Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 9 Vr. Bloch's WochrnsUz-rrfr. Seite 157 in Sohr's Restauration, II., Circus gaffe Nr. 3 ein Vergnügungs- Abend (Purim-Fest), verbunden mit Vorträgen und Tanzkränzchen statt. Carl Fuchs, Obmann des Vergnügungs-Cormtös, Istor Schwarz, Obmann der Tischgesellschaft, Isidor Löwit art. Leiter, Schriftführer. Karten ä Kronen 2.— und FamlUenkarteu für 4 Personen ä Kronen 5.— sind zu haben der den Mitgliedern der Gesellschaft und in Svhr's Restauration, II., Crrcusgaffe 3 Dub. Sonntag den 7. d. M. wurde Herr David Fantl im Alter von 86 Jahren zu Grabe getragen. Der Verblichene zeichnete sich durch tiefe Frömmigkeit und bescheidenes Wesen aus. An seiner Bahre trauern vier Söhne und eine Tochter. Von den Söhnen ist einer der Schulleiter der deutschen Schule in Pribram, Herr Eduard Fantl, und ein anderer der Secrelär der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Neuhaus, Herr D. Fantl. Das Leichenbegängniß gestaltete sich trotz des furchtbaren Unwetters zu einer erhebenden Trauerkundgebung. Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. L. Hirsch aus Wolin in ergreifender Trauerrede die hohen Vorzüge des Verblichenen. Usirou. Die in Ustron (Schlesien) wohnenden Israeliten, der israelitischen Cultusgemeinoe Skolschau zugehörend, hielten ihren Gottesdienst Samstag und an den hohen Festen der weiten Entfernung von Skolschau wegen bisher in emem gemietheten Locale ab. Da dieses Local bei der bedeutenden Zunahme der Beter aber nicht mehr genügt, bildete sich ein Bethausverein, welcher den Bau eines eigenen Bethauses beschloß, einen Bethausfond anlegte und Mit Hilfe desselben auch schon den Baugrund ankaufte. Obgleich nun viejer Fond noch nicht die nötylge Höhe zur Deckung sämmtltcher Kosten erreicht hat, sieht sich der Belyausverein doch genölylgt, den Bau schon im nächsten Frühjahr vorzuneymen, weil ihm das Local, worin der Gottesdienst avgeyalten wurde, vom Eigenthumer desselben gekündigt worden ist, da er es selbst braucht. Um die noch fehlenden Mittel zur Deckung der Kosten vorläufig wenigstens theilweise zu beschaffen, veranstaltet der Belhausverein am 10. März ein Purim- Kränzchen und hofft» daß dasselbe im Hinblicke auf das humane Werk zahlreich besucht wird. Aussig, 25. Februar. Gestern wurde hier Herr Eduard W e i s v a ch, Kaufmann auf dem Krammel, unter ungewöhnlich großer Betheiligung aus allen Schichten der Bevölkerung zu Grabe getragen. Er verschied nach dreitägiger Krankheit im Alter von 57 Jahren, uno war ob seines biederen Charakters, seines frommen, wahrhaft religiösen Sinnes allgemein beliebt uno geachtet. Am Grabe yleli Se. Eyrwürden Herr Rabbiner Baß von hier einen sehr ergreifenden Nachruf. Hieraus nahm der Schwiegersohn des Berslorbenen, Eyrioürden Herr Rabbiner Broch aus Bllin, mit lief empfundenen Worten Abschied vom Verstorbenen. Beide' Nachrufe haben die Anwesenden aufs Tiefste bewegt. 'Am Begräbnisse belheitigten sich auch k. u. k. Hauplmann Broch, Bruder. des Herrn Raobiner Broch. — Friede seiner Asche I Gologory. Zu Ehren der jüngst in kurzer Zwischenzeit erloschenen 2 Leuchien m Israel, Sr. Eyrwürden Herrn Isaak ChvjeS, Oberrabbiner m Brody, und des großen Philanthropen, üveryaupr in Juda allbekannten großherzigen frommen Baron Wilyerm v. Rothschild, hielt Se. Ehrwüroen Herr Lazar Mischet Raobiner rn Gowgory, am 21. v. M. im großen Bery-hamidrasch eme forulvoUendeie Trauerrede, schilderte in großen Zugen, was diese beiden Größen für das Judenlyum bedeuteten, welche tiefe Wunden deren so frühzeitiger Abgang uns geschlagen, so tief erschütternd, daß kein Herz ungerührt und kein Auge thränenleer dlrev. Neuhaus. