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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-22 · 12 (22.3.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
12 (22.3.1901)
Date
1901-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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fix. 13 Br» Bluch's Wochenschrifr. Seite 199 gegen die Wiener Israelitische Allianz eingeleiteten, mit den niedrigsten Waffen unehrlichster Journalistik geführten Campagne zu lüften, hat die Herrschaften Plötzlich aufgescheucht, daß sie vor Wuth blind um sich schlagen und das Jnquisitionstribunal der Partei gegen mich einberusen. Daß den Enthüllungen der „Oesterr. Wochenschrift", welche init Röntgenftrahlen in die geheimen Triebfedern aller Acteure, welche der zionistischen Führung sich bemächtigten, hineinleuchten, mit einem energischen Dementi zu begegnen versucht wird, überrascht mich nicht, irritirt mich auch nicht im Geringsten. Es genügt, an das Anerbieten der Redaction der „Oesterr. Wochenschrift" zu erinnern, für die veröffentlichten Mittheilunngen den Wahrheitsbeweis — vor jedem Forum zu erbringen. Das zionistische Amtsblatt publicirt selbstverständlich die Erklärung: „Es ist Alles nicht wahr". Nur über die Stellung des Herrn Professor Dr. Kellner innerhalb der Redaction der „Welt" wird sonderbarerweise ein klares Wort vermieden. Selbst die Berichtigung erklärt nur: „Es ist unwahr, daß ich Redacteur des zionistischen Amtsblattes (will wohl heißen der „Welt") bin". Sie ergänzt und begründet dieses Dementi mit der Erklärung: „Daß seit October 1900 der derzeitige verantwortliche Redacteur die Redaction leitet, auf die ich nicht den geringsten Einfluß nehme." Wer aber war der eigentliche bestellte Redacteur der „Welt" bis Ende October vorigen Jahres, wer hat bis dahin auf die Redaction den maßgebenden Einfluß genommen? Warum erklärt Herr Professor Leon Kellner nicht einfach klipp und klar: „Ich war niemals Redacteur der „Welt" und habe auf dieses Blatt niemals einen Einfluß genommen!! Sein Dementi zeichnete sich ja sonst durch eine Kühnheit im Ableugnen aus. Warum wagt er nicht die Behauptung, daß er mit der Redactiou der „Welt" niemals etwas zu schaffen hatte? Er wagt das nicht, weil es ein aller Welt bekanntes Grheimniß bildete, daß Herr Professor Leon Kellner die Redaction der „Welt" leitet, weil es ein Geheimniß war, welches Herr Professor Leon Kellner selber allen Leuten im Vertrauen zugeflüstert. Man nahm die Thatsache ohne Kritik als gegeben an, wenn auch als „Sitzredacteur" -ine andere Person vorgeschoben war. Ob aber Derjenige, welcher bis Ende October das aggressive Kampforgan der Partei selbst geleitet hat, moralisch noch berechtigt erscheint, zu erklären, daß er nicht „journalistischer Wortführer" der Partei ist, das überlassen wir getrost der Beurtheilung einer unbefangenen Oeffentlichkeit. Seit je hat das officielle Organ der Zionisten alle Gegner mit brutalen Insulten, mit persönlichen ehrenrührigen Insinuationen verfolgt, uüt allen Mitteln des Terrorismus, der Einschüchterung und Verhetzung gearbeitet. Der Ton, in welchen dieses Organ verfallen war bei seinen Angriffen gegen die Cultusgemeinde, ihre Vorsteher und Functionäre, hat selbst m christlichen Kreisen, bei behördlichen Personen peinliches Befremden erregt und nun will der Redacteur eines solchen Blattes erklären, daß er „überhaupt der politischen und agitatorischen Seite der zionistischen Bewegung fernstehe in' immer ferngestanden habe." ^Jch bin kein Politiker." Warum Herr Kellner plötzlich das dringende Bedürsniß empfindet, den Politiker auszuziehen, und „einen öffentlichkeilsscheuen" Menschen anzulegen, erläutert er selber: „Herr von Gutmann wird es bestätigen — wenn mein Wort einer Bestätigung bedarf — daß nicht ich, sondern ein anderer unserer Gesinnungsgenossen für den zu „ergatternden" Posten ausersehen und vorgeschlagen war, und daß meine entsetzliche Streberperson erst im letzten Momente, als der in Aussicht genommene Herr plötzlich zurücktrat, verständigt wurde, es handle sich darum, euren zionistischen Vertrauensmann ins Curatoriunr zu entsenden." Gegenüber den etwaigen Gelüsten genialer Dementirungskünstler constatiren wir, daß diese Erklärung aus der Feder des Herrn Professor Dr. Leon Kellner selber stammt, in Nr. 10, S. 6, Sp. 1 der „Welt" zu lesen ist, und daß das autoritäre Zeugniß des Herrn von Gutmann für die Richtigkeit dieser Enthüllung angerufen wird. Also ehandelte sich nicht darum, für die Stiftung selber eine neue Kraft zu gewinnen, zur Förderung ihrer Zwr cke oder der Verwaltung ein Mitglied zu cooptiren. Vielmehr galt es nach den eigenen nunmehr wohl undementirbaren Wortendes Herrn Professor Leon Kellner, lediglich einen zionistischen Vertrauensmann ins Curatorium zu entsenden. Eine mit Vorbedacht