Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 154 Dr. Bloch's Wochrafchrrft» Nr. 9 Abriß der Entwicklungsgeschichte des Vereines sowohl, alsauch, der- Gemeiode, dem ersteren und s«nem Vorstande, wie auch den Mitgliedern ein Hoch bringend. Vorstand-Stellvertreter Herr Dr. Leopold Grunwald toastirte auf Herrn Dr. Rosenmann, von allen Seiten lebhaft acclamirt. Telegraphische Begrüßungen trafen ein von Seite des Schwestcrvereins, der Chewra-Kadischa in Wien, von den Minjan- Vereinen Gänserndorf durch Herrn Schiller, Groß-Enzersdorf (Winkler), Marchegg (Pick), von Herrn Glaser-Wien u. A. Es sprachen noch der em. Direktor Löw in geistvollster Weise, Dr. Löwy in Sachen der Talmud-Thora, der ftühere langjährige Eultusvorsteher Herr Josef Buchwald, Herr Emanuel Grünwald, Vorstandsmitglied Herr M. Duldner, Rcdacteur Fleischer auf die Damen und deren Verdienste für die Festigung der Tradition und den so gut gerathenen Festabend, Illvr. Brüll erhob sein Glas auf das Fest-Comite. Brünn. Der mährische Landesrabbiner. Herr Tr. Baruch Placzek, feierte dieser Tage sein vierzigjähriges Jubiläum als Rabbiner der israelitischen Cultus gemeinde in Brünn. Herr Dr. Placzek hat sich aber in den ihm nahestehenden Verwandtenu'.rd Familienkreisen jede Feier oder Gratulation anläßlich seiner vollendeten 40jährigen Amtsthätigkeit verbeten. Ein gleiches Ersuchen richtete er auch an den hiesigen Cultusvorstand der israelitischen Gemeinde, welcher jedoch nicht mehr davon absehen konnte, die bereits fertiggestellte, in der ehrendsten'Form gehaltene Adreffe nebst Ehrengeschenk durch zwei Vorsteher mit Ausschluß jeder öffentlichenKundgebung am 17. v. M. überreichen zu lassen. Preßbirrg. (Großes militärisches Leichenbegängniß.) Bor Kurzem wurde unter dem üblichen militärischen Gepränge Oberstabsarzt Dr: Clemens Moretzky des hiesigen k. u. k. Cvrpscommandos zur Erde bestattet. Se. k. u. k: Hoheit Erzherzog Friedrich war im Trauerhause erschienen und folgte dem vierspännigen Trauerwagen, den viele herzliche Kranzspenden, darunter auch ein vom Herrn Erzherzog gewidmeter Kranz, schmückten, von der Baroszstraße bis zum Fischplatz, in seiner Suite die ganze Generalität, viele Stabsosfieiere, die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinde rc. Das Begräbniß fand auf dem Friedhofe der israelitischen Religionsgemeinde statt, woselbst Rabbiner Dr. S. Funk die Trauerrede hielt. Anschließend an das Textwort: „Und bauet mir ein Heiligchum, auf daß ich wohne in Eurer Mitte", führt Redner aus, daß das Familien- und Berufsleben Moretzky's einem Heiligthum glich, in welchem er mit aufopferungsvoller Liebe und Hingebung einem Priester gleich werkthätig und liebevoll wirkte. Auch bezüglich seiner ärztlichen Thätigkeit ward dem Verstorbenen ein warmer, wohlverdienter Nachruf zutheil. Ne« - Sandez. „Das ist der Fluch der bösen That", dürste-so mancher Abgeordnete der früher mit Wohlgefallen der confesfionellen Hetze in- und außerhalb des Parlamentes, so lange es galt, den Juden eins am Zeuge zu flicken, passive Assistenz geleistet hat, im Stillen gedacht haben, als in der 10. Sitzung des- Abgeordnetenhauses vom 23. Februar d. I. von der alldeutschen Gruppe — die ja bekanntlich den