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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 164 Nr. 10 Dr. Vloch's Wochenschrift. Bereinsmitglied Steiner spricht den Wunsch aus, daß der Bereinsvorstand dahin wirke, daß die Berkehrsbeschränkung zwischen den Kranken und ihren Angehörigen? in den öffentlichen Krankenhäusern von 4 Uhr Nachmittags angefangen, aufgehoben werde. Es ist betrübend, daß oft ein armer Glaubensgenosse, im öffentlichen Krankenhaus die Seele aushaucht, ohne die Möglichkeit, daß ein Jude ihm das Schema Israel vorsagt. (Beifall.) Seine Erfahrungen als Delegirter der Chewra sind die günstigsten, die Friedhofsdiener respectiren alle Anordnungen der Delegirten. Redner gedenkt mit großer Anerkennung der Verdienste des Vereinscollegen Jonas Abeles, welcher die Pflichten der Chewra-Kadischa mit Hingebung und Treue erfüllt. Nachdem noch die Bereinsmitglieder W a ch s l e r und Schick gesprochen, die vorgebrachten Anregungen bei der Abstimmung von der Majorität angenommen worden, versichert der Vorsitzende Herr Moritz Karpeles, daß der Vorstand bemüht sein werde, dem Flügelschlage der neuen Zeit Rechnung zu tragen und erklärt die Generalversammlung für geschloffen. Das Festmahl wurde eingeleitet durch den vom Obercantor Bäla Guttmann vorgetragenen Segensspruch. Das ausgezeichnete Menu war von dem wohlrenommirten Restaurateur Tonello beigestellt und fand allgemeine Anerkennung. Der Vorsitzende verliest nachstehendes, von dem Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r angelangtes Telegramm: Vorstand der „Chewra-Kadischa"! Beehre mich wärmster Sympathie für das Wirken der ehrwürdigen Chewra/ besten Wünschen für deren ferneres Gedeihen, sowie herzlicher Begrüßung der Versammelten beim Festmahle Ausdruck zu geben". Der Obmann der Friedhofs-Section k. k. Baurath W- S t i a ß n y war durch Unwohlsein verhindert, an der Versammlung theilzunehmen und entschuldigte sein Fernbleiben in einem ausführlichen Schreiben. Den Reigen der Tischreden eröffnete der erste Vicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser. Toastrede des erste» Vieepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern. Verehrte Festgenoffen, Glaubensbrüder! Als Antithese unseres altbiblischen: „Dreimal im Jahre" könnte der bei unserer Chewra-Kadischa geltende Gebrauch: Einmal in drei Jahren versammeln sich Deine Mitglieder zu gemeinsamen Feste", angesehen werden. Und wenn nun ich, da mir die ehrenvolle Mission ertheilt wird, als Erster dem Reigen der Festredner voranzugehen, es als meine Aufgabe ansehe, das letzte Triennium mit einem prägnanten Worte zu charakterisiren, so möchte ich, ungeachtet all' der Leiden, Verfolgungen, Kränkungen, Verleumdungen, mit denen wir in überreichem Maße bedacht wurden und werden, dennoch keinen Augenblick zögern, dieses Triennium als Jubiläums-Triennium zu bezeichnen. Fallen doch in dasselbe inmitten all' unserer schweren Betrübniß gleich Hellen Lichtblicken, gleich ttostbringenden, hoffnungs erweckenden, hellleuchtenden Sonnenblicken, unvergeßliche Jubttäumstage, der Gedenktag des öOjährigen Regierungsjubiläums und der 70. Geburtstag unseres erhabenen Monarchen, Tage, welche wir Alle in weihevoller Stimmung und Erinnerung verbrachten und an denen wir dankerfüllten Herzens in allen unseren Gotteshäusern alle Segnungen des Himmels für ihn, unseren geliebten Kaiser und Herrn, erbaten. ZubilÄrms-Triennium nannte ich die Zeit. Und siehe da! Es find wenige Tage her, daß auch ein stillcs Jubiläum durch d»e Blätter rauschte; der 40. Jahrestag unserer Verfaffung. deren Segnungen gleichwie die der Staatsgrundgesetze, die ja auch gerade jetzt eine Art Jubiläumsdauer, einen drittelhundertjahrigen Bestand aufweisen, von Sr. Majestät unserem Kaiser aus allerhöchst dessen freiem Willen, sowie allen Völkern, alle» Confeffionen in seinem weiten Reiche auch uns zugedacht worden sind. Es sind wenige Wochen her, daß Se. Majestät in feierlicher Kundgebung dieser Staatsgrundgesetze, als eines werthvollen Besitzes aller seiner Völker, als eines Sinnbildes der Eiuhett und Stärke des Staates gedachte, dieser Staatsgrundgesetze, welche den modernen Rechtsstaat constituiren und welche unter Anderem die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetze, die Gewissensfreiheit, die freie Bethätigung der religiösen Ueberzeugung,die allgemeine Aemterfähigkcit unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse statuiren. Es ist ein bitterer Wermuthstropfen in unserem