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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Date
1901-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 278 Dr. Bloch's WvchrnschrM Rr. 16 drei Jahren etwa 250.000 Francs eincassirt worden seien, und schließt mit den Worten, daß die Bukarester Liga eine Geschäftsclique darstelle, welche den Antisemitismus ausbeute, um sich fette Monatsgehälter zu verschaffen, ohne irgend etwas zu leisten. Das energische Vorgehen der französischen Justizbehörden gegen die nationalistischen und antisemitischen Hetzer hat bereits günstige Wirkungen gezeitigt. Die „Münchener Allgemeine Zeitung^ schreibt: „Die Richter haben sich darauf besonnen, daß in dem Gesetzescodex eine ganze Menge Paragraphen vorhanden sind, die die friedlichen und anständigen Leute gegen die Preßbanditen schützen; einige Dutzend Verurtheilungcn zu kräftigen Geldstrafen — bis zu 100.000 Francs und darüber — haben genügt, um den Ton der Pariser Zeitungen wesentlich zu verbessern. Ein paar der schlimmsten Revolverblätter sind schon eiugegangen; einige der allerärgsten Ehrabschneider sind verschwunden oder flüchtig geworden; selbst Herr Rochefort schreibt jetzt, wenn es sich um Persönlichkeiten, denen er wohl zutraut, daß sie eventuell auf Geldstrafen, Schadenersatz und Einrückungsgebühren für das Urtheil klagen könnten, ganz wesentlich anders als ftüher. Das gleiche ist auch bei der „Libre Parole“ der Fall. Herr Drumont hat ein paar kräftige Verurtheilungen hinter sich und die kurze Freude, seinen Lesern die Rot hs ch i l d's als Mörder von Profession und aus Neigung hingestellt zu haben, ko st et ihn jetzt weitere 25.000 Francs, die zum großen Thril den Pariser Armen zugute kommen werden. Heute schimpft nun natürlich die „Libre Parole“ gewaltig, diesmal weniger auf die Nothschild's als auf die Richter, die es gewagt haben, dem ungetauften Juden Rothschild gegen den getauften Juden Drumont Recht zu geben. In ein paar Tagen wird sie auch das lassen und die jüngsten 25.000 Francs Strafgelder werden unter allen Umständen das Gute bringen, daß sie den Zeitungston hier weiter verbessern helfen." Ueber die ruffischen Juden haben rujsische hervorragende Staatsmänner, höhere Officiere, Verwaltungsbeamte, Bischöfe und Erzbischöfe, berühmte Schriftsteller und Vertreter der Presse llrtheile abgegeben, die in einem vor Kurzem erschienene» Buche „Die Juden in Rußland" enthalten sind. Es sind Gutachten, die theils von der Regierung eingeholt, theils administrativ verfaßt und theils freiwillig ausgestellt sind. Die Männer, die hier ihre Ueberzeugung zum Ausdruck bringen, standen beruflich mit Juden in fortwährender Berührung. Die „Nachr. d. Bereinigung Bad. Israel/ theilen aus der Sammlung Folgendes mit: Graf Malujew, der frühere Minister des Innern, schreibt: „Da die Juden sich ausschließlich mit dem Kleinhandel und den Handwerken befassen und ihre Thätigkeit auf ein enges Gebiet inmitten einer meist sehr armen Bevölkerung beschränkt ist, hat die übermäßige, das normale Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot zerstörende Concurrenz naturgemäß zur Folge gehabt, daß die Handwerker, sowohl Juden wie Christen — um nur irgendwie die Mittel zur Existenz zu erringen — nothgedrungen sich mit den niedrigsten, nicht einmal die Arbeitskosten deckenden Preisen begnügten. Alles dies vergrößerte nach und nach die Armuth der gewerbetreibenden Claffe in den Gegenden, die am stärksten von Juden bevölkert sind/ Fürst Wassiltschikow, der frühere Militärgouverneur von Kiew, schreibt: „Die Entfernung der Juden aus Kiew hat lediglich den Handel der Stadt gehemmt, dieser jedoch gar keinen Nutzen gebracht/ General Jermolw bekundet: „Das jüdische Bataillon hat die Vorstadt Praga mit wahrer Tollkühnheit vertheidigt/ Generalmajor Kuropatkin begutachtet: „In der überwiegenden Mehrzahl haben sowohl Tataren als auch Juden ebenso zu kämpfen und zu sterben gewußt, wie die übrigen russischen Soldaten, und werden es in Zukunft ebensp halten, sofern nur die richtigen Führer an ihrer Spitze stehen/ Gegenüber der stereotypen Anklage, daß die Juden nicht arbeiten wollen, bestätigt Generalmajor Budberg: „Die Festungen der Küstenvertheidigungen am Schwarzen Meere sind in dem Berzeichniß der Ortschaften, in denen die Juden ständig oder vorübergehend sich aufhalten dürfen, nicht mitinbegriffen. Und doch waren es gerade die Juden, die, als eben erst die Einrichtung dieser Befestigung in Angriff genommen wurde, als die ersten Handwerker am Platz erschienen, wie denn bis jetzt in den meisten Festungen alle Schneider, Schuhmacher und sonstige für die Garnison unumgänglich nöthige Handwerker sich aus Juden recrutiren/ Der Gouverneur von