Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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iit. 9 Dr. Blocht Wochenschrift Seite 155 Die Juden in Palästina. Die „Pol. Cor." vom 22. Februar meldet aus Constantiuopel: Die Pforte hat bekanntlich im November v. I. an die Missionschefs in Constantinopel eine Circularnote, betreffend die Einwanderung und Niederlassung von Israeliten in Palästina, gerichtet, welcher ein Reglement beigegeben war, wonach für die israelitischen Pilger nach dem heiligen Lande ein Zeitraum von drei Monaten (Hin- und Rückreise zusammengenommen) festgesetzt wurde. Diese Note ist, wie man uns aus der türkischen Hauptstadt berichtet, noch immer nicht allseits zur formellen Erledigung gelangt. Die italienische Botschaft hat allerdings bereits unter dem Datum des 10. December v. I. der Pforte eine Note zugehen lassen, in welcher erklärt wird, daß die italienische Regierung, für die es blos italienische Unterthanen ohne Unterschied der Confeffion gebe, das erwähnte Reglement, welches mit den vertragsmäßigen Rechten der Freizügigkeit im Widerspruch stehe, als auf italienische Unterthanen unanwendbar bezeichnen muffe. Die Mehrzahl der Missionschefs steht principiell auf dem gleichen Standpunkte, wenngleich das Recht der Pforte, sich, innerhalb der Grenzen der Opportunität, gegen unerwünschte Maffeneinwanderung aus dem Auslande zu wehren, nicht aus dem Auge verloren wird. Die Angelegenheit steht augenblicklich neuerdings in Erwägung und die Antworten auf die erwähnte Cireularnote werden jetzt vorbereitet. Ein wichtiges Moment dieser Frage bildet der Umstand, daß die Motive der Pforte bei der Einschränkung der israelitischen Einwanderung nach Palästina rein politischen Charakters sind. Es ist eine außer allem Zweifel stehende Thatsache, daß die maßgebenden türkischen Kreise gegen die zionistische Bewegung von Mißtrauen erfüllt sind. Bon autoritativer türkischer Seite wurde diesbezüglich erklärt: „Die türkische Regierung befürchtet schon seit Jahren, daß die Israeliten in Palästina eine Art eigener Regierung errichten wollen. Trotz aller Befehle, welche an die betreffenden Behörden ergehen, sich strenge an die Vorschriften zu halten, die für die Dauer des Aufenthaltes israelitischer Pilger nach Palästina erlaffen worden sind, gelingt es doch häufig, diese Vorschriften mit Hilfe der landesüblichen Mittel zu umgehen. Aus diesem Grunde sah sich die Pforte gezwungen, wiederholt auf den Gegenstand zurückzukommen, wie dies zuletzt mittels des Reglements vom November v. I. geschehen ist. Die zionistischen Congreffe, auf welchen der türkischen Regierung wegen ihrer Toleranz gegen die Israeliten Lob gespendet wird, rufen bei den leitenden türkischen Kreisen eher die gegentheilige als die beabsichtigte Wirkung hervor, da sich an maßgebender Stelle die Ueberzeugung festgesetzt hat, daß die zionistische Bewegung in ihrer späteren Entwicklung politische Ziele in Palästina verfolgen werde." Als illustrirendes Beispiel kann folgende Thatsache dienen: Der Großvezier, Halil Rifaat Pascha, hatte die Bemühungen eines seiner politischen Freunde gefördert, der für die Ansiedlung einer Anzahl Israeliten aus Rumänien in Palästina, die seitens reicher Religionsgenoffen mit sehr beträchtlichen Mitteln versehen waren, eingetreten war. Mit Rücksicht auf Höherenorts ergangene Befehle sah sich aber der Großvezier gezwungen, in dieser Angelegenheit, die anfangs einen ungewöhnlich raschen Verlauf zu nehmen schien, jede weitere Unterstützung entschieden zu verweigern. Rom. In Italien ist wieder ein Jude zum Finanzminister ernannt worden, und zwar der Abgeordnete Leo Wollemberg, der noch dazu deutscher Abkunft ist. Derselbe ist als der Begründer der ländlichen Hilfseaffen in Italien ein sehr angesehener Mann; durch seine Bekämpfung der finanziellen Mißstände, die ihrer Zeit den Krach der Banca Romana hervorgerufen haben, ist er auch ein populärer Mann geworden. Er gehört der Fortschrittspartei an und hat sich als ein echter Patriot, als ein begabter und zuverlässiger Politiker erwiesen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß der junge König von Italien dem Beispiel seines edlen Vaters folgt, und seine Berather ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntniß und den Parteiunterschied auswählt. So ist in einem Lande des Dreibundes schon zum zweiten Mal ein Jude zum ' Finanzminister