Freudenbecher, es ist ein ganzes Faß Wermuth, welches uns credenzt wird, von dem wüsten Demagogenthum, welches uns umgibt, welches kühn sein Haupt erhebt, welches den reichen Schatz an Bildung und Humanität, den die Menschheit aufgespeichert, verschleudert und verleugnet, welches Gesetz und Recht mit Füßen tritt, selbst die allerersten, die Macht und Einheit, die Grundlage des Staates bildenden Gesetze, die Staats g r u n d gesetzt, mißachtet, Willkür und Parteilichkeit, Borurtheil und Aberglauben, Haß und Verleumdung, alle bösen Leidenschaften und Triebe gegen uns kehrt. Was uns da aufrecht hält, das ist unsere Geschichte. Wir haben gelernt und unsere Geschichte lehrt uns, was Alles an Ungemach wir durch treues Festhalten an unserem Glauben, durch inniges, festes Zusammenschließen unter gegenseitiger Hilfeleistung, durch eine wahre Chewra-Kadischa zu überdauern vermögen. Was uns aufrecht hält, das ist unser Gottvertrauen. „Fürchtet Euch nicht, bleibt standhaft, harret und schauet aus die Hilfe Gottes", — das ist der Wahlspruch, die Lehre, die uns vor vier Jahrtausenden auf die Reise mitgegeben wurde. In dieser Woche feiern wir das Fest einer zweitausendjährigen Erinnerung au die Errettung aus einer über unserem Haupte schwebei - den Gefahr. Und soll ich Hinweisen auf Vorkommnisse der letzten Woche, als ein Mund, der sich unserer Religion und unserer Religionsgenossenschast gegenüber bisher nie zum Segen geöffnet Hatte, mit einemmale zu eigenem Schutze die Achtung vor jeder religiösen Ueberzeugung verkündete und als hochgeborene und hochwürdige und minder geborene und minder würdige Herren, welche sonst wonnevoll jeder gegen uns vorgebrachten Schmähung ihr Ohr leihen, jenem Redner, der nun für die Gewissensfreiheit, für die Achtung vor jeder religiösen Ueberzeugung eintrat, lebhaftesten Beifall spendeten. Wohl wären wir in der Lage, auch ihnen Allen ein Bibelwort zuzurufen. „Haben wir es Euch nicht gesagt. Versündiget Euch nicht an dem Schwachen, an dem Wehrlosen; nun trifft Euch die göttliche Vergeltung". Und wohl wären, wenn Selbsterkenntniß bei ihnen einkehren würde, auch sie in der Lage, sich selbst ein Bibelwort zu sagen: „Wohl, wir haben gesündigt an unserem Bruder, wir sündigen noch an ihm; wir sahen und sehen, wie er uns um Hilfe anruft; wir waren und sind taub gegen seine Stimme. Hüten wir uns, sonst trifft auch uns die Vergeltung"! Was uns österreichische Juden aufrecht hält, das ist die Ueberzeugung, wie sehr durch j ne gegen uns gerichteten wüsten demagogischen Verhetzungen das edle Herz unseres Kaisers, welches alle seine Völker mit gleicher Liebe umfaßt, tief betrübt, schmerzlich bewegt wird. Ja! Hoffnungsvoll, vertrauensvoll richten sich unsere Blicke zu ihm, dem weisen, gütigen,' gerechten Fürsten, zu unserem heißgeliebten Herrn und Kaiser empor. Verehrte Festgenoffen! In unseren Sidurim findet sich unter der Ueberschrift „Bei festlichen Gelegenheiten für den Landesvater", der Psalm 21, dessen Inhalt kurz zusammengefaßt der folgende ist: Langes Leben, reicher Segen, Glück und Freude, Herrlichkeit und Macht, Alles, was sein Herz begehre, ist dem edlen Fürsten zugedacht. — In diesem Sinne laute bei dem heutigen Feste unser erster Toastspruch: Unser Kaiser Franz Josef der Erste lebe hoch! (Lebhafter Beifall.) Toast auf die israelitische Cultusgemeinde Wien. Gesprochen von Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann. Die Geschichte des Judenthums und der jüdischen Gemeinden ist eine Geschichte der jüdischen Friedhöfe. Die Friedhöfe waren gewiffermaßen das Protoplasma, das Grundgebilde, aus welchem die Gemeinden sich entwickelten oder um welches sie sich concentrirt haben. Die Friedhöfe waren das Frühere, die Gemeinden das Spätere. So widersinnig diese Behauptung auf den ersten Blick scheinen mag, so wird ihre Richtigkeit einleuchten, wenn ich Sie daran erinnere, daß die Besitzergreifung von Palästina durch die Erwerbung der Höhle Machpela von Seiten Abrahams erfolgt ist. Dieses patriarchalische Erbbegräbnis war also das Erste, von diesem patriarchalischen Friedhofe hat die Geschichte des Volkes Israel ihren Anfang genommen, Diese Thatsache ist aber typisch für die Geschichte des Judenthums überhaupt. Man ist vielleicht geneigt, darin etwas Trauriges, Niederdrückendes zu sehen. Es ist aber das Gegentheil der Fall. Welchen Charakter besitzt denn unser heutiges Brudermahl? Doch einen heiteren, denn um Trübsal zu blasen, find wir hiex

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