Antisemitismus nach Oesterreich importtrte — der Versuch gemacht wurde, eine Institution der katholischen Kirche in niedriger' Weise herabzu-- würdigen, und dem Grafe» Dzieduszycki wird wohl die Stimme gezittert haben, da er in edler Entrüstung über die seinem Glauben angethane Schmach die Worte in den Saal stieß: „Ich e r kläre, daß wirunsaufdasEn erg i s ch e st e dagegen verwahre» müss eit, daß religiöse Gefühle auch nur eines Brucht he i l e s der Bevölkerung, welcher Confession dieser a u ch a « g e h ö r e n möge, verletzt werden." Goldene Worten die mtt ehernem Griffel in die Marmorwände des griechischen Tempels aw Franzensring eingravirt zu werden verdienen. Werden die Völker Oesterreichs, oder eigentlich deren Wortführer daraus eine Lehre ziehen? Wie oft hat der frühere Abgeordnete Dr. Bloch seine warnende Stimme erhoben und darauf aufmerksam gemacht, daß die Grenze zwischen dem Alten und Neuen Testamente leicht überschritten werden kann und die mtt stillem Wohlgefallen geduldete und sogar geförderte Destruction auch vor der katholischen Kirche keinen Hatt machen wird, um deren Fundamente zu untergraben. Mtt Achselzucken wurde seine warnende Sttmme überhört, und der Polenclub, der heute — wir zweifeln daran nicht — mit auttichtiger Entrüstung die Insinuationen der Alldeutschen zurückweist, that sein Möglichstes, den Antisemiten zu Gefallen diesen Warner beiseite zu schieben. Nun spüreu die Herren es am eigenen Leibe, wie tief es schmerzt, wennmanin seinen heiligsten Gefühlenin der ererbten und angestammten Religion verletzt wird. Werden sie nunmehr die Lehre beherzigen : Was Du nicht willst, daß man Dir thuethue auch Anderen nicht? Wir Juden/die» wir die religiösen Ueberzeuguugen Andersgläubiger stets hochgehalten haben, wir begrüßen dir eiwnüthige energische Zurückweisung, dieses. Streiches der Alldeutschen gegen die katholische Kirche mit aufrichtiger Sympathie und können nur wünschen, daß die katholischen Machthaber endlich einmal zur Ueberzeugung gelangen, daß man sich nicht ungestraft an den Glauben Anderer versündigen darf. N. T. Budapest. Im Tempel der Landes-Rabbinerschule fand am 20. v. M. Bormittags, um 11 Uhr, die Promotion der absolvirten Hörer Dr. N. Blumgrund und L. Scheiber statt, die am 18. und 19. v. M. die mündliche Rabbinenprüfang mit gutem Erfolg abgelegt hatten. Im Namen der Prüfungscommission, die aus den Herren Rabbiner Dr. S. Kohn, Rabbiner Dr. M: Kayserling und den Professoren der obern Abtheilung der Landes- Rabbinerschule bestand, richtete der Präsident Dr. S. Kohn an die Candidaten eine Ansprache, in der er ihnen in einer formvollendeten und geistvollen Rede Winke und Lehren für ihren Beruf mtt auf den Lebensweg gab. Hierauf hielt Dr. N. Blumgrund im eigenen und im Namen seines Collegen die Abschiedsrede, in der er dem Professorencollegium und dem leitenden Comits der Landes-Rabbinerschule, die durch ihren Präsidenten M. Schweiger und ihren Secretär Dr. Josef Simon bei der Feier vertreten war, warmen Dank sagte. Die Weihrede hielt der Vorsitzende des Professorencollegiums Professor M. Bloch, der sodann den Candidaten die Diplome überreichte und den Segen in classisch-hebräischer Sprache ertheilte. Den einleitenden