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat durch den Tod des Herrn Jacob Adler, Chef der Firma Adler & Singer, einen schweren Verlust erlitten. Der Heimgegangene hat ein Alter von 71 Jahren erreicht, war längere Zeit Obmann der Chewra-Kadlscha und hat sich um die Humanitären Institute viele Verdienste erworben. Ullter regster Tyeilnahme der hiesigen Bevölkerung und sämmtlicher Honoratioren hat das Leichenbegängniß am 17. v. M., 3 Uhr Nachmittags, stattgesunden. Pilsen. Herr Wilhelm Liebstein wurde als ordentliches Mitglied in die Pilsner Handels- und Gewerbekammer berufen. Nagy-Jäez. Im hohen Alter von 85 Jahren starb hier Herr Daviv B e r d a ch, der sich weit und breit großer Verehrung erfreute. An feiner Bahre trauern drei Söhne und drei Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, zahlreiche Enkel und Urenkel. Die Beerdigung fand Freitag den 22. Februar unter großer Tyeilnahme aller Kreise des Ortes statt. Groß-Beeskerek. Beim heute abgehaltenen Gottesdienste, den die hiesige Chewra-Kadlscha veranstaltete, wurde der Verdienste des hochseligen Wiener Rabbiners Fleißig, ferner des Rabbiners Ullmann aus Lackenbach, des Rabbinatsaffeffors Spitzer aus Beszprim, des Gelehrten Halberstamm aus Bielitz, des Freiherr» Ritter von Gutmann (Wien) und des Baron Wilhelm von Rothschild (Frankfurt a. M.) in erschöpfender Rede gedacht. Strakonitz, 20. Februar. Herr Marcus Benisch, hier langjähriger Vorstand unserer Chewra-Kadischa und der Talmud- Thora, feierte heute seinen 80. Geburtstag in voller Geistesfrische, ja noch Strammheit. Der Jubilar erfreut sich nicht nur hier, sondern im ganzen Kreise durch seine Aufrichtigkeit, Biederkeit und durch sein ersprießliches Wirken in den verschiedenen Humanitären Vereinen allgemeiner Sympathien. Aus diesem Anlasse sind dem Jubilar zahlreiche Zeichen der Liebe und Verehrung aus Freundeskreisen zugekommen. Der Ausschuß der hiesigen Chewra-Kadlscha überreichte ihm durch die Vorstandsmitglieder Herr Moriz Saxl, Herr Jacob Kraus und Herr Adolf Fürth ein prachtvolles, sinniges Diplom als Zeichen der Verehrung. Austerlitz. Am 5. v. M. starb in Brünn Herr Tobias Theumann im 72. Lebensjahre, ein Austerlitzer, der keinen Gottesdienst versäumte. Am Sterbetage bereitete er sich zum Tode vor, wie einer, der eine weite Reise zu unternehmen gesonnen ist. Des Abends, als er sein Ende herannahen fühlte, verrichtete er das Minchagebet, sagte das Sündenbekenntniß, und starb so gottergeben, wie er gelebt. Diesem seinen Lebenswandel verlieh auch Herr Professor Grünfeld, der in Vertretung des Herrn Landesrabbinecs Dr. Placzek die Trauerfunctionen versah, beredten Ausdruck, indem er hervorhob, daß wieder ein Kind des Ghettos dahingegangen, der nur in Ausübung der religiösen Vorschriften allein seine Befriedigung suchte und fand. Der Verblichene war ein Enkel des Reb Harsch Kohen, der Stammvater der Theumanns, aus Austerlitz. Feuilleton. Der Mönch aus dem Ghetto. Von Martha Wolfenstein. (Schluß.) Mit der Zeit wurde Pfarrer Ulm in Prag als Kanzelredner berühmt. Niemand konnte, so wie er, von Sünde und Reue predigen. „Sacrament" sagten seine Hörer, man sieht das Höllenfeuer und riecht förmlich den Schwefel, und die Haare stehen einem zu Berg. In dem Maße wie seine Predigten an Feuer Zunahmen, verfiel seine Gestalt, sein Gesicht wurde bleicher und der Ausdruck seiner Augen immer eigenthümlicher. Wenn Reb Nathan eine Stunde der ihm zubrachte, halte er nur einen Gesprächsstoff: — Sühne. „Mein Sohn muß sühnen! er muß sühnen!" wiederholte er unaufhörlich. Dann kamen Tage, wo der Priester nicht mehr predigen konnte, wo er bleich und phantafirend auf seinem Belte lag und Reb Nathan kaum von seiner Seite wich. Rudolf war im achtzehnten Jahre, als Ferdinand Ulm starb; er starb, nachdem er gebeichtet und die Absolution erhalten hatte, im Schoße der katholischen Kirche. Aber es war das Ohr des Juden, das seine letzten Wünsche und Gebete hörte, die Hand des Juden, die ihm im Tode die Augen zudrückte, des Juden Herz, das sich in tiefen und unvergänglichem Schmerz härmte. Der Tod des Pfarrers brachte wenig Veränderung in Rudolfs Leben hervor, nur daß er zu einer katholischen Familie übersiedelte. Er setzte seine Studien in Prag fort, aber er kam öfter nach Maritz, blieb länger und verließ sein Heim mit Widerstreben. Der Sommer des folgenden Jahres ging zu Ende, der Semesterbeginn stand bevor, aber Rudolf zögerte noch auf dem Meierhofe und machte keine Anstalten zur Abreise. „Was ist denn mit dir, Rudolf?" sagte Nathan eines Tages; „ich sehe, daß die Universität morgen eröffnet wird und Du bist noch hier?"