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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Date
1901-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 258 Dr. Blvch's Wochenschrift Nr. 15 die hervorragenden Verdienste, die sich Herr Architekt Max Fleischer als langjähriges Mitglied des Vorstands-Collegiums der Cultusgemeinde und als Bethaus Vorstand erworben. Letzterer erwiderte in herzlicher Weise. Besonders solenn gestaltete sich die vom Borstande des Mariahilfer Tempelvereines seinem langjährigen ausgezeichneten Präsidenten am 1. Pessachtage veranstaltete Ovation. Anschließend an den Gottesdienst, bei welchem vom Obercantor S. Dünnman» ein selbstversaßter und in vorzüglicher künstlerischer Weise recitirter . Mischeberach vorgetragen und vom Gemeinde-Rabbiner Dr. I. Taglicht in einer meisterhaften Festrede der Jubilar gefeiert wurde, versammelte sich der Gesammtvorstand, sowie eine große Anzahl der angesehensten Mitglieder und vieler Damen des Tempelsvereines in dem festlich geschmückten Sitzungssaale. Hier hielt der Bicepräsident des Vereines Dr. Jakob Engel eine nach Form und Inhalt gleich gediegene und wahrhafte Herzlichkeit athmende Ansprache an den Präsidenten, in welcher das innige freundschaftliche Verhältniß zwischen Vorstand und Präsidium, das harmonische Zusammenwirken der Vorsteher und Mitglieder, und infolge dessen das Blühen dieses Gemeinwesens als Frucht der ausgezeichneten Leitung des Vereines durch den Präsidenten dargestellt wurde. Als Zeichen der allgemeinen Verehrung für den Gefeierten hatte der Vorstand beschlossen, eine Max Fleischer-Stiftung ins Leben zu rufen, die für immerwährende Zeiten diesen Ehrennamen tragen und noch in späteren Jahren Zeugniß oblegen soll von dem edlen Wirken des Gefeierten. Die Ansprache klingt in dem Wunsche aus, daß der Jubilar hkö “rp seinem Berufe, dem Vereine und der ganzen Judenheit erhalten bleiben möge. Die mit Gefühl und Wärme vorgetragene Ansprache — ein Meisterstück der Beredsamkeit — machte auf alle Anwesenden nachhaltigen Eindruck, der sich 4n lebhafter Zustimmung äußerte. Hierauf wurde durch den Vereins-Secretär die dem Präsidenten gewidmete prachtvoll ausgestattete Adresse verlesen, worauf der Jubilar tief ergriffen das Wort nahm. Von Mariahilf aus habe er den Weg in die Oeffentlichkeit genommen, das Gotteshaus des Vereines sei sein erstes Monumentalwerk gewesen, das er als gereister Künstler noch zu schmücken das Glück gehabt; deshalb bewahre er dem Vereine und seinen ausgezeichneten College», mit denen ihn ein unzertrennliches Freundschaftsband vereinige, seine wärmsten Sympathien, seine innigste Dankbarkeit. Zur Beglückwünschung waren weiters erschienen der gelammte Vorstand des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, in besten Namen Frau Präsidentin Eisenberger seinen langjährigen Ehrenpräsidenten begrüßte und ihm eine herrliche Blumenspende überreichte, sowie das Präsidium des Humanitätsvereines Nachlath- Jeschurun, für den Herr Präsident Dr. C. Löwy das Wort nahm, worauf Herr Architekt Fleischer in bewegten Worten dankte und dabei aller Heimgegangenen verdienstvollen Vorsteher, sowohl dieses als auch des Tempelvereines gedachte. In Vertretung des Curatoriums der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums waren Präsident Baurath Stiaßny und Herr Oberbaurath Tauffig erschienen, für de.n Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender Herr Bräfident Baurath Stiaßny und Schriftführer Dr. Bela Tauffig. Für beide Corporationen, welche prachtvolle, künstlerisch ausgestattete Adreffen überreichten, führte das Wort Herr Baurath Stiaßny, der den Berufsgenoffen in einer formvollendeten, von Herzlichkeit und collegialem Geiste durchwehten Ansprache begrüßte, worauf der Gefeierte in längerer Rede den Gefühlen des Dankes und seine treuen Gesinnungen für die beiden Vereine Ausdruck gab. Die geplante Organisation der jüdische» Verbände in Deutschland. In einem lesenswerthen Effay über die Frage: „Bedürfen die deutschen Juden einer Gesammtorganisation" umschreibt Professor Philippson in der neuen Zeitschrift „Ost und West" die Aufgaben dieser jüdischen Gesammtorganisatiou folgendermaßen: Die Gesammtorganisatiou der Israeliten Deutschlands, ihr Delegirteutag und sein Ausschuß sollen mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die Beeinträchtigungen unserer verfassungsmäßigen Rechte bei der Reichsregierung, dem Reichstag, den Landesregierungen und den Landtagen ankämpfen. Sie sollen unermüdlich bei jeder solchen Gesetzwidrigkeit ihre Stimme erheben. Sie sollen die hohen Principien des Judenthums in Lehre und Sitte stets von Neuem verkündigen und betonen. Sie sollen auf die Preffe wirken, öffentliche Versammlungen veranstalten. Sie sollen bei den Wahlen überall, wo ein Erfolg möglich ist, die Frage nachder Stellung des Candidaten zu der Gleichberechtigungssache