Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Vlvch's WochrnfttzrM. Sette 221 zumachen. Wohl sind dem Vereine anderweitig ziemlich namhafte Beträge zikgeflossen, io z. B. von der 5e^8li 60I0nisLtioll ^gsoeiatioQ in Paris, von dem jüdischen Landesmassafond in Mähren, von den israelitischen Cultusgemeinden in Prag und Brünn, aus den Legaten der verstorbenen Mitglieder Brandeis, von Guttmann und Stern, insbesondere aus einer Svende des Barons Nothaniel Rothschild, im Betrage von 10.000 Kronen; allein diese Zuflüsse kamen spontan und haben keinen periodischen Charakter, daher sie nur als Bermögenszuwachs zu betrachten find. Der Vereinsvorstand mußte deshalb mit der Tbatsache eines reducirten Einnahmeetats rechnen und demgemäß auch eine entsprechende Reduction in den Ausgaben eintreten lassen. Als Consequenz hievon ergab sich, daß eine relativ bedeutende Einschränkung in der Aufnahme von Zöglingen eintreten mußte. Während im Vereinsjabre 1899 noch 363 Knaben der Versorgung als Lehrlinge zugeführt werden konnten, war es 1900 nur möglich. 283 Knaben als Lehrlinge unterzubringen. Die verminderte extensive Vereinstbätigkeit kommt auch darin zum Ausdrucke, daß die Zahl der am Schlüsse des Wahres 1901 unter der Obhut des Vereines stehenden Lehrlinge sich um 110 Knaben verminderte. Es befanden sich nämlich 1899 noch 825 Knaben unter dem Schutze des Vereines, während 1900 deren Zahl nur 725 betrug. Es ist tiefbetrübend, daß der Verein zu einer so namhaften und tiefeinschneidenden Einschränkung seiner Tbätigkeit bemüssigt war. noch beklagenswerter aber ist es. daß der Verein gezwungen gewesen ist. die Aufnahme von Zöglingen Monate hindurch zu sistiren. einfach deshalb, weil ihm die materiellen Mittel nicht zu Gebote gestanden sind. Es erwächst daher die Aufgabe, alle vorhandenen Quellen zu erschließen, die Abhilfe zu bringen vermöchten. Die Zahl der Bereinsmitglieder hat sich wohl erheblich vermehrt, sie ist aber weder relativ noch absolut groß genug. Es müßte einer propagatoxischen Thätigkeit zweifellos gelingen, schon in Wien viele Hunderte Bereinsmitglieder zu acquiriren, da kaum 3Vn der Steuerholden der Wiener israelitischen Cultusgemeinde dem Vereine als Mitglieder angehören. Abgesehen von der Provinz, wo durch eine zweckentsprechende Organisation eine große Zahl Mitglieder zum Beitritte in den Verein geworben werden könnte. An alle Glaubensgenosien ergeht der warme eindringliche Appell: Den «Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", sei es durch Beitritt oder durch Zuwendung von Spenden, in ausgiebigster Weise zu unterstützen, damit demselben die Möglichkeit geboten werde, die vielen Tausende von Knaben, die von den entferntesten Kronländern nach Wien kommen, um ein Handwerk zu lernen, in seine Versorgung und Obhut aufzunehmen. Eduard Beer. Architekt Max Fleischer, eine der anziehendsten und liebenswürdigsten Persönlichkeiten in den leitenden Kreisen des Wiener Judenthums, feiert Freitag den 29. d. M. in vollster Rüstigkeit sein 60. Geburtsfest. Fleischer wurde am 29. März 1841 in Proßnitz geboren und kam als 18jähriger Jüngling zum Studium der Technik nach Wien. Nach Absolvirunq der technischen Studien trat er in die Akademie der bildenden Künste, woselbst er unter Ban der Nüll. Hofrath Storck. Roeßner und Dombaumeister Friedrich Freiherrn v. Schmidt sich ausbildete. Während