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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Rr. 13 dr< Vloch's Wochenschrift Sette 231 weiß von Hirz Levi und seinen Sorgen und Wünschen fast nichts. In der Nacht hört sie ihn oft weinen und schluchzen und seufzen, und sie fragt ihn, ob er vielleicht einen geheimen Kummer habe, und als er das verneint, erkundigt sie sich bei ihrer Schwägerin, ob sich ihr Mann vielleicht um die erste Gattin gräme, aber auch diese Bermuthung wird ihr ausgeredet. Dennoch läßt das nächtliche Klagen und Weinen nicht nach und sie kränkt sich, unwissend und rathlos einem solchen Leide gegenüberzustehen. Dazu kommt noch der Verlust ihrer beiden Söhne Löb und Samuel, die als junge Leute rasch und plötzlich sterben. Und' dann erfolgt die große Katastrophe, der geschäftliche Untergang Hirz Levi's. Zehn Jahre überlebt er den Verlust seines Vermögens, dann bleibt die Glücke! im Jahre 1712 zum zweitenmale verwitwet, kränklich und fast zufluchtslos zurück. Nacy mancherlei unangenehmen Nachlaß-Ordnungen findet Glücke! endlich im Hause ihrer Tochter Esther ein Heim für ihre letzten Jahre, sie stirbt 1724, neunundsiebzig Jahre alt, nicht mehr die Glücke! von Hameln, die reizende Frau mit der Künstlerseele, über die wir lächeln und die wir dennoch bewundern und lieben, sondern eine stille Frau, ermüdet von einem Leben, das sie nicht mehr versteht. Die Aufzeichnungen selbst reichen nur bis in das Jahr 1719, sie enthalten neben häuslichen Berichten nur Einiges von dem Gemeindeklatsch Metz's und moralische Abhandlungen. Glücke! erinnert sich wieder an jene Geschichten, die sie im ersten Buche so pathetisch vortrug, und versucht in ihnen den Trost zu finden, den ihr das eigene Herz nicht mehr zu bieten vermag. Es ist ein trauriges Lebewohl, das wir ihr sagen, sie hat uns so viel Köstliches gegeben, und es thut uns leid, daß sie gerade beim Abschied nichts mehr zu verschenken hat. Und dennoch ist der Schluß der Memoiren wundervoll. Glücke! erzählt: Im Jahre 1719 stand Nachts eine Frau am User der Mosel und reinigte Wäsche. Da wurde es auf einmal licht wie am Tage und der Himmel öffnete sich. Funken und Flammen sprühten, und darauf hat sich der Himmel wieder geschloffen, wie ein Vorhang, den man zuzieht und es war dunkel wie vorher. Das sind die letzten Zeilen ihres letzten Buches und sie sind mehr als der bloße Bericht eines merkwürdigen Ereignisses, sie sind ein Symbol der Glücke! selbst und ihres Lebenswerkes. In der dunklen Nacht der Vergangenheit, in der alle versunken sind, die vor uns lebten, wird es auf einmal licht. Auf einmal theilen sich die Schatten, und der ganze Himmel einer wundervollen Seele thut sich vor unfern erstaunten Augen auf. Und dann schließt sich der Vorhang, die Flammen verlöschen, es wird dunkel wie vorher. Daß uns aber dieser eine Blick gegönnt war, daß es uns möglich war, solch ein Wunder zu schauen, dafür müssen wir dem Schicksale danken und der Glücke! von Hameln. („Mitth. der Gesellschaft f. jüd. Volkskunde.") Itterstur. Ma^ Grünbaum. GesammelteAufsätzezurSprach- und Sagenkunde. Herausgegeben von FelixPerles, Berlin. Verlag von S. Calvary & Co. 1901. XVIII und 600 Seiten. Das Erscheinen dieses stattlichen Bandes ist aus mehrfachen Gründen erfreulich; zu allererst natürlich darum, weil sich darin die zerstreuten Aufsätze eines verdienstvollen Gelehrten vereint finden, den bei seinen Lebzeiten selbst das minimale Ausmaß von Ehren, das jüdischen Literaten beschieden zu sein pflegt, nicht zu Theil geworden; aber herzerhebend ist es auch, wie die Munificenz eines treuen Freundes, dessen Wege gleichwohl von denen des stillen Gelehrten sehr verschieden waren, die Errichtung eines literarischen Denkmales für den Verstorbenen möglich machte und endlich rühmt dieser Band auch den Fleiß eines jungen aufstrebenden Gelehrten, der sich seines verehrungswürdigen Landsmannes in rührender Pietät annahm und die Veröffentlichung seiner Aufsätze besorgte. M a x G r ü n b a u m ist den Meisten wohl durch seine „Jüdisch-deutsche Chrestomathie" (Leipzig 1882)- bekannt, und in der That ist die „Chrestomathie" sowohl dem Umfange als dem Inhalte nach das bedeutendste Werk des am 11. December 1898 in München verstorbenen Gelehrten. Mit der Jüdisch-deutschen Chrestomathie hat Grünbaum sozusagen zu einer neuen Wissenschaft den Grund gelegt; durch seine Veröffentlichung und Erklärung jüdisch-deutscher Jargontexte hat er für die atthvch deutsche Sprachwissenschaft ein neues Forschungsgebiet eröffnet. Für das Wissen und