Taurien, General K a w eli n kommt zum Schluffe: „Die mannigfachen judenfeindlichen Gerüchte gehen von Leuten aus, denen das Wohl und die Ruhe ihres Vaterlandes nicht am Herzen liegt/ Der geniale Schriftsteller Turgenjew äußert sich in einem Briese an einen Freund bitter: „Was kann die vereinzelte Stimme irgend eines beliebten „gebildeten Mannes" hier gellen? „Nowoje Wremja" wird spucken und Dir vorwerfen, daß Du Dich zieren willst, oder das Gerücht verbreiten, daß die Juden Dich gekauft haben. Es bleibt uns nur noch übrig, zu erröthen, zumal hier in Europa, zu erröthen für uns selbst, für unser Vaterland, unser Volk und zu schweigen/ Alle diese hervorragenden Männer Rußlands sind darin einig, daß die Juden ein friedliches, nützliches Element der Bevölkerung bilden und daß ihr himmelschreiendes Elend nur durch Erweiterung ihrer Rechte beseitigt werden kann. Ueber jüdische Handelsmoral schreibt im „Politischen Jahrbuch der Schweizerischen Eidgenoffenschaft", der Herausgeber desselben, Professor Dr. Hilty, in einer Abhandlung „Ueber die Handelsmoral" Folgendes: „Da man heute den Juden die Verschlechterung der Handelsmoral zuschreibt, so wird es nur gerecht sein, zu erwähnen, daß der Talmud zahlreiche ganz entgegengesetzte Vorschriften für die „gläubigen" Bekenner dieser Religion ertheilt, z. B. folgende: Man darf keiner Waare ein täuschendes Ansehen geben, oder ihren Werth durch eine Mischung mit schlechterer vermindern. (Maimonides vom Verkauf, Cap. 18.) Der nämliche Schriftsteller sagt:. „Das deinem Nächsten zu erhaltende Vermögen soll dir ebenso theuer sein, als dein eigenes. Man soll es sogar vermeiden, Gewinn an Gegenständen zu suchen, die zu den nothwendigen Lebensbedürfnissen gehören. (Baba Bathra 91.) Die Hohlmaße sollen zweimal wöchentlich gereinigt werden und der Verkäufer soll immer etwas zugeben, als Ersatz für allfällig vom Maße Fehlendes. (Baba Bathra 88.) Zwei Arten von Getreide sollen nicht miteinander vermischt werden. Eine Stelle (Jora Dea 265) sagt, bei dem Erscheinen vor Gottes Gericht werde die erste Frage an einen Israeliten sein, ob er im Handel rechtschaffen gewesen sei, die zweite, ob er nicht ganz im geschäftlichen Leben aufgegangen sei, sondern täglich eine bestimmte Zeit seiner geistigen Fortbildung gewidmet habe. Von einem jüdischen Weisen, Rabbi Safra, der im dritten Jahrhundert lebte, wird erzählt, daß er sich über den Verkauf einer Waare nicht mit einem Käufer habe einigen können. Nachträglich entschlossen sich aber. Beide nnders. Als nun der Käufer zurückkehrte und den geforderten Preis hinterlegte, gab. ihm der Verkäufer zwei Goldstücke zürsick mit der Bemerkung, er habe ffch seinerseits auch bereits entschlossen gehabt, die Waare um so viel billiger abzulaffen, und das müsse Geltung behalten. Das rabbinlsche Iudenthum und die Briefe des Apostel Paulus. Rede vor der 8t. Paul'S Association am 21. November 1900» gehalten von C. G. Montefiore. (Aus „The Jewish Quarterly Review“, Sännet U 01.) Aus dem Englischen übersetzt von Frau Dr. Rosa Wagner. (Fortsetzung.) Den jüdischen Lehrern erschien als eine der größten Belohnungen für Gesetzestreue das Leiden, welches man dafür erduldet. „Theuer sind uns die Leiden, denn durch Leiden erhielt Israel drei große Gaben — das Gesetz, das Land Israels und das künftige Leben."*) Einige der größten Vortheile der Beobachtung des Gesetzes sind geistiger Natur. Durch das Gesetz wird Israel eine weise und heilige Nation, ein Beispiel für die Welt. Durch das Gesetz und mit Hilfe desselben findet Israel Glückseligkeit. Aber welche Art Glückseligkeit? Gewiß keine, die etwas mit Gewinnsucht zu thun hat. Es ist die Glückseligkeit in Erfüllung der Gebote, um die landläufige, jüdische Wendung zu brauchen, die Freude, Gottes Willen zu thun, das Entzücken, Gottes Anordnungen gehorcht zu haben?) Durch das Gesetz tritt der Israelit Gott näher, er ’) Vgl. Schechter. „Some Aspeets of Rabbinic Theology.“ J. Q. R. vol. VI. p. 642 (July 1894) und Boctrine of Bivine Retribution in the Rabbinic Literature J. Q. R. vol. III. October 1900. p. 49. Weber. Jüdische Theologie. (2. Ausgabe.) S. 322. Schechter. Boctrine of Bivine Retribution in the Rabbinic Literature J. Q. R. vol III. October 1890. p. p. 45—49. 2) Vergl. Bab. Talmud, Sabbath 30. b. Pesachim 17. a. (Wünsche: Die haggadischen Bestandtheile des babylonischen Talmud I. p p. 126, 241. Aber die Stelle von Sabbath 30. b. ist vollständig in L. Goldschmidt's neuer, noch unvollendeter Uebersetzung des Babylon. Talmud B. I, pag. 387. 3 Cp. Weber p. p. 30, 31. > : Sogar Weber gibt Beweise dafür p. p. 51, 52, 57—59„ 61t Aber die Stellen, die er anführt, sind blos Tropfen im Meer.

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