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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 245 Rr. 14 Dr. Vloch's Wochenschrift „Fremder" ist. Es ist dies jene unsinnige und erlogene Formel, die viel später Drumont nachäffend auf die französischen Juden anwendete, indem er das Schlagwort „Frankreich den Franzosen" in Circulation setzte. Lange vor der „Libre paroie“ hatte sich die rumänische Presse dieser Erfindung bemächtigt, sie mit Leidenschaft ausgebeutet und sich der Aufnahme auch nur eines Juden, und wäre es der verdienstvollste, in den Staatsverband widersetzt, der nicht wie jeder Fremde förmlich die Naturalisation verlangte. Vergebens bewies man ihr den Unsinn dieser Anschauung, die für Rumänien noch viel unsinniger ist, als für jedes andere Land, da trotz seiner fremdenfeindlichen Politik fast alle seine Politiker Fremde sind und im Vergleiche zu den Juden sogar Neuankömmlinge (Veneteci), wie die Pherekidi, Polychromiades, Polytes, Marvogheni, Ghermani, Lahovary, die alle Griechen aus dem Phanar sind und erst mit den phanariotischen Wojwoden nach Rumänien einwanderien, während die Ghikas und Djnvaras albanesischen Ursprungs und der große Staatsmann Bratianu bulgarischen Stammes ist, da sein wahrer Name Brat Jano (Bruder Johann) war! Vergebens hat man ihnen das Beispiel der Emancipation der Juden in ganz Europa vor Augen geführt, sowie die der Armenier in Rumänien, die im Jahre 1858 auf Grund des Artikels 44 des Berliner Vertrages als Bürger anerkannt wurden. In ihrem blinden Hasse waren sie jeder Vernunft unzugänglich. Durch ihre eigene Schuld gerieth demnach die Regierung in einen unentwirrbaren Knäuel. Im Jnlande war es ihr unmöglich, die nöthige Zweidrittelmajorität herbeizuschaffen, um ihr Kategoriengesetz durchzubringen, und im Ausland wollten die Mächte diesen Entwurf nicht als zulässig erklären, ehe sie nicht die Zahl der in diesen Kategorien inbegriffenen emancipirten Juden kannten. Ueberdies wurde die Regierung durch ihre Agenten in Kenntniß gesetzt, daß das von der Opposition gepriesene System der individuellen Naturalisation von den Mächten als eine maskirte Ablehnung betrachtet werde. (Fortsetzung folgt.) Joselmann von Losheim. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Frankfurt a. M. sprach am 21. Jänner Herr Rabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach über Joselmann von Rosheim. Ueber den Vortrag geht uns folgender Bericht zu: Das Verdienst, das Leben dieses Mannes zuerst gewürdigt zu haben, gebührt Rabb. Dr. Lehmann, der das vorhandene Material zu einem historischen Roman verarbeitet hat, in welchem Wahrheit und Dichtung in intereffanter Weise verwoben sin"'. Der Redner aber hielt sich an Joselmann's eigenes Tagebuch, das er einzusehen Gelegenheit hatte. Ende 1394 wurden die Juden aus Frankreich vertrieben und wanderten meist nach Deutschland und Italien aus. Unter den Ausgewanderten befand sich eine Familie aus L 0 a n s, die sich in E n d i n g e n niederließ. 1471 wurden hier auf Grund des unsinnigen Blutmärchens drei Juden zum Feuertod verurtheilt, der vierte flüchtete nach Ober-Ehnheim im Elsaß; dieser hieß Gerson Loans. Auch hier war seines Bleibens nicht lange; denn entlassene Söldner Ludwigs XI. überfielen bei ihrer Rückkehr nach der. Schweiz das Elsaß, beraubten und tödteten alle Juden, die sich weigerten, zum Christenthum überzutreten. Gerson floh in die Feste Lützel st ein und ließ sich dann in Ros heim nieder, wo ihm von R 0 selin, die ihren Stammbaum auf David zurückführte, ein Sohn geboren wurde, der den Namen Joseph erhielt, aber gewöhnlich Joselmann, Josel, Joselin genannt wurde. Schon als Knabe ragte er unter seinen Altersgenossen durch Schärfe des Verstandes hervor. 32 Jahre alt, wurde er zum Vorsteher der Gemeinde ernannt und führte als solcher den Titel Parnaß und Manhig, d:n er, weil er viel mit Fürsten zu verkehren hatte, mit Regierer oder Befehlshaber übersetzte, ein Titel, der ihm officiell nicht zukam, aber in vielen Urkunden vorkommt. 