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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 174 Br. Vloch's WochrnfchrM- Nr.io Effegg. Unsere Wochenschrift bringt auf Seite 120 des Heftes Nummer 7 vom 15. Februar 1901 unter vorstehender Marke eine Notiz aus Effegg, welche zwei Officieren des Infanterie-Regiments Ritter v. Gradl Nr. 78 eine uncorrecte Handlungsweise zur Last legt. Zur Ehre der Wahrheit und auch gerne bereit, die Unrichtigkeit der uns gewordenen Information festzustellen, constatiren wir hiemit: Es ist unwahr, daß zwei Officiere, das Caf6 Corso in Effegg am 1. Februar betretend, den anwesenden Gästen zugerufen hätten: „Da befinden sich lauter Saujuden"; demnach auch unwahr, daß der Cafetier Herr Goldschmidt zwei Officiere zurechtwies. Es ist unwahr, daß der Cafätier oder sonst Jemand den Officieren die Bedienung verweigert hätte, nnd ebenso unwahr, daß irgend wer die Offeriere aus dem Locale geschafft hätte. Nachdem sich also der in Nummer 7 unserer Wochenschrift geschilderte Vorfall thatsachlich nicht abgespielt hat, ist es selbstverständlich, daß Niemand in Effegg Gelegenheit hatte, eine solche Handlungsweise der Officiere zu verurtheilen. Wir bedauern, daß unser Blatt, durch eine falsche Information verleitet, der Ehre vorgenannter Officiere nahegetreten ist, und bitten dieselben, unsere Richtigstellung als Entschuldigung anzunehmen. Der uns unterlaufene Jrrthum verdient umsomehr entschuldigt zu werden, als unser verantwortlicher Redacteur von der Essegger Notiz erst nach dem Erscheinen des Heftes Nummer 7 Kenntniß erhielt. Sillein. Die Silleiner Chewra-Kadischa hielt am 26. Fe« bruar, am Saiin Adar, ihre ordentliche Generalversammlung ab, in welcher nach Erledigung des Rechenschaftsberichtes einige neue Mitglieder ausgenommen wurden. Vorher versammelten sich die Mitglieder in der hell erleuchteten Synagoge zum Nachmittags-Gottesdienste. Nach Beendigung des Minchagebetes bestieg Se. Ehrwürden^Herr Dr. D. Friedmann die schwarz umhüllte Kanzel und hielt einen Hesped über diejenigen im verflossenen Jahre Dahingeschiedenen, die sich um das Judenthum Verdienste erworben hatten. Deren Leben in der schwungvoll gehaltenen Rede geschildert wurde, sind folgende: Herr Meir Tauber, Rabbiner zu Neustadt; Herr Dr. Rudolf Goldberg, Rabbiner zu Ofen; Herr Isaak Rabbinowitz, Schriftsteller in New-Aork; Herr S. Halberstamm, Privatgelehrter zu Bielitz; Herr Dr. Isaak Wise, Rector des Seminars zu Cincinnati; Herr Baron Wilhelm Rothschild in Frankfurt am Main; Herr Sigmund Rosenfeld. Gönner der jüdischen Arbetter in Wien; Herr Dr. Ludwig Ritter v. Gutmann in Wien. Die Predigt, die reich an biblischen und midraschischen Citaten war, übte auf alle Anwesenden eine erhebende und erbauende Wirkung aus. Magdeburg. Mit der Blutthat von Polna hatte sich am 1. März die Magdeburger Strafkammer zu befassen. Gleich anderen antisemitischen Blättern hatte auch die dort erscheinende „Sachsenschau" ihren Lesern vorerzählt, daß der Mord in Polna unzweifelhaft ein Ritualmord sei, daß der Schlächter Moritz Kurzweil in Wien damit in Verbindung stehe, denn es sei nachgewiesen, daß Kurzweil nach dem Morde ein Packet Blutkügelchen an den Rabbiner Goldberger gesandt habe u. s. w. Die Colportage dieser Räubergeschichte kam dem verantwortlichen Redacteur des obgenannten antisemitischen Blattes, Carl Faßhauer theuer zu stehen, denn in Folge des Strafantrages des beleidigten Herrn Kurzweil verurtheilte ihn die Strafkammer zu 400 Mk. Geldstrafe. Der Angeklagte hatte gar nicht den Versuch gemacht, den Beweis der Wahrheit anzutreten, sondern nur versichert, er habe Kurzweil nicht beleidigen wollen. Jüdisches Leben in Florenz. Wochenlang hatte ich Zeit, während ich in Florenz weilte, mich für die Schönheiten dieser in ihrer Art einzigen Stadt zu begeistern, Natur und Kunst, die hier in seltenem Verein sind, oitf mich einwirken zu lasten. Zu den vielen Sehenswürdigkeiten der ehemaligen toscanischen Hauptstadt zählt auch der israelitische Tempel; man nennt ihn einen der schönsten Europas, er ist in maurischem Stil gehalten, mit vielen geschmackvollen, trefflich abgetönten Ornamenten versehen; seine schlanke, graciöse Kuppel überragt die umliegenden Thürme und Palazzos. Der Tempel hat eine Orgel, aber der Gottesdienst wird sonst streng nach altem Ritus gehalten; der „Chasan" betet mit dem Gebetmantel über dem Kopf, die Predigten des Dr. Margulies, eines geborenen Oesterreichers, der seit 15 Jahren seines Amtes waltet, sind gut besucht; die Florentiner sagen, man müsse Dr. Margulies