Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 10 (8.3.1901)
- Date
- 1901-03-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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«Me 176 Dr* Bloch's WochrnschrW» Nr. 10 eine regelmäßige Unterstützung angedeihen zu lasten. Wer die Verhältniffe auf den Jeschiboth kennt und weiß, mit welchen Schwierigkeiten unsere für die heilige Thora begeisterte Jugend zu kämpfen hat, der wird den Werth dieser Vereinigung zu würdigen wissen und denselben gewiß mit lebhafter Freude begrüßen. Im Interesse der heiligen Sache wäre es gelegen, den Verein durch Mitgliedsbeitritt zu fördern, zumal der Jahresbeitrag ein bescheidener ist. Die Leitung des Vereines ruht in bewährten Händen. Bei der jüngst stattgefundenen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Wilhelm Morgenstern, Obmann; Samuel Braun, Obmann- Stellvertreter; Moritz Lettner, Schriftführer; Ludwig Barkany, Schriftführer-Stellvertreter; Adolf Winkler, Cassier; Isidor Gelb, Cassier Stellvertreter; Jsaac Rosner, Sigmund Salzer. Controlore; Jakob Beckmann, Max Hosbauer, Adolf Friedmann, Berthold Samek, Ausschüsse. Auskunft ertheilen die Herren Wilhelm Morgenstern, ll., Große Pfarrgasse 7. und Jsaac Rosner, 11., Leopoldsgasse 31, wo auch Beitrittserklärungen entgegengenommen werden. Wien. Ein jüdisches Kind, WeraSchapira, macht Aufsehen als Pianistin. Schon im vorigen Jahre trat die Kleine — eine Schülerin Professor Richard Robert's — hier auf und erregte Staunen durch ihre musikalische und technische Sicherheit. Seither hat sie enorm viel zugelernt. Die durch eifrige und richtige Kunstübung noch wesentlich geförderte, erstaunliche Entwicklung der Sinne that das Uebrige So haben sich künstlerischer Besitz und die Fähigkeit, damtt zu schalten, gleichmäßig gesteigert. Nicht die Schnelligkeit und Unfehlbarkett, mit der die kleinen Finger über die Tasten eilen, mußten wir bewundern — dies ließe sich endlich mit Fleiß und Ausdauer erreichen - sondern die feinen Differcnzirungen der Klangstärke und -Farbe, die reizenden Modificationen des Zeitmaßes, diese eigentlichen Lebenselemente der Musik. Wollte man genaue Musik . . . diese lieferte ein mechanisches Musikwerk vollkommener als es je Joachim, Rubinstein oder Liszt zuwege geb acht hätten. Der Zauber liegt — ein ähnlicher Reiz, wie ihn die Handarbeit gegen die Maschinenarbeit aufweist — in der, man könnte sagen, gesetzmäßigen Ungenauigkeit, in der schönen Freiheit, mit der sich edelgeschwungene Tonlinien um ein unsichtbares, unhörbares, correctes Gerüste schlingen. Daher kommt es, daß man an der Art des An- und Abschwellens, des Bceilens und Zurückhaltend mehr, als an allem Anderen das echte Talent erkennt. Wera Schapira ist in diesen Dingen von unbewußter, glückseliger Sicherheit. Dazu besitzt sie die seltsame Gabe, dem klanglich ziemlich einseitigen Clavier viele Farben und diese wieder in zahlreichen Abstufungen abzugewinnen. Sie versteht, ihr Clavier zu instrnmentiren. Alles zusammengenommen, ein ungewöhnlicher, merkwürdiger Anfang. Hoffentlich ist die weitere Entwicklung auch ungewöhnlich und wird aus der kleinen eine große Künstlerin. LVien. (Charits-Concert.) Der humanitäre Frauen- Krankenverein »Charite" veranstaltete am 26. Februar anläßlich der 10jährigen Gründung des Vereines im Concertsaale Ronacher ein Festconcert, das einen glänzenden Verlaus nahm. Der Saal war bis auf das letzte Plätzchen von einem distinguirten