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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 204 Nr. 13 Dk, Vloch's mordeten gehaltenen Predigt wird unter den möglichen Ursachen des Mordes auch ausdrücklich — und nicht an letzter Stelle — der Aberglaube genannt. Ob diese Predigt in gleicher Weise wie die wissenschaftlichen Hetzreden des pommerschen Landpastors, der uns heute so ausführlich beschäftigt hat, dem Oberkirchenrath unbekannt geblieben — darüber weiß ich nichts zu sagen. Gewiß ist mancher von Ihnen besser als ich darüber orientirt, ob der Oberkirchenrath in Sachen der Ritualmordhetze schon etwas von sich hören gelassen hat. Unter den Thesen des Herrn Professor Strack hat eine, wenn ich ihn richtig verstanden habe, die Juden ermahnt, bei den Anklagen wegen eines Ritualmordes mit der Erklärung „ein Jude war es nicht" recht zurückhaltend zu sein. M. H., ich werde für einen jüdischen Fanatiker gehalten und erkläre hiermit: Bis der Mörder in Könitz nicht festgestellt sein wird, schließe ich die Möglichkeit nicht aus, daß auch ein Jude der Mörder gewesen sein kann! Der Vorsitzende hat das Treiben der Antisemiten in Könitz ausführlich dargelegt und wie sie den Fall für ihre Zwecke fructificirt haben. M. H., das kann uns nicht überraschen. Ich will gewiß nicht für die Antisemiten eintreten, aber ich kann die Frage nicht unterdrücken, ob der behördlichen Untersuchung nicht die Priorität gebührt? Dieselbe ist vom ersten Augenblick an in der Voraussetzung eines jüdischen Ritualmordes oder — was genau dasselbe ist — eines von einer jüdischen Gemeinschaft geplanten und ausgeführten sogenannten Blutmordes gefiihrt worden. Die Synagoge ist drei Mal vom Dache bis unter den Keller untersucht worden. Bei dem Rabbiner, einem hochgebildeten jungen Mann, der 6 Wochen vor dem Morde nach Könitz gekommen war, ist 2 oder 3 Mal Haussuchung gehalten worden. Die Dienstmädchen von etwa 15 in Könitz seit Jahren ansäffigen Familien sind darüber vernommen worden, ob während der Mordwoche blutige Wäsche vorhanden gewesen. Und was nicht weniger für die Juden kränknd und für unfern Culturstand beschämend sein mußte, in der Verhandlung des Proceffes Maßloff hat der Vorsitzende jedem jüdischen Zeugen die Vorhaltung machen zu dürfen oder zu müssen geglaubt, daß er, weil er Jude, an der Sache betheiligt sein könne, die Aussage verweigern könne: Kein jüdischer Zeuge hat die Aussage unterlassen. Auch in den Plaidoyers ist — wenn ich nicht irre — der Ritualmord als Grundlage des Processes bezeichnet worden! Und das Alles gegenüber der historisch und wissenschaftlich festgestellten Thatfache, daß der jüdische Rttualmord eine christliche Lüge ist, und zwar eine specifisch christliche, denn im ganzen Gebiete des Islams — das werden Ihnen die competentesten Männer der Wissenschaft bestätigen — ist solche Blutbeschuldigung niemals erhoben worden. Meine verehrten Herren! Die Geschichte der Ritualmorde im 19. Jahrhundert hat begonnen mit jenem, von einem christlichen Consul betriebenen, berüchtigten Ritualmord im fernen Damaskus und nun — das Bekenntniß wird uns allen schwer — das Jahrhundert schließt mit dem Konitzer Ritualmord in Deutschland! Correspondenzen. Aus der öffentliche» Plenarsitzung des Wiener israelitischen Cultusvorstandes vom Sonntag den 17. März 1901 unter dem Borsitze des Breetzräsidenten Doctor Gustav Kohn. Tagesordnung: Reform der inneren Administration. Die öffentliche Plenarsitzung der israelitischen Cultusgemeinde vom letzten Sonntag, erzielte nicht blos ein bedeutsames Resultat durch die Anbahnung einer gründlichen Reform der inneren Administration; auch die abgeführte Discussion bot bedeutsame und interessante Momente, welche bei allen Theilnehmern einen nachhaltigen Eindruck zurückließen. Den Höhepunkt der Debatte bildeten unstreitig die glänzenden formvollendeten und überzeugenden Ausführungen des Herrn Director Taussig zu Gunsten der Commissionsanträge. Insbesondere aber die Erwiderung, die er den diversen Versuchen, das Resultat der jüngsten Wahlresorm rückgängig zu machen, widmete, seine Zurückweisung. der Schlagworte, welche man gegen das System der Curienwahl inS Feld führt, verdienen in den weitesten Kreisen der Gemeinde gewürdigt und beherzigt zu werden. Das Princip, daß sämmtliche Bevölkerungsgruppen in gleichem Maße an der Gemeindeverwaltung theilzunehmen berufen