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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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>Jir. 10 Vr. Vlortz's WortzensrtzrM Seite 17t Der neuengagirte Obercantor Herr Bela Guttmann führte sich durch den Vortrag eines von ihm verfaßten schwungvollen Mischeberach und einer weiteren Piöce ,Ä-1oeti ol kol huolom“ ausgezeichnet ein, wobei der jugendliche Reiz seiner sonoren und klangvollen Stimme zu außerordentlicher Geltung kam und mit hohem, allgemeinen Beifall ausgenommen wurde. Herr Obercantor S i n g e r bot mit dem ihm vom Vorstande übertragenen „Leutsetteu" eine wahrhafte Musterleistung cantoral-recitatorischen Vortrages; der verehrte Vortragende drängte absichtlich seine bekanntlich mächtige Stimme zurück und erreichte durch seine decent-noble Vortragsweise, namentlich beim intelligenten Theile der Anwesenden, eine große Wirkung. Herr Obercantor Singer widmete für die Chewra-Sude eine heute Festschrift: „Die Geschichte der Wiener Chewra-Kadischa". welche wegen der eingehenden statistischen Ausarbeitung als auch bezüglich der liebenswürdigen poetischen Gewandung allgemeinen Beifall fand. Nach dem Leutseiieu, also gewissermaßen außertourlich, ließ sich auch der anwesende Obercantor der polnisch-jüdischen Synagoge Herr Majer S ch o r r mit einigen Piäcen vernehmen. Herr S ch o r r genießt ja hier schon lange den Ruf eines excellenten Chasen mit prachtvoller Stimme; auch seine bei dieser Gelegenheit eminent zum Bortrage gebrachten, traditionell jüdischen Gesänge (wie wir hören eigene Compositionen) wurden durch rauschenden Beifall gelohnt, und somit war das Chewra-Mahl zu Ende, um dessen Arrangement der energische Vereinsvorsteher Herr Adolf Rosenbaum sich verdienstvoll bemüht hat. ZiontsttsrtzeGntartung und entarteter Zionismus. In Bezug auf die Mittheilungen — in dem unter vorstehender Ueberschrift erschienenen Artikel — betreffend Vorgänge innerhalb der Wiener Israelitischen Allianz, ersucht uns der Vorstand dieses Vereines, zu constatiren, das derselbe dieser Publication vollständig ferne steht. Wir erhalten ferner folgende Zuschrift: Löbliche Redaction der Oesterreichischen Wochenschrift! Wien. Wir ersuchen Sie, in Berichtigung Ihres in Nummer 9 Ihres Blattes erschienenen Artikels mit der Ueberschrift „Zionistische Entartung und entarteter Zionismus" die Erklärung abdrucken zu wollen, daß die Stelle eines Curators nicht honorirt wird, sondern ein Ehrenamt ist. Das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung. Wien, den 6. März 1901. Dem gegenüber gestatten wir uns nachstehende Bemerkung: Daß das Amt eines Curators bei der Schulstiftung ein unentgeltliches Ehrenamt ist, war uns nicht unbekannt, so wenig wie die Thatsache, daß Herr Leon Kellner die Mission erhalten soll, im Aufträge des Curatoriums, die galizischen Stiftungsschulen von Zeit zu Zeit zu inspiciren, wofür eine gebührende Entlohnung selbstverständlich geplant ist. Da Herr Professor Leon Kell ner nicht einmal über die Kenntnisi der Unterrichtssprache an den Stiftungsschulen, in diesem Falle der polnischen, verfügt, so mangelt ihm die allererste Voraussetzung einer genügenden Qualifikation für eine solche Berufung, und sie würde sich vor dem unbefangenen Urtheile des In- und Auslandes als nichts anderes darstellen, als eine dem Aar und bestimurt kundgegebenen Willen des^verewigten Stifters zuwiderlautende und darum die Elemenrarpflicht der Treue verletzende, die Stiftung schädigende und angesichts dervor aller Oeffentlichkeit sich abgespielten Vorgänge überaus blamable Concession an den Partei^Chef des „politischen Zionismus", welcher mit dieser Gratifikation als einem Extrahonorar seinen journalistischen Famulus auszeichnet. Dieses Schauspiel möchte vermieden werden! Herr Professor Leon Kellner sendet uns folgende Berichtigung : Wien, 4. März 1901. An die Redaction von Dr. Bloch's „Oesterreichische Wochenschrift" Wien. In Bezug auf die meine Person betreffenden Angaben, welche in dem in Nr. 9 Ihres Blattes erschienenen Artikel: „Zionistische Entartung und entarteter Zionismus" enthalten sind, werden Sie auf Grund des § 19 des Preßgesetzes aufgefordert, zu berichtigen: 1. Es ist unwahr, daß ich Redacteur des „Zionistischen Amtsblattes" (will wohl heißen der „Welt") bin, wahr ist vielmehr, daß seit October 1900 der derzeitige verantwortliche Redacteur die Redaction leitet, auf die ich nicht den geringsten Einfluß nehme. 