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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Dr' Vloch's Wmhrnfchrift Seite 2Ü7 für die Omnipotenz des Vorstandes und fürchten immer, daß dieser Vorstand von einem ihm zustehenden Rechte schlechten Gebrauch machen werde. Wir aber wollen wünschen und hoffen, daß der Vorstand seiner Aufgabe stets gewachsen bleibe. Kaiser!. Rath Wilhelm Pollak: Es scheint, als sei ich von den sehr geehrten Herren Vorrednern vollständig mißverstanden worden. Ich bin nicht gegen die Statutenänderung, da ich, wie schon bemerkt. ' bereits vor 10 Jahren hiefür gestimmt habe; ich wünsche nur, daß Cautelen gegen Willkürlichkeiten, wie diese vorzukommen pflegen, geschaffen werden und daß nichts verfügt werden könne, ohne den Vorstand passirt zu haben. Auch liegt es mir ferne, wie Herr College Kuffner mißverständlich meint, einen Gegensatz zwischen alten und neuen Cultusvorständen in meinen Ausführungen auch nur andeuten zu wollen. Ich bin glücklich, nochmals constatiren zu können, daß man so schätzenswerthe, arbeitsfreudige Mitglieder in den Vorstand bekommen habe, wie man dies von der höchstbesteuerten Curie gar nicht erwarten konnte. Nach den von mir selbst gemachten Erfahrungen bitte ich jedoch die Herren, nicht in zu vertrauensseliger Weise Machtvollkommenheit an die Comites und Vertreter-Collegien hintanzugeben, damit Sie nicht nach 2 Jahren auf dem Standpunkt stehen, den ich jetzt nach 10 Jahren, enttäuscht von der Vergangenheit, einzunehmen bemüssigt bin. Redner nimmt mit Befriedigung zur Kenntniß, daß sein Antrag bei Gelegenheit der Abfassung einer neuen Geschäftsordnung zur Verhandlung gelangen werde. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, in welchem darauf hingewiesen wird, daß der Geist, der den Vorstand beseelen wird, sich auch nothwendigerweise den Organen, denen die Erledigung obliegen wird, sich mittheilen und auf ihre Thätigkeit Richtung gebend wirken werde, wird die Generaldebatte geschlossen und in die Specialdebatte eingegangen. Cultusvorsteher Hermann E l t b o g e n stellt zu § 5 den Antrag, auf Abschaffung des für die Hochbesteuerten neu creirten Privilegiums aus ihrer Mitte zwölf Mitglieder in den Vorstand zu entsenden. Das sei, sagt Redner, gegen die Tradition unserer Religion, gegen den demokratischen Punkt unseres Glaubens und deswegen sehr reformbedürsttg. Wir treten überall ein für Gleichheit und Brüderlichkeit und nun haben wir für die Reichen besondere Privilegien geschaffen. Weil sie so glücklich sind, mehr Steuern zu zahlen, wählen sie zweimal, das sei ungerecht und unjüdisch. Cultusvorsteher Gewitsch erklärt, die Berechtigung, den Hochbesteuerten eine eigene Vertretung einzuräumen, erkenne er gerne an, diese sollen sich aber begnügen mit neun Mitgliedern, drei dagegen sollen aus der Curie aller derer gewählt werden, die keine Steuerzahler sind. Sollte der Antrag abgelehnt werden, so stellt er den Eventualantrag, aus der allgemeinen Curie 21 Vorstandsmitglieder zu wählen und sechs Mandate jenen einzuräumen, die keine Steuerzahler sind. Theodor Ritter von Taussig erklärt sich gegen die Anträge, nicht blos darum, weil wir erst wenige Monate nach der Perfectionirung der neuen Wahlreform stehen, auch nicht etwa deswegen, weil er dem neu zur Geltung gelangten Wahlregulativ besonderen Beifall spendet. Er sei vielmehr ein Anhänger der Wahlen in drei Gruppen, von welchen keine in der Lage ist, die beiden anderen zu majorisiren. Wenn er gegen die vernommenen Anträge Stellung nehme, so drängt ihn dazu lediglich das Interesse der vielfach bedrohten und gefährdeten Gemeinde. Das Argument der Religion und Tradition ist hier nicht am Platz, es handelt sich um eine rein administrative Zweckmäßigkeitsfrage. In alten orthodoxen Gemeinden bestehen Statuten mit Curienwahlen. Mit dem Schlagworte der Brüderlichkeit soll man nicht kommen, nach dem eigenartigen Verlauf der letzten Wahlbewegung. Die hat Erscheinungen gezeitigt, welche diese „Brüderlichkeit" sehr vermissen ließen. Eine Anzahl der achtbarsten und um das jüdische Gemeinwesen hoch verdienten Männer wurde in der vehementesten Weiie angegriffen. Wo war damals die Brüderlichkeit? Diese Brüderlichkeit besteht nicht mehr, sie besteht viel weniger von unten herauf, als von oben herunter. Nicht aus Ehrgeiz sind wir in die Gemeindeverwaltung eingetreten, sondern aus Pflichtbewußtsein, in dem Drange, der Gesammtheit zu dienen. Ich bin aber nicht blind und kann mir nicht muthwillig die Augen verschließen vor der Wahrnehmung, daß die minder gutsituirten Bevölkerungsgrupp en sehr leicht eine Beute werden geschickter Agitatoren ehrlicher und unehrlicher Sorte, wir sehen diese Schichten leider zugänglich allen