1514 wurde er mit 7 anderen Juden in Wertheim gefangen genommen, wahrscheinlich auch in Folge einer Blutbeschuldigung. Nach fiebenwöchentlicher Haft wurde die Unschuld der Eingekerkerten erwiesen. Kurz nachher sollten die Juden von Ober-Ehnheim vertrieben werden. Joselmann verhinderte dies durch seine Fürsprache bei Kaiser Maximilian. Auch in Dangolzheim, wo am 2. Februar 1519 die Juden vertrieben wurden, gelang es ihm, zu helfen. Kaum war Kaiser Karl V. gekrönt, so eilte Joselmann vor die Stufen des Thrones und erhielt Privilegien für die gesammte deutsche Judenheit. Einen jüdischen Angeber widerlegte er in einer Audienz beim Kaiser in Nürnberg. Dann hatte er wieder Gelegenheit, für Ober-Ehnheim zu wirken. Bei Ausbruch des Bauernkriegs geriethen die Juden zwischen zwei Feuer. Joselmann wagte sich in eine Versammlung der Bauernführer beim Kloster Altdorf und verlangte das Versprechen, daß die Juden geschont werden sollten. Auch die Schonung von Rosheim wußte er durchzusetzen. 1528 betraute Karl V. fernen Bruder Ferdinand mit seiner Vertretung. Joselmann machte sich zu Pferde nach Prag auf, um Ferdinand günstiger für die Juden zu stimmen; allein in Folge eines Unfalls mußte er den Weg zu Fuß fortsetzen. Durch seine Vermittlung wurde die Ausweisung der Juden aus Hagenau zurückgezogen. Im folgenden Jahre wurden in Ungarn einer Blutlüge wegen 30 Juden mit dem Feuertode bestraft und viele eingekerkert, man wandte sich an Joselmann, dieser begab sich zum Kaiser nach Günzburg und überzeugte ihn von der Unschuld der Gefangenen. 1529 überreichte er in Augsburg Carl und Ferdinand eine Denkschrift gegen die Beschuldigung, die Juden stünden mit den Türken im Bund. Zugleich gelang es ihm dort, das Verbot des Geldverleihens zu verhindern. Aber auch unter den eigenen Glaubensgenossen Mißbräuche abzuschaffen bemühte er sich, berief eine jüdische Synode aus Rabbinern und Vorstehern von ganz Deutschland, vereinbarte einen Gesetzentwurf, der sich gegen sämmtliche Mißbräuche in Handel und Wandel, besonders in Geldgeschäften richtete und redliches Verfahren gegen Nichtglaubensgenoffen vorschrieb. Am 15. November 1530 legte er diese „Artikel" den versammelten Fürsten und Ständen in Augsburg vor. Seine Aussagen vor einer Commission hatten den Erfolg, daß ein Convertit, Namens Antonius Margarita, wegen seiner lügnerischen Anklage aus Augsburg verwiesen wurde. Als der Kaiser in den Niederlanden weilte, forderten die deutschen Protestanten, daß er die Juden aus Deutschland vertreibe. Sofort machte sich Joselmann nach Brüssel auf, mitten im Winter. Erst nach drei Monaten erhielt er die erbetene Audienz, seine Muße verwendete er dazu, ein Buch zu schreiben (vereell hakodesch); 1532 eilte er abermals zum Kaiser, diesmal aber nach Regensburg, wo die Protestanten auf dem Reichstage von Neuem gegen die Juden auftraten, und erlangte ebenso günstige Bedingungen für Eigenthum, Wohnrecht und Geschäftsführung. Bald darauf intervenirte er bei der Blutanklage in Ratibor, drei Juden waren schon verbrannt worden, die übrigen gelang es ihm mit schweren Geldopfern frei zu bekommen, wobei der Markgraf von Brandenburg erklärte, daß er sich von der Unschuld der Juden vollständig überzeugt habe. Auch zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Bewohnern von Prag und Horowitz wurde er berufen. 1533 wollte er sich beim Kurfürsten von Sachsen verwenden, der die Juden austreiben wollte, mußte aber in Folge der Gegenbemühungen Luther's sieben Meilen vor Meißen umkehren. 1539 war in Frankfurt a. M. eine Versammlung, auf der die protestantischen Stände mit dem Kaiser den sogenannten Frankfurter Anstand abschloffen. Joselmann fand sich gleichfalls ein und setzte durch, daß auch die Angelegenheiten der Juden berathen wurden. Es gelang ihm, die Anschuldigungen Luther's und Bucer's zu wiederlegen und die Unschuld von 38 im Jahre 1510 vom Kurfürsten von Brandenburg zum Feuertod verurtheilten Juden nachzuweisen. In Folge dessen gestattete dieser den Juden wieder ihren freien Aufenthalt, 1541 nahm Joselmann die elsäsfischen Juden gegen Bucer in einer Denkschrift in Schutz. Wegen des Leibzolls und des gelben Flecks am Aermel, welche einige Fürsten verlangten, reiste er nach Regensburg zum Kaiser und erlangte die Abstellung dieser Mißbräuche. Wiederum fand eine Einkerkerung von 152 Juden wegen einer Blutlüge, und zwar in Treuchtlingen statt. Durch Appell an den Landesfürsten und den Schwäbischen Städtebund erwirkte Joselmann deren Befreiung. In Böhmen sollten alle Juden ausgewiesen werden. Schon waren fast alle ausgewandert, da flehte er die Gnade Ferdinands an, und in der That durften sie 1542 zurückkehren. Im December 1543 wurde Jacob Schernau aus Würzburg mit seinen Kindern unter der Blutbeschuldigung verhaftet. Joselmann traf mit zwei Frankfurter Freunden in Würzburg ein. Alle Qualen der Folter hatten den Gefangenen kein Geständniß entlocken können. Er reiste nach

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