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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Str. 13 Dr. Moch's Woürrnschrttr. Seite 223 ganz neue Methode für den Unterricht im Hebräischen gefunden haben. Der Schüler soll sofort in die Sprache eingeführt und angeleitet werden, den Aufbau der Sprache selbst zu vollziehen. Der Schüler soll zunächst die einfachsten Dinge feiner Umgebung hebräisch benennen und durch Hervorhebung bestimmter Dinge aus dem bekannten Anschauungskreise auf handgreifliche Weise einüben. Durch Vervielfältigung und Zählung der Dinge sollen die Formen der Mehrzahl und des Zahlwortes zur Behandlung kommen. Für den geschickten Lehrer soll nun der Spielraum auf ungeahnte Weise dadurch erweitert werden, indem der Schüler die. einfachen Thätigkeiten im häuslichen und im Schulleben auf hebräisch benennen gelernt hat Dann kommen die wichtigsten Fragewörter zur Behandlung. Weiter sollen Fragen nach bekannten Dingen hebräisch formulirt werden, bald in der Ein-, bald in der Mehrzahl oder nach den Thätigkeiten und Eigenschaften derselben, wodurch eine fast unerschöpfliche große Anzahl von einfachen Urtheilen, in einfache Sätze gekleidet, gewonnen wird. Dabei bietet sich von selbst Bei anlassung, die einfachsten Formen des persönlichen Fürwortes, sowie die für die Bezeichnung der Zeit- und Besitzverhältnisse an dem geläufigen Wort- und Gedankenschatz zur Einübung zu bringen. Hand in Hand damit soll die Darstellung der hebräischen Schriftzeichen geübt werden. Der Schüler soll die ihm bekannten Worte anfschreiben und mit denselben die ihm geläufigen Umformungen und Abwandlungen unternehmen. Bei weiter fortgeschrittenem Unterricht soll der Schüler einfache hebräische Sätze aufschreiben und dieselben bald nach anderen Zahl-, bald nach Zeit- und Befitzverhältnissen umformen« Das hebräische Lesen, bisher die geisttödtende, mechanische Thätigkeit vieler Monate, wird hier zu einer Nebenverrichtung des lebensvollen hebräischen Anschäuungs- und Gedankenunterrichts. Im weiteren Verlaufe dieses Unterrichts sollen kleine hebräische Erzählungen und Fabeln' gelesen und behandelt werden Einige Bilder, welche die bedeutendsten biblischen Persönlichkeiten und die mit denselben verknüpften bedeutendsten Ereignisse, wie etwa das Paradies, die Sintfluth, Abrahams Auszug aus der Heia at, Jsak's Opferung, Jacob's .Traum, Moses Rettung aus den Fluthen des Nil, sollen den Schüler nicht blos mit dem für ihn wichtigsten hebräischen Wortschatz, sondern gleichzeitig mit den hervorragendsten Personen nnd Ereignissen bekannt machen. Der Verfasser diFes Vortrages stellt die kühne Behauptung auf, daß ein.Schüler, der auf diese lebensvolle Weise in das Ver- Itändniß der hebräischen Sprache eingeführt worden, in einem zweijährigen Lehrcurs mehr Verständniß von der Sache davonträgt, als bei dem üblichen Verfahren in acht Jahren. So weit der Vortrag des Herrn Dr. Daniel Fink. Mannigfache Fragen und Zweifel machen sich bei der Lectüre dieses neuen methodischen Verfahrens geltend. Vor Allem die Frage: Mit welchem Schuljahre soll ein derartiger Unterricht im Hebräischen beginnen? Ohne die Antwort des Verfassers abzuwarten, wollen wir als der Möglichkeit nahekommend annehmen, es sei das dritte Schuljahr, also ein Alter von acht Jahren bei den Kindern dafür anzunehmen. Um diese Zeit hat das Kind schon so viel Begriff von seiner Muttersprache erlangt, um auf dieser Grundlage auch in ein ihm noch fremdes Idiom eingeführt zu werden. Ich will nicht behaupten, daß es nicht geht, im Gegentheil ist es für einen Lehrer, der Fein Amt kennt und versteht, recht angenehm, den Unterricht auf diese Weise zu ertheilen, und man wird in der That schöne Erfolge aufweisen können, wenn dazu die nöthige Zeit gegeben ist. Ich verlange nicht zu viel, wenn ich behaupte, daß für einen solchen Unterricht in jeder Schulclasse an allen