Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021399--10737-3035234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 226 Dr. Bloch's eine große Ovation dargebracht werden, indem seine Gemeinde in einer Adresse dem so hochgeschätzten Seelsorger den Ausdruck unverbrüchlicher Hochachtung und Werthschätzung darbringen wird. Ueber den Verlauf der Ovation werden wir demnächst berichten. Breslau. Am 18. März Mittag ist hier im 77. Lebensjahre der allgemein bekannte Vorkämpfer der freisinnigen Partei in Schlesien Dr. Sigismund A s ch gestorben. In Asch verliert die Aerzteschaft einen ihrer Veteranen und eines ihrer bekanntesten Mitglieder. Asch hat sich während der ganzen Zeit seines ärztlichen Schaffens — und diese währte über ein halbes Jahrhundert — lebhaft um die Angelegenheiten des ärztlichen Standes beschäftigt. Er betheiligte sich trotz seines vorgerückten Alters bis in die letzte Zeit an den Verhandlungen der ärztlichen Vereine und der Aerztekammer in Breslau. Das Interesse, das Asch an den ärztlichen Dingen nahm, war nur der Ausfluß des allgemeinen Antheiles, den er für alle öffentlichen und socialen Dinge hatte. Besonders nahe geht Asch's Hinscheiden diejenige Gruppe der deutschen Aerzte an, die nicht in staatlicher Organisation, staatlicher Bevormundung und staatlichen Ehrengerichten die Mittel sehen, die Lage der Aerzte zu verbessern, sondern meinen, dem ärztlichen Stande sei am besten gedient, wenn er als freier Stand erhalten bleibt. Gemeinsam mit einigen anderen älteren deutschen Aerzten von Ansehen unternahm e- Asch noch in letzter Stunde, vor der Berathung über die staatlichen Ehrengerichte für Aerzte zu erweisen, daß die Mehrzahl der Aerzte in Preußen von Ehrengerichten, wie sie die Regierung vorschlug und durchsetzte, nichts wissen wollte. Dr. Asch hat in jungen Jahren wegen seiner politischen Anschauungen eine Bestrafung erlitten. Das war der Grund, daß ihm die üblichen Auszeichnungen, die wohlgesinnten Aerzten zu Theil werden, versagt blieben, trotz seines rührigen Wirkens für die Allgemeinheit und seinen Stand. Er konnte aber mit der Anerkennung, die ihm sonst zu Theil wurde, vollauf zufrieden sein. Dr. Asch war das Modell des Dr. Klaus in dem gleichnamigen Stück von L'Arronge. Er erfreute sich hier großen Ansehens. Die Beerdigung am 20. d. M. auf dem israelitischen Friedhofe fand unter ungeheurer Theilnahme aller Bevölkerungskreise statt. Rabbiner Dr. Guttmann hielt eine tiefergreifende Rede. Eine besondere Todtenfeier fand Sonntag in einem der größten Säle Breslaus statt, wo die bedeutendsten Männer das Lebensbild des Verblichenen zeichneten und feierten. München. Der Prinzregent hat den Rabbinern des Königreichs Bayern die Auszeichnung erwiese,', eine Deputation derselben, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Werner-München und Rabbiner Dr. Cohn-Jchenhausen, zu empfangen und eine Huldigungsadreffe anläßlich seines 80. Geburtstages entgegenzunehmen. Rabbiner Dr. Werner überreichte mit einer Ansprache die Adresse, worauf Rabbiner Dr. Cohn den üblichen Segensspruch verrichtete. Es war erhebend, wahrzunehmen, mit welchem Wohlwollen der Prinzregent die Deputation der Rabbiner begrüßte und mit welcher Herzlichkeit er die Adresse entgegennahm. Die Herren Dr. Werner und Dr. Cohn hatten auch die Ehre, zur Hoftafel eingeladen u werden. * Parrß. (Eine officielle Kundgebung der Jewish Colonisation Association.) Das Verhalten der Jewish Colonisation Association den jüdischen Colonisten in Palästina gegenüber hat in wetten jüdischen Kreisen Rußlands Befremden uno Mißttauen hervorgerufen. Das Mißtrauen wurde von den Colonisten, welche die Jewish Colonisation Association hart anfasseu zu müssen geglaubt haben, noch geflissentlich angefacht, ohne daß die Verwaltung der jüdischen Colonisationsgesellschaft es bisher für nöthig gefunden hätte, durch eine offene und officielle Erklärung die in den besten jüdischen Kreisen herrschende Beunruhigung über die Zukunst der jüdischen Colonien in Palästina zu bannen. Am 16. v. M. fand nun in Paris eine von den Colouisationsverein „Dorsche-Zior/ einberufene, zahlreich besuchte Versammlung statt, welcher auch Grand Rabbin Zadoc Kahn beiwohnte. Nachdem Rabbiner Ljubetzky das Benehmen der Jewish Colonisation Association heftig kritisirt hatte, ergriff Dr. Max Nordau als Referent das Wort, um in scharfen Worten das feindselige Verhalten der Jewish Colonisation Association gegenüber den ihr vom edlen Baron Rothschild anverttauten Colonisten zu tadeln. ,Wir wollen*, führte Nordau aus, „unsere Zeit nicht verschwenden, um gegen eine Gesellschaft von Männern, welche auf die Stimme der jüdischen öffentlichen Meinung nicht den