Publicum gefüllt. Den Reigen der Borträge eröffnete mit der brillant gespielten »Oberon"-Ouverture in Liszt'scher Bearbeitung Herr Roderich Baß, welcher auch Gelegenheit hatte, mit einem reizenden Walzer eigener Composition sehr zu gefallen. Lebhaft acäamirt wurde Hofopernsängerin Fräulein Lotte Kusmitsch. Die Künstlerin, welche Herr Leo Ascher sehr discret und feinfühlig begleitete, sang Lieder von Horn und Hofmann und mußte durch Zugaben für den rauschenden Beifall danken. Der jugendliche Violin-Birtuose Herr Heinrich Fiedler spielte, von seiner Schwester. Gisela hübsch begleitet, mit großer Verve und Sicherheit mehrere mit großem Beifalle aufgenommene Violinpiöcen. Der emer. k. k. Hofopernsänger Herr Max Garrison, den ebenfalls Herr Ascher verständnißvoll accompagnirte, sang mit prächtiger Stimme den Prolog aus dem »Bajazzo" und Valentins Gebet aus »Faust". Das Bachrich-Quartett, das stets eine animirte Stimmung im Audüorium hervorruft, sowie das rühmlichst bekannte Koschat- Qmntett beschlossen das reichhaltige Programm. Der überaus gelungene Abend gehört wohl zu den glänzendsten Veranstaltungen dieses Vereines, und es wäre zu wünschen, daß dem Vereine neben dem. moralischen auch ein ansehnlicher materieller Erfolg zutheil geworden wäre. Austerlitz. In Men hat sich am Donnerstag den 28. v. M. der Polizeiarzt von Ottakring Herr Dr. Karl Prager mit Fräulein Luise Strach, Tochter des allgemein verehrten und beliebten Cultusvorstehers Herrn Josef Strach von hier, verlobt. Lemberg. (Eine K l o st e r - A f f a i r e.) Frau Anna Lozinska hatte sich hier am 26. Februar wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu verantworten, weil sie das elfjährige Judenmädchen Golda Reysler gewaltsam entführte, um es gegen den Wille» seiner'Eltern in ein Kloster zu bringen und es daselbst taufen zu lassen. Auf Grund des Berdictes der Geschwornen wurde die Angeklagte zu drei Jahren schweren, mit Fasten verschärften Kerkers verurtheilt. Prag. (Dr. Friedrich Duschenes.) Herr kaiserl. Rath Philipp Falkowiez hielt kürzlich im Centralverein jüdischer Angelegenheiten dem Andenken des jüngst verstorbenen Advocaten Dr. Friedrich Duschenes, welcher Jahre hindurch ein eifriger Mitarbeiter des Vereines, den er hervorgerufen, war, einen geistvollen und tiefempfundenen Nachruf. Nach einer kurzen Biographie des Verstorbenen schilderte er den Arbeitswillen und die Arbeitsfähigkeit des Mannes und seine Individualität. »Durch Mühe und Noth hat er sich auf die höchste Stufe des hier entwickelten Arbeitsbegriffes emporgerungen, hat den Kampf ums Dasein ausgenommen und siegreich bestanden. Er arbeitete wie jeder rechtschaffene Staatsbürger, um sich und seine Familie zu erhalten, doch war er nächstdem vom Bewußtsein erfüllt, daß man in Gemeinschaft von Menschen auch die Aufgabe hat, zur Erhaltung des Ganzen beizuttagen." Darauf wies er auf die Verdienste hin, welche sich Dr. Duschenes als Jurist durch Herausgabe des Oesterreichischen Rechtslexikons, nicht weniger aber als Mensch durch sein Wirken im Bezirksschulräte und als Mitglied der Prager israel. Cultusgemeinde erworben hat. Er betonte den mustergiltigen Fleiß und sittlichen Ernst, mit welchem sich der Verstorbene, ohne sich Rast noch Ruhe zu gönnen, mit all' seinen Kräften der Arbeit zum Besten der Gesammtheit hingab, ohne für sich selbst ein Bedürfniß, einen Wunsch übrig zu haben, den eisernen Willen, mit welchem Dr. Duschenes lange Jahre hindurch einem