Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sir. 11 Ar» Bloch's WvchrnfchrifL Seite 187 des Judenthums, Lessen Entscheidungen in allen religiösen Fragen die Gemeinden Israels von Nah und Fern sich unterwarfen. In seiner Anerkennung und Werthschätzung war Alles einig, kannte man ebenso wenig Parteiunterschiede, wie er selbst auch niemals seinen Ehrgeiz darein setzte, Trennungen und Spaltungen zwischen Juden heraufzubeschwören. Mit einem wahrhaft prophetischen Geiste begabt, erschaute er im Vorhinein die unheilvollen Folgen des Parteihaders. Die Einheit und Einigkeit dem Judenthume zu erhalten, war das höchste Ziel seines Strebens. Der Geist dieses Mannes und seines würdigen Sohnes möge allezeit über diesem Lehrhause leuchten. Reicher Beifall folgte diesen Ausführungen. Redner und Obmann wurden allerseits beglückwünscht. Das neugegründete Beth-Hamidrasch sei hiemit allen lernbeflissenen Kreisen aufs Wärmste empfohlen. Mögen sich auch zahlreiche Gönner finden, welche es durch regelmäßige Beiträge oder einmalige Zuwendungen fördern. Lehrvorträge finden alltäglich nach dem Morgengottesdienste zwischen V«9 bis 10 Uhr und Abends von 6 bis 8 Uhr statt. Herr Rabbiner Meiersohn hält zweimal wöchentlich, und zwar Sonntags und Donnerstags Abends, zwischen 1(27 bis 8 Uhr Bortrag. Zur Ritualmordlüge. Die Wiener Blätter brachten Mittheilungen über die Abenteuer des zweieinhalbjährigen Knaben Gottfried Löffelm a n n, welcher, während seine Mutter sich für kurze Z:it entfernt hatte, von einer unbekannten Frau auf der Tramway entführt und kürzlich bei der Gemüsehändlerin Theresia Brandsilber in Mährisch-Ostrau entdeckt wurde. Die Erhebungen haben ergeben, daß die Entführerin des Kindes die wegen Verbrechens des Diebstahls vom Bezirksgerichte Mistek steckbrieflich verfolgte Aloisia Marek, 42 Jahre alt, ist. Die Ausforschung derselben wurde eingeleitet. Einige Wiener Ritualmord-Organe, vor Allem diesmal die „Ostdeutsche Rundschau", haben es versucht, aus diesem Falle für ihre alberne und volksverdummende Märcheufabrication Capital zu schlagen; sie haben auch diesmal Pech gehabt. Es ist zweifellos, daß die steckbrieflich verfolgte, gut „arische" Diebin Aloisia Marek mit der Entführung des kleinen Löffelmann ganz andere Zwecke verfolgte, als ihm Blut abzuzapfen. Die Nichtigkeitsbeschwerde im Hilsner-Proceß. Der Oberste Gerichtshof hat über die Nichtigkeitsbeschwerde des Dr. Zdenko Auredniczek in dem Processe gegen Leopold H ilsner gegen das Urtheil des Schwurgerichtes von Pisek die Durchführung der mündlichen Cassationsverhandlung für den 23. April angeordnet. Den Vorsitz in der Verhandlung wird der erste Präsident Freiherr von H a b i e t i n e k führen. Die Generalprocuratur vertritt Generaladvocat Hofrath Dr. Lorenz. Aus Köuiggrätz wird uns geschrieben: Der hiesige Bischof Dr. B r y n y ch hat beim Schöffengericht in Mainz gegen die verantwortlichen Redacteure der Frankfurter „Kleinen Presse" und der Wiesbadner Zeitung „Der Freidenker" eine Berleumdungsklage eingebracht, die folgende, mit dem Hilsner-Proceß zusammenhängende Vorgeschichte hat: In einigen reichsdeutschen Zeitungen, darunter in den genannten Blättern, erschienen vor kurzer Zeit Artikel, die den Polna er Mord behandelten. Unter Anderem wurde in den Artikeln ausgeführt, daß der Bischof von Köuiggrätz, Dr. Brynych von der Kanzel herab gepredigt habe, es liege im Falle Polna ein erwiesener Ritualmord vor. Dr. Brynych beauftragte den Centrumsabgeordneten Dr. Schmitz in Mainz, gegen die erwähnten zwei Blätter Strafantrag zu stellen. Die Klage, welche vergangenen Samstag beim Schöffengericht in Mainz eingebracht wurde, enthält wörtlich folgende Stellen: Der Privatkläger ist seit dem Jahre 1894 in der Kirche von Polna überhaupt nicht gewesen, und hat weder in Polna, noch in Königgrätz über den Ritualmord gepredigt. Die Beschuldigung gegen das Judenthum, als ob in seinem Ritus irgendwelche Vorschriften bestünden, welche den Gebrauch von Christenblut verlangen, ist seit jeher von den Juden bestritten worden, ist von hohen Autoritäten der Wissenschaft und den höchsten Würdenträgern der katholischen Kirche als unwahr bezeichnet worden. Sicherlich hat noch Niemand eine Vorschrift des jüdischen Ritus Nachweisen können, in der auch nur die geringste Andeutung für das