Schultagen der Woche je eine Stunde nothwendig ist, wenn überhaupt damit etwas erreicht werden soll. Nun müssen wir aber mit den gegebenen Verhältnissen rechnen. Die Kinder besuchen die öffentlichen Schulen, wo für den gesammten Religionsunterricht an jeder Elasse wöchentlich zwei Stunden bestimmt sind, und da soll man einen rationellen hebräischen Unterricht ertheilen, bei welchem man nach Ansicht des Herrn Dr. Fink es dahin bringen muß, daß man nach einem zweijährigen Lehrcurs den Pentateuch nur aufzuschlagen braucht, und der Schüler wird daraus die leichteren Capitel lesen und sofort selbst nach ihrem Wort- und grammatischen Verständnisse erklären. Eine solche Theorie hört und liest sich recht gut, aber in der Praxis kommt man damit nicht weit. Dazu kommt aber noch der Umstand in Betracht, daß man in den zwei Stunden der Woche, welche dem Religionsunterrichte zugemessen sind, nicht allein hebräisch, sondern auch andere religiöse Disciplinen, wie Moral- und Sittenlehre, biblische Geschichte, Liturgie 2c. unterrichten soll. Dieses alles zu erörtern und in Rechnung zu ziehen hat Herr Dr. Fink unterlassen; überhaupt ist der geehrte Herr Vortragende mit irgend einer fixen Zeiteintheilung bei seinem Problem gar nicht vorgegangen. Wenn übrigens Herr Doctor Fink der Meinung ist, daß er in diesem Vortrage etwas ganz Neues entwickelt und vorgebracht hat, so ist er im Jrrthum; denn das System an sich ist seinem wichtigen Inhalte nach weit älter, äls er selbst wohl denken mag. Vor nahezu hundert Jahren hat der Verfasser des „Valmuck lesohou i vri" und des „0 2 ar bas eh eras e h i m“ auch ein hebräisches Elementarbuch für die Schuljugend unter dem Namen „B e t h hassefer“ herausgegeben Die sechste Auflage dieses Lehrbuches wurde nach dem Tode des Verfassers im Jahre 1820 in der Buchdruckerei von Anton Schmid in Wien gedruckt und enthält im ersten Abschnitt die Leselehre mit einigen grammatischen Regeln und Leseübungen. Der zweite Abschnitt enthalt die Fürwörter, hebräisch und deutsch, ebenso die Zahlwörter und die Monate. Im dritten Abschnitt finden wir eine Sammlung der nützlichsten Nennwörter verbunden zu einfachen Sätzen, und zwar: Der Himmel und Planeten, Eintheilung der Zeit, die Erde und ihre Theile, die Gewässer, die Luft und die Weltgegenden, Regen und Wetter, das Pflanzenreich, Garten- und Feldgewächse, Bäumpflanzen, das Thierreich, Geflügel, Würmer und Jnsecten, Vorzug der Thiere vor den Pflanzen, der Mensch i\ s. w., dann Betrachtungen, Gedichte und Lieder, Sprichwörter, Sprüche der Väter, Spruche aus dem Talmud. Dieses Buch sollte als Vorbereitung für den Unterricht in der Bibel und im Talmud dienen. Das war aber nur zu einer Zeit möglich, wo die israelitische Jugend in einer confessionell jüdische» Schule unterrichtet und wo auf den Unterricht in den religiösen Fächern das Hauptgewicht gelegt wurde. Wie die Verhältnisse heute stehen, muß mit ganz andern Factoren gerechnet werden, so daß man für eine Methode zum Unterrichte im Hebräischen, wie sie Bensew vor hundert Jahren und Herr Dr. Fink neuestens erfunden hat, nicht die nöthige Zeit aufbringen kann. Vorerst müßten confessionell jüdische Schulen gegründet und die zu solchem Unterrichte nöthigen jüdischen Lehrkräfte herangebildet werden. Bis dahin muß eine solche Lehrmethode als Theoreticum für bessere Zeiten Vorbehalten bleiben. Pilsen. PH. Lederer Literarische Schätze in Hebraica. Einer der geschicktesten Pfadfinder auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft überhaupt ist heute unstreitig der in den Gelehrten- und Buchhändlerkreisen der ganzen Welt wohlbekannte Bibliograph Ephraim D e i n a r d aus N e w- Z) o r k, welcher vor Kurzem von seiner längeren Reise, die er zu bibliographischen Zwecken in Italien und N 0 r d a f r i k a unternommen hatte, mit reicher Ausbeute versehen, in Wien wieder angelangt ist. Wahrlich