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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Blvch's Wochrnschrifr. Seit, «w Begriff von der Artunddem Umfang des Nothstandes, der in den kleinen und kleinsten jüdischen Gemeinden herrscht. Für diese festbestimmten Zwecke, welche keinen politischen Beigeschmack haben, durch welche man rein jüdisch-religiöse, sittliche und humane Aufgaben fördern will, sollen sich die Vorstände der großen Institutionen vereinigen. Mit den Kosten eines Delegirtentages, eines Judentages, könnten diese praktischen Aufgaben erreicht werden und würde großer Segen geschaffen werden! Statt großer Debatten erhielten wir ein Feld großer Wirksamkeit. N Es sollte nicht schwer sein, die Organe der vorhandenen Institutionen von der Dringlichkeit dieser Aufgabe zu überzeugen und sie zu gemeinsamer Arbeit für dieses Ziel zum allgemeinen Besten zu vereinigen. Zur Regelung des Wanderbettels. Löbli che Re d a c t i o n! Obzwar die Regelung des Wanderbettels durch die Behandlung dieser Frage seitens unseres Cultusvorstandes und des löblichen Gemeindebundes in Prag in ihrer geschätzten Zeitschrift allein schwerlich zu Stande kommen wird, sehe ich doch schon darin mehr als einen bloßen Versuch, diese Frage ins Rollen zu bringen und bin daher Herrn>Dr. Rosenbacher für seine Erwiderung ,,mif gleichem Wege sehr dankbar. In der Sache selbst beharren wir auf unserem Standpunkte, und kann ich nicht umhin, zu behaupten, daß die Gründe, welche in der Antwort vom 31. März t. I, enthalten sind, nicht geeignet erscheinen, unseren Antrag bei Seite zu legen. Wir anerkennen gerne, daß die Realisirung desselben im Alifange nicht gleich denjenigen Erfolg haben wird, welchen er verdienen würde — es ist eben jeder Anfang schwer — aber wir sind fest davon überzeugt, daß' in ganz kurzer Zeit diese gute Sache nicht nur durchdringen, sondern sich auch in anderen Ländern einbürgern wird. Die befürchteten Schwierigkeiten bestehen nämlich nicht. Wenn.thatsächlich. keine einzige (!) Gemeinde Böhmens in der Lage wäre, ihre Armen, selbst zu. versorgen, dann begreife ich nicht, .wer. selbe überhaupt aushält, denn wenn die Gemeinde nicht.,einmal.ihre eigenen Armen unterstützen kann, wie kann sie dann noch fremde Arme aushalten? j Die einzelnen Mitglieder dev Gemeinden aber, die für die Armen Spenden leisten, werden dies sicherlich-noch viel lieber thun, wenn sie wissen werden, daß ihre Unterstützungen an> den richtigen Mann kommen, während sie heute nicht wissen, ob sie die Armuth und Erwerbsunfähigkeit, oder aber die Faulheit und Simulirung unterstützen. Besonders gut wird aber die neue Einführung sein, wenn thatsächlich Angehörige wohlhabender Gemeinden fremde oder gar ärmere Gemeinden in Anspruch nehmen, denn diesem Unfug würde dann wenigstens gesteuert werden und es dann sicherlich nicht mehr Vorkommen, daß z. B. ein Leitmeritzer Unterstützungsbedürftiger nach Prag reisen würde, um dort die Centralstelle anzubetteln. Ebenso unverständlich bleibt es mir, worin die Mehrbelastung der einzelnen Gemeinden bestehen würde. Jede Gemeinde würde doch nur denjenigen Betrag beisteuern; den sie bisher für fremde Bettler ausgegeben hat, woher käme daher die Mehrbelastung?! Unsere Gemeinde, respective Chewra*Kadischa zahlt — ohnerdaß sie bei dem dermaligen Stande zu den wohlhabenden gerechnet werden könnte — jährlich weit über 200 Kronen an arme durchreisende Bettler aus. Warum sollte sie nicht gerne 200 Kronen an die Centralstelle senden, da doch dadurch die Belästigungen durch das ganze Jahr hindurch entfielen und noch ein Gewinn im Interesse der Armen erzielt werden würde, weil, wennin der jetzigen Weise 200 Kronen ausgezahlt werden, mindestens 40 Kronen auf" die Reiseauslagen und daher dem eigentlichen Zwecke der Gabe verloren gehen, und ähnlich wird es' sich doch wohl auch in. anderen Cultusgemeinden verhalten. Daß einzelne- Gemeinden, obwohl sie die Unterstützung leisten könnten, selbe verweigern, respective sich ^als unterstützungsbedürftige^ melden würden — was abermals einen hohen Grad von-Mißtrauen gegen die Gemeinden bekundet, während die Gemeinden das Zutrauen zum löblichen Gemeindebunde nicht verlieren dürfen — darf uns an der Realisirung der! guten Sache nicht hindern," in welcher wir nicht einmal eine neue Idee erblicken können, denn wir