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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Bette 200 Nr. 13 Dr- Blmtz^s Wochenschrift l i che n Zionismus führe, in welchem ein Pater Ignatius seinen Segen streicht und »jüdische Studenten in Pastorenhäusern Stöcker'scher Richtung gerne gesehen macht" — alle diese furchtbaren Anklagen vermochten die scheinbare Ruhe, die über den sumpfigen Gewässern dieses Zionismus herrschte, nicht zu stören, vermochten auch nicht ein Zucken der Wimpern jener großen Politiker, jener »Männer der großen Initiative", die zur Entrechtung der Juden führen soll, hervorzurufen, — aber das kleine Steinchen, das dem auch mir ganz unbekannten Herrn Professor Kellner in das Euratorium der Baron Hirsch'schen Stiftung nachgeworfen wurde, das rührt ihn zu Thränen und läßt die traurige Reminiscenz aus seiner Jugend an den SLeinwurf jenes ihm fremden Lhristenbuben in seiner Seele austauchen! Mein Steinchen aber ist geheiligt durch sein Alter und von fieghaster Zauberkraft. Ich habe es der Hirtentasche des Judenbuben David entnommen, der mit einem solchen den Nordau seiner Zeit, den Gotteslästerer Goliath zu Boden streckte! Doch nein! Ich bin nicht David — ich bin nur der Tramndeuter Daniel, der dem großen Gotteslästerer Nebukadnezar, den Traum seiner wahnfinnigen Selbstherrlichkeit, mit der er um fich zu schlagen begann — dahin deutete, daß sich, und nicht durch Menschenhände — ein Steinchen losreißen und ihn zermalmen, und dann zu einem mächtigen Fels werde, der die ganze Erde «füllt. — Und dieser die Jahrtausende überdauernde Fels ist d« von Nordau so v«höhnte Glaube an Gott und die von diesem »großen Geiste" beschimpfte Moral des Judenthums! — Dafür will ich Zeugniß oblegen — auch vor einem Ketzertribunal. Bor dem Terrorismus des Dr. Herz! beuge fich wer da will — ich nicht! Jüdische Pflegerinnen. Wie die Pflanze, braucht auch die Idee eine gewisse Zeit zwu Ausreisen. Vor zwei Jahren wurde an dieser €>tdtte der Gedanke ausgesprochen, es sei eine Schule für Heraubilduug von Pflegerinnen zu creiren. Einige Zeit darauf hat eine Frau, die mit einem guten Herzen ein großes Verstaudniß verbindet, denselben Gedanken ausgesprochen. Und vor Kurzem erst wurde bei Besprechung der Frage der Frauenbeschäftigung abermals auf diesen Beruf hiugewiesen. Parallel mit diesen publicistischen Actionen ging eine Berathung mehrerer feinsinniger Damen vor sich, die auch dem Cultusvorstand der Wiener israelitischen Gemeinde emeu Statuteneutwurf mittheilten, und es ist bekannt, daß d« Cultusvorstand selbst beschlossen hat, einer derartigen Institution seine Mitwirkung zu widmen. Nunmehr scheint der Gedanke ausgereift zu sein und sich zur gemeinnützigen That auszugestalteu. Es hat vor wenigen Tagen eine Versammlung im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines stattgefunden, die außerordentlich zahlreich besucht war und in der der Antrag, eine Subscrrption einzuleiten und den Beitritt zu einem Vereine zu propagiren, der sich die Heranbildung von jüdischen Pflegerinnen und eine zweckmäßige Organisirung des Pflegewesens zur Aufgabe machen soll, lebhaften Auklaug fand. Diese fteuudliche Aufnahme der Idee seitens einer Versammlung, welcher Frauen und Mann« aus allen Kreisen unserer Gemeinde beiwohnten, hatte zur Folge, daß bereits die Constituirung des Vereines im Werke ist, und wir glauben, in der Lage sein zu können, schon in der nächsten Nummer Näheres hierüber mitzutheileu. Daß in einer relativ so kurzen Zeit die Realistruug des Plaues bewerkstelligt werden kann, ist zu nicht geringem Theile ein Verdienst des Vereines zur Unterstützung Mischer Handwerker und Gewerbetreibenden, dessen Vorstand es äls eine Pflicht erkennt, nicht blos directe Hilfe zu bringen, sondern auch die Berufsthätigkeit zu fördern und die Heraubilduug zu neuen Erwerbszweigen anzuregen, und dKhalb die ervMnte Versammlung einberufen hat; ferner ein Verdienst des Obmannes dieses Vereines, Baurathes Wilhelm Stiaßny, der mit zündenden Worten die