gehört haben, um zu wissen, was eine gediegene Predigt bedeutet. Den Mittheiluugen dieses um die Florentiner jüdische Gemeinde hochverdienten Gelehrten verdanke ich einige Nachrichten über die Verhältnisse der hiesigen Juden. Unwillkürlich vergleicht man, wie es diesen hier zu Lande geht, mit all den Chicanen, Anfechtungen, Hintansetzungen, denen unsere Glaubensbrüder im hochcivilisirten Deutschland ausgesetzt sind. Von Antisemitismus hier auch nicht die leiseste Spur. Die rechte Hand des Bürgermeisters, der Polizei-Präfect, der hier als Vice- Bürgermeister angesehen wird, ist ein Jude, sein Sous-Präfect ein Jude, — der Präses des Unterrichts-Ministeriums ein Jude. Die hiesige israelitische Gemeinde hat mehr als 30 Millionäre; angesehene Juden sind in den Grafen st and erhoben worden, sind hoffähig, bekleiden die höchsten Staatsämter,, zeichnen sich durch große Wohlthätigkeitsacte aus. Aber auch die Minderbegüterten bekunden einen anerkennenswerthen Wohlthätigkeitssinn. Arme Juden gibt es hier wenig; sie werden ausgiebig unterstützt, verfallen nie dem Bettel, der sich in den Straßen Florenz in einer dem Fremden so belästigenden Weise bemerklich macht. — Erst unlängst spendete eine Florentiner Dame 300.000 Lire zum Bau eines jüdischen Waisenhauses; der Tempel, der übereine Million Lire kostete, ist durch die Spende eines einzigen Mannes, der'in jungen Jahren zu den Aermsten der Armen zählte und sich durch eisernen Fleiß zum Millionär emporgearbeitet hat, ermöglicht worden. Jetzt geht Dr. Margulies, der die Seele aller dem Wohl seiner Glaubensgenossen dienenden Einrichtungen ist, daran, ein jüdisches Waisenhaus, dasverwaiste Kinder aus ganz Italien aufnehmen soll, zu gründen; auch das seit Jahren errichtete Rabbiner-Seminar ist sein Werk; interessant ist es, zu sehen, in welchen Räumen dieses Rabbiner-Seminar domicilirt. Man hat einen alten Palazzo gemiethet, in dem Alles an längst vergangene Herrlichkeit gemahnt. Hier, umweht von dem Geist, der Italien einst groß gemacht, studieren die jungen Leute und bereiten sich für ihren Beruf als Seelsorger vor. Die hiesige jüdische Gemeinde ist reich; sie kann sich den Luxus eines Palazzo als Seminar gönnen. Viel vermögende Juden aus aller Herrn Länder haben sich in Florenz niedergelassen, viel Deutsche, Russen, die glücklich sind, hier nichts von dem daheim wüthenden Nationalitäten- und Religionshaß zu spüren, reiche Egypter, die hier im Paradiesisch schönen Klima die Früchte ihres Fleißes genießen. Einen dieser Herren, der in Wien eine zahlreiche Familie hat, fragte ich, warum er nicht lieber, als er sich zurückzog, Wien zum Domicil gewählt. „Wien?" sagte er. „Sind denn dort die Zustände derart, daß man, ohne Mißgunst zu erregen, als wohlhabender Jude auftreten kann? Ich habe mir sagen lassen, daß. die dortigen reichen Israeliten sich kaum gettauen, ihren Verhältnissen entsprechend zu leben, daß sie allerhand Hintansetzungen ertragen müssen, daß ihren Söhnen die Möglichkeit benommen ist, als Juden Carriöre zu machen. Hier sind wir gleichberechtigt, das bewog mich und sehr viele Andere, die leben können, wo sie wollen, uns hier niederzulassen." Unwillkürlich dachte ich, wieviel dem National-Bermögen wohl dadurch entzogen wird, daß die Reichen Orte meiden, in denen Racen- und Classenbaß wüthen; unsere unter allerhand Misören leidende Hauptstadt, in der es an rechtem Unternehmungsgeist fehlt, könnte gerade Leute brauchen, die die nöthigen Capitalien flüssig machen, um Schwung in das stagnirende Geschäftsleben zu bringen. Aber, werden sie Wien, so lange es noch die Stadt ist, in der man von Gleichberechtigung nichts wissen will, zum Domicil wählen? Wohl kaum. Hier in der schönen Arnostadt, blühendes Leben, Förderung alles Guten, ein eminenter Wohlthätigkeitssinn, der das Elend im Keime erstickt, ein Tempel, wie wir ihn in ganz Oesterreich nicht haben, eine Gemeinde, die sich in gesellschaftlicher, staatlicher und mercantiler Beziehung vollständiger Gleichberechtigung erfreut! Es ist doch schön, im schönen Land Italien zu leben, sich seiner Vorzüge, die es in socialer und ethischer Beziehung bietet, zu erfreuen. Jda Barber. Wien. (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Samstag den 9. d. M., präcise 8 Uhr Abends, findet in Khuner's Restaurant, I., Adlergasse 6, eine Bereinsverfammkung statt, in welcher der emer. Oberrabbiner Dr. Armand K a m i n k a einen Borttag über „Philo und das helleni stische Judenthum" halten wird. Gäste, auch Damen, herzlich willkommen.

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