leeren Schlagworten, an phantastischen Vorspiegelungen fich berauschen und jeder Fata morgana nachlaufen. Das bringt unserer Gesammtheit schweren Schaden. Das Schwergewicht der Gemeindeverwaltung in diese Kreise zu verlegen, vermag die Gefahr heraufzubeschwören, daß durch eine weitereSteigerung der Agitatton Elemente in den Vorstand gelangen, die keine Gewähr mehr bieten für eine segensreiche Wirksamkeit, und gerade im Jntereffe der finanziell minder bevorzugten Bevölkerungstheile liegt es, daß alle Kreise der Gemeinde gleichmäßig an der Verwaltung theilnehmen. Der Antrag G e w i 1 s ch hat vom doctrinären Standpunkt manch Verlockendes, in der Praxis nimmt er fich anders aus. Das geltende Statut hat eine Bestimmung über die facultative 5 fl.-Steuer, verbunden mit dem Wahlrecht. Wie Biele haben fich nun dazu gedrängt, das Wahlrecht für die Cultusgemeinde zu erwerben? Bon den vielen Tausenden kam nur ein Einziger, sage ein Einziger, ein Beweis, daß diese Schichten den Angelegenheiten der Gemeinde intereffelos gegenüberstehen. Diese zu einem Factor im Leben der Gemeinde zu erheben, wäre bedenklich, diese Leute find entweder noch zu jung, oder alte Leute, die im Leben Schiffbruch gelitten und den Beweis erbracht haben, daß sie nicht einmal die eigenen Angelegenheiten erfolgreich verwalten können. Ich bitte deswegen die Anträge abzulehnen. Cultusvorsteher Wilhelm Kuffner erklärt fich ebenfalls gegen die gestellten Anträge. Einzige Aufgabe des Comites war es, eine Reform der inneren Verwaltung anzubahnen, alle anderen Wünsche wurden zurückgestellt, selbst die recht dringliche Aenderung des Steuerregulativs. Die Anträge entsprechen überdies keinem wirklichen Bedürfniß. Commercialrath Weil schließt fich den Vorrednern an. Es ist nicht ausgeschloffen, daß später einmal auch das Wahlstatut einer neuen Ordnung unterworfen werde, allein zunächst muß man es erst mehrere Jahre erproben und seine Wirkungen erfahren. Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer erklärt, eine Aenderung des. Wahlstatutes im jetzigen Moment wäre sehr wenig opportun. Redner war ein Gegner der vorjährigen Wahlreform, nun sie Gesetz geworden ist, muß fie sich ausleben. Welchen Eindruck würde es bei der Behörde machen, wenn wir alljährlich mit einer neuen Wahlreform kommen? Das heißt den Schein des ewigen Unfriedens und ewigen Streites auf fich laden. Redner beantragt deswegen llebergang zur Tagesordnung. Nach einem Schlußworte der Antragsteller Eltbogeu und G e w i t s ch wurde zur Abstimmung geschritten und der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Ueber Anregung des Herrn Cultusvorstehers R o s n e r gelangen sodann die Anträge der Commission en dloe per aoela- > mationem zur einstimmigen Annahme. Der Borfitzende dankt hierauf dem Obmanne und dem Referenten der Commission für die erfolgreiche Arbeit und erklärt die öffentliche Plenarsitzung für geschloffen. In der hierauf folgenden vertraulichen Sitzung wurden Stipendien aus der Dr. Adolf Sacks'schen Herz- und Aorta- Kranken-Stiftung verliehen. Wen. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Bor einem zahlreichen und den besten Kreiien angehörenden Publicum hielt Samstag den 16. d. M. Herr Baurath Wilhelm Stiaßny einen überaus feffetnden Bortrag über das „Museum sür jüdische Denkmäler". In glänzender, zuweilen durch humoristische Apercus gewürzter Diction schilderte der illustre Vortragende die Entstehung des Museums und bot in übersichtlicher Gruppirung ein Bild von den reichen Schätzen, über welche dieses einzige und eigenartige Institut in Folge der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen aus aller Welt verfügt. Herr Baurath Stiaßny hatte sich die Mühe nicht verdrießen laffen, eine Reihe werthvoller Objecte in den Bortragssaal zu schaffen und sie dem Auditorium vorzuführen. Es war dies insbesondere eine Reihe kunstvoller Nachbildungen aus der Hagada von Sarajewo, von der Meisterhand Max Fleischers im Aufträge des kunstsinnigen Banquiers Salo Cohn gemalt, ferner ein zu Ehren des 70. Geburtstages Jsac Noe Mannheimers von der israelitischen Cultusgemeinde gewidmeter Pocal, ein Prachtstück kunstgewerblicher Technik, eine aus dem Anfänge des 16. Jahrhunderts stammende Bibel und ein von der Kaiserin Maria Theresia ausgestellter Schutzbrief mit deren eigenhändiger Unterschrift. Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Redners. An den Vortrag schloß sich ein gemeinsames Mahl, bei welchem Vicepräsident Professor E h r m a n n die Verdienste Stiaßny's um jüdische Kunst und jüdisches Wesen in einem geistvollen Trinkspruch feierte. — Rabbiner Dr. S o r hielt einen sehr ernst gehaltenen Trinkspruch

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