den enormen Fleiß unseres Mannes ist es gewiß bezeichnend, wenn wir daneben gleich das verwandte Werk, die „Jüdisch-spanische Chrestomathie" G r ü n b a u m's (Frankfurt a. M. 1896) erwähnen; im Titel sind sich die beiden Werke ganz ähnlich, im Wesen ist es aber ein ganz anderes Studium, als dessen Held sich uns der Autor hier zeigt. Nächst diesen germanistischen und romanistischen Studien betrieb Grünbaum in erster Reihe die in weitestem Sinne genommene orientalische Philologie und Sagenkunde, in denen er sich wahrhaft zuhause fühlte. Nur e i n selbstständiges Werk ist es, das hieher gehört: „Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde„ (Leiden 1893), sonst sind alle seine sonstigen Arbeiten in Zeitschriften erschienen oder doch in Sammelwerken, wie z. B. „Die jüdisch-deutsche Literatur in Deutschland, Polen und Amerika" in Winter-Wünsche's volksthümlicher „Jüdischen Literatur", ein Werk, das übrigens bereits die Schwächen des Alters verräth. Vorliegender Band enthält die meisten — nicht alle — Arbeiten, die von dem Verfasser in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft erschienen find. Die erstaunliche Gelehrsamkeit G r ü n b a u m's in den verschiedensten Wiffensfächern hatte zur'Folge, daß sich der Verfasser in seinen Aufsätzen große Abschweifungen erlaubte, als ob sich die Fülle seines Wissens gleichsam auf Schritt und Tritt in reichen Fluthen ergießen müßte; so sind nun seine Aufsätze keineswegs vollendete Kunstwerke, wohl aber ein reicher Born des Wiffens, aus dem der wiffensdurstige Leser ohne Mühe schöpfen kann, zumal der Autor überall, wo es nur anging, sich eines gefälligen, fast humoristischen Styls bediente. Diese Eigenschaften der G r ü nb a u m'schen Schriftstellerei sind von dem Herausgeber, Herrn Dr. F. Perles, einem Sohne des durch seine hinterlaffenen Werke rühmlichst bekannten I. P e r l e s, weiland Rabbiners in München, in dem schönen Vorwortegebührend gekennzeichnet. Der Herausgeber unterläßt es auch nicht, anzudeuten, daß bei dem steten Fortschritt der Wiffenschaft manche Aufstellungen G rü n b a u m's nunmehr überholt sind; doch hätte ich im Jntereffe der minder kundigen Leser einen häufigeren Gebrauch solcher Andeutungen gewünscht. Um nur ein Beispiel anzuführen, so glaube ich schwerlich, daß der Herausgeber die Meinung G r ü n b a u m's in Sachen des heiligen Gottesnamens, des „Sehern ha-rnephoraseh", theilt und die darauf bezügliche Abhandlung nimmt gleichwohl den dritten Theil des ganzen Bandes ein, ja, in seiner sich wiederholenden Manier kommt der Autor noch einmal auf die Sache zu sprechen, ohnedaß wir durch den Herausgeber wüßten, daß die Streitfrage seitdem in eine neue Phase getreten ist. Mit dem Aufwands großer Gelehrsamkeit sucht Grün b äum seine These, daß „Sehern ha-mephorasch“ den verheimlichten Namen bedeute, zu beweisen, wobei es ihm z. B. paffirt, daß er zu Gunsten der These in Maimonides und in anderen maßgebenden Autoren eine ihnen fremde Meinung unterlegen muß, und dennoch muß es wohl bei der Ansicht Geige r's, C as s e l's rc. bleiben, daß „Sehern ha-rnephoraseh", wie es der Wortlaut klar besagt, den erklärten Namen bedeute, d. h. den Gottesnamen in der Form, in der er klar und deutlich ausgesprochen wird, ohne daß damit gesagt wäre, daß der Gottesnamen in dieser Form auch gesprochen werden dürfe. Eingedenk des talmudischen Spruches: „Man widerlegt den Löwen nicht nach seinem Tode", richtet sich diese Bemerkung nicht so sehr gegen den Autor, als gegen ven Herausgeber, der uns das Princip, nach welchem er seine übrigens überaus raren Berichtigungen anbringt, nicht angibt. Meiner Ansicht nach, hätte das, wenn überhaupt angewendet, nicht so sehr bei einzelnen Punkten, als vielmehr bei einer allgemeinen und noch dazu wichtigen Streitfrage geschehen sollen. Dazu hätte es nicht einmal concreter Berichtigungen gebraucht, sondern es hätte genügt, auf neuere Erörterungen deffelben Stoffes zu verweisen. An sonstigen Aufsätzen sind noch in dem Bande enthalten, und zwar an erster Stelle: „Beiträge zur vergleichenden Mythologie aus der Hagada", ein überaus gelehrter Aussatz, der aber am meisten verschwommen, um nicht zu sagen verworren ist. Es ließe sich über dasselbe Thema natürlich auch noch mehr sagen. So auch von den „verschiedenen Stufen der Trunkenheit in der Sage dargestellt", ein höchst beachtenswerther Stoff der Sage, der aber zum Beispiel noch durch die bulgarische Variante der Sage vermehrt werden könnte; auch gibt es

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