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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-04-05 · 14 (5.4.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloch's Woche njchrnr. Sette 339 tion der prophetisch-religiösen Gedankenwelt, aber auch zur Veranschaulichung irdischer Begriffe verwendet wird. Hierauf entwirft der Redner in anziehender Weise eine Schilderung der C e d e r, wie sie in der heiligen Schrift als Bild der Hoheit, Stärke, Majestät und Schönheit gebraucht wird. An der Hand von Propheten- und Psalmenstellen wird uns an der majestätischen Erscheinung dieses Baumes gezeigt, wie ein wundersamer poetischer Glorienschein das Haupt dieses Königs der Pflanzenwelt umspielt. Nachdem die C y p r e s s e als Genossin der Ceder geschildert wurde, wendet sich der Vortrag zur Palme, die als Sinnbild der Fülle, des Glücks, des Sieges und des Fliedens aufgefaßt wird. Es wird uns ein Einblick in die heilige Symbolik des Palmenbaumes eröffnet, der in erhabener Schönheit und stiller Einsamkeit, in sich selbst geschloffen, von der dunklen Erde zum Himmel emporstrebt. Hierauf wird der W e i n st o ck, wie er in der religiösen Bildersprache und in den sprichwörtlichen Wendungen in der heiligen Schrift auftritt, gewürdigt und in seiner Eigenschaft als Symbol des Gottesvolkes, einer hohen idealen Gemeinschaft', dargestellt. In dem Begriffe des Weinberges hinwiederum kommt das religiös-sittliche Werk auf Erden, das Gottesreich, zum Ausdruck. Wie der Weinberg der sorgsamsten Pflege und Wartung bedarf, wie man mit wachsamem Auge und nimmer ermüdendem Eifer alle schädigenden Einflüsse von ihm abhalten muß, so er mit seinen herrlichen Früchten Auge und Herz erfreuen soll, so kann das religiös-sittliche Werk, so können alle edlen menschenfreundlichen, gottgefälligen Bestrebungen erst dann gedeihen und feste Wurzel soffen, wenn man mit Entsagung, Selbstüberwindung und Opferfreudigkeit daran arbeitet, wenn man unter Bezwingung seiner Leidenschaften, unter Unterdrückung von Eitelkeit, Selbstsucht und Egoismus ohne Menschenfurcht und Menschenscheu für die religiös-sittlichen Ideale, für die Gottessache auf Erden eintritt, wenn man mit einem Worte ein treuer gewissenhafter Arbeiter ist am Weinberge des Herrn. Nachdem der Redner vom poetischen Standpunkte der Bibel den Feigenbaum, den Oelbaum, den Mandelbaum, den Granatbaum, den Apfelbaum und andere Bäume beleuchtet hatte, verweilte er längere Zeit bei dem Baume, der auch uns im deutschen Vaterlande als Bild der Stärke, der Ausdauer, der Hoheit und der Pracht gilt, bei der Eich e. Wie die Ceder die Königin unter den Nadelhölzern ist, so die Eiche die Fürstin unter den Laubhölzern. Nach weiteren anregenden Ausführungen klingt endlich der Bortrag in den stimmungsvollen Schluß aus: Es weht in der heiligen Schrift ein wunderbarer Hauch der Poesie um die Wipfel der Bäume. Und wenn der milde Westwind durch die Zweige und Aeste zieht, dann hört man es in dem grünen Laubwerk ahnungsvoll rauschen, flüstern und raunen; es ist als ob jedes Blatt eine Zunge wäre und ein Lied anstimmte, das aus dem Dunstkreis dieser Erde zum Himmel emporsteigt, woher der Thau und der Regen fällt, der dem Baume zur Labsal und zur Erquickung dient. Diese wunderbare Poesie des Baumes findet ihren tiefsinnigen Ausdruck in jener althebräischen Erzählung, welche berichtet, daß jeder Baum, wenn das Frühroth des heranbrechenden Tages ihn aus dem Schlafe weckt und mit mildem Schimmer sein Haupt umfließt, ein Loblied auf Gott den Herrn, seinen Schöpfer, anstimmt, das mit dem Psalmworte aufjubelt: „Ehre sei dem Herrn in Ewigkeit, es freut sich der Herr seiner Werke!" Die Bäume sind die Werke Gottes. Sie sind die Zeiger» welche auch das Auge des Menschen von der Tiefe zur Höhe emporrichten. Die Ceder auf dem Libanon, die Palme am Wüstenrande, die Föhre im hohen Norden und die Eiche im deutschen Walde, sie alle einigen sich im tausendstimmigen Chore, der mit Sturmesbrausen zum Himmel empordrin^t: „Ehre dem Herrn in Ewigkeit!" Denn Gottes ist der Orient, Gottes ist der Occident, Nord und südliches Gelände, Ruht im Frieden seiner Hände. Zur Regelung des Wanderbettels. , Geehrte Redaction! Nachdem Herr Dr. Popper es vorgezogen hat, die Frage des Wanderbettels nicht auf dem ihm angebotenen Wege der Theilnahme an den Arbeiten des von dem böhmischen Gemeindebunde zu diesem Behufe eingsetzten Comitßs, sondern auf jenem der Publieistik zu erörtern, bin ich auch zu gleichem Vorgänge genöthigt und ersuche um gefällige