erheben. Sie sollen ferner das berufene Organ bilden, mit dem die Regierungen über alle speciell jüdischen Fragen verhandeln können. Die immer wachsende Ausdehnung und Complicirung der staatlichen Thätigkeit macht ein derartiges Organ dringend erforderlich, und wir wissen, daß in mehreren preußischen Ministerien das Dasein eines solchen lebhaft gewünscht wird. Delegirteutag und Ausschuß sollen bei Abschluß von Handelsverträgen, wie er in kurzer Zeit bevorsteht, darauf hinwirken, daß diese keine Ausnahmebestimmungen zum Nachtheile jüdischer Geschäftsleute enthalten. Sie sollen die zersplitterten Bestrebungen zur Förderung von Handfertigkeit. Handwerk, Garten- und Ackerbau unter den Juden zusammenfassen und einheitlich gestalten — eine um so wichtigere Aufgabe, als aus mannigfachen Gründen der Zwischen- und Kleinhandel immer mehr zurückgeht. Sie sollen endlich den Schutz der Juden des Ostens nach Kräften übernehmen, regeln und in gedeihliche Bahnen lenken, indem sie. sich, namentlich für den eigentlichen Orient, möglichst auf die deutsche Reichsregierung stützen, deren politischen Bestrebungen man damit entgegen käme. Das ist eine ganze Reihe von Aufgaben, die die Thätigkeit der Organisation und ihrer Vertreter in vollem Maße in Anspruch nehmen würden. Herr Dr. Julius Plotke in Frankfurt a. M. dagegen erhebt seine gewichtige Stimme gegen die von Berlin aus betriebene Organisation. Tief zu beklagen ist es freilich, so führt er aus, daß gerade unter den gebildeten und wohlhabenden Juden die Kenntniß des Judenthums so gering ist, daß Manche es leicht von sich werfen, um staatliche Stellungen oder vermeintliche gesellschaftliche Bortheile zu erlangen, oder daß sie es als eine veraltete und für den Untergang reife Culturform ansehen. Hier, würden aber Debatten in jüdischen Verbänden oder Judentagen kaum etwas ändern. Diese Kreise können nur dadurch gewonnen oder festgehalten werden, wenn man sie das Judenthum lieben. und schätzen lehrt. Bei den Kindern müssen wir anfangeu. Wenn die Erziehung für Religion und wenn die Charakterbildung von Kindheit auf ernst gehandhabt wird, wenn die vorhandenen Organisationen mit größtem Eifer sich diesen Aufgaben widmen und wenn sie die Staatsbehörden von der Bedeutung dieser Aufgaben auch für den Staat selbst überzeugen könnten, wie sehr es im Interesse des ganzen Volkes liegt, charakterfeste Männer und Frauen zu erziehen, nicht aber von staats- oder geschäftswegeu eine Prämie auf die Charakterlosigkeit und den Treubruch zu fetzen, und welchen Verlust es für das deutsche Volksleben bedeutete, wenn ihm die im Judenthum liegenden Culturelemente verloren gingen, dann würde Vieles besser werden! Viel wichtiger aber als der Schutz des jüdischen Assessors, des jüdischen Gymnasiallehrers und des jüdischen Privat-Docenten ist der Schutz der großen Elasten unserer jüdischen Mitbürger, welche durch die Berhetzungen der ch r i st l ichen Volkskreise brotlos werden, welche, wie das: gegenwärtig der Fall ist, aus ihrer Heimat fvrtgedrängt werden und mit der größten Sorge um ihre Existenz zu kämpfen haben. Diese gilt es vor Allem zu erhalten, ihnen müssen wir zunächst beistehen. Wir müssen ferner der kleinen Gemeinden uns annehmen, die, ohne Lehrer und Erzieher, nicht im Stande, die für den Unterricht und den Cultus. nothwendigen Mittel aufzubringen. förmlich verwaist, eine kümmerliche Existenz stiften. Diese Unglücklichen müßten wir vor geistigem und sittlichem Verderben zu retten suchen. Wie wir diesen Aufgaben gerecht werden sollen, darüber nachzusftrnen, ist gegenwärtig hauptsächlich Pflicht aller Derer, die es mit dem Judenthum ernst nehmen. Deswegen solltensich die Verbände zu gemeinschaftlichen Berathungen vereinigen; sie sollten die Verhältnisse der Juden auf dem Lande und in kleineren Städten studiren. Es sollten für die einzelnen Bezirke, beziehungsweise Kreise Vertrauensmänner aufgestellt werden, um die Schuleü, die Cultuseinrichtungen, die Erwerbs- und Lebensverhältniste in den kleineren Gemeinden ständig im Auge, zu behalten, ihnen mit Rath und That zur .Seite zu stehen, für den Zusammenschluß der Zwerggemeinden, für die Besserung^ und Beaufsichtigung der Schulen zu wirken, und; die. Eltern? in, der Berufswahl ihrer Kinder zur rechten Zeit zu berathen; nameutlich auch in den Fragen der Erziehung und des Lebenserwerbs der Mädchen und Frauen Anregungen-zu geben, den Familien selbst in schwierigen Erwerbsverhältnisten behilflich' zu sein und dergleichen. Diese. Vertrauensmänner könnten eine segensreiche Wirksamkeit entfalten, ihre Berichte würden, eine. Fundgrube-:sein für. eine umfassende. Arbeit zu Gunsten des. Judenthums, sie würden die Wurzeln der Schäden bloßlegeu-.an,denen wir leiden, und die-Mittel zur Heilung würden:sich?dann leichter ergeben. Wir machien uns ja, gemeinhün gar keinem

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