst zur Österfeier rüstete. — „Haben Sie einen weiten Weg zurückgelegt? Und Sie find wahrscheinlich müde", sagte der Papst mit einer sanft lächelnden Miene. „Tausendfache Mühe wäre reichlich belohnt durch den Augenblick, in welchem ich das edelherzigste Oberhaupt der christlichen