sind blos verspätete Nachahmer dessen, was durch die Schaffung von Gesetzen gegen die Bettelei und Gründung von Berpflegsstationen in jedem Bezirke vom Staate längst eingeführt wurde und nur für uns Juden keine wirksameren Folgen gehabt hat. Gibt es denn wirklich Jemandem unter uns, der nicht einsieht, daß das dermalige jüdische Bettelwesen einer gründlichen Aenderung dringend bedarf? Hat nicht jeder von uns schon öfters, als ihm lieb war, Gelegenheit gehabt, sich beschämt zu fühlen, wenn er das jüdische Bettelunwesen näher ins Auge faßte? Daß der Deutsche Gemeindebund für die hier besprochene Angelegenheit nichts gemacht hat, obwohl er sich in besseren Verhältnissen befinden soll als unserer, ist doch wahrlich kein Grund dafür, auch die Hände in den Schoß zu legen, zumal wir der festen Meinung sind, daß es bei uns auch ohne 100.000 Mark Einkommen unseres Gemeindebundes durchführbar ist, wenn nur hinreichend dahin gearbeitet wird, daß sich die neue, den gegenwärtigen Anforderungen entsprechende Art der Armen-Unterstützung einlebe. Freilich gehört dazu in erster Reihe, daß die Leiter dieser Sache nicht selbst Gegner derselben seien! Wenn wir uns nicht täuschen, wird die regsame „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" in Wien dieser ganzen Sache sehr bald energisch näher treten und dürfte der Erfolg dann sicherlich nicht ausbleiben. Hochachtend Dr. Popper. Horazdiowitz den 9. April 1901. Vas rabbinische Iudenthum und die Triefe des Apostel Paulus. Rede vor der 8t. Paul’S Association am 21. November 1900» gehalten von C. G. M o n t efi o r e. (Aus „The Jewish Quarterly Review“, Jänner lfcOl.) Aus dem Englischen übersetzt von Frau Dr. Rosa Wagner. (Fortsetzung.) Es gibt allerdings Widersprüche und Widerstreit in der paulinischen Theologie, dennoch lassen sich die Linien der Beweisführung streng Nachweisen. Wir haben gewisse Haupttheorien, die mit Sorgfalt und Ausdauer ausgearbeitet find. Aber bei den Rabbinen liegt die Sache ganz anders. Sie können eine Zusammenstellung und ein System ihres Gesetzes machen, aber ein System ihrer Theologie können Sie nur mit der äußersten Vorsicht und mit vielen Vorbehalten construiren. In ihrer Theologie lassen sie ihrer überschwänglichen Phantasie die Zügel schießen. Da ist Alles zufällig, gelegentlich und unsystematisch. Eine bedacht spielende und phantastische Exegese wird bis zum wunderlichsten Extrem getrieben. Ernst und Scherz wohnen eng beisammen; seltsame Uebertreibungen und strenge Einfachheit vermengen sich. Ansichten der einen Seite begegnen Ansichten der anderen; die größte Freiheit der Auffassung wird reichlich gewährt. Es geht vertraulich und kameradschaftlich zu; es gibt keine Anstrengung oder Zurückhaltung; Sie sehen die Sprecher im besten und ärgsten Lichte. Hierin liegt also die augenfällige Gefahr eines Buches wie das Webe r'sche, welches die rabbinische Literatur in geordnete Capitel und Paragraphei' zerschneidet und ein System aus der Verwirrung schafft. Selbst wenn ein Buch nach dieser Art von einem Südseeländer geschrieben würde, der sich nicht einen Deut weder zum Guten, noch zum Bösen darum kümmerte, was rabbinische Religion bedeutet, wäre es gefährlich. Der Gegenstand legt überall Fallen. Aber wenn ein evangelischer Christ darüber schreibt, der beständig an die Episteln des Paulus denkt, und den Contraste und Parallelen verfolgen, wird er noch gefährlicher. Nachdem ich W e b e r's Buch kürzlich drei Mal durchgelesen habe, staune ich, daß ein solches Werk, welches nach einem solchen Plan, von einem solchen Verfasser geschrieben wurde, so gut sein kann. Seine Ehrlichkeit setzt uns oft in den Fall. Weber durch W e b e r zu corrigiren. Aber auch so muß das Buch mit Vorsicht gelesen werden, denn Derjenige, welcher ein System aufstellen will, wo keines vorhanden ist, verfällt oft dem Jrrthum. Und so geht es Weber. Er legt manchen Stellen mehr Bedeutung bei als sie vertragen können; er verkleinert andere, welche sie beschränken oder ihnen widersprechen. Er vernachlässigt den Zusammenhang; er nimmt Scherz für Ernst, die gewählten Antithesen einer Predigt für geordnete Glaubenssätze. Paulus wird zweifellos durch W e b e r's Buch illustrirt, aber statt einer wirklichen Religion voller Widersprüche, die Leben athmet, finden

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