Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-29 · 13 (29.3.1901) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
13 (29.3.1901)
Date
1901-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021399--10731-3035228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 220 Nr. 13 Dr. Bloch's suchte mich, ich möge die Wahl in den Gemeinderath aus der 1. Curie annehmen. Ich erwiderte der Deputation sofort, daß ich mich principiell in politische Angelegenheiten nicht menge, mußte aber nach langem Drängen der Deputation mich entschließen, nach Ablauf von fünf Tagen einen Bescheid zu geben. Rathen Sie mir also, geehrter Herr Jnspector, was ich zu thun habe. Ich stehe gewiß um diese Ehre nicht, fürchte aber durch meine Weigerung, dem Wunsche der Bevölkerung nachzukommen, der Schule und mir selbst zu schaden, da die Leute sagen könnten, daß ich nur da arbeite, wo ich bezahlt werde und mich um das öffentliche Wohl nicht kümmere. Bitte mir also, wenn möglich postwendend, Ihren Rath zu ertheilen, den ich natürlich stricte befolgen werde. Hochachtungsvoll Wilhelm Rubin M a r g u l r e s, Schulleiter in Solotwina. Ich ertheilte ßdem Schulleiter hierauf^ die^Weisung.^nur dann die Wahl anzunehmen, wenn dieselbe ohne sein Hinzuthun einstimmig erfolgen sollte. Jedermann, der die Berhaltniffe in unseren Kleinstädten kennt, weiß sehr gut, daß die Stiftungslehrer oft die gebildetsten Männer im ganzen Orte sind und daß sie viel zur Hebung des Ortes beitragen und der armen nur zu oft unterdrückten jüdischen Bevölkerung auch helfen können. Nach einem bekannten Ausspruche unserer Weisen soll und darf sich ein Stiftungslehrer der allgemeinen Bürgerpflicht nicht entziehen. Der zweite Brief lautet: Jagielnica den 19. März 1901. Hochgeehrter Herr Jnspector! Mit Bezug auf meinen mündlichen Bericht, den ich Ihnen während der Generalversammlung der Stiftungslehrer in Kolomea am 4. März L I. erstattete, beehre mich, Ihnen mttzutheileu, daß die einflußreichsten Bürger von meiner Ablehnung des mir aufgebürdeten Gemeinderathsmandates nichts hören wollen. Da meine diesbezüglichen Vorstellungen fruchtlos blieben, bin ich bemüffigt, Mittwoch den 20. d. M., d. i. am Wahltage, Jagielnica zu verlaßen, um einerseits meinen ernsten Willen, kein Mandat anzustreben, der Bevölkerung zu zeigen, andererseits aber, um auch den eventuellen Gegnern — ich kenne vorläufig solche nicht — keine Grundlage zu irgendwelchen Beschuldigungen zu geben. Ich hoffe, daß Sre mir den eintägigen Urlaub nachträglich bewilligen werden. Hochachtungsvoll Elia Blau, Schulleiter in Jagielnica. Außer diesen zwei, augenblicklich noch nicht gewählten Schulleitern sind im Ganzen blos 4, sage und schreibe vier Stiftuugsleiter Gemeinderäthe beziehungsweise Cultusvorsteher, deren Wahl auf die oben geschilderte Weise zustande kam. Wenn nun die Stiftungslehrer in der Annahme von Mandaten so vorsichtig sind, so ist es selbstverständlich, daß sie auch jeder Agitation zu Gunsten eines andern Candidaten fernesteheu. Bezüglich des angeblichen Falles, daß ein Lehrer der Stiftung unter Aergerniß der gesammten jüdischen Bevölkerung sich in den Besitz eines Cultusvorsteher-Mandates gesetzt hätte, kann ich auf Grund der durchgeführten Untersuchung bezeugen, daß der ftühere Cultuspräses dieser Gemeinde, der sein Amt mißbrauchte und die Bevölkerung auf jede Weise ausbeutete und nicht ohne Grund den Eintritt des Schulleiters in den Cultusvorstand zu befürchten hatte, unrechtmäßig den Amtssiegel gebrauchte, um gegen die einstimmig erfolgte Wahl des Schulleiters zum Cultuspräses - Stellvertreter zu protestiren, und die betreffende Eingabe mit gefälschten Unterschriften versah. Angesichts der oben cttirten Thatsachen ist es geradezu frivol und empörend, wenn man die Schulleiter beschuldigt, daß sie die Corruption fördern und selbst Mandate zu ergattern bestrebt find. Wenn nun Herr Dr. S. R. Landau in seinem Edelmuthe an den Schulleiter in Zloczow, weil ihm dieser das Schulgebäude zu seinen Agttationszwecken nicht geben wollte, wie er übrigens auch dem diesbezüglichen Wunsche des Abgeordneten Dr. Byk erwiesenermaßen nicht nachgekommen ist, sich rächen will und ihn ungerecht einer Disciplinarstrafe zuführen möchte, so soll Herr Dr. S. R. Landau es mit seinem Gewiffen ausmachen. Edel ist diese That wahrlich nicht. Hochachtungsvoll Wilhelm Grünes Jnspector der Baron Hirsch-Stiftungsschulen. K o l o m e a den 22. März 