des Baues des neuen Rathhauses war Fleischer sowohl im Privat-Atelier Schmidt's, wie auch als Leiter einer Bauabtheilung thätig. Er erhielt nach Vollendung des Monumentalbaues vom Kaiser das goldene Berdienstkreuz mit der Krone, und der Gemeinderath verlieh ihm das Bürgerrecht der Stadt Wien. Sein Lehrer und Meister ehrte ihn durch Anbringung seiner Büste am Schlußstein des Rathhauseinganges. Nachdem sich Fleischer selbstständig gemacht hatte, waren es Synagogenbauten sowie Entwürfe stylgerechter Gruftdenkmäler, welchen er seine Hauptthätigkeit zuwendete; die Synagogen in Wien im VU. und IX. Bezirke, sowie jene zu Budweis, Krems, Pilgram und anderen Orten sind seine Werke, andere wurden unter Leitung Fleischer's umgestaltet, so zum Beispiel in Nikolsburg und Lundenburg. Nach seinen Entwürfen wurden auf dem hiesigen Central-Friedhofe die Grabdenkmäler von Wilhelm Ritter v. Gutmann. Professor Salomon Sulzer und Dr. Adolph Jellinek ausgeführt. Fleischer ist auch Besitzer der silbernen Medaille des Niederösterreichischen Gewerbevereines. Als Mitglied des Cultusvorstandes und als Präsident des Tempelvereines für die westlichen Bezirke Wiens hat er sich unleugbar sehr bedeutende Verdienste erworben. Jüdische Pflegerinnen. Die in diesen Blättern so warm empfohlene Idee der Ausbildung jüdischer Franen und Mädchen zu Pflegerinnen ist in der abgelaufenen Woche um einen Schritt ihrer Verwirklichung näher gerückt. Es hat eine Berathung stattgefunden, durch welche die Cooperation eines zu bildenden Vereines mit der Cultusgemeinde angebahnt werden sollte. Es handelt sich bei der Heranbildung von Pflegerinnen um folgende zu erzielende Resultate: Es sollen geeignete Pflegerinnen für das Spital ausgebildet werden; es sollen für die Hauskrankenpflege Pflegerinnen zur Verfügung gestellt werden, damit der jüdische Kranke es nicht nothwendig habe, die Hilfe Andersgläubiger in Anspruch zu nehmen; Arme sollen in Nothfällen ebenso die beste Pflege — unentgeltlich — erhalten, die der Reiche sich durch seine Mittel beschaffen kann, und endlich soll ein ehrenhafter, geachteter und lohnender Erwerb für unsere Frauen und Mädchen geschaffen werden. Alle diese Aufgaben stehen miteinander in untrennbarem Zusammenhang. Man kann die eine nicht erfüllen ohne die andere, und nur wenn man sich den ganzen Complex zum Ziele setzt, wird man auch die gewünschten Ergebnisse erlangen. Allerdings muß ein großes Gewicht darauf gelegt werden, daß für die Spitalsbedürfnisse Sorge getragen werde. Je größer die Ausgestaltung des Spitals angestrebt und durchgeführt wird, desto dringender erscheint es. daß das Wartepersonale auch auf jene Stufe der Ausbildung gebracht werde, welche es befähigt, den Anforderungen der Aerzte und zugleich jenen der Humanität in vollstem Maße zu entsprechen. Aber zum alleinigen Zwecke der Pflegerinnenanstalt kann man die Heranbildung von Spitalswärterinnen nicht machen. Es stünde eine solche Aufgabe nicht im Einklang mit den Kosten, die sie verursacht und noch weniger mit den anderen Zielen, die des Anstrebens gleich werth sind. Ja. es ließe sich bekräftigen, daß überhaupt die Zwecke einer Pflegerinnenschule nicht verfolgt werden könnten, wenn man den Zöglingen keine andere Zukunst böte, als die Spitalswärterin zu sein, und wir möchten auf die Erfahrung Hinweisen, welche es ganz unwiderleglich zeigte, daß man