Vorhandensein eines solchen barbarischen Gebrauches gefunden werden könnte. Die Klage führt dann weiter aus. daß die Beleidigung, die in der Insinuation liegt, ein katholischer Bischof könne eine derartige Aeußerung gethan haben, eine schwere ist, da er damit die ihm anvertraute u Gläubigen in bewußter Weise täuschen und Bürger gegen Bürger aufreizen würde, was eine abscheuliche Handlung wäre. Andrychau. Am 28. Februar l. I. feierte der Chewra- Kadischa-Verein zu Andrychau sein 50jähriges Jubiläum, welches nachstehenden Verlauf nahm. Um 2 Uhr Vormittags erschienen die Vereinsmitglieder, eine Deputation aus Wadowice und mehrere Gemeindegenoffen in der Synagoge, um einem feierliche:. Gottesdienste, welcher mit einer Ansprache seitens Sr. Ehrwür).n des Herrn Dr. Ofias F r o st eingeleitet wurde, beizuwohneu; nach Beendigung desselben begaben sich fast iämmtliche Anwesenden auf den Friedhof, wo sie der Vereinspräsi^ent Herr Ferdinand S tamb er ger in der Vorhalle begrüßte, die Namen der Gründer der Chewra- Kadischa vorlas und seine Ansprache mit dem Wunsche schloß, daß die Anwesenden und Gemeindegenossen in 25 Jahren diesen Tag wieder feierlich begehen können. Se. Ehrwürden Dr. Frost schilderte nun trefflich die Thätigkeit der Chewra-Kadischa während des vergangenen halben Jahrhunderts, worauf Rabbinatsvertreter Abba Mahner' in warmen Worten betonte, welche Erinnerungen der heutige Tag bei sämmtlichen Gemeindegenossen wachruft. Nach dem um die Friedhofsmauer mit den üblichen Gebeten stattgefundenen Umzuge wurde auf dem Friedhofe für sämmtliche dortselbst ruhenden Chewra-Kadischa-Gründer, deren Mitglieder und alle Dahingeschiedenen das EI mule Rachamim gebetet. Um 7 Uhr Abends versammelten sich sowohl die Vereins - Mitglieder als auch der Cultusvorstaud im Hause des Vereins- Präsidenten zu einem Brudermahle. Während der Tafel erhob der Cultusvorsteher Herr Julius Israeli das Glas auf das Wohl Seiner Majestät unseres Kaisers, und sämmtliche Anwesenden stimmten ein dreimaliges Hoch an; hierauf toastirte Herr Rabbiner Dr. Frost auf das Wohl und Gedeihen des Vereines und seines verdienstvollen Präsidenten. Nun las der Bereinspräfideat Herr Ferdinand Stamberger die Namen der edlen, in weiter Ferne wohnenden und ihrer Heimatsgemeinde doch gedenkenden Spender, durch welche es nur möglich wird, die nothwendigen Reparaturen an der Friedhofsmauer vorzunehmen und einen eventuell sich noch ergebenden Rest zum Malen des Tempels zu verwenden, — und erhob das Glas auf das Wohl derselben. Das Vereinsmitglied Herr Heinrich Schnitzer hielt einen Vortrag über die Thätigkeit der Chewra-Kadischa, worauf eine sehr treffliche Tischrede des Cultusvorstehers Herrn Israeli folgte, in welcher derselbe volle An'rkenuung der Wirksamkeit des Vereinspräsidenten zollte, sowie dessen Opferwilligkeit bei jedem Anlasse und sein Wohlwollen für das Gedeihen des Vereines und der Gemeinde hervor hob. Schließlich toastirte noch Herr Dr. Stefan Landau auf das Wohl der Frau Präsidentin. Mit dankbarem Herzen empfing der Verein die aus der Fremde eingelangten Beträge und werden die hier angeführten Namen der Spender, sowie die Beträge im Ehrenbuche des Vereines eingetragen, und zwar: Herr Julius Unger, Drohobyö X 50. Herr Simon Pelzmann, Kenty X 20. Herr Samuel Hoppert, Michalkowitz L 4. Herr Josef Unger, Wien X 50. Herr Bernhard Janoschowitz, Waldenburg X 10. Herr Leopold Elsner. Freistadtl K 10. Herr Bernhard Vichtenhauser, Jablonitz K 20. Herr Max Reich, Wilkowiee K 6. Herr Josef Eberstark, Biala X 4. Herr Heinrich Lawner, Bielitz X 10. Herr Heinrich Rosenbaum, Biala X 3. Herr Moritz Vichtenhauser, Wien X 10. Herr Hermann Vichtenhauser, Wien X 10. Herr Pinkus Felix, Wien X io. Herr Edmund Klein, Wien X 50. Herr Samuel Pilzer, Saybusch X 10. Herr Samuel Schnitzer, Petrvwitz X 10. Herr Dr. Karl Bnizer, Bielitz X 100. Herr Joachim Vichtenhauser, Bielitz X 20. Herr David Vichtenhauser, Podwoloczyska X 6. Herr Josef Vetter. Großwardein X 20. Herr A. Dattner, Cranice X 3. Herr Heinrich Klappholz, Wien X10. Herr Dr. Jacob Ausländer, Czernowitz X 50. Herr Dr. Felix Steni, Nameszto X 10. Herr Simon Mittler, Makow X 5. Herr Josef Klappholz, Zwickau Mark 5. Herr Moritz Alexandrowicz, Budapest X 15. Herr Samuel Traubner, Wirbitz X 10. Herr Jacob Unger, Kapssvar