und Schlußgesang besorgte der Schülerchor der Anstalt unter Rettung des Professors A. Lazarus. Herr Dr. N. Blumgrund ist von der israelitischen Gemeinde zu Nagy-Abony als Rabbiner gewählt, wo er schon längere Zeit die Rabbinatsaqende versieht und durch seine eloquenten und geistreichen Reden sich die Achtung und Liebe der dortigen Gemeinde erwarb; er wird in kürzester Zeit in sein Amt installirt. Prag. „Was uns die Grabsteine auf dem alten jüd i s ch e n F ri ed h o fe in Prag erzählen", betitelte sich ein hochinteressanter Bortrag, den Herr Rabbiner Dr. Nathan Grün auf Einladung des jüdisch-wissenschaftlichen Vereines ,Afike Jehuda“ am 13. v. M. im großen Saale des Hotel Bristol in Prag vor einem zahlreichen Publicum gehalten hat. In der Einleitung über den geschichtlichen Werth der Epitaphe entwarf der Vortragende an der Hand der Grabinschriften berühmter Männer, insbesondere Avigdvr K a r a, L i p m a n aus Mühlhausen, Isaak Mel n i k und deffen Sohn Josef, Ephraim L e n s ch ü tz, David Z a n s ein die Epoche seit dem Ende des XlV. bis zum Beginne des XVII. Jahrhunderts umfassendes Bild der Geschichte der Prager israelitischen Gemeinde, wobei er nicht blos die Kritik und Hermeneutik des bewährten Forschers bethätigte, sondern auch, für Vergleichung mtt der Gegenwart ein sicheres Feingefühl bekundete. Ein Gefühl der Wehmuth erfaßte die Zuhörer, als Herr Dr. Grün in Bezug auf das vom Prager Stadtrathe geplante Vorhaben, einen Theil des alten Friedhofes zu Afsanirungszwecken zu benützen, mtt den Worten des Propheten ausrief: „Die Steine werden schreien und klagen." Er schloß mit dem Wunsche, daß der alte Judenfriedhof in seiner Integrität erhalten bleibe als Wahrzeichen der Prager jüdischen Gemeinde und als hochvedeutsame geschichtliche Merkwürdigkeit der Landeshauptstadt. Die Versammlung dankte dem Vortragenden mit lebhaftem Applaus, der Vereinsvorstand Herr Dr. K o h n e r mit Worten warmer Anerkennung und nöthigte Herrn Dr. Grün das Versprechen ab, in einem zweiten Bortrage die beim Jahre 1613 abgebrochene Schilderung fortzusetzen. Die Abhaltung dieses Vortrages ist für den Monat März l. I. in Aussicht genommen. R. M-T. Berlin. Wie Märchen über Ritualmorde entstehen, wird der „Freisinnigen Zeitung" in einer Zuschrift von zuverlässiger Seite aus Oberschlesien an einem drastischen Beispiel unter Angabe von Ort und Namen bekundet. Ein jüdischer Kaufmann erfuhr beim Besuch eines Gutes, daß eine Magd dem Jnspeetor mitgetheilt habe, daß, als sie mit einem vierjährigen Kinde in der Stadt gewesen sei, eine Frau an sie herangekommen sei und sie gefragt habe, ob sie das Kind nicht verkaufen wolle, sie könne ihr mehrere tausend Mark für das Kind geben, denn es sei jetzt bald Ostern, und da solle sie den Juden ein Kind zum schlachten besorgen. Der jüdische Kaufmann brachte die Sache sofort bei der Behörde zur Anzeige behufs Klarstellung dieser Geschichte. Die amtliche Untersuchung ergab nun, daß in der That die Erzählung der Magd auf Wahrheit beruhte, aber sie ergab zugleich,. daß. die betreffende Frau, welche den Kinderverkauf vorschlugeine notorisch verrückte Frauensperson ist, die als unzurechnungsfähig strafrechtlich, nicht verfolgt werden kann.