auf eine veröffentlichte Aufforderung hin gar kein geeignetes Material erhielt, weil man eben nur Spitalszwecke im Auge hatte. Man muß demnach von vornherein diesen unrichtigen Weg verlassen und vielmehr den Standpunkt fellhalten, daß die Pflegerin sowohl für Spitalszwecke, als gleichzeitig für andere Zwecke heranzubilden sei. Die Spitalsanstelli'ng allein gibt der Pflegerin nicht jene sociale Position, die unbedingt nothwendig ist, damit sich eine größere Zahl von Personen dem Berufe zuwende. Wenn nicht mit der Uebernahme des schweren Amtes jene achtungsvolle Stellung verbunden wird, welche der Trägerin desselben die ideale Vergütung für die Opfer darbietet, welche sie aus Menschenfreundlichkeit und nicht aus gewinnsüchtiger Absicht darbringt, dann wird es schwer sein, die Pflegerin bei uns zu dem zu machen, was sie in Deutschland ist. Wir werden in diesen Anschauungen nur bestärtt durch die Mittbeilungen. die wir über das ssebenjäbrige Wirken des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin erhalten. Der Verein bat 35 Schwestern ausgebildet, er zählt jetzt 19 Schülerinnen, von denen 6 zu Schwestern er"gnnt wurden, während 4 ausgeschieden sind; überdies sind 40 Neuanmeldungen in Behandlung. Von de* Mutteranstalt Be rl i n sind bereits fürB reslau. Königsberg. Nürnberg und München Schwestern zur Ausbildung übernommen worden; ferner sind in Hamburg, Köln, Frankfurt jüdische Pflegerinnen in gleicher Weise tbätig. Die Berliner Schwestern haben 4^93 Pflegetage mit voller Bezahlung, 194?; Pflegetage mit ermäßigter Bezahlung und 1597 Pflegetage unentgeltlich in einem Jahre geleistet sie haben auch im Curhospital in Colberg, sowie im Genesungsheim Lehnitz den Dienst versehen. Aus dem Rechnungsabschluß ist zu ersehen, daß die gesammten Kosten, welche die Erhaltung und Ausbildung der Schwestern verursachen, durch die Honorare für die Pflege nicht blos vollständig gedeckt werden, sondern daß sogar ein ansehnlicher lieber schuß vorhanden ist. Die Kosten belaufen sich auf ca. 20.< 00 M., die Pflegeeinnahmen aber auf 35.500 M. Mehr als dieses materiell günstige Resultat ersteut uns die Constatirung. daß ein wachsendes Verständniß für den Beruf der Krankenpflege vorhanden ist, daß das Bedürfniß nach jüdischen Krankenpfleaennnen immer mehr zunimmt und daß das Ziel, „jüdische Frauen und Mädchen kn einer großen Zahl zu tüchtigen Krankenpflegerinnen heranzubilden, den leidenden Mitmenschen Pflege, armen Kranken unentgeltliche Hilfe zu bringen", eine große Anzahl angesehener Personen begeistert und sie zu einer unermüdlichen Thätigkeit im Dienste der Menschlichkeit anspornt. Was in Berlin erreicht worden ist. das kann in Wien auch erreicht werden. Es gehört dazu nur ein fester Wille, der aus ein klares, erreichbares Ziel gerichtet sein muß. und so viel an Begeisterung und Hingabe an die Sache der Humanität, daß man nicht nur im ersten Elan Mittel zur Verfügung stelle, sondern zu dauerndem Dienste sich verpflichte. Wir haben oben hervorgehoben, daß es am besten wäre, alle Aufgaben zusammenzufaffen und gemeinsam zur Lösung zu bringen. Setzen sich aber einer derselben momentan unübersteigliche Hindernisse in den Weg, so können trotzdem die anderen Zweige ausgebildet werden. Wir wollen nicht in Räthseln sprechen. Es kann ja sein, daß zeitweilig im jüdischen Spitale, das in einer Umwandlung seiner ganzen