1901. Wochenschrift» Vom Jahrmarkt des Lebens. Zur zionistischen Agitation. Aus K o w n o in Rußland erhalten wir Mittheilung über einen grauenhaften Terrorismus, den die zionistische Secte in Rußland ausübt, wo sie geradezu eine Schreckensherrschaft etabttrt hat. An Schekelgeldern werden jährlich an 20.000 Rubel eingenommen und für die Agitationen der Presse ausgegeben. Jeder, der sich weigert, die Schekelgelder zu bezahlen, wird boycottirt, verfolgt und sieht sich den Verleumdungen der zionistischen Blätter völlig wehrlos ausgeliefert. Jede Berichtigung lvird mit neuen Schmähungen und Verleumdungen begleitet, daß mau bereits von dieser Methode der Abwehr zurückgekommen ist. In den letzten Tagen haben die dortigen Zionisten eine Verbindung geschloffen mit den Etats chkan ukes. Was das ist, - werden die Leser im Westen kaum wissen, es sind mit einem Worte unsere organistrten Boxer. Das ist ein Bündniß auf Gegenseitigkeit. Die Zionisten predigen nationales Judenthum, verbreiten Bildung und Aufklärung unter den Stalschkanukes, dafür stellen diese ihren Lehrern und Erziehern ihre Fauste zur freien Verfügung. Wie sie im Kreise der Arbeiter jeden Mißliebigen überfallen und mißhandeln, so dehnen sie diese Gepflogenheit weit über diesen KreiS hinaus und terrorisiren Diejenigen, welche dem Zionismus nicht hold sind. So hat vor einigen Monaten einen hervorragenden Rabbiner dieses Geschick ereilt, den seine Reise nach Satrl, einer Stadt im Gouvernement Grodno, und nach Nowogrudek, im Gouvernement Minsk, führte. Man hat ihn mit Steinen beworfen und sonst öffentlich verhöhnt! Es ließe sich noch eine ganze Reihe ähnlicher Vorkommnisse mit Warnen und Datum allführen, woraus man das System sieht, nach dem dieses wüste Treiben sich geltend macht. Jüngst haben die Zionisten in Kowno vor den dortigen Stalschkanukes ihren nationalen Eifer Mil dem Raketenfeuer ihrer flammenden Begeisterung in einer Versammlung an den Mann gebracht, die dann sofort in der zweiten Nacht in Thaten umgesetzt wurde. Sie schlugen zwei angesehene, hervorragende Gegner der Zionisten mit Steinen aus mörderische Weise nieder. Nur die Hilferuse der Ueberfallenen und der Auflaus, der dadurch entstand, hat den Unglücklichen das Leben gerettet. Das ist die Bildung, die unsere Zionisten anbahnen, und die Erlösung, die sie zu bringen vorgeven, daß sie angesehene und daher unbequeme Gegner durch von ihnen fanattsirte Horden meuchlings zu überfallen und so bei Seite zu schaffen suchen. Diesem Treiben gegenüber sind die Führer^ und Leiter der Gemeinden machtlos, wett man sich vor Denunciatioilen fürchtet. Die Artikel der ,Oesterr. Wochenschrift" sind wie eine Erlösung ausgenommen worden. Vielleicht kommt Hilfe .vom Westen? In Czernowitz hat am 17. d. M. aus^ Anlaß der bevorstehenden Cultuswahlen eine von den Zionisten einberufene Versammlung stattgcfunden, bei welcher es zwischen den Parteigängern der verschiedenen zionistischen Seelen zu argen Miß- Helligkeiten und Beleidigungen gekommen ist. Einer der Ziomstenführer, Herr Dr. Menczel, leistete sich den Satz: „Die modernen Rabbiner dienen nur dazu, um sich fette Bäuche auszumästen!" Verein zur Beförderung der Handwerke unter den intiindlschen Israeliten. Dem in den letzten Tagen erschienenen Berichte des ^Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" über das 60. Vereinsjahr ist die erfreuliche Thatsache zu entnehmen, daß der Verein nach wie vor eine gedeihliche Thätigkeit zu entwickeln vermochte. Es muß jedoch constatirt werden, daß diese Thätigkeit mehr intensiver^ als extensiver Natur gewesen ist. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, daß der Verein sich leider noch immer in höchst bedauerlicher und bedrängter Situation befindet. Die finanzielle Calamität ist zumeist dadurch entstanden, daß die von der verstorbenen Baronin Hirsch in hochherziger Weise gewidmete Subvention von jährlich 10.000 Kronen nach deren allzu früh erfolgtem Ableben von den Erben weiter nicht mehr bewilligt worden ist. Es ist der verdienstvollen Bereinsleitung allerdings gelungen, durch eine rührige Propaganda die Mugliederzahl von 541 auf 701 zu erhöhen, wodurch die Mitgliedsbeilräge von rund 7500 Kronen auf ungefähr 12.000 Kronen jährlich erne Erhöhung erfahren haben. Allein diese an und für sich reguläre Mehreinnayme war lange nicht geeignet, den Ausfall der Baron Hirsch'schen Subvention wett-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.