gewählt worden, während sie in einem anderen London. (D i e Fremd-nein w a nderung im englischen Parlament.) Das sehr ehrenwerthe Mitglied des Unterhauses, Sir Howard Vincent scheint sich die Frage der Fremdeneinwanderung zu seiner Specialität ausgesucht zu haben. Nachdem er sich, wie wir seinerzeit gemeldet haben, vor einigen Wochen deswegen von Mr. Balfour eine derbe Zurechtweisung geholt hat, hat er in der vorigen Woche zum großen Gaudium des Hauses nochmals sein Steckenpferd geritten. Gelegentlich der Adreßdebatte richtete er an den ersten Lord des Schatzes die Anfrage, ob das Fehlen eines Hinweises auf die Einwanderungsfrage in der Thronrede als Beweis dessen anzusehen sei, daß die Regierung entgegen ihrer Erklärung vom 17. Juli 1834 die Absicht, ein die Einwanderungsfrage regulirendes Gesetz einzubringen, aufgegeben habe. Mr. Balfour: Wie mein ehrenwerther Freund wohl selber einsehen wird, ist aus der Thatsache, daß eine bestimmte Maßnahme von dem König in seiner Rede nicht erwähnt wurde, in keiner Weise irgend ein Schluß aus die Haltung der Regierung in Bezug auf ihn zu ziehen. (Gelächter.) Persien. (Ein Jude als Prinzen-Erzieher.) Aus Teheran wird geschrieben: Die Reise des Schah Muffafer Eddin nach Europa beginnt jetzt sichtbare Früchte zu tragen. Das Ministerium des Aeußern wurde bereits nach europäischem Muster reorganisirt und 20 junge Männer aus den besten Familien Persiens wurden behufs ihrer weiteren Ausbildung nach Europa entsendet. Für seinen eigenen Sohn, den Thronfolger, hat der Schah durch Vermittlung der persischen Gesandtschaft in Petersburg einen russischen Erzieher sich verschrieben. Die Wahl fiel auf einen Studenten der asiatischen Sprachen, einen Karaiten, welcher sein bedeutungsvolles Amt als Erzieher des zukünftigen Schah-in-Schah bereits angetreten hat. Vermischtes. fast vogelfrei sind und in dem dritten kaum — zu Notaren ernannt werden. ZK London. (Ein Rothschild als Preisträger.) Die^ Universität von Cambridge hat den Bachelor of Art des Trinityl College, Baron James Armand Edmund de Rothschild, Sohn^ des Baron Edmund Rothschild den Harnes-Preis für die beste Arbeit über Shakespeare zugesprochen. Der Preis wird einmal in drei Jahren vertheilt. Wien. (Oösterreichisch-Israelitische Union.) Samstag den 2. März, halb 8 Uhr Abends, findet im Restaurant Khuner I., Adlergaffe Nr. 6 eine Vereinsversammlung mit folgender Tagesordnung statt: Bortrag des Landtags-Abgeordneten Dr. Ferdinand Kronawetter: „Confessionund Staatsbürgerrecht." Wien. (Chewra-Kadischa Wien.) Sonntag den 3. März 1901, um */,5 Uhr Nachmittags, findet im Festsaale des „Hotel Continental", II., Taborstraße Nr. 4 die diesjährige Generalversammlung statt. Gegenstand: Mittheilung des Rechenschaftsberichtes pro 1900. Wien. (Israelitischer Synagogen- Verein „Beth -1srae 1" nach polnisch-jüdischem Ritus.) Sonntag den 3. März d. I., um l/23 Uhr Nachmittags, findet im Sitzungssaals, ll., Leopoldsgaffe 29, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes; 2. Verlesung des Rechenschafts- und Caffaberichtes; 3. Bericht der Rechnungsrevisoren; 4. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern, 2 Bethausvorstehern, 3 Rechnungsrevisoren, 3 Schiedsrichtern und eine Ersatzwohl mit einjähriger Functionsdauer; 5. Vorschläge einer Statutenänderung; 6. Eventualien. Wien. Dr. Arthur Katz, gewesener langjähriger Secundar- Arzt am Spitale der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, seit 1893 Affistent des Regierungsrathes Professor Oser, und am chemischen Laboratorium der allgemeinen Poliklinik, wurde-zum Docenten für interne Medicin an der Wiener Universität ernannt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Riva Adutt hat sich mit Herrn Julius Fraenkel verlobt Wien. (Trauung.) Sonntag den 3. März d. I. um 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Ricca Oppenheim, Tochter des Herrn Carl Oppenheim, mit Herrn JUDr. Max Breit enstein statt. Wien. (Trauung.) Am 20. Februar fand im Tempel des GL Stadtbezirkes die Trauung der Frau Sylvia Lucia über, Tochter des Großkaufmannes Herrn Sigmund Buber in Lemberg, mit Herrn Eduard Langrad, Sohn des Industriellen Herrn M. Langrad in Krakau, statt. Eine Schaar distinguirter Hochzeitsgäste war anwesend. Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelöhaus hielt eine schwungvolle Rede, in welcher er die vornehme und religiöse Lebensführung beider