Aufnahme nachstehender kurzer Bemerkungen. Ich muß zunächst entschieden in Abrede stellen, daß „der Gemeindebund es als ein Uebel auffaßt, daß er nur auf die Berichte der Gemeinden angewiesen wäre, und daß derselbe den Cultusvorständen nicht das nöthige Vertrauen gewähre." Im Gegentheile ergibt sich aus meinem Briefe vom 4. März, daß ich es als selbstverständlich betrachte, daß das Centralorgan sich nur auf die Berichte der Gemeinde verlaffen müsse. In der Sache selbst kann ich nach den Erfahrungen der Armencommission der Prager Cultusgemeinde sowie nach meinen eigenen und jenen zahlreicher Freunde constatiren, daß trotz der traurigen Verhältnisse, in denen die Juden Böhmens in den letzten Jahren sich befinden, nur ein kleiner Bruchtheil der Wanderbettler aus böhmischen Gemeinden stammt und daß unter jenen Angehörigen böhmischer Gemeinden, welche dem Wanderbettel ergeben sind, Angehörige wohlhabender Gemeinden in mindestens gleicher Anzahl sich vorfinden, als solche armer Gemeinden. Es ist dies ganz natürlich; keine einzige Gemeinde Böhmens (ich nehme Prag nicht aus) ist in der Lage, ihre Armen vollständig selbst zu versorgen. Wenn also auch die von dem geehrten Cultusv orstande HoraLdiowitz beantragte Subvention armer G.'weinden durch die zu schaffende Centralstelle aus den Beiträg-n wohlhabender Gemeinden durchführbar wäre, so würde der Uebelsta.id des Wanderbettels kaum in irgendwie merkbarer Weise vermindert, die Belastung der Gemeinden aber wesentlich vermehrt werden. Hiezu kommt noch, daß, wenn ein Circular in dem von Herrn Dr. Popper intendirten Sinne an die 300 Gemeinden Böhmens erlassen würde, sehr zu befürchten ist, daß eine sehr große Zahl von Gemeinden sich als „unterstützungsbedürftig", eine sehr kleine Zahl als „unterstützungswillig" melden würde. Auf so einfachem Wege läßt sich diese Frage nicht lösen, dies beweisen die seit fast 20 Jahren andauernden Verhandlungen des deutschen Gemeindebundes, welcher eine halbe Million Mark Vermögen und 100.000 Mark Einkommen besitzt, über diese schwierige Frage. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich mich hochachtungsvoll Prag, 31. März 1901. Dr. Arnold Rosenbacher. Nachschrift zur Jllustrirung: Soeben erscheint bei mir ein Leitmeritzer mit der Bitte um Unterstützung. Professor Wilhelm Förster über Abwehrbestrebungen.*) ... Es ist ja richtig, daß das schmachvolle Gebühren des Antisemitismus besonders in den deutschen und slavischen Ländern den Juden gemeinsame, sozusagen national zusammengefaßte Abwehr sehr nahe legt. Bei genauer Erwägung aber sollten doch ganz andere Wege gegangen werden, weil jene Action Oel ins Feuer gießen würde. Von den Einschränkungen und Demüthigungen, denen die Juden gegen Verfassung und Recht in Deutschland in zunehmendem Maße unterworfen werden, indem man sie von der Zulassung zu allen Stellungen und Berufen ausschließt, in denen eine Art von staatlicher Autorität ausgeübt wird, von diesen Versagungen werden fast noch ausnahmsloser alle diejenigen Bürger deutschen Stammes ebenfalls betroffen, welche keiner' der anerkannten Glaubensgenoffenschasten angehören. Also gegen dieses ganze System von Rechtsverletzung und Knechtung sollte sich nicht ein Judentag, sondern der ganze freigefinnte und gerechtigkeitsliebende Theil des deutschen Volkes erheben. Wenn man näher zusieht, besteht der Kern aller dieser traurigm Zustände, aus denen die antisemitischen Paroxysmen ihre Nahrung ziehen, in der, aus der blinden Angst vor dem „Umsturz" hervorgehenden konvulsivischen Scheinbelebung religiös-confessioneller Gesichtspunkte im ganzen staatlichen Leben, seltsamer Weise verbunden mit der fieberhaften Erhitzung aller nationalistischen Brutalitäten und Rache-Jnstincte. Die Vergangenheit zeigt aber mit warnendem Finger auf die Nothwendigkeit, das Gemeinschaftsleben auf ganz andern Grundlagen zu errichten. Wir müffen endlich mit ruhigstem, klarstem Denken, Wissen und Forschen alle bisherige Menschen-Erfahrung zu den festen Linien von solchen Lehren verdichten, welche das größte gemeinsame Heil im äußeren, wie im inneren Leben der Menschengemeinschaft verbürgen, indem sie mit allen Sophismen des augenblicklichen Sonder- Jnteresses und der individuellen wie der collectiven Leidenschaften vollständig brechen. Hierzu wird der Drang der Menschen nach begeisterten religiösen und philosophischen Weltanschauungen auch eine wichtige Hilfe und *) Aus einem Auffatz der „Ethischen Cultur" 21^ 1. 1901.

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