2. Es ist daher unwahr, daß ich der „journalistische Wortführer der Zionisten" bin, weswegen auch alle an diese Behauptung geknüpften Folgerungen unwahr fitld. 3. Es ist ferner vollständig unwahr, daß ich im Hochsommer des Jahres 1900 im Bureau eines bekannten jüdischen Schriftstellers erschien und, um ihn als Mitarbeiter für das officielle Zionisten-Organ „Die Welt" zu gewinnen, bei dieser Gelegenheit wörtlich sagte: „Ich weiß ja, Sie find mit uns nicht zufrieden, weil wir gegen die Großen nachsichtig sind und den Oberrabbiner zu sehr schonen. Jetzt wird es anders, ich selber übernehme die Redaction und nun werden wir nach beiden Seiten scharf losgehen". — Wahr ist es vielmehr, daß ich niemals irgend einem Menschen gegenüber die citirten Worte gebraucht habe. 4. Es ist u n 19 a t) r, daß ich Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann gegenüber in abweisendem und abfälligem Tone von Dr. Herzl gesprochen habe. Profeffor Dr. Leon Kellner. Eine eingehende und gebührende Würdigung dieser Berichtigung, insoweit sie überhaupt unseren Mittheilungen widerspricht, behalten wir uns vor und begnügen uns heute mit der Erklärung, daß wir vorbereitet find, für den Inhalt unserer Mittheilungen vor jedem Forum einen Wahrheitsbeweis zu erbringen. Correspondenzen. Generalversammlung des Synagoaen-Beremes „Seid Israel" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien. Am S. März um 3 Uhr Nachmittags hat der Synagogen- Verein „Letb Israel" in seinem Sitzungssaale, II., Leopoldsgasse 29, die XIX. ordentliche Generalversammlung unter lebhafter Betheiligung der Vereinsmitglieder zur Entgegennahme des wirthschastlichen und finanziellen Berichtes über das abgelaufene Jahr 1900 abgehalten. Der Schriftführer Herr S. Deiches verliest aus dem Einlaufe ein Schreiben des Herrn k. k. Baurathes Stiaßny, worin er mittheilt, daß er von der löblichen Eultusgemeinde delegirt wurde, der Versammlung beizuwohneu und durch ein eingetretenes Unwohlsein verhindert sei, dieser Aufgabe zu entsprechen Anläßlich dieser Mittheilung drückt der Obmann Herr S. M e i s e l s sein Bedauern aus über das Ausbleiben des Delegirten der löblichen Eultusgemeiude und dessen Ursache, da er überhaupt nur einmal im Jahre Gelegenheit habe, in Gegenwart der Mitglieder mit dem verehrlichen Eultusvorstande mittels ihres delegirten Vertreters in directem Verkehre zu treten. Besonders aber müsse er heute dessen Abwesenheit lebhaft bedauern, da er gerade heute an die Adresse des löblichen Eultusvorstandes einige wichtige Bemerkungen zu richten habe, zu denen er sich als Vertreter seines Vereines nach Außen hin verpflichtet fühle. Aus den Berichten der Plenarsitzung des israelitischen Eultusvorstandes vom 24. Februar a. e. geht hervor, daß die löbliche Eultusgemeinde in Gegenwart der Betheiligten, die zur Berathung herbeigezogen gewesen sein sollen, die Statuten zur Gründung eines Vereines „Zur Wahrung der orthodoxen Interessen des Judenthums in Wien" genehmigt habe. In Anbetracht, daß ein derartiger Verein mit solchen extremen Tendenzen die Interessen sämmtlicher Juden Wiens tief berühre. und in Anbetracht, daß der Verein »Leib Israel" und die mit demselben affiliirten Vereine sämmtlich der conservativen Richtung angehören, muß es schmerzlich empfunden werden, daß der löbliche Eultusvorstand es unterlasse» habe, bei dieser neuen Vereinsgründung von solch weitttagender Bedeutung den Bethausverein „Lstb Israel", wie auch die anderen Vereine gleicher religiöser Schattirung, der Berathung zuzuziehen, um deren Ansichten hierüber kennen zu lernen. Herr Jg. I o l l e s meinte, daß es nach den Ausführungen des Herrn Obmannes wohl angezeigt wäre, daß die Versammlung eine Resolution beschließe und ihr Befremden hierüber zum Ausdrucke bringe. Der Obmann-Stellvertreter Herr A. v. Mises tritt dem Ansinnen des Herrn Zolles entgegen, da in diesem ungerechtfertigten Anträge leicht ein ausgesprochener Tadel gegenüber der verehrlichen Eultusgemeinde erblickt werden könnte, den diese nicht verdiene, denn die Eultusgemeinde habe bei Genehmigung der Statuten mit der eingehendsten Sorgfalt den Entwurf geprüft und vor möglichen Uebergriffen die genügendste Vorsorge getroffen. Der Obmann Herr S. M e i s e l s ersucht nun auch die Versammlung, von der Resolution abzufehen, damit darin nicht etwa eine

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