qualvollen Leiden Widerstand geleistet, bis ihn der Tod, inmitten der anstrengendsten geistigen Arbeit, dahingerafft. An diese Skizze knüpfte der Vortragende eine Betrachtung über Leben, Welt und Einigkeit, und schloß seinen Nachruf mit den Worten: »Gönnt ihm die Ruh! Er ruhe sanft!" Die zahlreichen Anwesenden, Damen und Herren, ehrten das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Holt cs. Herr Leopold Gerber, der schon seit mehr als einem Dccenniüm an der Spitze der hiesigen Chewra-Kadischa als Obmann steht wurde in der im Jänner laufenden Jahres stattgehabten Gemeindewahl einstimmig zum Vorsteher der Cultusgemeinde gewählt: Aus diesem Anlasie veranstalteten die Freunde und Verehrer des Genannten am 26. Februar a. c. in den Gasthaus-Localitäten des Herrn Jofef Winterstern ein glänzendes Bankett, an welchem sich die Elite sowohl der Cultusals auch Obö^ra-Ladisolla-Mitglieder betheiligten. Als der Gefeierte, der von einer aus angesehenen Religionsgenossen bestehenden Deputation abgeholt wurde, den Festsaal betrat, wurde er von den hier seiner harrenden Gästen mit freudigen Eljen-Rufen begrüßt und unter allgemeiner Beglückwünschung an seinen Ehrenplatz geleitet. Da Herr Gerber vorläufig auch die Agenden der Chewra- Kadischa weiterführt, so wurde er in den zahlreichen Toasten, die während des Mahles ausgebracht wurden, in beiden Eigenschaften als Obmann der Oüönra-Ladiseüa und als Cultusvorsteher gefeiert. Doch beredter als alle Lobeshymnen, die in den Trinksprücheu erklangen, sprechen die Thaten dieses biederen Mannes, der sich durch scrupulöse Pflichterfüllung während der Ausübung seines verantwortungsschweren Amtes die allgemeine Achtung seiner Mitbürger und durch seinen unbescholtenen Charatter, durch seine Leutseligkeit die Sympathie seiner Mitmenschen zu erwerben wußte. Die Gemeinde ist berechtigt zu der Hoffnung, daß unter der Lettung dieses Mannes das allgemeine Wohl, nicht minder die culturellen und humanitären Anstalten blühen und gedeihen werden. Der Gefeierte dantte mit vor Rührung bebender Stimme für die ihm dargebrachten Ovationen und versprach, das Wohl der Gemeinde am Herzen zu tragen. Im Laufe des Abends wurde auch auf den gewesenen Vorsteher, Herrn Adolf Hecht, sowie auf alle hervorragenden Mitglieder der Gemeinde toastirt. Die Gesellschaft blieb bis spät nach Mitternacht beisammen und verließ in gehobener Stimmung den Festsaal. Berlin. (Zur Affaire llbao.) Aus Madrid wird der »Vossischen Zeitung" berichtet: Zum großen Leidwesen der Jesuiten hat Fräulein Ubao in Folge der liebevollen Aufnahme durch ihre Familie und angesichts der Krankheit ihrer Mutter ihre Anklage auf Mißhandlung zurückgezogen. Ein Bruder von ihr theilte einem Berichterstatter mit,. Anfangs fei seine Schwester im Kloster terrorisirt gewesen; die 'Nonnen hätten ihr gesagt, die Familie würde sie nach Rußland bringen und dort im Schnee zurücklaffen, wo sie von wilden Thieren würde aufgefreffen werden. Jetzt beginnt sie, zur Besinnung zurückzukehren. In Alicante und anderen Städten haben Eltern angesichts des Spruches des Obergerichtes minderjährige Töchter, die sich im Kloster befinden, von den Nonnen zurückgefordert. Paris. (Ehrenbeleidigung.) Der Appellgerichtshof bestätigte das Urtheil des Zuchtpolizei-Gerichtes, welches den Leiter der »Libre Parole", Drumont, und einen Redacteur dieses Blattes wegen Beleidigung des Barons Heinrich Rothschild zu 20.060 Francs Schadenersatz verurtheilt hatte.