staunenswerth sind die Erfolge, welche dieser Fachmann als Ergebniß seiner fünfmonatlichen Wanderung nach den fernen Quellgebieten jüdischen Schriftthums aufzuweisen hat, und die Wissenschaft wird und muß dem rastlosen Eifer dieses ihrem Dienste sich so völlig hingebenden Mannes auch den ungetheiltesten Dank wissen. Seltene und kostbare Werke jüdischen Geistes, die bis jetzt ungekannt unter Schutt und Staub vergraben gelegen, hat Deinard ans Licht gezogen und zu neuem Leben geweckt. Ihm gebührt das Verdienst, die besten literarischen Schätze vor einem sichern und unvermeidlich gewesenen Untergang gerettet zu haben. Die Menge der durch Deinard an den verschiedenen Orten Italiens und Afrikas aufgefundenen Werke liegt nun in vielen Kisten wohlgeborgen nnd gesammelt in seiner Hand. Darunter sind Druckwerke, die hart bis an die Periode des ersten Buchdruckes in Italien zurückreichen, Manuscripte auf Pergament und seidenartigem Papierstoff, die ein fünfhundertjähriges Alter und darüber aufzuweisen haben, vollständigeScripta und Jncunabeln. sowie Bücher der E d i t i 0 p r i n e e p 8, die bis jetzt noch in keinem der größeren bibliographischen Werke oder sonst in einem wissenschaftlichen Kataloge als vorhanden eingetragen waren; U n i c a von unschätzbarem Werthe, in deren Besitz zu gelangen es vielleicht noch keiner Bibliothek gelungen war. Wir können es uns nicht versagen, unsern Lesern hier blos eine Stichprobe mitzutheilen, wie wir sie der. Deinard'ichen Sammlung, die gegenwärtig der Katalogisirung entgegengeht, aufs Gerathewohl entnommen haben. Wir finden da die in Florenz gedruckte berühmte lateinische Bibel in sechs Bänden aus dem Jahre 1471, also nur wenige Jahre nach der Erfindung der Buchdruckerkunst erschienen. Die lateinische Uebersetzung des A r i st 0 t e l e s, die sogar aus dem Jahre 1465 stammt. Für die jüdische Literatur von größtem Interesse ist das Pergamentmanuscript „8 stör Elijahu S. 1.“, liturgisch-grammatische Abhandlungen von Nachmanides und Jbn Ganach enthaltend und das dem 13. Jahrhundert angehört. Eine ganz besondere Specialität für die Geschichtsforschung überhaupt und für die jüdische insbesondere ist , ein Flavius, der dadurch eine wichtige Quelle für die Archäologie \ wird, daß darin mit keinem einzigen Worte der christlichen J Anfangsgeschichte Erwähnung geschieht, was aber bei allen späteren Ausgaben der Fall ist und darum von jeher die Kritik herausgefordert hat. Wir erinnern bei dieser Gelegenheit an das nicht allen Lesern bekannte Factum von der auf Veranlassung der römischen Clerisei in den früheren Jahrhunderten erfolgten Verbrennung des Flavius'schen Originaltextes, von welchem ein einziges unverfälschtes Exemplar bei der erst im Jahre 1883 stattgehabten großen Pariser Bücherauction um den Preis von vierzigtausend Francs nach dem Ausland verkauft wurde. Eine der größten Seltenheiten ist ferner das in zwölf Bänden vorhandene Commentarwerk „S e f e r Hoil Mosche h“, welches in Ieasch d. i. A i x in F r a n k r e i ch erschien. Von diesem Werke besitzt selbst das British Museum nur einzelne Theile. Ebenso interessant ist die Editio princepa von „A b 0 th" mit dem Maimonides-Commentar, gedruckt in Gasale maggiore im Jahre I486. AlsUnicum gilt ferner der in Sabionell a gedruckte Tractat „Kiduschin" mit B ääl Schilte ha-Gibborim und Tossefoth Jesaiah di Trani. In diesem Tractat ist jede einzelne Mischnah mit Punktation und den Accentzeichen — Taame ha-negiwoth — ausgestattet und wurde von dieser Ausgabe nichts mehr gedruckt, da damals, um die Mitte des 16. Jahrhunderts, der Talmud verbrannt wurde. Aus dem 13. Jahrhundert stammen ferner merkwürdige „Chiduschim" zu Tractat Sukkah von den ältesten Kadmonim, worunter auch Jbn M i g a s ch, der Lehrer des Maimonides, vorkommt, dessen reiner hebräischer Styl an

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