gewählte Ausdrucksweise null vor der Oeffentlichkeit den Schein erwecken, daß die Cooptirung in diesem Falle nur eine Formalität bildet, denn in Wahrheit ist es Herr H e r z l, der seinen „Vertrauensmann ins Curatorium entsendet." Das ist aber nichts Geringeres als eine Felonie und Treulosigkeit gegenüber den bekannten Intentionen des verewigten Stifters, dessen Anschauungen über die Partei des „politischen Zionismus" Herrn Dr. Herzl nicht minder als aller Welt bekannt sein dürfte und der überdies wiederholt mit einer Klarheit und Deutlichkeit, welche jeder Jnterpretirungskünstelei spottet, seinen Willen kundgegeben hat, Politiker aller Art und jeglicher Sorte von der Stiftung fernzuhalten. Die verehrten Mitglieder des großen Curatoriums, welchen der verewigte Baron Hirsch seine Stiftung anvertraut hat, sind nun einmal durch die Pflicht der Treue gebunden, bei allen Maßnahmen und Entschlüssen darauf sorgsam zu achten, die Intentionen des verewigten Stifters auszuführen und nicht ihnen zuwiderzuhandeln; sie sind somit nicht in jener Lage souveräner Beschlußfassung, wie etwa die Vorstandsmitglieder der Israelitischen Allianz, welche ihre Maßnahmen lediglich vor einer Generalversammlung zu rechtfertigen haben. Hier handelt es sich um eine Frage der Opportunität, des guten Geschmackes und der persönlichen Ehre, dort aber soll eine crasse Verletzung der Treueverübt werben gegenüber einem Verstorbenen, der sich selber nicht mehr wehren kann, zu dessen Schutz nicht etwa allein die Organe der öffentlichen Meinung berufen und verpflichtet sind, sondern Jedermann, der Gelegenheit findet, das öffentliche Wort zu führen in Versammlungen oder in Journalen. „Und hat dich nur erst Einer, so hat dich auch die ganze „Welt" — schreit der verzweifelte Valentin seiner armen Schwester, dem gesunkenen Gretchen, ins Gesicht. Deswegen will nunmehr Herr Professor Leon Kellner an seine nützliche Thätigkeit als Chefredacleur der „Welt" und als journalistischer Wortführer des politischen Zionismus sich gar nicht oder nur sehr schwer erinnern. Offenbar ist ihm Max Nordau hierin einigerinaßen Vorbild geworben. Noch 1896 ließ Max Nordau in seinem Buche „Entartung" die obcitirte ganz merkwürdige Frage drucken: „Ist er denn wahr, daß unsere heutige Moral mit ihren Begriffen von Gut und Böse eine Erfindung der Juden sei?' — und kaum war ein Jahr im Strome der Zeit dahingerauscht, sehen wir denselben Herrn Nordau als Präsidenten des ersten Baseler Congresses, als Führer in Israel das große Wort an die anwesenden Rabbinen richten und ein strenges Strafgericht halten über Alle, welche der neuen Monistischen Heilslehre nicht gläubig folgen. Da hören wir den „großen Geist", der noch ganz kurz vorher die Moral des Judenthums verhöhnte und als Gottes- und Religionsverächter uns den Rath e rtheilte. confessionslos zu werden, ganz kurz darauf das Judeurhum der Propheten, und das Jubenlyum des Talmud, eines Rabbi Hillel und Maimonides, preisen! An dieselbe Geschwindigkeit in der Geistesverwandlung erinnert der Jünger Nordau's, Herr Professor Leon Kellner, welcher bis October 1900 als Redacteur und geistiger Leiter de- Kampforganes des politischen Zionismus gewirkt hat und heute bereits in der Lage ist, zu erklären: „Ich bin kein Politiker". Wahrlich, da könnten doch diese Herren der „Welt" dem Verwandlungskünstler Fregoli erfolgreich Concurrenz machen! Herr Leon Kellner, welcher seinerzeit zwcckbewußt und absichtsvoll die Redaction der „Welt" übernommen, um den Kampf schärfer als biS dahin zu führen gegen Alle, welche dem Judenthum in seiner bisherigen Form und Auffassung treu bleiben, sollte nicht gar so emjetzt thun über die ihm gewiß peinliche Jndiscreuon, welche seinefrischgewaschene Unschuld ihres Bademantels entledigte. Wie etwa eine starkabgebrauchte „naive Unschuld" mit der Frage: „ich weiß ja nicht, was der Herr von mir will", einen ähnlichen Eindruck erzielt Herr Professor Kellner mit der Klage: „Ich kenne Herrn Dr. Hoffmann gar nicht, weiß nicht, was er von mir will." Diese Naivetät des Redacteurs der „Welt" (bis October 1900) ist schlecht gespielt; er weiß zu gut, daß es sich nicht um ihn, um seine Person, die hier vollständig gleichgiltig ist, sondern darum handelt, um ein kostbares Bermächtniß eines edlen Philanthropen vor Zerstörung und Verwüstung zu bewahren. Herr Professor Kellner, ich kämpfe nicht gegen Personen, ich kämpfe für die Sache. Anders allerdings meine Gegner. Alle meine schwere» Anklagen, welche ich in einer Reihe von Artikeln gegen Nordau und Herzl als Führer in Israel erhoben, aber auch unwiderleglich dahin begründet habe, daß die Politik Nordau's und Herzl's gerade so wie die unseligen Verirrungen der Assimilation zur E n t j u d u n g, zum ch r l st-

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