sind, kann unmöglich gegen die Religion oder gegen die Tradition, oder gegen das Princip . der Solidarität und Brüderlichkeit verstoßen, und mit einem bitteren Sarkasmus fügte er hinzu, daß gerade diejenigen, welche nicht müde werden, die jüdische Brüderlichkeit und Solidarität anzurufen, sie am schnödesten öffentlich verleugnen. Er exemplificirte auf die traurigen Erscheinungen, welche die letzte Wahlbewegung gezeitigt hat, auf die unwürdigen und wenig lauteren Mittel, die man angewendet hat zur Anfeindung und Änschwärzung wohlverdienter, im öffentlichen Leben ergrauter Männer, und die Meister dieser Agitation, welche gewisse Wiener Vorbilder mit Erfolg copirt haben, ließen sich dabei durch die Pflichten jüdischer Solidarität nicht in* Geringsten geniren. Eine überaus wirksame Illustration zu diesen Ausführungen bot das von dem Referenten, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, berichtete Factum, daß oppositionelle jüdische Organe ihn nicht blos in vehementer Weise ungerecht angriffen, man ging sogar so weit, diese Angriffe zurKenntniß der ihm Vorgesetzten staatlichen Behörde zu bringen. Daswurde verübt, weil Oberfinanzrath Dr. Rappaport an Stelle eines verhinderten Borstandscollegen das Referat über das etablirte Institut einer Wahlcurie der Höherbesteuerten übernommen und durchgeführt, dessen innere Berechtigung un ^Zweckmäßigkeit der Erwählte der Opposition, Herr Cultusvorsteher Gewitsch, in dieser Sitzung offen und „gerne* anerkannt hat. Nachstehend lassen wir den Bericht folgen: An Stelle des auf Urlaub befindlichen Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Heinrich Klinger eröffnet Herr Bicepräsident Dr. Gustav Kohn die öffentliche Plenarsitzung und theilt zunächst mit, daß ihre Abwesenheit von der heutigen Sitzung entschuldigt haben der I. Bicepräsident Dr. Alfred Stern, die Vorstandsmitglieder Dr. Breuer, Herr Salo Cohn, Architekt Fleischer, kaiserl. Rath M. Hirsch, Baurath v. Goldschmidt. David Ritter v. G u t m a n n. Dr. Steiner. Zur Tagesordnung erwähnt der Vorsitzende, daß sofort nach der Constituirung des durch Neuwahlen ergänzten israelitischen Cultusvorstandes derselbe ein eigenes Comite mit der Aufgabe betraut hat, behufs Vereinfachung der schwerfälligen inneren Administration Anträge vorzubereiten. Dieses Comitö, an dessen Spitze als Obmann Herr Theodor Ritter v. Taussig stand, hat seine Arbeiten beendet, welche zu einem allseitig befriedigenden Resultate geführt und bei den Berathungstheilnehmern einstimmige Gutheißung gefunden haben. Zu Referenten wurden der Oberfinanzrath Dr. Rappaport und Dr. Maximilian Steiner bestellt. Da Herr Doctor Maximilian Steiner aber in Budapest weilt, so wird Herr Oberfinanzrath Rappaport allein über das vorbereitete Elaborat referiren, und der Vorsitzende ladet ihn sofort ein, die Verhandlung einzuleiten. Referent Oberfinanzrath Dr. Rappaport zählt in seinen einleitenden Worten die vielfachen Versuche auf, den veralteten Verwaltungsmodus der israelitischen Cultusgemeinde zu reformiren und die innere Administration auf eine neue Basis zu stellen. Die vorjährige Statutenänderung mit ihren weitausgreifenden Bestimmungen, der Einführung der neuen Curie und Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder, der Einführung der Bezirkscommiffionen und der Ausdehnung des Wahlrechtes, hatte auch ursprünglich die Reform der inneren Administration umfaßt. Der betreffende Theil war vollständig äusgearbeitet und zur Beschlußfassung dem Plenum vorgelegt. Gerade dieser Theil. jener Reformarbeit war sein Herzenskind, um defsentwillen er auch zu einer Aenderung des Wahlmodus und des Wahlrechtes die Hand geboten hat. Nicht er war der eigentlich bestellte Referent für die im vorigen Jahre durchgeführte Statutenreform, sondern ein anderer College, welcher aber in der letzten Stunde das Referat zurückgelegt hatte. Nur um das Werk vor gänzlichem Scheitern zu bewahren, hatte er sich dazu herbeigelassen, die Berichterstattung zu übernehmen, und er wurde deswegen in einem Wiener jüdischen Blatte zum Gegenstand heftiger Angriffe und Anfeindungen. Man ging sogar so weit, diese gegen seine Person gerichteten Angriffe durch Zusendung dieser Z-itungs-Exemplare zur Kenntniß seines Amtsvor st an des zu bring eit, was zu einer Rücksprache zwischen dem Amtsvorstand und ihm ge-

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