Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 10 (8.3.1901)
- Date
- 1901-03-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Är. <10 dr. Bloch's Woürenfchrift. Seite 173 Rabbinats und unter Intervention des löblichen Cultusvorstandes trat nun ein vorbereitendes Comite zusammen, welches die einleitenden Schritte zum Jnslebentreten dieses Vereines besorgte. Es ist diesem Comitä gelungen, eine große Anzahl hochangesehener Männer für diesen Verein zu werben, und es findet nun die constituirende Gener all Versammlung kommenden Samstag den März, Abends 7 Uhr, im großen Sitzungssaale der CultusgemeindeWien I,Seitenstettengasse4, II. Stock, statt. Es ergeht nun an alle jene Eltern, denen daran gelegen ist, daß ihre Kinder in zweckentsprechender und feierlicher Weise einem Gottesdienste, und zwar bereits kommende Ostern beiwohnen können, der Aufruf, zu dieser Generalversammlung möglichst zahlreich zu erscheinen und diesem Vereine sohin auch als Mitglieder beizutreten, zumal der zu leistende Jahresbeitrag ein minimaler von nur K 3. — ist. Hochachtungsvoll für das vorbereitende ComitL des Vereines „Jugendandacht" Dr. Alexander K o h n. Wien. Am 26. Februar fand aus Anlaß des 40. Vereinsjahres des israelitischen Kranken-Unterflützungs-Vereines des IV. und V. Bezirkes in Wien in Diamant's Gasthaus, Margarethenplatz Nr. 7, eine erhebende Feier statt. Der Saal war in uneigennütziger Weise von unserem verehrten Mitglieds Herrn Adolf Löwy prachtvoll decorirt, eine Estrade mit exotischen Gewächsen und das Bildniß Sr. Majestät des Kaisers schmückten den Saal. Um 1/2d Uhr begann die Musik-Capelle eine Ouvertüre, und nachdem diese beendigt, begrüßte unser verehrter Obmann Herr Si ' on Spitzer in einer ergreifenden schwungvollen Rede die Ehrengäste und die Anwesenden. Das langjährige Ehrenmitglied Herr Jakob Fischer spendete aus diesem Anlasse LleLoäeseli für das Leker lore des Vereines und nun brachte der Obmann das erste Hoch auf unseren erhabenen Monarchen Kaiser Franz Josef aus, welches von allen Anwesenden mit Begeisterung ausgenommen wurde. Herr Adolf Hoffmann, Obmann des Tempelvereines, hielt eine schwungvolle Rede über die Zusammengehörigkeit des Judeuthums und Herr Franz Frankl trug ein selbst verfaßtes Gedicht vor. welches allgemeinen Beifall fand. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Reich hielt eine geistreiche Rede, und nachdem noch mehrere Redner die Feier des Tages besprochen, wurden bei festlichem Mahle Mischeberachs gemacht, die unser zweiter Cantor Basel machte und welche dem Vereine mehrere 100 Kronen an Spenden brachte. Die erhebende Feier war nun beendigt und man trennte sich mit dem allgemeinen Wunsche, rs möge jedes Jahr eine solche Festlichkeit veranstaltet werden. 4 Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Trotz des überaus ungünstigen Wetters war die Teilnahme an den beiden Excursionen am 2. d. M. eine sehr rege, und es ist dies neuerdings ein Beweis, wie sich die Mitglieder dieses Vereines jeder von seinem Vorstande inscenirten Äction mit Begeisterung anschließeu. Heute galt es ..das jüdische Museum", eine wahre Perle aller Wiener jüdischen Institutionen, zu besichtigen. Der rührige Schöpfer und Präsident Herr Baurath Wilhelm Stiaßny empfing den Verein in seiner bekannten liebenswürdigen Weise und erläuterte die Bestrebungen und Erfolge des jüdischen Museums in einem hochinteressanten und belehrenden Vortrage. Fast 1'/, Stunden verflossen und die Theilnehmer fühlten sich immer mehr gehoben, die Geschichte der wichtigsten vorgestellten Objecte zu hören. Die vom Architekten Max Fleischer angefertigteuKunstwerke der „H agada" erweckten das höchste Jntereffe. Zum Schluffe dankte der Leiter der Excursion Herr S. Brod dem überaus rührigen Präsidenten in warmen Worten, die in dem Satze ausklangen : Das Werk, das wir gesehen, es macht der Lebre und dem Meister Ehre." Mit einem dreimaugen Hoch auf die herrliche Schöpfung verließ der Verein das Museum. Auch im gewerblich-hygienischen Museum war der Empfang des Vereines von Seiten des k. k. Regierungsrathes und Gewerbe-Ober-Inspektors Kulka ein freundlicher. In drei Gruppen würden unsere Mitglieder eingetheilt und jeder derselben ein technischer Führer beigegeben. Die herrlichen Schutzvorrichtungen, welche daselbst demonstrirt wurden, erregten das höchste Jntereffe Aller, und wird es nun Aufgabe des Vereinsvorstandes sein, alle Vereinsmitglieder anzuspornen, diese hygienischenEinr i ch t u n g e n in Augenschein zu nehmen und dieselben in ihren Fabriken und Werkstätten zu verwenden. Auffee in Steiermark. (Eine exemplarisch geahndeteJudenhetze.) Im November v, I. sprang der als prononcirter Antisemit bekannte hiesige Fahrradhändler Adolf Graf auf den