Bedeutung der Errichtung einer Pflegerinnenan^alt der Versammlung nahe zu legen wußte, und in hohem Grade ein Verdienst der Frau Henriette Weiß, die ein Jahr ihres Lebens dem Studium derartiger Anstalten in Deutschland gewidmet, selbst die Dienste verrichtet, sich mit der ethischen und praktischen Mission der Pflegerinnen aufs Innigste vertraut gemacht hat und mit überzeugender Kraft die Nützlichkeit und Nothwendigkeit der Errichtung einer solchen Anstalt in Wien darzulegen wußte. Allein man muß gerechterweise, anerkennen, daß der Boden, auf den die Redner die Geisteskörner ihres Wissens ausstreuten und dies Pflänzchen der Nächstenliebe einzusenken bemüht waren, nicht blos ein wohlvorbereiteter, sondern auch ein höchst empfänglicher ist. Von allen Seiten kamen die Erklärungen, daß man zur Mitwirkung bereit sei, und Niemand verschloß sich der Auffassung, daß es sich dabei nicht um eine Wohlthätigkeitsaction, sondern um die Befriedigung eines unabweisbaren Bedürfnisses handelt. Jawohl, die Heranbildung jüdischer Pflegerinnen ist ein Bedürfniß. Wir entbehren sie im Spitale, wir entbehren sie im Hause, wir entbehren sie in der Armenpflege. Wir wollen jenen braven Frauen und Männern, die jetzt im Pflegedienst Verwendung finden, nicht nahetreten, sie sind gewiß von besten Absichten erfüllt. Aber sie sind weder entsprechend vorgebildet, noch haben sie die sociale Stellung, die Pfleger und Pflegerinnen haben sollen, noch vermögen sie aus eigener Kraft, ihre Stellung zu heben, ihr Wissen zu verbessern. Nur eine auf richtiger wissenschaftlicher und socialer Grundlage errichtete neue Institution vermag Pflegerinnen und Pfleger heranzubilden, die nicht blos Handlanger, Wächter oder bessere Dienstpersonen sind, sondern als Heilpersonen gelten, denen darum auch jene Achtung entgegengebracht'wird, deren ihr Dienst bedarf Die Heranbildung jüdischer Pflegerinnen ist ein Be-, dürfuiß im objectiven Sinne des Wortes, denn sie fehlen im Krankendienste, der ihrer nicht länger entrathen kann. Sie ist aber auch ein Bedürfniß im subjectiven Sinne, weil hiedurch meiner-Hroßeu-Zahl von-Persvüeu-ein' ebensv-lohnender als ehrenvoller Erwerb verschafft werden kann. Man muß, um sich von der Stellung der künftigen Pflegerinnen einen-richtigen Begriff zu machen, die Vorstellung von den Wärtern und Wärterinnen, die jetzt Mangels Anderer verwendet werden müssen, vollständig unterdrücken. Diesen Personen werden die künftigen Pfleger und Pflegerinnen in keiner Beziehung gleichen, nur wenn man etwa den aufopfernden Dienst der Damen im Sinne hat, die in Kriegsfällen fteiwillig Samariterdienste üben, kann man annähernd eine richtige Auffassung von der Stellung der Pflegerinnen haben. Ihr Wissen wird ein gründlich geschultes sein und zudem wird ihr Gehaben und Gebühren ein sorgfältig ausgebildetes sein. Wir brauchen solche Pflegerinnen jüdischen Glaubens, weil wir sie bisher noch nicht besitzen und weil man in Nothfällen zu Aushilfen seine Zuflucht nehmen muß, die mitunter sehr peinliche Consequenzen haben können. Es dürfte auch wohl Niemand an dem Vorhandensein des Bedürfnisses zweifeln. Wir verhehlen aber nicht, daß nach anderer Richtung hin Zweifel laut wurden. Man hat vorerst Bedenken geäußert, ob sich das geeignete Material finden werde, und dann hat man Befürchtungen ausgesprochen, daß die Kosten außer Verhältniß zum Erfolg stehen würden. Nach beiden Richtungen hin dürfen wir diese Zweifel als nicht begründet erklären. Was das Material anbelangt, so geben wir gerne zu, daß man nicht jedes beliebige Individuum zu einer Pflegerin machen kann. Wer den inneren Beruf nicht besitzt, kann niemals den äußeren voll erfassen und ausüben. Soll es bei uns nun keine Frauen und Mädchen geben, die diesen inneren Beruf haben? Man wendet ein, daß sie ihn bisher nicht kundgegeben haben. Allerdings — aber sie haben nicht nur keine Gelegenheit gehabt, sondern man hatte ja bisher auch keine richtige Vorstellung weder von der idealen, noch

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