geringsten Werth legen, zu protestrren. Mögen die Juden sich doch selber helfen! Mögen sie denken, der Baron Hirsch Wochenschrift. Kr. m tyfl&e nicht seinen einzigen Sohn verloren und das Judenthum nicht zu seinem Universalerben gemacht. Die jüdischen Colonisten Palästinas haben der ganzen Welt gezeigt, was ein Jude in der Landwirthschaft leisten kann. Mögen daher die Juden sich ohne das Geld des Baron Hirsch behelfen. Wenden wir uns an das gesammte jüdische Volk, rufen wir sämmtliche Cowaweh-Zion in der ganzen Welt an. Von dem hier anwesenden verehrten Rabbiner erbitten wir seine Unterstützung als von einem gewöhnlichen Juden, nicht mehr. Und ich bin überzeugt, daß es uns gelingen wird, die jüdischen Colonien in Palästma zu retten, welche nichts mehr als ihr tägliches Brot haben wollen. Ob die Jewish Colonisation Association auf unfern Appell reagiren wird oder nicht, rst gleichgiltig. Das Judenthum hat bisher ohne die Jewish Colonisation Association bestanden, es wird ohne sie weiter bestehen/ Stürmischer Beifall folgte dieser Rede, welcher sich aber sofort legte und einer ehrerbietigen Ruhe Platz machte, als der allgemein verehrte Rabbiner die Rednertribüne betrat. Mau wußte, daß der Grand Rabbin von Frankreich, der Berather und Mitarbeiter des Baron Edmund v. Rothschild und Mitglied des Berwaltungsraths der Jewish Colonisation Association jitzt eine gewichtige Mittheilung machen werde. Die Rede des Grand Rabbin Zadoc Kahn lautete ungefähr folgendermaßen: „Herr Nordau hat in feiner sehr schönen Rede, auf die ich Manches erwidern könnte, gesagt, baß er auf mich sowie auf jeden andern Juden rechnet, nicht mehr. Leider ist das nur allzurichtig. Ich habe auf die Herren von der Jewish Colonisation Association keinen großen Einfluß und meine Macht wird allzusehr überschätzt. Es gibt noch einen zweiten Punkt in der Rede des Herrn Nordau, mit dem ich vollkommen einverstanden bin, nämlich, daß man sich niemals auf Wohlthäter verlassen soll. Wenn die Jewish Colonisation Association, welche nichts Künstliches in Palästina schaffen will, sich weigert, iür die Taglöhner etwas zu thun, kann denn das Judenthum nicht selbst die Angelegenheit dieser Taglöhner in die Hand nehmen? Wo sind denn die Zionisten mit ihren nach Hunderttausenden zählenden Anhängern? Vermag der Zionismus denn nicht einige Hundert Taglöhner als Colonisten unterzubringen? Wo bleibt denn da seine große Macht? Wenn die Jewish Colonisation Association nichts thun will oder nichts thun kann, muß denn dann alles zugrunde gehen? Ich war der Mitarbeiter des Baron Rothschild von der ersten Stunde an und kenne besser als irgend Jemand die wahre Sachlage. Ich kann Ihnen nur sagen, daß er seine Tage und seine Nächte der Colonisation Palästinas gewidmet hat. Körperlich sehr schwach, fragte er sich, was nach seinem Tode aus der Colontsanon werden soll. Und da brachte er das schwere Opfer, indem er Alles der Jewish Colonisation Association abtrat. Da er iedoch die ihm theure Sache nicht ganz aufgeben wollte, bestand er darauf, daß ein besonderes Comits eingesetzt werde, in welches ich als Mitglied eingetreten bin. Ich bin aber bald wieder ausgetreten, da ich die leider nothwenvig gewordenen strengen Maßnahmen nicht billigen konnte. Und dennoch gebe ich Ihnen die Versicherung: Die Rettung der jüdischen Colonien Palästinas wird von der Jewish Colonisation Association kommen. Die Jewish Colonisation Association vergeudet die zum Nutz und Frommen des jüdischen Volkes bestimmten Gelder nicht. Sie allein wird die für die Existenz der jüdischen Colonien erforderliche Grundlage schaffen können. Einige Opfer müssen jedoch von beiden Seiten gebracht werden. Die Colonisten haben nicht genügend Land, und der böse Wille der Regierung hindert uns daran, neue Ländereien zu kaufen. Es müssen daher einige scharfe Maßregeln ergriffen werden. Derjenige, der mit der Ausführung derselben betraut wurde, hängt mit grenzenloser Liebe an der Colonisation Palästinas. Sie können Alle ganz beruhigt sein, die Colonien werden nicht zugrunde gehen. Die Jewish Colonisation Association wird für Sie alles thun, was sich nur thun läßt. Was jedoch die Taglöhner anbelangt, so ist die Jewish Colonisation Association nicht in der Lage, für diese etwas zu thun. Arbeit ist für sie alle nicht mehr vorhanden, und mit ungeheuren Kosten künstlich für sie Arbeitsgelegenheit zu schaffen, ist die Jewish Colonisation Association umsoweniger berechtigt, als sie nebst den wenigen Hundert Taglöhnern Palästinas noch den in Rußland. Galizien, Rumänien und andern Ländern schwer ringenden Juden beizustehen hat. Die Jewish Colonisation Assy-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.