hier etablirten Holzbildhauer Josef Ko hu zu mit dem Ausrufe „Jud' auf nach Pisek". Josef Kohn klagte Graf wegen Ehrenbeleidigung bei dem hiesigen Bezirksgerichte, das aber den geklagten Graf freisprach. Gegen das freisprechende Urtheil des hiesigen Bezirksgerichtes legte Kohn bei dem Kreisgerichte in Leoben Berufung ein. Das Kreisgericht in Leoben hob das freisprechende Urtheil des Bezirksgerichtes in Auffee auf und verurtheilte den Geklagten Adolf Graf zu 14 Tagen Arrest, verschärft mit 2 Fasttagen, und zum Kostenersatz des Straf- und Berufungsverfahrens. Jntereffant ist die Urtheilsbegründung, in welcher es heißt: Der Gerichtshof konnte sich der Anschauung des ersten freisprechenden Richters nicht anschließen, der Gerichtshof hat nämlich in erster Linie mit Rücksicht auf die Feststellung des ersten Richters, sowie auf die Feststellungen bei der Berufungsverhandlung, wobei der Privatankläger seine Aussagen unter Eid bestätigte, als vollkommen erwiesen angenommen, daß von Seite des Angeklagten gegenüber dem Privatankläger, die volle in der Anklage behauptete Aeußerung „Jud' auf nach Pisek!" gefallen ist. Diese Aeußerung konnte in zweiter Linie ihrem Sinne nach nur in Beziehung zu dem damals vor dem k. k. Kreisgericht Pisek geführten und in sämmtlichen Tagesblättern ausführlich besprochenen Proceß gegen H i l s n e r ob Berbechen des Mordes gebraucht worden sein und konnte diese Aeußerung nur den Zweck haben, den Privatkläger durch Anspielung auf den fraglichen Proceß herabzusetzen. Das ist ohne Anführung bestimmter Thatsachen verächtlicher Eigenschaften oder Gesinnungen zu zeihen und dem öffentlichen Spotte auszusetzen. Daß der Angeklagte die Absicht hatte, durch die als erwiesen angenommene öffentlich gebrauchte und oben mehrfach citirte Aeußerung die Ehre des Privatklägers anzugreifen, geht sowohl schon aus der auch vom ersten Richter angenommenen antisemitischen Gesinnung des Angeklagten hervor, als auch aus der Art und Weise, wie die Beleidigung gefallen ist. und endlich auch aus dem beleidigenden Benehmen des Angeklagten, welches derselbe schon seit längerer Zeit gegen den Privatkläger laut dessen bestimmter Aussage an den Tag gelegt hat. Nach dem Gesagten ist daher gegenüber dem Angeklagten der Thatbestand der Uebertretung nach § 4SI St.-G. sowohl in objectiver als auch subjectiver Hinsicht vollkommen begründet und erwiesen und war derselbe daher diesbezüglich schuldig zu sprechen." Diese den Antisemitismus in strenger Weise verurtheilende Sentenz dürfte wohl nicht ermangeln, auf die hiesigen Antisemiten abkühlend und ernüchternd zu wirken. Auffee ist ein internationaler Luftcurort, der in erster Linie und hauptsächlich von Juden frequentirt wird und da find antisemitische Ausschreitungen und Judenhetzen wohl nicht am Platze. E. B. Ung. - Brod. Der katholisch-polnische Verein von Ung.-Brod hielt am 17. Februar d. I. in dem Dorfe Prakschitz eine Versammlung unter dem Vorsitze des Ung.Bcoder Bürgermeisters Dr. Friedrich Weber ab. Ueber „christlichen Antisemitismus" sprach in einer anderthalbstündigen Rede der Cooperator Franz Mikolajek aus Hradschowitz. Der Vortragende erging sich in den wüstesten und gemeinsten Beschimpfungen gegen die Juden. Ein Regierungsvertreter dürfte nicht anwesend gewesen sein, denn sonst hätte die Versammlung sofort aufgelöst werden müssen. Einige markante Stellen seien hier aus dieser Hetzrede citirt. „Durch ihre Presse hetzen sie, die Juden, die Völker gegeneinander, damit sie in den trüben Wässern ungestört Beute machen können. Sie verderben die Sitten des Volkes und führen einen Handel mit Menschenfleisch. Sie leben von den Schwülen unseres Volkes alle, der kleine Jud und auch der große Jude, der Capitalist, aber dabei stellen sich beide einmüthig in die Reihe unserer religiösen und nationalen Gegner. Wie sich ihrer erwehren? Proßnitz sagt es uns, „der Seine zu den Seinen", so hat Palacky gerufen, hätte sich nicht das Proßnitzer Landvolk daran gekehrt, heute wäre noch Proßnitz — Jerusalem. Von der Proßnitzer Landbevölkerung lernet, und Ihr werdet Euch bald jedes Blutgeldes ((pijavice) entledigen, meidet die Mischen Geschäfte und der Jude wird Weggehen, um Andere zu „beglücken". „Die Zuhörerschaft lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit und ein lauter Beifallssturm lohnte zum Schluffe den Redner für seine Ausführungen. Und so was soll sich der Jude, der ohnedies einen so schweren Kampf um seine Existenz zu kämpfen hat, bieten laffen; gegen einen solchen Haderlumpeil in der Priesterkutte sollte es keine Abwehr geben? Hoffentlich erfüllen die Behörden, die bereits von der Sache Kenntniß haben, ihre Pflicht und leisten dadurch dem auf's Tiefste gekränkten jüdischen Rechtsgefühle Genüge.